Was will dieser Blog?

Dies ist der Blog ehemaliger Mitglieder des "Werkes". Er enthält Geschichten, Tatsachen und Erfahrungen, die vom "Werk" sorgfältig verschwiegen oder geleugnet werden. Er sei jedem ans Herz gelegt, der mit dem "Werk" in Kontakt kommt.

Erzengel Gebet


Dieses Gebet wird von Mitgliedern des Werkes zu Beginn jeder Reise gebetet, meist gesungen. Es zeugt von ihrem von magischen Vorstellungen geprägten Glauben. Die Erzengel werden angerufen, wie Mächte, deren Wirkung man sich durch die Anrufung zu eigen machen kann. Zum selben Zweck wird auch Weihwasser bei Autofahrten und Flügen bzw. im Umgang mit anderen Maschinen verwendet. Dahinter steht der Glaube, dass Zwischenfälle insbesondere auf Reisen nicht auf natürliche, fahrlässige oder zufällige Fehler zurückgehen, sondern auf das gezielte Wirken des Bösen, das Gott und seinen Dienern (in diesem Falle die Mitglieder des Werkes) Schaden zufügen will. Werden diese bösen Mächte mit Gebeten und Weihwasser vertrieben, kann nichts geschehen. Auch dieses Gebet veranschaulicht also das dualistische Weltbild des Werkes, dessen Mitglieder sich auch in den banalsten Tätigkeiten des Alltags unmittelbar in den Kampf zwischen Gott und Satan verwickelt glauben.


Heiliger Erzengel Rafael, beschütze uns auf den Wegen Gottes.
Heiliger Erzengel Gabriel, bewahre uns im Willen Gottes.
Heiliger Erzengel Michael, verteidige uns gegen alles Böse.

Das Credo des Werkes: das göttliche Recht

Dieser Text Verhaeghes ist so etwas wie das Credo des Werkes. Er bringt das Gottesbild Verhaeghes auf den Punkt: Gott ist alles, der Mensch ist nichts. Entgegen dem biblischen Zeugnis und der theologischen Tradition, die vom Mensch als Ebenbild Gottes spricht, in der Gott sich der Menschheit annimmt und Menschen immer wieder mit Gott hadern (worauf Gott durchaus wohlwollend eingeht und bisweilen sogar "seine Meinung ändert": vgl. Abraham, Hiob, Jona, die Kanaaniterin, der Schächer am Kreuz etc.) darf der Gott Verhaeghes von menschlichen Belangen und Wünschen nicht gestört werden, es würde ihn kränken, ja es wäre geradezu blasphemisch, von Gott etwas zu verlangen. 

Für Verhaeghe verläuft die Richtung einseitig von Gott zum Menschen: Gott darf alles von uns verlangen, und wer wären wir, ihm etwas entgegenzusetzen? Jedes Leid, jeder Verlust, kurz jedes Kreuz muss willig und gläubig angenommen werden. Dem Menschen bleibt nichts übrig als sich zu fügen. Tut er das nicht, handelt er ungläubig, zieht sich den göttlichen Zorn zu und verspielt sein ewiges Heil (es sei denn er "kehrt um" und nimmt sein Leid doch willig auf sich).

Zusätzliche Tragik gewinnt dieser Text dadurch, dass Verhaeghe in letzter Konsequenz sich selbst als Stellvertreterin Gottes gegenüber den Mitgliedern des Werkes sieht, so wie nach ihr die Leitung des Werkes. Das heißt, dass Mitglieder ohne sich argumentativ wehren zu können, jedes Leid, das ihnen von den Verantwortlichen angetan wird, jede Ungerechtigkeit, jeden Verzicht und die ganze Arbeitslast, die ihnen zugemutet werden, willig tragen müssen, wenn sie gläubig und Gott wohlgefällig leben wollen. Würden sie aufbegehren, müssten sie fürchten, sich gegen Gott zu stellen, ihre Berufung und ihr Heil aufs Spiel zu setzen. Für Außenseiter mag das abwegig klingen, Mitglieder des Werkes sind aber tatsächlich von diesem Denken geprägt und darin gefangen.


Das göttliche Recht darf im ‚Werk‘ nicht aufgrund menschlicher Bedenken negiert oder sogar in dem Sinn umgekehrt werden, dass der Mensch von Gott Rechte fordert, Rechte auch von der Kirche, seinem Mystischen Leib, und dies in einer Art und Weise, dass es einem Negieren und Verleugnen des göttlichen Rechtes auf die Geschöpfe gleichkommt. Darum müssen im ‚Werk‘ die Rechte Gottes auf uns in der Erfüllung unserer Pflichten als ein höchstes und heiliges Gesetz Gottes anerkannt werden. "Wenn einer mir nachfolgen will, so verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach" (Mt 16,24).
Julia Verhaeghe 

Gebet um die Gabe der Unterscheidung



Dieses Gebet wird eher selten gebetet. Es ist ein Beleg für die manipulierende Funktion des Gebetes und der Spiritualität im Werk: durch Gebete wie dieses wird die Bereitschaft aufgebaut, sich manipulieren zu lassen, d.h. die Bereitschaft permanent ("Tag und Nacht") das eigene Sein und Empfinden zurückzustellen gegenüber der "gläubigen" Erkenntnis des "Guten und Bösen" in einem selbst und in den anderen. Somit kann die eigene Erfahrung und Wahrnehmung nicht mehr als Maßstab dienen, sondern ist immer verdächtig wenigstens teilweise "böse" zu sein.
Dieses Gebet ist das spirituelle Pendant zu den Gesprächen mit Verantwortlichen, die die Deutungshoheit über das Leben ihrer Mitglieder beanspruchen und ihren Mitgliedern sagen, was in ihnen, in anderen und in der Welt Gut und was Böse ist, was sie dann bedingungslos anzunehmen haben.


Herr, lass mich nicht verallgemeinern, was mir eigen ist, 
sondern lass mich – im Ganzen deiner Wahrheit – erkennen und annehmen, 
was alle Menschen an Gutem und Bösem in sich tragen. 

Hilf mir, dass ich es gläubig sehe und es in deiner Nachfolge bedingungslos annehme.
Lass mich Tag und Nacht bereit und offen stehen, 
das je Unterscheidende anzuerkennen und 
– in der Hingabe meines ganzen lebenden Seins und Wesens – 
zu begreifen, was ich, was wir, was sie in sich tragen, 
auf dass ich nur einem Herrn folge und diene: Dir, Herr, in allen und in allem.

Kommuniongebet


Dieses Gebet, das vor dem Kommunionempfang gebetet oder gesungen wird, zeigt das Menschenbild des Werkes: jeder ist als Mensch immer unweigerlich voller Dinge, die Gott und seinem Wirken im Wege stehen (auch wenn er bspw. gerade von der Beichte kommt).

Herr, mach mein Herz bereit, dich zu empfangen.
Schaffe durch deine Gnade in meinem Herzen Raum und Freiheit, 
so dass du darin aufbauen kannst, was dir wohlgefällig ist. 
Räume weg in mir, was dir im Wege steht, 
durchdringe, was dein Wirken hemmt, 
ergänze, was mir mangelt,
und vermehre stets, was zu dir führt, 
damit deine überfließende Gnade mich reinige im Lichte deines Kommens.

Mädchen, beinahe eingetreten - II


Als meine Eltern wieder nach Hause fuhren, nutzte ich die Gelegenheit, um ihnen zu eröffnen, dass ich mit ihnen kommen wollte. Den Leuten vom Werk sagte ich, dass ich vorerst nichts mehr von ihnen sehen oder hören wollte. Ich wollte wieder ich selbst werden. Mit einem Mal wurde mir nun die Tür gewiesen: "Gott ruft dich und du weigerst dich, ihm zu folgen!" Sie würdigten mich keines Blickes mehr. Alle Freundlichkeit und Herzlichkeit waren in wenigen Sekunden dahin. Eine letzte Warnung wurde ausgesprochen, ich durfte mit niemandem über meinen "Berufungskampf" (sprich: die mir zuteil gewordene Gehirnwäsche) reden. Allen Mitgliedern des Werkes wurde verboten, mit unserer Familie Kontakt zu halten. Sollte jemand von uns Briefe erhalten, müssten sie ungeöffnet den leitenden Verantwortlichen übergeben werden - zum "Wohl" des Werkes. Uns wurde mitgeteilt, dass niemand von uns mehr in den Häusern des Werkes willkommen war.

Der Weg zurück ins normale Leben wurde zum Leidensweg. Die Vorstellung, verdammt zu sein, die Vorstellung ins Werk zurück zu müssen - man kann sich nicht vorstellen, wie hart es ist, davon loszukommen! Mein Glaube war bis in seinen Kern ins Wanken geraten. Was ist Wahrheit und was ist Täuschung? Dazu musste ich mit dem Unverständnis meiner Umgebung fertig werden: "wie konntest du überhaupt auf sie hereinfallen?" Wenn man das von außen ansieht, ist es ja auch gar nicht zu begreifen. Man versteht das nur, wenn man es wirklich alles selbst erlebt hat. Es gibt einige Dinge, die so wichtig sind, wenn man mit einer solchen Gemeinschaft in Berührung kommt. Es gibt Momente, die ich hätte nützen müssen, um mir Klarheit zu verschaffen, zum Beispiel:

Nach einer Woche, die ich gemeinsam mit anderen Freunden im Werk verbracht hatte, wurde mir geraten, eine bestimmte Freundin nicht mehr einzuladen. Andere sollte ich aber auf jeden Fall wieder mitbringen. Ganz offensichtlich selektierten sie diejenigen aus, die "würdig" waren zum Werk zu gehören. Auch kritische Personen wurden ausgeschlossen, weil wir junge Menschen so beeinflussbar wären und der Kritik hätten glauben können. Es kam sogar vor, dass jemand extra angerufen wurde, er solle nicht zu einem Vortrag über das Werk kommen, weil er ja nur Kritik üben würde! Außerdem - und ich verstehe bis heute nicht, warum - durften Schwestern, die in einem Haus lebten, nichts davon erfahren, wenn im selben Haus eine von ihnen krank im Bett lag. Ja, leibliche Geschwister durften miteinander nicht über Familienangelegenheiten sprechen.

Außerdem hätte mir auffallen müssen, wie sehr sie es verstanden haben, eine Atmosphäre zu schaffen. Die sakrale Atmosphäre in ihren Gottesdiensten, die Ehrfurcht, mit der alles geschah, traf mich zutiefst. Einfachheit und Schönheit gingen Hand in Hand. Bei den Zusammenkünften herrschte große Freude unter den vielen jungen Menschen. Ein Gefühl von Zusammengehörigkeit entsteht. Man fühlt sich daheim... - aber es ist zu schön, zu gut. Später wurde mir bewusst, dass diese Atmosphäre gezielt geschaffen wird. Sie entsteht nicht spontan, sondern wird erzwungen...

Das Werk als Organisation missbraucht Menschen. Mit welchem Recht und welchem Ziel? Warum lässt die Kirche zu, dass das Werk sich in ihren Rängen einnistet? Für junge gläubige Menschen ist die katholische Fassade des Werkes sehr verwirrend. Ist es zuviel verlangt von der Kirche, einen klaren Standpunkt gegenüber dem Werk einzunehmen?


Mädchen, beinahe eingetreten.

Ich hörte das erste Mal vom Werk, als meine Schwester von dieser Gemeinschaft angesprochen wurde. Niemand in unserer Umgebung hatte je von dieser Gruppierung gehört. Später erkannten wir, dass wir durchaus schon von ihnen gehört hatten, aber unter anderem Namen "Opus Christi Regis" oder "Paulusheim" - warum all diese Namensänderungen? Meine Schwester trat ein und so lernte auch ich das Werk kennen. Was anfangs wie eine gute Sache aussah, schien mit der Zeit eher ein abgekartetes Spiel zu sein. Sie wandten geschickt ausgeklügelte Methoden an, die sehr stark an die Methoden von Sekten erinnern... ich möchte hier kurz erzählen, was mir im Kontakt mit diesen Menschen geschehen ist.

Wenn man einmal mit ihnen in Kontakt gekommen ist und sie den Eindruck haben, dass man ihnen "nützlich" sein kann, wird langsam ein "Netz" um dich gesponnen. Du wirst einem Priester des Werkes vorgestellt. Dir werden Gespräche angeboten (um die du nie gebeten hast). Du wirst zum Essen mit der Gemeinschaft eingeladen, das dann aber "spontan" durch ein Vier-Augen-Gespräch mit einem Priester des Werkes ersetzt wird. Man erkundigt sich nach deinem Privatleben. Deine Familie wird gründlich unter die Lupe genommen. Auch deine Pfarrei wird Thema. Und dann kommt die für sie so wichtige Frage: "Was hast du nach der Schule/dem Studium vor mit deinem Leben?" Sie haben eine gute Methode das herauszufinden. Sie stellen dich vor die Wahl Familie oder Ordensleben und lassen dich sieben Tage für das eine, sieben Tage für das andere beten. Sie erwarten, dass du währenddessen niederschreibst, was dabei in dir vorgeht. Aufgrund deiner Aufzeichnungen legen sie dann fest, was die richtige Wahl für dich ist.

Ich lernte in dieser Zeit jemanden kennen. Ein großes Problem, meinte der Pater. Er begann also, noch tiefer zu graben. Zuerst musste ich dafür sorgen, dass ich mit niemandem anderen mehr meine persönlichen Angelegenheiten besprach. Alle Kontakte zu Menschen, die nicht zum Werk gehörten, sollte ich ruhen lassen. Dann folgten viele Gespräche, einmal ging das einen ganzen Tage lang. Als der Pater spürte, dass ich voller Zweifel war, wurde ich nicht mehr zu den gemeinschaftlichen Besinnungstagen eingeladen; ich hätte die anderen jungen Menschen verwirren können. Ich bestand darauf, dass ich einige Einkehr-Tage alleine verbringen wollte, ohne die ständigen Gespräche mit dem Pater. Bevor ich danach aber nach Hause gehen konnte, sollte ich ihm dennoch einen Bericht über diese Tage abliefern.

Die Zweifel, die Angst, die Albträume erreichten damals ihren Höhepunkt. Ich fühlte mich krank, verlor viel Gewicht, bekam Magen- und Darmbeschwerden. Man machte mir klar, dass nun die Zeit reif wäre, eine Entscheidung zu treffen. Ich wurde zur Erholung zu ihnen eingeladen. Außer einer Schwester war niemand im Haus. Die Gespräche begannen von Neuem. Alle meine Bedenken wurden relativiert, mit Bibelzitaten "widerlegt" oder als hochmütig abgetan. Als ich es schlussendlich einfach endgültig leid war, sagte ich: "was sein muss, muss sein" - für sie hatte ich damit mein Ja-Wort gegeben. Sofort wurde ich aufgefordert, im Mutterhaus in Bregenz anzurufen, um dort mein Ja-Wort zu geben. Ich konnte nicht schnell genug in ihren Kreis aufgenommen werden. Meine eigenen Eltern wurden nicht eingeweiht. Einige Tage später schon brachte der Pater mich mit dem Auto nach Bregenz. Ich hatte das Gefühl, in ein Gefängnis gebracht zu werden.

Sobald ich da war, begannen die Vorbereitungen für die Eintrittsfeier. Offenbar sollten auch andere junge Menschen eintreten. Wir waren zu sechst. Ich hatte noch keine Ahnung von der Spiritualität des Werkes, noch von dem Auftrag, der mich erwarten würde. Fragen wurden konsequent abgewimmelt mit der Bemerkung: "Das kommt alles später." Ich begann selbst, mich ein wenig zu informieren. Es schien Konstitutionen zu geben; ihr Inhalt war aber nur für Eingeweihte bestimmt...

Meine Eltern kamen nach Bregenz, um ihren Urlaub hier zu verbringen. Sie durften nicht wissen, dass ich mein Ja-Wort schon gegeben hatte. Alle Mitglieder der Gemeinschaft mussten vorerst darüber Stillschweigen bewahren. Erst als Kardinal M. auf Besuch kam, war das für sie der ideale Moment, alles auch meinen Eltern bekannt zu machen. Es gab also eine große Feier mit dem Kardinal. Die Thalbach-Kirche war zu klein, um alle Menschen zu fassen. Es fühlte sich an, als wäre mein Schicksal nun beschlossen. Innerhalb von nur sechs Monaten, war mein ganzes Leben auf den Kopf gestellt worden. Ich fühlte mich krank, aufgewühlt und erschöpft von dem ganzen Trubel. Ich hatte die Nase voll von der vielen Geheimnistuerei, der künstlichen Fröhlichkeit und der Vertrauensseligkeit der Verantwortlichen, die begonnen hatten, mein ganzes Leben zu bestimmen. Sie taten das alles in der Überzeugung, die wahren Werkzeuge Gottes zu sein. Ein Gott der Angst, der Schuld, der Versuchung und der Buße war alles, was von dem Glauben übrig geblieben war, den ich einmal als befreiend erlebt hatte...


Fortsetzung folgt...


Litanei der Demut


Die Litanei der Demut wird von den Religiosen im Werk jeden Freitag gebetet (mit Ausnahme der Herz-Jesu-Freitage, also dem jeweils ersten Freitag eines Monats). 
Dem Text liegt die - in mehreren Versionen vorliegende - klassische Litanei der Demut zugrunde, die von Julia Verhaeghe um einige Anrufungen erweitert worden ist, wie bspw. "Vom Verlangen, geliebt zu werden, erlöse mich, o Jesus!" (Verhaeghes Zusätze im Text unterstrichen). 
Durch diese Hinzufügungen wird der an sich schon problematische Text kaum mehr "bet-bar", entledigt sich der Betende doch durch diese Bitten seiner ur-menschlichsten und gottgegebenen Bedürfnisse. Wo man den ursprünglichen Text noch positiv interpretieren konnte, im Sinne einer Selbst-zurücknahme und echten Bescheidenheit, wird er durch die Zusätze Verhaeghes eindeutig negativ gedeutet und verwendet, da er nun suggeriert, selbst die natürlichsten Bedürfnisse und Seelenkräfte des Menschen wären in sich sündig. Die Auswirkungen auf die Psyche, das Gottesbild und das Selbstbild eines Menschen, der diese Litanei regelmäßig betet, können nur destruktiv sein.

Jesus, sanft und demütig von Herzen,
                  erhöre mich!

Vom Verlangen, geschätzt zu werden,
                  erlöse mich, o Jesus!

Vom Verlangen, geliebt zu werden,

Vom Verlangen, gerühmt zu werden,

Vom Verlangen, geehrt zu werden,

Vom Verlangen, gepriesen zu werden,

Vom Verlangen, anderen vorgezogen zu werden,

Vom Verlangen, um Rat gefragt zu werden,

Vom Verlangen, anerkannt zu werden,


Von der Furcht, verdemütigt zu werden,

Von der Furcht, zurückgewiesen zu werden,

Von der Furcht, verachtet zu werden,

Von der Furcht, gelästert zu werden,

Von der Furcht, vergessen zu werden,

Von der Furcht, lächerlich gemacht zu werden,

Von der Furcht beledigt zu werden,

Von der Furcht, verdächtigt zu werden,


Jesus, schenke mir die Gnade, danach zu verlangen, dass andere mehr als ich geschätzt werden.

Zu Deiner Ehre und Verherrlichung, Jesus!

Jesus, schenke mir die Gnade, danach zu verlangen, dass andere mehr als ich geliebt werden.

Jesus, schenke mir die Gnade, dass andere ausersehen werden und ich zurücktrete.

Jesus, schenke mir die Gnade, danach zu verlangen, dass andere gepriesen werden und ich mich nicht an das Lob klammere.

Jesus, schenke mir die Gnade, danach zu verlangen, dass in allem die anderen mir vorgezogen werden.

Jesus, schenke mir die Gnade, befreit zu werden von meiner Eigenliebe und Ich-Sucht, um einzig und allein hingegeben zu sein an deine Belange.

Jesus, schenke mir die Gnade, dass ich all jene, die um mich sind und mit denen ich, weil du es so gewollt hast, das gleiche Leben teile, mit gleicher Liebe annehme und mit gleicher Liebe ihnen zugetan bleibe.

Jesus, heile mich von allem Kompromiss mit Menschen und Dingen.

Jesus, heile mich von aller Sympathie und Antipathie, die ein Gräuel sind für Dein reines Herz.

Jesus, heile mich von aller Überempfindlichkeit des Herzens und der Sinne.

Aus dem Brief eines besorgten Priesters

Dies ist ein Ausschnitt aus dem Brief eines Priesters, der dem Werk zunächst wohlgesinnt war und junge Menschen mit der Gemeinschaft in Kontakt gebracht hat. Als er später die zweifelhaften Vorgehensweisen des Werkes erkannte, versuchte er vergebens Kontakt mit einer jungen Frau aufzunehmen, die durch ihn auf das Werk aufmerksam geworden ist und dort eingetreten war:

"Du weißt ja selbst noch von früher, was das Opus Dei ist. Die Praktiken des 'Werkes', die ich mittlerweile kennengelernt habe, sind genau dieselben: Abhören von Telefongesprächen, Briefzensur, Abschottung von Familie und Bekannten, Gehirnwäsche für Kandidaten, die aufmucken usw. Hat dir das alles noch nicht die Augen geöffnet? Mir schon!  
Gibt es denn niemanden in deiner Gemeinschaft, der noch ein Herz hat, der die Liebe über das Gesetz stellt, wie Jesus es getan hat? Wir danken Gott dafür, dass deine Geschwister ihren Irrtum noch rechtzeitig erkannt haben [Anm: der Bruder und die Schwester der angeschriebenen jungen Frau waren ebenfalls vom Werk 'rekrutiert' worden, sind aber kurz vor ihrem Eintritt wieder abgereist]. Es schmerzt deinen Bruder sehr, dass seine Lieblingsschwester ihn einfach abweist, nach so vielen glücklichen Jahren.  
Ich schreibe dir das alles mit einem blutenden Herzen und du weißt, dass mein altes Herz keine Freude daran hat, aber ich sorge mich um dich, sehr sogar. Bekomme ich auf meinen Brief keine Antwort von dir - oder fällt er der Zensur zum Opfer? Wird dir die Antwort diktiert? Ich warte - und bete weiter für dich."