Was will dieser Blog?

Dies ist der Blog ehemaliger Mitglieder des "Werkes". Er enthält Geschichten, Tatsachen und Erfahrungen, die vom "Werk" sorgfältig verschwiegen oder geleugnet werden. Er sei jedem ans Herz gelegt, der mit dem "Werk" in Kontakt kommt.
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Läuternde und heilende Umgestaltung in Christus


Läuternde und heilende Umgestaltung in Christus

Dieser Text verrät mehr als alle anderen im Herrlichkeitsbüchlein, worum es im Werk wirklich geht. Er stellt anschaulich dar, wie Menschen gebrochen werden, wie ihr Verstand und ihr Wille einer grausamen Tortur unterzogen wird, bis sie so "ticken", dass sie alles mit sich machen lassen - und das alles unter Berufung auf das Leiden Christi und das "Feuer seiner Liebe", die diese euphemistisch als "Einswerdung", "Barmherzigkeit" bzw. "Läuterung" bezeichnete psychische Folter vollziehen würde. Tatsächlich wird sie bewusst von den Ausbildern und Vorgesetzten im Werk herbeigeführt, die den Mitgliedern stets von Neuem ihre vermeintlichen Fehler und sündhaften Neigungen vor Augen stellen, von denen sie sich durch den Weg des schmerzhaften Leidens bekehren müssten. Solche sündhaften Neigungen können das Verlangen nach persönlichem Austausch, nach Freizeit, nach geistiger Beschäftigung, nach Kontakt zur eigenen Familie sein oder aber Befremdung angesichts bestimmter Praktiken im Werk, Kritik am übertriebenen Fasten, der Wunsch nach zeitgemäßerer Kleidung o.ä., selbst Erschöpfung und der Wunsch nach anderen Aufgaben innerhalb der Gemeinschaft kann von den Verantwortlichen zur Sünde stilisiert werden. 

Die "schmerzhafte Läuterung im Kreuz Christi" besteht dann darin, einzusehen, dass diese eigenen Wünsche Sünde sind, dass es dagegen Erlösung und Befreiung ist, frei von solchen Wünschen zu werden und völlig ohne solche Dinge auszukommen - das ist die sog. "Umgestaltung in Verstand und Willen". Es ist nichts anderes als Gehirnwäsche, Gehirnwäsche unter Berufung auf christliche Symbole und Glaubensinhalte, die einfache Menschen kaum zu durchschauen im Stande sind.

Viele Mitglieder haben diese Formung psychisch nicht verkraftet und im letzten Moment die Reißleine gezogen und sind ausgetreten, andere sind vom Werk selbst ausgesondert worden, weil sie schwer krank geworden sind. Die allermeisten Mitglieder, die einige Jahre lang diese Formung erlebt haben, haben erst nach langer Zeit wieder zu einem normalen Selbstbewusstsein zurückgefunden.


Wie herrlich ist es, in diesem Licht die erlösende Kraft des Opferlebens Christi schauen zu dürfen, wie herrlich, Einsicht zu gewinnen, wie wunderbar, barmherzig und mild Er uns aufnimmt und durch das sühnende Leiden zu seinem Herzen führt, auf dass sich in diesem Herzen die Einswerdung vollziehe, die Er von aller Ewigkeit her über uns gedacht hat. So werden wir fähig, mit Seiner Liebe zu lieben, mit Seinem Herzen zu schenken, mit Seinem Licht zu dienen, mit Seinen Gaben zu wirken …
Wie dankbar müssen wir doch sein, dass Er uns des Leidens, dieses läuternden und heilenden Leidens würdig erachtet, dankbar, weil Er uns – und kraft der Berufungsgnade durch uns auch andere – aus der Grube des Todes, aus Unrat und Schlamm ziehen und uns mit unseren beiden Füßen auf felsigen Grund stellen will, sodass unsere Schritte nicht wanken, solange sie auf ihm bleiben, dem Fels, der Er selbst ist in Seinem Mystischen Leibe. Vielmehr sollen wir, getragen durch die erleuchtende Gabe des Heiligen Glaubens, voller Hoffnung voranschreiten und das neue Lied singen, das Er uns selbst in den Mund legt, um Gottes Lob zu verkünden. „Viele werden es sehen, erfüllt mit Staunen, und sie werden auf den Herrn vertrauen …“ (Ps 40(39),4)

Er vergleicht nicht und legt nicht den Maßstab menschlicher Gefühle an. Sein „Fühlen“ ist unaussprechliche, ewige Treue für den Menschen, den Er nach Seinem Bild geschaffen hat und in barmherziger Güte durch das erlösende und sühnende Leiden in Wiederherstellung und Einswerdung zum Urbild seines Seins zurückführen will.

Es gibt keinen anderen Weg, als den des schmerzhaften Kreuzes Jesu Christi, das uns läutert und heilt, auf dass wir wieder zu jener Einheit mit Ihm gelangen, der war, der ist und der sein wird in Ewigkeit.

So müssen wir unsere ursprüngliche Unversehrtheit wiedergewinnen. Darin wird Gottes barmherzige Liebe mit dem Glanz Seiner allmächtigen Herrlichkeit in uns erstrahlen, die er besaß von Anfang und besitzen wird in alle Ewigkeit. Darum muss uns auch stets freudiger Dank und freudiges Lob erfüllen, sooft wir hier auf Erden einen Lichtstrahl Seiner Barmherzigkeit empfangen dürfen. In diesem Licht will Er uns den Sinn, den Nutzen und die Notwendigkeit des läuternden Leidens begreifen lassen, damit wir in dankbarer Hingabe offen und bereit seien, diese läuternde und heilende Umgestaltung in unseren geistigen Fähigkeiten, in Verstand und Willen, anzunehmen. Diese Fähigkeiten sind die empfindsamsten und verletzlichsten in unserem Wesen. Darum ist dieses Leiden so schmerzhaft. Es durchdringt unser ganzes Wesen und trifft die schwachen Stellen unserer menschlichen Natur manchmal auf eine solche Weise, dass es uns scheinen mag, wir könnten es nicht ertragen und müssten daran sterben.

Doch es scheint nur so. Denn er will weder den Tod noch den Untergang des Sünders, sondern dass er sich bekehre und lebe. Sein durchbohrendes Licht durchdringt unser ganzes Wesen, damit wir erkennen können, was in uns nicht aus Ihm ist. Er lässt uns unsere Ich-Gebundenheit, die hemmt und hindert, erkennen und erfahren, um unsere Hingabe zu mitwirkendem Einsatz zu führen. So sollen wir fähig werden, die Mutter- und Vaterschaft in Seinem Mystischen Leib fruchtbar werden zu lassen, Väter und Mütter zu sein, die, weil sie selbstlos geworden sind, jenes Leben zu tragen vermögen, das Er in uns, durch uns und mit uns hervorbringen will.

Julia Verhaeghe

Vater aller Güte und Barmherzigkeit


Vater aller Güte und Barmherzigkeit


In diesem Text, der am Beginn des Herrlichkeitsbüchleins steht, formuliert Verhaeghe den Anspruch an sich selbst. Sie sieht sich als die von Gott erwählte Führerin einer neuen geistlichen Elite, die eine erneuerte Kirche heraufführen soll. Diese Elite hat Gott Verhaeghe anvertraut. Darum weiß sie sich auch berechtigt bzw. verpflichtet von den ihr "Anvertrauten" "die vollständige Hingabe"zu fordern. 

Je dramatischer die Lage, desto mehr erfordert sie. Da nach der Meinung Verhaeghes die Kirche schon so stark vom "Zeitgeist" durchdrungen ist, dass sie im Todeskampf liegt, musste sie auch von den Mitgliedern ihrer Gemeinschaft restlose Hingabe verlangen, um diesen Todeskampf aufzuhalten. Das hieß in der Praxis, dass sie als die "erwählte Führerin" uneingeschränkte Macht über die Mitglieder des Werkes hatte. Nach dem Tod Verhaeghes besteht dieses Sendungsbewusstsein in der Gemeinschaft weiter; es führt nach wie vor dazu, dass von den Mitgliedern um der Rettung der Kirche willen, alles verlangt werden kann, und dass im Werk angesichts der Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft eine beständige Panik aufrecht erhalten wird, die zu einem blinden und übersteigerten Selbstbewusstsein führt, das teils rätselhafte teils gefährliche Blüten treibt, in jedem Fall aber eine Realitätsverweigerung darstellt, die langfristig ernste Konsequenzen für die Psyche der Mitglieder hat.



Vater aller Güte und Barmherzigkeit, inständig bitte ich dich für jene, die du mir anvertraut hast. Lass nicht zu, dass auch nur einer aus ihnen verlorengehe oder sich von deinem Herzen entferne, von jenem Herzen, das schmerzhaft durchbohrt wurde aus Liebe zu jenen, die du erwählt hast, damit sie ganz und ohne jeden Vorbehalt dein eigen seien.

Lass niemals zu, dass ich sie durch Fehler und Schwäche lähme oder vernachlässige. Ich will für sie einzig und allein das gefügige und treue Werkzeug deines heiligen Willens sein. Unter jenen, die du in dein „Werk“ gerufen hast, will ich meine Sendung vollbringen und in deinem Namen die vollständige Hingabe in deinem königlichen Dienst fordern.

Ich bitte dich vertrauensvoll, Vater der Güte und der unendlichen Barmherzigkeit, nimm mit Wohlgefallen in deinen göttlichen Plan auf die Armut und die Unfähigkeit, die ich angesichts dieser Verantwortung empfinde, damit alles Gnade werde für deine Geliebten, alles fruchtbar sei, sodass sie dich anbeten und deinen Namen verherrlichen auf Erden.

O Maria, meine Mutter, Du Mutter der reinen Liebe und der göttlichen Gnade, sei meine Fürsprecherin und stehe mir bei in diesem erhabenen Auftrag.

Julia Verhaeghe

Das liebevolle Mitwirken mit dem Willen Gottes

Das liebevolle Mitwirken mit dem Willen Gottes

Dieser Text drückt auf verhaltenere Weise aus, was andere Texte im Herrlichkeitsbüchlein deutlicher sagen. Er wirkt zunächst harmlos bis nichtssagend, weil Verhaeghe unter bestimmten Begriffen etwas anderes versteht als allgemein darunter verstanden wird. Wenn sie etwa von den grundlegenden Prinzipien spricht, die sich aus der Taufe ergeben, meint sie damit Prinzipien, die sie aus der Taufe ableitet, was im Letzten ein ent-weltlichtes ganz über-natürliches Leben meint, aus dem heraus dann die "Konfrontation mit dem allgemeinen Klima der Zeit" angegangen werden müsste. Das schließt insbesondere ein, worauf sie am Ende zu sprechen kommt: das Gebot, den Willen Gottes nicht "menschlich zu interpretieren", sondern gewissermaßen "einfach in die Tat umzusetzen". 

Da Menschen aber keinen unmittelbaren Zugang zum "Willen Gottes" haben, sondern immer darauf angewiesen bleiben, nach ihm zu fragen und nicht nur den "Willen Gottes", sondern auch alles andere, nicht anders wahrnehmen können, als indem sie es zugleich interpretieren, - wird hier im Endeffekt verlangt Verhaeghes Interpretation des Willens Gottes umzusetzen, bzw. die ihrer Nachfolger, ohne "allzu menschlich" darüber nachzudenken und sich erst theoretisch damit auseinanderzusetzen.


Es genügt nicht, theoretisch davon überzeugt zu sein, dass alles darauf ankommt, Gottes heiligen Willen zu tun. Man muss vielmehr dazu gelangen, Ihn im konkreten Lebensvollzug zu lieben, um zu jener tiefen Erkenntnis Gottes und seiner selbst zu gelangen, die Frucht dieses konkreten Dienens nach dem heiligen Willen Gottes ist. Dieses vom Glauben getragene Dienen lässt uns jeden Augenblick Gottes Gegenwart entdecken, der wir in den verschiedenen Umständen und Situationen, in denen wir leben, begegnen dürfen. In dieser Gegenwart Gottes lebend dürfen wir auch erfahren, dass Gott Liebe, dass er die göttliche Vorsehung und die allmächtige Majestät, die unaussprechliche Güte und Barmherzigkeit ist. Ja, wir dürfen erfahren, dass er das Licht ist, das uns fähig macht, mit dem Willen Gottes mitzuwirken, das Licht, das uns unterscheiden lässt, worin die wahre Nächstenliebe besteht, und uns zugleich die Kraft schenkt, danach zu handeln, das Licht, das uns zur Dankbarkeit, zum Lob und zur Anbetung des gegenwärtigen und dreimal heiligen Gottes führt.
Das Grundprinzip, nach dem die Mitglieder des „Werkes“ ihre Formung erhalten müssen, besteht darin, ihnen die fundamentalen Prinzipien, die sich aus dem Sakrament der Taufe und aus ihrer Zugehörigkeit zum Mystischen Leib Christi ergeben, wieder bewusst zu machen und ihnen zu helfen, sie zu sehen, sie anzuerkennen und danach zu leben. Von dieser Zugehörigkeit aus müssen sie die Entwicklung ihres Lebens als Christen unserer Tage sehen, sollen sie die Konfrontation mit dem allgemeinen Klima angehen, in dem sie leben, und mit den konkreten Entwicklungen, die sich in den verschiedenen Situationen und Ereignissen auf allen Gebieten zeigen. Zugleich haben sie ihr Engagiert-Sein im „Werk“ zu leben als ein Heiliges Bündnis. Groß sind die Konsequenzen dieser Bindung, die sie eingegangen sind, und die Verpflichtungen, die sie freiwillig auf sich genommen haben, um auf diesem Wege Gottes Willen anzunehmen und darauf, getragen von der Gnade ihres Standes, Antwort zu geben.

Ich habe im Lichte Gottes gesehen und verstanden, dass an diesem Grundsatz, den Mitgliedern eine Formung zukommen zu lassen, die sich orientiert an den fundamentalen Prinzipien des Lebens der Kirche als Mystischer Leib, am Worte Gottes und am Leben Jesu Christi, bedingungslos festgehalten werden muss.

Jene, die in das „Werk“ gerufen sind, haben den besonderen Auftrag, die Einheit von diesem Grundprinzip des Mystischen Leibes her zu leben und ihr so zu dienen. Im Lichte, das der hl. Erzengel Raphael uns schenkt, werden diese fundamentalen Prinzipien bestätigt und mit einer Forderung voll Barmherzigkeit und gleichzeitig mit großer Dringlichkeit, wenn ich so sagen darf, bestärkt. Darum erfüllt mich an diesem Tag tiefe Freude und große Dankbarkeit für alle die Gnaden und wunderbaren Wohltaten, die Gott in seiner väterlichen Güte und Barmherzigkeit seinem Werkzeug zum Aufbau des „Werkes“ und der heiligen Kirche, unserer vielgeliebten Mutter, schenkt.

Ich fühle mich innerlich aufgefordert, diese innere Schau, wie wir durch den Einsatz unseres ganzen Lebens auf den Willen Gottes antworten sollen, mitzuteilen, damit wir diese Mentalität, den Willen Gottes in Theorie, aber nicht in der Praxis anzunehmen, verlassen und sie, und bekehrend, übersteigen. Ich meine damit, eine gewisse Art des zu menschlichen Sehens und Interpretierens des Willens Gottes, indem wir ihn verallgemeinern oder ihn absolut setzen und ihn so reduzieren auf das Niveau eines nur theoretisch angenommenen Prinzips, das aber im Glauben, im Lichte Gottes, in der realen Konfrontation mit der Wahrheit kaum gelebt wird. Wenn der Wille Gottes nur auf diese Weise an uns herankommen darf, ist er kaum oder gar nicht eingetreten in unser wirkliches Leben, nämlich in die Praxis der Gebote Gottes, in die Praxis der Tugenden des Glaubens, der Liebe und jener Dienstbereitschaft, die Frucht der wahren Nächstenliebe ist; darum nämlich wird dieser heilige Wille Gottes kaum oder gar nicht wirksam im täglichen Leben, weil er keinen Einlass gefunden hat in unser menschliches Herz, das die Bewegungen der Liebe vom Heiligen Geist empfangen muss, weil der Wille Gottes kaum hinabgestiegen ist in die Tiefen unserer Seele, die hinhören muss auf die Eingebungen des Heiligen Geistes, in dem allein wir Gott zu lieben und Seinen Willen zu erfüllen vermögen.

In diesem Licht schaue und verstehe ich den Weg der Bekehrung, den die Berufenen des „Werkes“ im Lichte des Erzengels Raphael zu gehen haben. Diese Bekehrung muss sie dazu führen, dass sie sich bis in ihr tiefstes Wesen von der oben beschriebenen Mentalität läutern lassen und sich von ihr lossagen, um desto tiefer fähig zu sein, den heiligen Willen Gottes mit einem großmütigen und ganz hingegebenen Herzen zu leben, das sich der reinen Liebe des Allerheiligsten Herzens Jesu und unserer Mutter Maria öffnet, die unser Vorbild ist und uns auf diesem Weg voranführt.


Julia Verhaeghe

Ehrfurcht vor Gott und seiner Kirche


Ehrfurcht vor Gott und seiner Kirche

Dieser Text über die Ehrfurcht beschreibt mit anderen Worten das Gebot der drei Pfeiler: was mit Ehrfurcht betrachtet werden muss, darf auch nicht in Frage gestellt werden. Dabei geht es nicht wirklich um die Ehrfurcht vor Gott, sondern (immer wenn Verhaeghe von Gott oder vom Willen Gottes spricht) um Verhaeghes Vorstellung von Gott, die sie notfalls auch mit Vehemenz gegen das Empfinden und Gewissen anderer durchdrückt, weil sie sich von Gott dazu berufen fühlt.


Auf subtile Weise baut sie hier ihr Bild von Kirche auf: Gottes Majestät verbietet es menschliche Bedenken anzumelden, wenn etwas im Namen Gottes gefordert wird. Gottes unendliche Erkenntnis und Wissenschaft übersteigt jede menschliche Erkenntnis - Erkenntnis, die sich nicht auf Gott beruft oder im Widerspruch zu ihm steht, ist damit verwerflich. Gottes Gesetz und Gebote müssen für alle Menschen gelten. Die Kirche Christi kann nicht kritisiert werden, sie wird repräsentiert insbesondere von "Priestern und Gottgeweihten" - das heißt, dass diese ebenso wenig kritisiert werden dürfen. Das Wirken des Heiligen Geistes wird verkürzt auf die Erkenntnis der Erbsünde, die unser Gewissen verdirbt (damit spricht Verhaeghe dem Menschen die Fähigkeit ab, Gottes Stimme im Gewissen wirklich vernehmen zu können. Im Werk ist es unmöglich, sich auf das eigene Gewissen zu berufen, weil es als verdorben betrachtet wird, wo es nicht im Einklang mit den Forderungen der Gemeinschaft steht). Die Freiheit jedes Menschen kann von daher nur bedeuten: jeder Mensch könnte, wenn er wollte, so leben, wie Verhaeghe das von ihm verlangen würde (sie "schaut" den Plan Gottes mit jedem Menschen). Wer es nicht tut, hätte sich also Gott verweigert.


Unser Leben soll die Herrlichkeit Seines Mystischen Leibes, der hl. Kirche, ausstrahlen und erfüllt sein

Von der Ehrfurcht vor Gottes Majestät und Seiner Barmherzigkeit… 
Von der Ehrfurcht vor Gottes unendlicher Erkenntnis und Wissenschaft…
Von der Ehrfurcht vor Gottes Gesetzen und Geboten, die uns Christus durch Sein Kommen gelehrt und vermittelt hat und die uns im Glauben an Christi Wort noch immer geoffenbart werden…

Von der Ehrfurcht vor Seinem Mystischen Leib, der Kirche Christi, die Er uns vor der Rückkehr zum Vater geschenkt hat, um unter uns zu verweilen und Sein Leben weiterströmen zu lassen, ganz besonders durch die Gottgeweihten und die von Ihm vorherbestimmten Diener…

Von der Ehrfurcht vor den Gaben des Heiligen Geistes, Seinen Früchten, die sich uns im Licht des Glaubens durch die Lehre und die Verdienste Jesu Christi offenbaren, worin sich uns die väterliche Barmherzigkeit Gottes mitteilt, die in uns durch das Erkennen der Folgen der Erbsünde, die in jedem Menschen in seinem tiefsten Wesen wirksam sind, im Gewissen anwesend wird…

Von der Ehrfurcht vor dem Plan Gottes mit jedem Menschen … und zugleich vor der Antwort eines jeden Menschen, die sich durch seine Freiheit ausdrückt und seine Worte und Haltungen bestimmt je nach dem Maß der Erkenntnis und Erfahrung der Gnadengaben Gottes mit ihm und in ihm. Denn die Freiheit des Menschen liegt gebunden an die Liebesbewegungen seines innersten Strebens und an die Verfügungen seines Willens über diese seine Bestrebungen. Er kann wählen. Es ist ihm gegeben, ein Ja und ein Nein zu sprechen in der Freiheit und in der Kraft der Gnade.

Julia Verhaeghe

Über das Wesen der Kontemplation


Über das Wesen der Kontemplation

Dieser Text handelt nicht direkt von der Kontemplation, sondern von dem, was Verhaeghe als Voraussetzung für die Kontemplation betrachtet, nämlich die Bekehrung vom Zeitgeist und die vorbehaltlose Dienstbereitschaft im Werk. Sie sagt ganz offen, dass es darum geht, dass die Mitglieder "in Verstand und Willen" umgestaltet werden. 

Tatsächlich vollzieht sich diese "Umgestaltung" im Werk nicht, wie von diesem Text suggeriert wird, im Gebet und der individuellen Gottesbeziehung, sondern durch den Druck der Vorgesetzten, die den Einzelnen einer "Gewissensformung" unterziehen, die eine Art Gehirnwäsche ist. Das Kommuniongebet erfüllt dabei die Funktion die Mitglieder im Bewusstsein ihrer Unzulänglichkeit zu erhalten, mit allem, was in ihnen Gottes Wirken hemmt. Was das im Einzelnen ist, wird ihnen dann von den Vorgesetzten gesagt. 

Wer schließlich ein "geformtes Gewissen" hat und im "Geist der Kontemplation" gereift ist, der "durchschaut" dann die "Dinge und Ereignisse im Leben von Gott her", m.a.W.: er sieht sich selbst, das Werk, die Kirche und die Welt nur noch so, wie es ihm von seinen Vorgesetzten im Geist des Werkes erklärt wird und hat sein eigenes Urteil und Empfinden aufgegeben.


Die Kontemplation muss im Werk gelebt werden als ein Weg, der ansteigt und durch läuternde Bekehrung, in die Gott mit der Kreuzesliebe des Herrn Jesus eingreift, zur Höhe führt. Er hat für uns die Erlösung verdient und tut dies noch immer im Kreuzes- und Sühneopfer, das sich in Seinem Mystischen Leibe vollzieht. 

Die wahre Kontemplation entsteht aus der gnadenvollen Entwicklung des Gebetes und der inneren Haltung der Seele gegenüber Gott und gegenüber ihrem eigenen „Wesen und Dasein“ in der Zeit. Sie entsteht aus der Bereitschaft der Seele, sich immer mehr der Wahrheit zuzuwenden, die durch Gott in ihr geweckt und geboren wird in dem Maße, als sie treu den Aufrufen zur Umkehr und Bekehrung Folge leistet … Kontemplation hat also mit einer Entwicklung zu tun, die der Wechselwirkung zwischen der Gnade und der Antwort auf diese Gnade entspringt. Sie schlägt Wurzel im Gebet und entwickelt sich aus dem Gebet, das die Seele, ja den ganzen Menschen aufruft und so sein ganzes Tun und Lassen vom Gebet, von seinem Sprechen mit Gott und von den konkreten Situationen aus, in denen er sich jeweils befindet, in Christus Jesus, der „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6) ist, hin orientiert zum lebendigen Gott und zur Vereinigung mit Ihm führt.

Gott greift ein, indem Er die Seele an sich zieht in Seinem Licht, das in dem Maß zunimmt, in dem Er sie innerlich schauen lässt, was ihr hindernd im Wege steht, was sie hemmt und unfähig macht zu lieben und eins zu werden. Auf diese Weise vollzieht sich das Einswerden mit Ihm, der Alpha und Omega all dessen ist, was unser Innerstes bewegt und voranführt im Blick auf Ihn, der unser Ziel ist.

Aus dieser inneren Schau und Erfahrung ist das Kommuniongebet entstanden:

Herr,
mache mein Herz bereit,
dich zu empfangen,
schaffe durch deine Gnade
in meinem Herzen
Raum und Freiheit,
sodass du darin aufbauen kannst,
was dir wohlgefällig ist.

Räume weg in mir, was dir im Wege steht,
durchdringe, was dein Wirken hemmt,
ergänze, was mir mangelt,
und vermehre stets, was zu dir führt,
damit deine überfließende
Gnade mich reinige
Im Lichte deines Kommens.

Amen.

In der Praxis wird dieses Gnadenlicht von einem bereiten Herzen als ein inneres Bedürfnis erfahren, das in allem wirksam wird: im Gebet, in der Meditation, in der Arbeit, oder was es sonst auch immer sein mag, im Umgang mit den Menschen aus nächster Umgebung oder in der Ferne. Diese Anziehung ist eine mild-nötigende; sie sucht den freien Willen gleichsam in einem sanften und doch zugleich fordernden Zugriff geneigt zu machen. Daraus erwächst zunehmend die Mitarbeit von seiten des Menschen, der sucht und teilweise auch schon erkennt, was recht ist, was er zu tun und zu lassen hat, um der Wahrheit entsprechen zu können. 

Durch diese Mitarbeit entsteht eine Wechselwirkung zwischen dem Herrn und der bereiten Seele, die den guten Kampf aufnimmt, die das Opfer nicht scheut, vor dem wirklichen Leben nicht flieht, die gerne bereit ist, dienen und lieben zu lernen. Durch Konfrontationen dieser Art vollzieht sich im Inneren und Äußeren des Menschen eine Wandlung im Sinne der Bekehrung und Umkehr, eine Umformung des Wissens zum Gewissen, eine Umgestaltung in Verstand und Willen, in Seele und Herz. Alles sieht und erfährt der Mensch mehr und mehr im tiefsten „Sein und Wesen“ auf die Weise, die ihm eigen ist.

So entwickeln sich die Formen des Gebetes und die Haltungen beim Beten zunehmend aus dem Licht heraus, das sich ihm beim Verwirklichen des Glaubens im konkreten Leben offenbart. Dieses Licht führt den Menschen zu einem Wissen und Erkennen, das gleichsam ein inneres Schauen ist, sodass er die Dinge und Ereignisse im Leben von Gott her zu „durchschauen“ vermag. Dieses Wissen wiederum trifft das Gewissen und richtet es auf das Ziel aus, das „Er selber ist“.

Im konkreten Leben entdeckt der Mensch dann angemessene Mittel und Möglichkeiten, die dieser gnadenvollen Wechselwirkung zwischen Gott und der bereiten Seele entsprechen und sie in eine weitere Entwicklung bringen. Es wirkt nämlich im Herzen ein Gesetz, das den Schatz finden lässt und gleichsam intuitiv zu ihm führt oder dazu antreibt, und zwar in dem Maße, als die Absicht lauter ist. In eben diesem Maße gewinnt auch der innere Antrieb an Stärke, Spontaneität und entspricht zunehmend dem Ziel. Das Gebet wird immer mehr zu einem herzlichen Gespräch mit dem Geliebten über die Dinge, die es zwischen der Person (der Seele) und Ihm gibt.

Dieses sich vertiefende innige Verhältnis schafft nach innen und außen eine Atmosphäre, in der Schauen – die Beschauung – gleichsam natürlicherweise entsteht und sich entfaltet in dem Maße, in dem das Ich-Sein wegfällt, abstirbt im „Sein dessen, der da IST“ in allen Dingen, doch vor allem im Herzen des Menschen. Dieser wurde nach Seinem Bild und Gleichnis geschaffen und hervorgebracht durch Seine schöpferische Liebe.

Die Erfahrung dieses Geheimnisses muss uns zur Anbetung und zu dankbarer, sühnender Gegenliebe führen, uns, die wir durch Gottes barmherzige Liebe geheilt und in Ihm und durch Ihn, der barmherzige Liebe ist, dem „neuen“ Leben wiedergeschenkt wurden, um durch die Strahlkraft des Heiligen Bündnisses der Einheit zu dienen und sie aufzubauen, auf dass Sein Reich des Friedens, der Freude und der Gerechtigkeit komme und gefestigt werde.

Eine gute innere Führung, die den ganzen Menschen im Auge behält und ihn nicht aus den Zusammenhängen los rückt, die durch die Wechselwirkung von Natur und Gnade vorgegeben sind und sich daraus entwickeln, ist Voraussetzung für ein gesundes Wachstum und eine entsprechende Ausgeglichenheit. Im Werk muss stets ein Weg gebahnt werden, auf dem die Mitglieder durch die Konfrontation, die ihr Engagiert-Sein im Werk des Herrn mit sich bringt, ihren Auftrag in diesem Sinne erfüllen können.

Darum ist dafür Sorge zu tragen, dass die Berufenen des Werkes als „Kinder unserer Zeit“ eine tiefgehende Bildung des Gewissens erhalten, um so ein Leben aus dem Glauben aufbauen zu können und im praktischen Lebensvollzug durch die Forderungen, die innerhalb und außerhalb des „Ichs“ liegen zu einer natürlichen Ausgeglichenheit zu finden. Darüber gäbe es noch viel zu sagen, doch im gemeinsamen Hinhören auf die Forderungen des Weges der Bekehrung – es ist der Weg des Hl. Erzengels Raphael – und in unserer Antwort darauf wird sich vieles über das Wie, Wer und Was klären. 

Julia Verhaeghe