Was will dieser Blog?

Dies ist der Blog ehemaliger Mitglieder des "Werkes". Er enthält Geschichten, Tatsachen und Erfahrungen, die vom "Werk" sorgfältig verschwiegen oder geleugnet werden. Er sei jedem ans Herz gelegt, der mit dem "Werk" in Kontakt kommt.

Etwas in die Einheit legen

"Etwas in die Einheit legen"

Diese Formel wird im Werk zur Verschleierung des Abhängigkeitsverhältnisses zwischen Verantwortlichen und einfachen Mitgliedern verwendet. Die Mitglieder sollen alles "in die Einheit legen", d.h. ihren Verantwortlichen mitteilen. Wenn sie etwas nicht mitteilen ist das eine "Sünde gegen die Einheit", wenn sie von sich aus aktiv werden, auch im noch so kleinen Rahmen, ohne ihre Initiative mitzuteilen, also ohne ihr Vorhaben "in die Einheit zu legen", liegt entsprechend der Ideologie des Werkes nicht nur "kein Segen" auf ihrem Tun, sie müssen auch damit rechnen, dass ihre Initiative unterbunden wird, sobald andere darauf aufmerksam werden und dass sie dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Aber selbst Gefühle und Eindrücke müssen "in die Einheit gelegt" werden. Die Verantwortlichen sichern sich so die totale Kontrolle über alles, was in ihren Mitgliedern vorgeht und können sie dementsprechend beeinflussen bzw. unter Druck setzen. Verantwortliche ihrerseits sind den einfachen Mitgliedern keine Rechenschaft schuldig und behalten ihre Pläne und Gefühle für sich.


Zum "sektenartigen Hausjargon" neuer geistlicher Gemeinschaften vgl. Urquhart, Gehirnwäsche.


Opferbereitschaft




"Opferbereitschaft"

Eines der zentralen Ideale traditioneller katholischer Frömmigkeit, die das tägliche Leben und Arbeiten der Mitglieder des Werkes prägen, ist "Opferbereitschaft". Je bereitwilliger ein Mitglied Opfer bringt und je größer diese Opfer sind, desto weiter scheint es auf dem Weg der Heiligkeit vorangeschritten zu sein. Dahinter steht die Vorstellung, dass Menschen in das Erlösungsleiden Jesu Christi eintreten und durch ihr eigenes Leiden Gnaden für sich selbst und andere Menschen verdienen könnten. Verkürzt führt dieses Ideal zur Gleichsetzung von Leiden und Heiligkeit: je mehr ein Mensch leidet, desto heiliger ist er, desto näher ist er Gott und desto mehr ist er von Gott geliebt. Der Größe dieses Leidens ist dabei keine Grenze gesetzt. Im Werk bedeutet dies, dass ein Mitglied kaum begründen kann, warum es bestimmte Verzichte oder Belastungen nicht auf sich nehmen will. Die Tatsache alleine, dass etwas als belastend oder quälend empfunden wird, kann nicht als Argument ins Feld geführt werden, wo Leiden und Opferbereitschaft als Ideal gilt.


Zum "sektenartigen Hausjargon" neuer geistlicher Gemeinschaften vgl. Urquhart, Gehirnwäsche.

Dienen



"Dienen"

Dienen heißt im Werk etwas leicht anderes als Außenstehende vermuten würden. Nicht nur, dass das Werk diese etwas altmodisch anmutende Vokabel nach wie vor nutzt anstatt sie durch "Engagement", "Sich einbringen" o.a. zu ersetzen, es weitet den Begriff auch auf Gegenstände aus und verwendet ihn nicht aktiv, sondern passiv. Anstatt "ich diene" spricht man nur davon, dass "etwas oder jemand dient". Der Einzelne hat keine Wahl, kann seinen Dienst nicht selbst in die Hand nehmen. Ob und wie er dient ist weder seine Entscheidung noch etwas, was er selbst feststellen könnte. Es ist ein Urteil, das über ihn gefällt wird: "Deine Sprachbegabung dient der Gemeinschaft" (d.h. ob deine Kreativität das auch tut, ist eine andere Frage), "dieses Kleidungsstück dient" (ein anderes tut es vielleicht nicht oder nicht mehr). "Dienen" wird im Werk also im Sinne von "nützlich sein" verwendet. Und das ist das Kriterium für die Seinsberechtigung von Personen und Dingen im Werk: wer oder was nützt, ist willkommen, was nicht "dient", darf auch nicht sein.

Zum "sektenartigen Hausjargon" neuer geistlicher Gemeinschaften vgl. Urquhart, Gehirnwäsche.


Unterscheidung


"Unterscheidung"

Dieser Begriff ist am gebräuchlichsten in der Formel "nicht vergleichen, sondern unterscheiden". Er ist ein ebenso wichtiges Werkzeug zur Manipulation der Mitglieder des Werkes wie die drei Pfeiler. Indem Verantwortliche Mitgliedern sagen, sie sollten nicht vergleichen, sondern unterscheiden, nehmen sie ihnen alle Maßstäbe, die ihr Denken leiten könnten. Solange Mitglieder eigene Maßstäbe haben, können sie argumentieren und gegenüber ihren Verantwortlichen Stellung beziehen indem sie z. B. sagen, jemand anderes müsse weniger arbeiten, dürfte seine Eltern öfter sehen, dürfte studieren usw. - warum darf ich das dann nicht auch? Oder: diese Person haben wir eingeladen, warum dann nicht auch diese oder jene? Oder: die Mitschwestern in xy haben dies oder das getan, warum tun wir das dann hier nicht auch? Oder: Handkommunion ist doch erlaubt und wird überall in der Kirche praktiziert, warum dürfen wir sie dann im Werk nicht praktizieren? Etc. Durch die Formel vom "Unterscheiden" werden solche "Vergleiche" unmöglich: was woanders geschehen ist, was ein anderer tut, was gestern war - taugt nicht als Kriterium für das, was jetzt heute von dir gefordert ist und was jetzt für dich gilt. Das ist hier alles ganz anders, weil du im Werk bist und weil das Werk etwas so besonderes ist und weil hier jeder anders behandelt wird und man das alles nicht vergleichen darf - Der einzige gültige Maßstab, der das Denken und Handeln der Mitglieder leiten darf, ist damit der Wille der Verantwortlichen, der an nichts anderem mehr gemessen werden kann.


Zum "sektenartigen Hausjargon" neuer geistlicher Gemeinschaften vgl. Urquhart, Gehirnwäsche.



Seinsberufung


"Seinsberufung"
Der Begriff der "Seinsberufung" ist im Werk gewissermaßen der Gegenbegriff zum "Apostolat". Indem die Mitglieder des Werkes ihre Berufung als "Seinsberufung" begreifen, sagen sie nicht nur, dass sie "kein spezifisches Apostolat" verfolgen (vgl. die Zielsetzung des Werkes), sondern auch, dass eine solche spezifische apostolische Berufung weniger wert wäre als eine "Seinsberufung". Der Begriff soll suggerieren, dass die Mitglieder des Werkes, nicht nur ihre Aktivitäten, sondern ihr ganzes Sein in den Dienst an Gott und den Menschen einbringen, also vermeintlich mehr als rein apostolische Gemeinschaften. Dabei verschleiert die Rede von der Seinsberufung, dass den Mitgliedern des Werkes die Möglichkeit genommen ist, sich über ihre Tätigkeit selbst zu definieren. Sie müssen jederzeit bereit sein, jede Art von Tätigkeit auszuüben, gleich wie gut sie dafür geeignet sind und wie wohl sie sich dabei fühlen, weil nach der Ideologie des Werkes, allein das "Sein" zählt, nicht das Tun. D.h. wichtig ist alleine, dass jedes Mitglied da ist, wo es hingestellt wird, und zwar möglichst still und zufrieden. Darüberhinaus erlaubt die Rede von der Seinsberufung, den Verantwortlichen, nicht nur in das Tun ihrer Mitglieder einzugreifen, sondern auch in ihr Sein, d.h. in die persönlichsten und intimsten Bereiche ihres Denkens, Wollens und Fühlens. Erst wenn ein Mitglied in seinem "Sein" "ganz Werk geworden" ist, kann es die Berufung authentisch leben. Der Begriff der "Seinsberufung" ist damit ein Indiz für die geistliche Manipulation, der Mitglieder des Werkes ausgesetzt sind.


Zum "sektenartigen Hausjargon" neuer geistlicher Gemeinschaften vgl. Urquhart, Gehirnwäsche.


Etwas ins Herz Jesu legen



"Etwas ins Herz Jesu legen"

Diese Formel wird im Werk immer dann verwendet, wenn jemand Sorgen, Fragen oder Schwierigkeiten hat. Er wird dann aufgefordert, diese "ins Herz Jesu zu legen", d.h. auf göttliche Hilfe zu vertrauen. Dahinter steht die Vorstellung, dass 1) die Mitglieder des Werkes durch ihr "Heiliges Bündnis" einen privilegierten Zugang zu (m Herzen) Jesus haben und 2) Jesus selbst sich um alle Sorgen der Mitglieder kümmert, es also unnötig bzw. gar eine Form von Unglauben/Untreue wäre, sich menschliche Hilfe, menschliche Antworten etc. zu suchen. Die Verantwortlichen im Werk entledigen sich so ihrer Verantwortung gegenüber den Bedürfnissen der Mitglieder und erreichen zugleich, dass sie sich keine andere Hilfe suchen. 


Zum "sektenartigen Hausjargon" neuer geistlicher Gemeinschaften vgl. Urquhart, Gehirnwäsche.

Jungfräulichkeit


"Jungfräulichkeit"

Im Werk bezeichnet Jungfräulichkeit nicht allein körperliche Enthaltsamkeit bzw. den Entschluss zu dieser Enthaltsamkeit um eines anderen Gutes willen. Im Werk steht "Jungfräulichkeit" für den umfassenden Verzicht auf alle persönlichen Selbstbestimmungsrechte. So gibt es eine "Jungfräulichkeit des Herzens", die im Verzicht auf Freundschaften, persönliche Gespräche und Begegnungen, ja als Verzicht auf persönliche Bedürfnisse jeder Art, auf Wünsche, Gefühle und Gefühlsäußerungen besteht. Außerdem gibt es eine "Jungfräulichkeit des Geistes", die im Verzicht auf selbstständiges Denken und geistige Beschäftigung besteht: kein Lesen, kein Diskutieren, kein Nachhaken, keine Fragen, keine eigenen Gedanken. Auch was die "Jungfräulichkeit des Leibes" angeht, geht diese im Werk weit über das gewöhnlich von Religiosen Gelobte hinaus: im Werk stellt die Jungfräulichkeit des Leibes de facto den Verzicht auf die eigene Sexualität dar, nicht nur auf sexuelle Akte. Das heißt, dass die Auseinandersetzung und Identifizierung mit der eigenen sexuellen Identität nicht nur nicht stattfindet, sondern als Verstoß gegen die "Jungfräulichkeit" gewertet wird.



Vgl. Der sektenartige Hausjargon des Werkes
Zum "sektenartigen Hausjargon" neuer geistlicher Gemeinschaften vgl. Urquhart, Gehirnwäsche.

Königlicher Lebensstil


"Königlicher Lebensstil"

Der königliche Lebensstil steht für eine bestimmte Vorstellung von Würde und Vornehmheit, die die Mitglieder des Werkes als "Bräute des Königs (Jesus)" an den Tag legen sollten. Mit dem königlichen Lebensstil werden zugleich die immensen finanziellen Ausgaben und die z.T. vornehm bürgerliche Ausstattung der Häuser gerechtfertigt und an die Mitglieder appelliert ihre Armut "königlich" zu leben, weil ja auch Jesus, der König, die Armut des Stalles von Bethlehem auf sich genommen hätte (vgl. Finanzen des Werkes). Dass die Mitglieder die z. T. extreme und im Verhältnis zum Besitz des Werkes völlig unangemessene Bescheidenheit ihrer eigenen Mittel (in jeder Hinsicht: Nahrung, Kleidung, Zeit, Freiheit, Hygiene, Gesundheit etc.)  königlich auf sich nehmen sollten, heißt, dass sie sie still und vornehm, mit großer Würde leben sollten, also ohne sich diese Armut anmerken zu lassen oder gar sich deswegen zu beklagen. Sich beklagen wäre ja nicht königlich.



Zum "sektenartigen Hausjargon" neuer geistlicher Gemeinschaften vgl. Urquhart, Gehirnwäsche.