Was will dieser Blog?

Dies ist der Blog ehemaliger Mitglieder des "Werkes". Er enthält Geschichten, Tatsachen und Erfahrungen, die vom "Werk" sorgfältig verschwiegen oder geleugnet werden. Er sei jedem ans Herz gelegt, der mit dem "Werk" in Kontakt kommt.
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Vertuschung im Werk und in der Kirche

Die deutsche Tageszeitung die ZEIT erzählt in einem neuen Artikel, wie Doris Wagner im "Werk" missbraucht wurde und wie dieser Missbrauch dann vom "Werk" und von der Glaubenskongregation vertuscht wurde, während ein Werkspriester in leitender Stellung an der Glaubenskongregation arbeitet - einer, der Doris Wagner in der Beichte bedrängt hatte:

https://www.zeit.de/2018/40/katholische-kirche-sexueller-missbrauch-schweigen-deutschland

Offene Fragen zu sexuellen Übergriffen im Werk

Eine Reform des deutschen Sexualstrafrechtes ist vom Bundestag einstimmig beschlossen worden. Das ist der aktuelle Anlass für die Erneuerung dieses Posts. Nach dem neuen Gesetz, das sich am Grundsatz der Einvernehmlichkeit orientiert, wäre nämlich eine Verurteilung des Paters, der Doris Wagner missbraucht hat, wahrscheinlich. Wir begrüßen die Reform, auch wenn sie in diesem Fall leider zu spät kommt. Wir möchten aus diesem Anlass 1. folgende nach wie vor offenen Fragen wiederholen und 2. in Erinnerung rufen, warum die Ermittlungen im Fall "Wagner" eingestellt wurden, nämlich nicht deswegen, weil der Beschuldigte sich als unschuldig erwiesen hätte.



Nach wie vor bleiben im Fall "Wagner" gewichtige Fragen an "Das Werk" im Raum stehen:

1) Wie kann es sein, dass ein Priester des Werkes nach eigener Aussage, zu einer (wesentlich jüngeren) Schwester aus "menschlicher Zuneigung" eine "dauerhafte Beziehung" (vgl. Beschluss des Landesgerichts S. 3) anstrebt, die offenbar unverhüteten Geschlechtsverkehr einschließt? Auch das ist nach Can. 1395 CIC ein schwerer Verstoß gegen das Zölibatsgelübde und müsste kirchenrechtlich geahndet werdenZudem kann sich jemand, der der Ideologie des "Werkes" anhängt, nicht auf "menschliche Zuneigung" berufen, vielmehr betrachtet er sie als Gefahr, von einer "dauerhaften Beziehung" ganz zu schweigen.

2) Wie kann es sein, dass es in diesem Fall kein kirchenrechtliches Verfahren gibt, sondern dem Beschuldigten nur eine "geheime Buße" auferlegt wird?

3) Wie kann es sein, dass die völlige innere und äußere Unfreiheit und der systematische geistliche Missbrauch gerade der jüngsten und abhängigsten Mitglieder der Gemeinschaft, der Novizinnen, in der säkularen und kirchenrechtlichen Beurteilung dieses Falles keine Rolle spielt, obwohl sie durch psychologische Gutachten oder anhand der fachlicher Begutachtung der Konstitutionen leicht nachweisbar wäre?

4) Wer glaubt ernsthaft, dass eine Anfang Zwanzigjährige innerlich gebrochene Frau, frei in sexuelle Handlungen einstimmt, die von einem über Vierzigjährigen Oberen an ihr vorgenommen werden, nachdem sie gerade erst ihr feierliches Jungfräulichkeitsgelübde abgelegt hat, wo sie doch laut der der Ideologie des Werkes in der Jungfräulichkeit ihre höchste Lebensbestimmung sehen muss? Und wer glaubt ernsthaft, dass ihr durch andere Obere des "Werkes" Hilfe zuteil geworden wäre?

5) Wie frei sind Schwestern des Werkes tatsächlich, sich innerhalb und außerhalb der Gemeinschaft Hilfe zu holen, wenn sie von einem (hierarchisch höhergestellten) Mitbruder sexuell bedrängt werden?

6) Was geschieht im Fall, dass eine Schwester durch solche Übergriffe schwanger wird? Uns liegen Dokumente vor, in denen ausgesagt wird, dass in mindestens einem (weiteren) solchen Fall eine Betroffene zur Abtreibung gezwungen wurde.

7) Wann nimmt das Werk öffentlich zu anderen Fällen Stellung, in denen ehemalige Schwestern des "Werkes" von Priestern sexuell bedrängt, missbraucht und vergewaltigt wurden? Der mittlerweile suspendierte Jos Corstjens hat mindestens eine ehemalige Schwester des Werkes mehrfach vergewaltigtIrene Martens wurde als Schwester des "Werkes" missbraucht und berichtete in ihrem Buch von weiteren missbrauchten Schwestern, die zum Teil bis heute im "Werk" sind. - Wie viele Schwestern des Werkes sind Opfer sexueller Übergriffe geworden?




Warum das Verfahren im Fall "Wagner" eingestellt wurde

In Vergewaltigungs- und Missbrauchsfällen wird von Seiten der Täter oder der Gruppen, denen sie angehören, gerne darauf hingewiesen, dass es keine gerichtliche Verurteilung gegeben hätte. So auch im Falle des Paters, der Doris Wagner 2008 mehrfach vergewaltigt hat. Sowohl in Deutschland als auch in Österreich wurden die Ermittlungen gegen ihn eingestellt. Damit ist allerdings nicht belegt, dass der Beschuldigte unschuldig wäre.

"Das Werk" "verkauft" diese Einstellung der Ermittlungen in seiner Stellungnahme zwar als eine Art "Beweis" für die Unschuld des Paters. Doch das ist falsch: Durch die Einstellung des Verfahrens weist die Staatsanwaltschaft nicht den Vorwurf der Vergewaltigung zurück, sondern das Gericht erkennt lediglich an, dass eine Verurteilung unwahrscheinlich ist. Das liegt zum einen an Mängeln des Sexualstrafrechtes, für das es lange Zeit unerheblich war, ob der Täter sich über den Willen des Opfers hinweggesetzt hat. Zum anderen liegt es an der Aussage des Beschuldigten. Nach der Strafrechtsreform 2016 wäre der Fall höchst wahrscheinlich strafbar, weil der entgegenstehende Wille des Opfers Berücksichtigung finden würde.

Zur Nachvollziehbarkeit des Falles dokumentieren wir hier den Beschluss des Landesgerichts Feldkirch.

Das Gericht stellt nicht in Frage,

1) dass es zu sexuellen Handlungen des Beschuldigten am Opfer gekommen ist.
2) dass das Opfer sich zu diesem Zeitpunkt wehrlos gefühlt hat und dass eine solche Wehrlosigkeit auch durch ein psychologisches Gutachten nachgewiesen werden könnte.
3) dass das Opfer im Werk nicht frei mit anderen Personen kommunizieren konnte.
4) dass der Beschuldigte wesentlich älter, körperlich stärker und hierarchisch höhergestellt war als das Opfer.

Es muss allerdings zur Kenntnis nehmen

1) dass der Beschuldigte die Handlungen als einvernehmlich schildert (wobei die Umstände der Tat, die Jungfräulichkeits-Ideologie des Werkes u.a., die diese Aussage absurd erscheinen lassen, nicht berücksichtigt werden)
2) dass er auch  nach Aussage des Opfers keine grobe Gewalt angewendet hat (was für die Erfüllung des Straftatbestandes "Vergewaltigung" nach der damaligen Gesetzeslage unerlässlich war).
3) dass ihm nach dem Dafürhalten des Gerichtes nicht sicher nachgewiesen werden könnte, dass er sich der Wehrlosigkeit des Opfers bewusst war (was angesichts der Umstände und der Rolle des Täters als leitender Verantwortlicher im Werk, aber tatsächlich leicht nachweisbar sein dürfte)

Der damalige juristische Umgang mit Fällen dieser Art war fragwürdig und widersprach der Europäischen Konvention, weil er Täter in vielen Fällen, besonders jene, in denen Wehrlosigkeit, Angst und psychischer Druck eine Rolle spielen, praktisch ungestraft lässt. Aus diesem Grund hat der djb (Deutscher Juristinnenbund) ein Grundsatzpapier vorgelegt, in dem er diese Schwachstellen des Sexualstrafrechtes darstellt und eine Reform durch den Gesetzgeber fordert.




Nach dem Austritt vor dem Nichts

Angehörige von Ordensgemeinschaften und anderen Gemeinschaften des geweihten Lebens sind bezüglich ihrer Mitgliedschaft nicht so frei, wie man meinen möchte. Für viele kommt ein Austritt nicht in Frage, selbst wenn sie ihn wünschen, weil sie nach einem Austritt finanziell praktisch vor dem Nichts stehen.

Das gilt vor allem für Schwestern in fortgeschrittenem Alter. Während Patres relativ leicht in eine Diözese wechseln und dort weiterhin als Priester wirken können und in jeder Hinsicht abgesichert sind, haben Schwestern große Schwierigkeiten, den Wechsel in ein Berufsleben zu finden und eine ausreichende Altersversorgung zu erwirtschaften. 

Wenn - wie im "Werk" - manche Schwestern in der Gemeinschaft keine Berufsausbildung erhalten haben oder eine Ausübung ihres Berufes lange zurückliegt, verschärft sich die Lage für Betroffene noch erheblich.

Zwar gibt es eine gesetzliche Pflicht zur Nachversicherung von ausgeschiedenen Ordensangehörigen, diese fällt aber mitunter so gering aus, dass ehemalige Schwestern im Pensionsalter kaum davon leben können bzw. der Staat die Bezüge aufstocken muss.


Missbrauch der Beichte

Jedem, der den Umgang mit dem Sakrament der Versöhnung im Werk und die Bestimmungen des kirchlichen Gesetzbuches über dieses Sakrament kennt, werden sofort eine Reihe von Missbräuchen auffallen, die im "Werk" Tradition haben.

Keine freie Wahl

Mitglieder des "Werkes" haben keine freie Wahl.

  • Sie können ihren Beichtvater nicht selbst wählen, denn der wird ihnen in aller Regel zugewiesen, meistens handelt es sich dabei um Mitbrüder in leitender Verantwortung.  
  • Sie können vor allem ihren geistlichen Begleiter nicht frei wählen, denn das ist in aller Regel der oder die persönliche Verantwortliche. Bei Novizen und Novizinnen ist es der Novizenmeister oder die Novizenmeisterin. Persönliche geistliche Gespräche mit Außenstehenden oder anderen Mitgliedern sind tabu.
  • Sie können den Zeitpunkt der Beichte nicht selbst wählen, weil eine monatliche Beichte vorgeschrieben ist.
  • Im Grunde können sie auch ihr Bekenntnis nicht frei formulieren, weil die Gewissenserforschung nicht frei geschieht, sondern durch Vorträge und persönliche Gespräche von außen gesteuert und inhaltlich vorgegeben wird.

Dagegen heißt es in Can. 630 §1: "Die Oberen haben den Mitgliedern die gebührende Freiheit zu lassen in bezug auf das Bußsakrament und die geistliche Führung, jedoch unter Wahrung der Ordnung des Instituts." 
Und in Can 985: "Der Novizenmeister und sein Gehilfe sowie der Rektor eines Seminars oder einer anderen Erziehungseinrichtung dürfen sakramentale Beichten ihrer Alumnen, die sich im selben Haus aufhalten, nur hören, wenn die Alumnen in Einzelfällen von sich aus darum bitten."

Zwang zur Gewissenseröffnung


  • Jedes Mitglied des Werkes ist seinen Oberen zur Gewissenseröffnung verpflichtet. Es muss seinem Verantwortlichen, das ist die Person, die die äußere Leitung über dieses Mitglied inne hat (zuweilen ist das zugleich der Beichtvater), regelmäßig in Gesprächen sowie schriftlich das eigene Gewissen eröffnen. In der Regel finden wöchentlich solche Gespräche statt. Schriftliche Berichte sind monatlich fällig. 
  • Es gibt nichts, was ein Mitglied seinem Verantwortlichen verschweigen darf

Mit dieser Praxis verstößt das Werk gegen eine grundlegende Norm des CIC, nämlich der Trennung von forum internum und forum externum, die bspw. von folgenden Canones gefordert wird:
Die Mitglieder sollen sich vertrauensvoll an ihre Oberen wenden, denen sie sich frei und von sich aus eröffnen können. Den Oberen ist es aber untersagt, sie auf irgendeine Weise anzuhalten, ihnen das Gewissen zu eröffnen. (can. 630 §5). 
Zur Wahrung des Geheimnisses sind auch alle anderen verpflichtet, die auf irgendeine Weise aus der Beichte zur Kenntnis von Sünden gelangt sind (Can. 983 § 2)Wer eine leitende Stellung einnimmt, darf die Kenntnis von Sünden, die er zu irgendeiner Zeit aus der Entgegennahme einer Beichte erlangte, auf keine Weise bei der äußeren Leitung gebrauchen. (Can. 984 § 2)  

Indiskreter Umgang mit Beichtmaterie und Gewissensdingen

  • Beichtanekdoten. In Vorträgen vor der Gemeinschaft erzählen Verantwortliche regelmäßig aus den Beichten "eines Mitbruders" oder "einer Mitschwester", wobei es in einer kleinen Gemeinschaft wie dem Werk sehr leicht ist, zu erraten, um wen es sich im genannten Beispiel jeweils handelt.
  • Alles, was der Einzelne mündlich oder schriftlich mitteilt, wird weitergereicht. Gewissensdinge des einzelnen Mitglieds werden ohne sein Wissen von seinem Verantwortlichen mit seinem Beichtvater besprochen. Kenntnisse aus der geistlichen Begleitung und der Beichte werden unter den Verantwortlichen der Priester- und Schwesterngemeinschaft sowie unter den verschiedenen Leitungsebenen ausgetauscht, dokumentiert, kommentiert und archiviert. 
  • Gewissenseröffnungen dienen als Grundlage für Entscheidungen in der äußeren Leitung.  In diese Entscheidungen werden Beichtväter grundsätzlich einbezogen.
Dagegen heißt es in Can. 983 § 1: "Das Beichtgeheimnis ist unverletzlich, dem Beichtvater ist es daher streng verboten, den Pönitenten durch Worte oder auf irgendeine andere Weise und aus irgendeinem Grund irgendwie zu verraten."Und in Can 984 §1: "Ein Gebrauch des aus der Beichte gewonnenen Wissens, der für den Pönitenten belastend wäre, ist dem Beichtvater streng verboten."
Außerdem: Wer eine leitende Stellung einnimmt, darf die Kenntnis von Sünden, die er zu irgendeiner Zeit aus der Entgegennahme einer Beichte erlangte, auf keine Weise bei der äußeren Leitung gebrauchen. (Can. 984 § 2)  

J. Corstjens wegen Missbrauchs suspendiert

Jos Corstjens, Priester des Bistums Hasselt, der wiederholt minderjährige junge Mädchen sexuell belästigt und missbraucht hat, ist suspendiert worden. Die arbitragecommissie (Unabhängige Schlichtungskommission) hat darüberhinaus die Zahlung der maximalen Entschädigungssumme gewährt. Corstjens darf nun keinerlei priesterliche Aufgaben mehr ausführen.

In den 1980er Jahren rekrutierte er junge belgische Mädchen für "Das Werk". Einige von ihnen sind bis heute Schwestern des "Werkes". Andere haben die Gemeinschaft verlassen und Corstjens des Missbrauchs bezichtigt. Dennoch ging Corstjens weiterhin im Werk ein und aus. Das Werk hat sich bis heute nicht offiziell von ihm distanziert, sondern stand bis vor Kurzem noch mit ihm in Kontakt. Schwestern des Werkes übernahmen Dienste in seinem Haushalt.

Zuletzt wirkte er in einem Altenheim in Bocholt.

Vorwürfe nicht widerlegt


Mitglieder des Werkes äußerten sich in Stellungnahmen wiederholt dahingehend, dass die gegen sie erhobenen Vorwürfe nicht den Tatsachen entsprächen. Tatsächlich haben sie aber keinen einzigen gegen sie erhobenen Vorwurf wiederlegt. Auf die meisten Vorwürfe sind sie öffentlich nicht einmal eingegangen. Es gibt daher keinen Anlass, die Vorwürfe als widerlegt anzusehen. Niemand sollte sich von allgemeinen Aussagen wie der obigen überzeugen lassen, sondern lieber folgende Fragen stellen:


  1. Stimmt es, dass Mitglieder des Werkes ihren Beichtvater und ihre geistliche Begleitung nicht frei wählen dürfen/durften?
  2. Stimmt es, dass Forum Internum und Forum Externum in der Regel nicht getrennt werden/wurden?
  3. Stimmt es, dass Mitglieder wöchentliche, monatliche und jährliche Berichte über ihre Gedanken und Gefühle schreiben müssen/mussten?
  4. Stimmt es, dass die Gewissensberichte der Mitglieder unter den Verantwortlichen weitergereicht werden/wurden?
  5. Stimmt es, dass Mitglieder keinen persönlichen Kontakt untereinander haben dürfen, dass Freundschaften verboten sind/waren und ggf. geahndet werden?
  6. Stimmt es, dass neu Eingetretene den Kontakt zu ihren Eltern, Familien und Freunden stark einschränken und von den Verantwortlichen kontrollieren lassen müssen/mussten?
  7. Stimmt es, dass Das Werk gezielt ältere vermögende Menschen umgarnt und Erbschleicherei betreibt/betrieben hat?
  8. Stimmt es, dass Das Werk kranke und schwerkranke Mitglieder im Stich gelassen, unzureichend versorgt und aus der Gemeinschaft ausgeschlossen hat?
  9. Stimmt es, dass das „Heilige Bündnis“, das formal nicht mehr als eine Frömmigkeitsübung oder ein privates Versprechen darstellt, im „Werk“ einen höheren Stellenwert einnimmt als ein Sakrament und dass den Mitgliedern weisgemacht wird, sie wären damit einer ganz besonderen Gnade teilhaftig, die sie in besonderer Weise verpflichtet?
  10. Stimmt es, dass Mitglieder keinen freien Zugang zu den Schriften der Gründerin und zum Eigenrecht des „Werkes“ haben/hatten?
  11. Stimmt es, dass es im Werk geheime Texte, Rituale und andere Praktiken gibt/gab? Stimmt es bspw. dass der Text Die Kirche in der Not unserer Zeit von Verhaeghe stammt?
  12. Stimmt es, dass Das Werk an eine Verfolgung der Kirche durch die Freimaurer, das internationale Judentum, den Islam, das Gendermainstreaming oder andere Gruppen glaubt/geglaubt hat?
  13. Stimmt es, dass die allgemeine Erklärung der Menschenrechte im Werk abgelehnt wird/wurde?
  14. Stimmt es, dass die Spiritualität des Werkes eine Spiritualität der Leidensverherrlichung und Erziehung zur bedingungslosen Unterordnung unter den Willen der Verantwortlichen ist/war? Stimmt es, dass es für Mitglieder innerhalb der Spiritualität des Werkes keine legitime Berufung auf eigene Bedürfnisse mehr gibt/gab?
  15. Stimmt es, dass im Werk die Ansicht verbreitet wird/wurde, Frauen trügen für sexuelle Übergriffe ihnen gegenüber eine Mitverantwortung?


Alle (Ex-)Mitglieder des Werkes ahnen, warum niemand öffentlich zu diesen konkreten Vorwürfen Stellung nimmt. Sie können ohne Lügen nicht verneint werden. Sie lassen sich aber auch nicht als Missverständnisse bagatellisieren. Es handelt sich um ernste und allarmierende Missstände, insbesondere die Vermischung von Forum Internum und Forum Externum und der Umgang mit den Gewissen der Mitglieder ist jenseits jeder möglichen Verharmlosung oder Relativierung, etwa als „jugendlicher Leichtsinn“ der Leitung.


Der soziale Abgott (Die Kirche in der Not unserer Zeit)

Wie der "Quälteufel" ist auch dieser Text Verhaeghes (Die Kirche in der Not unserer Zeit) streng geheim. Die wenigsten Mitglieder bekommen ihn überhaupt zu lesen. Dennoch werden alle im Geist dieses Textes "geformt". 

Der Humanismus und seine Ideale werden als die größte und gefährlichste Versuchung des Glaubens betrachtet, der durch eine Art Weltverschwörung überall verbreitet wird und der auch die Kirche vor allem im 20. Jh. weithin erlegen ist. Daher hätte sie sich schon weit von Gott und dem "wahren Glauben" entfernt und steht an der Schwelle zur Satansanbetung. Kirche und Welt befinden sich im Todeskampf. Die Mitglieder des Werkes sind auserwählt, ihr in dieser Situation beizustehen.

Das Werk sieht seine Aufgabe darin, die Kirche und den katholischen Glauben vom Humanismus zu reinigen. Nicht Mitmenschlichkeit, soziales Denken und Handeln fordert der christliche Glaube von uns, sondern das Handeln nach Gottes Willen. Übereinstimmungen zwischen beidem sind allenfalls zufällig. Wenn der Wille Gottes (der sich durch die Leitung der Kirche und des Werkes kundtut) verlangt gegen menschliches Mitgefühl zu handeln ist ihm unbedingt Folge zu leisten.

Dieser Maxime liegt offensichtlich ein un-menschliches Gottesbild zugrunde. Durch die Gleichsetzung des "Willens Gottes" mit dem der Oberen wird sie zusätzlich brisant: Mitleid mit anderen erscheint als "soziale Abgötterei" und eine Berufung auf das eigene Gewissen als ein Indiz dafür, dass man vom "humanistischen Glaubensverfall" infiziert ist. Grausames Handeln gegenüber Mitmenschen kann religiös gerechtfertigt werden, ja als gottgewollt erscheinen. Eine Maxime, die sich zerstörerisch auf jede Art von sozialem Zusammenleben auswirken muss, umso mehr auf das in einem hierarchisch strukturierten Institut.

Dass dieser Text Das Werk angreifbar macht, ist der Leitung der Gemeinschaft durchaus bewusst. Deswegen hält sie ihn vor dem Großteil ihrer eigenen Mitglieder zurück, damit er nicht an die Öffentlichkeit gelangt.

[Im Folgenden veröffentlichen wir uns vorliegende Ausschnitte aus: Das Werk in der Not unserer Zeit. Hervorhebungen stammen von uns]


O ewiges Licht, bleibe bei uns, denn es ist dunkel geworden und Nacht herrscht auf dieser Welt. Wir leben als Berufene in dieser Zeit, um des göttlichen Erbarmens willen werden wir aufgefordert, am Todeskampf Deiner heiligen Kirche teilzunehmen im Jetzt, Hier und Heute. Du selbst hast im Charisma, das Du ins Leben gerufen und dem Du die Ausrichtung gegeben hast, die Art und Weise dieser Teilhabe bestimmt. Mögen wir stets in Treue zu Dir befunden werden, der Du uns gegeben bist. Du hast uns ohne eigenes Verdienst Deine unendliche Barmherzigkeit geoffenbart durch dieses ewige Licht, das Du, Herr, selber bist und das Du durch Dein Kommen auf Erden hast aufleuchten lassen. Amen. [WNZ 7f]

Inmitten unserer Welt von Verbündeten, nicht nur in Sachen Krieg, sondern auch auf geistiger, wissenschaftlicher, kultureller und wirtschaftlicher Ebene, bleibt es ein Gnadenstrahl Gottes, daß wir aufgerufen sind, aus einer Mentalität, die nur auf dem Humanen gründet, herauszutreten. Darum habe ich diesen 'sozialen Gott' auch den 'humanistischen Gott' genannt. Es sind zwei Namen für ein- und denselben Abgott, für dieselbe teuflische Inspiration, welche die Kirche und den Glauben zu schwächen und die Geister zu verfinstern trachtet. [...]
'Sie vertauschten die Herrlichkeit des unverfänglichen Gottes mit dem Abbild der Gestalt von vergänglichen Menschen, von Vögeln, Vierfüßlern und Gewürm (Röm 1,23)'. Dieses 'Abbild der Gestalt von vergänglichen Menschen', worüber der heilige Paulus spricht, ist für viele in unseren Tagen der Mensch selbst geworden: sie beten sich selbst an, ihren eigenen Intellekt und Verstand, die Mitmenschen oder die Mitmenschlichkeit. Obwohl dies alles begründet zu sein scheint, ist es ein großer Irrtum, der Geist und Herz der Menschen verfinstert und gefangen hält und dem einzig wahren Gott die Huldigung stiehlt. Es ist die sublimste Form der Abgötterei und die letzte Brücke zur Anbetung Satans selbst. [WNZ 31f]

Auf vielen Ebenen wird bewußt oder unbewußt an einer 'neuen Weltordnung' und 'Welteinheit' mitgearbeitet, die weder die von Gott gedachte, noch die von ihm gewollte Weltordnung ist. Sie entspringt diesem sozialen und humanistischen Abgott, der auf sublime Weise die Menschen betrügt und durch Lügen in Verwirrung bringt. So stellen sie das 'Gefühl der Einheit und Zusammengehörigkeit' über die 'Einheit in der Wahrheit', die von Gott für alle Völker und Zeiten in Christus Jesus geoffenbart wurde, der am Höhepunkt der Menschheitsgeschichte gekommen ist. [WNZ 32f]






Sexueller Missbrauch von Minderjährigen im Werk

Priester J. Corstjens missbrauchte immer wieder junge Mädchen. Er lud sie zu Einkehrtagen im "Werk" ein und nutzte die Gelegenheit, Mädchen zu vergewaltigen. Immer wieder betäubte er sie zu diesem Zweck. Dabei genoss er das Vertrauen der Eltern der Mädchen. Die Leitung der Gemeinschaft hat zu diesen Vorfällen keine Stellung genommen.

Warum hast du dich nicht gewehrt?

Wer aus dem Werk (oder ähnlichen Gruppen) ausgetreten ist und seine Erfahrungen aufarbeitet, bekommt oft eines zu hören: Warum hast du dich nicht gewehrt? Warum bist du nicht früher gegangen? Der Einzelne fragt sich das vor allem selbst: warum habe ich mir das alles solange gefallen lassen? Warum habe ich ihnen vertraut?

Grundregeln sozialer Interaktion ausgehebelt


Auf diese Frage gibt es keine leicht nachzuvollziehende Antwort. Der Grund dafür, dass es beinahe unmöglich ist, sich aus diesen Gruppen zu befreien, auch und gerade dann, wenn sie einem schaden, liegt darin, dass grundlegende Regeln sozialer Interaktion in Gruppen wie dem Werk ausgehebelt sind.

Dazu gehören insbesondere persönliche Freiheiten, wie: die Legitimität eigener Ziele, die Artikulation eigener Wahrnehmung, freie Kommunikation und persönliche Beziehungen, Denk- und Redefreiheit. - Aber auch so grundlegende Dinge wie Besitz, Selbstorganisation, Freizeit. In gesunden Verhältnissen sind diese Freiheiten selbstverständlich vorausgesetzt und (weitgehend) gewährleistet. Im Werk gibt es sie nicht. Das wird allerdings nicht direkt formuliert (sonst würde ja niemand dort eintreten und kaum jemand das Werk verteidigen), sondern es gibt eine spirituelle Umdeutung, eine Ideologie, die diese Entrechtung und Abhängigkeit des Einzelnen verschleiert.

M. a. W.: Im Werk herrscht eine eigene Logik. Es herrschen andere Ideale, andere Gesetze, andere Mechanismen, die alle die Opfer rechtfertigen, die das einzelne Mitglied bringen muss, die Kritik an der Leitung unmöglich machen, die Widerstand nicht aufkommen lassen.

Praktisch bedeutet das: das einzelne Mitglied hat so gut wie keine Möglichkeit, sich zu wehren, wenn ihm direkt oder indirekt geschadet wird.

Ein Beispiel


Ein Beispiel kann das verdeutlichen: eine junge Schwester, die eine hervorragende Matura abgelegt hat und gerade erst eingetreten ist, arbeitet seit ihrem Eintritt täglich zehn Stunden in der Küche, unterbrochen nur von Mahlzeiten (bei denen sie "ausschöpfen" muss) und den Gebetszeiten, zu denen sie auf kürzestem Wege von der Küche in die Kapelle gerade noch rechtzeitig kommt, um hinterher direkt wieder in die Küche zurückzueilen. Sie ist ständig übermüdet, hat keine freie Zeit (außer die Sonntagnachmittage, an denen sie mit den anderen Schwestern geistliche Vorträge hören muss) und fast keinen Kontakt zu ihrer Familie mehr.

Warum wehrt sie sich nicht? Wie könnte sie sich wehren?

1. Sie wird sich nicht wehren, weil sie gar nicht merkt, dass ihr Unrecht geschieht.
Sie ist glücklich. Sie denkt nicht daran, dass ihr Leben als Schwester anders aussehen könnte bzw. müsste. Manchmal vermisst sie vielleicht ihre Familie. Aber sie wischt jeden negativen Gedanken sofort weg. Ihr Vertrauen in ihre Verantwortlichen ist vollkommen. Ihr Bewusstsein, sich Gott ganz hingeschenkt zu haben, berauscht sie. Sie glaubt an das Ideal der "bedingungslosen Hingabe" und weiß sich, weil sie alles hingegeben hat, besonders von Gott geliebt. - Sie denkt nicht im Traum daran, dass ihre "Verantwortlichen" Pflichten ihr gegenüber verletzten, dass sie ein Recht auf Urlaub und auf eine ihren Begabungen entsprechende Ausbildung hat. Sie unterscheidet nicht zwischen dem Willen Gottes und dem Willen ihrer Verantwortlichen. Sie hat schon mit ihrem Eintritt alle eigenen Ziele und Überlegungen aufgegeben. Kurz: Sie ist bereits dabei, grundlegende soziale Kompetenzen zu verlieren: sie identifiziert sich so vollständig mit der Gruppe, dass sie ihre eigenen Emotionen nicht mehr richtig wahrnimmt und ausdrückt (Müdigkeit/Erschöpfung, Sehnsucht nach ihren Eltern).

2. Sie wird gut behandelt.
Vielleicht spürt sie doch, dass sie übermüdet ist und teilt das ihrer Verantwortlichen mit. Ihre Verantwortliche reagiert "verständnisvoll" und erlaubt ihr, am nächsten Tag bis um 6:30 "auszuschlafen". Sie ist dankbar (der klitzekleine Gedanke, dass "ausschlafen bis um 6:30" lächerlich ist, dringt kaum bis in ihr Bewusstsein vor - das würde sie niemals über die Lippen bringen). Ihre Mitschwestern, die tapfer "durcharbeiten" können, erscheinen ihr nun noch bewundernswerter. Sie will keinesfalls hinter ihnen zurückbleiben, sondern sich und vor allem ihrer Verantwortlichen beweisen, dass sie genauso hingabebereit sein kann. Ihr wahres Glück besteht schließlich darin, eine "gute Schwester" zu sein. Wenn die Müdigkeit bleibt, wird sie um jede Stunde mehr Schlaf extra nachfragen müssen. Das wäre ihr zu peinlich... und tatsächlich: sie fühlt sich bald nicht mehr so müde! Tatsächlich bleibt ihre Erschöpfung bestehen, sie spürt sie aber nicht mehr. Sie hat den Kontakt zur ihren eigenen Emotionen verloren.

3. Sie wird vertröstet.
Vielleicht denkt sie aber auch, dass sie nicht dafür Matura gemacht hat, um dann Tag für Tag in der Küche zu stehen. Und vielleicht traut sie sich sogar, ihrer Verantwortlichen diesen Gedanken mitzuteilen. Und tatsächlich: ihre Verantwortliche reagiert auch jetzt "verständnisvoll": Wir wissen, dass du sehr begabt bist und du kannst sicher sein, dass wir deine Begabung brauchen. Gott hat Großes mit dir vor. Betrachte deine Arbeit in der Küche als Vorbereitung auf deine zukünftigen Aufgaben. - Vielleicht traut sie sich sogar zu fragen, wann sie denn etwas anderes tun darf und was. Dann wird sie als Antwort bekommen: das wissen wir selbst noch nicht, aber Gott wird es zu seiner Zeit zeigen. - Damit ist sie zufrieden. Gott selbst und dass er durch die Verantwortlichen spricht, kann sie nicht in Frage stellen, denn das ist die Grundlage ihrer Berufung.

4. Sie muss noch viel lernen.
Vielleicht ist sie aber noch viel selbstbewusster und sagt ihrer Verantwortlichen nicht nur, dass sie übermüdet ist und für andere Aufgaben besser geeignet wäre, sondern wundert sich auch, dass sie überhaupt in die Küche gesteckt worden ist und wagt es, direkt nachzufragen, warum und wie lange noch. Wenn sie eine erfahrene Verantwortliche hat, wird die auch jetzt noch "verständnisvoll" reagieren (obwohl sie beunruhigt sein wird). Ihr wird dann signalisiert, dass es normal ist, dass sie das jetzt empfindet, sie ist ja auch gerade erst eingetreten und muss noch viel lernen. Das geweihte Leben bedeute bedingungslose Hingabe und nur in dem Maß, in dem man seine eigenen Wünsche bereit ist aufzugeben, wird man darin glücklich. Solche Dinge wie Müdigkeit, Erholung, Matura, Begabungen treten dahinter zurück, sie werden relativ. Dass sie glaubt, wegen ihrer Matura nicht in der Küche stehen zu sollen, verrät nicht nur mangelnde Demut, sondern vor allem rein menschliches Denken  (und wer weiß, wenn sie sich bewährt hat, könne man ihr ja in Zukunft durchaus andere Aufgaben anvertrauen). Auch in der Küche geschehe im Verborgenen Großes und Gott könne man nur an dem Platz dienen, an den er einen stellt. Allein Gott dienen mache wahrhaft glücklich alles andere ist Schein-Glück etc. - Wenn sie ein gewisses Maß an Vertrauen gegenüber ihrer Verantwortlichen hat und es sich mit ihr nicht verscherzen will, wenn sie an ihre eigene Berufung glaubt, wird sie sich vermutlich zumindest vorerst darauf einlassen, es wenigstens zu probieren, ihre "eigenen Wünsche und Gedanken" aufzugeben. Kurz: sie riskiert, eine grundlegende soziale Kompetenz zu verlieren: eigene Ziele zu verfolgen.

5. Sie muss sich bekehren/ wird vom Teufel versucht/ist eine Gefahr für Das Werk.
Vielleicht geht sie aber auch ganz anders vor und teilt ihre Zweifel nicht der Verantwortlichen mit, sondern spricht mit jemand anderem darüber, mit einer Mitschwester, ihren Eltern oder Freunden von früher. Die Mitschwester wird sich diesem Kommunikationsversuch verweigern und sie mehr oder weniger streng ermahnend an ihre Verantwortliche verweisen. Ihre Eltern und Freunde werden schockiert sein. Alle möglichen Ansprechpartner werden sich aber höchstwahrscheinlich an die Leitung des Werkes wenden, in jedem Fall wird ihre Verantwortliche erfahren, dass sie mit Dritten gesprochen hat. Nun ist ihre Verantwortliche alarmiert. Sie reagiert nicht mehr verständnisvoll, sondern irritiert. Ja, sie ist von der Schwester enttäuscht, die so wenig Vertrauen zeigt. Wenn sie nicht lerne, sich an die Grundregeln des Gemeinschaftslebens zu halten (von denen die erste ist, dass man Zweifel nur mit dem persönlichen Verantwortlichen bespricht), dann könne sie auf Dauer nicht im Werk bleiben und man müsse sie wegschicken. Damit setze sie ihre eigene Berufung aufs Spiel, die für sie der einzige Weg zu Gott und damit zum Glück ist. Ob sie denn nicht merkt, dass es der Teufel war, der sie zu diesem Verhalten verführt hat, weil er ihre Gottesbeziehung zerstören will? Alles, was ihre Berufung im Werk gefährdet, zerstört auch ihr Glück. - Solange sie das glaubt, wird sie sich kaum wehren können, im Gegenteil: sie wird erschrocken sein, weil ihr nicht bewusst war, was für einen schrecklichen Fehler sie gemacht hat. In Zukunft wird sie alle Fragen allein mit ihrer Verantwortlichen besprechen. Sie will ihr Lebensglück nicht aufs Spiel setzen.

Die einzige Möglichkeit: das Ganze in Frage zu stellen.


Wie könnte sich jemand im Werk also wehren? Im Grunde besitzt er nur eine einzige Möglichkeit, nämlich die Zurückweisung des gesamten ideologischen Überbaus. Dies stellt einen unmöglichen Kraftakt dar. Jeder hat schließlich einen Grund, aus dem er eingetreten ist. Und je mehr man dafür aufgegeben hat, je mehr gefühlt davon abhängt, dass man diese Berufung hat und sie verwirklichen kann, desto unmöglicher ist es, sie in Frage zu stellen.

Es gibt eine ganze Reihe Mitglieder im Werk, die große Zweifel an der Leitung der Gemeinschaft, an der Kompetenz ihrer persönlichen Verantwortlichen, an der Spiritualität und dem Selbstverständnis des Werkes hegen. Auch wenn die meisten nur kleine Einblicke in die Leidensgeschichten ihrer Mitbrüder und Mitschwestern haben und längst nicht das ganze Ausmaß der Verantwortungslosigkeit ihrer Leitung kennen. Aber kaum einer wird ernsthaft an seiner Berufung und am "Charisma" des Werkes zweifeln. Sie bleiben, weil sie glauben, dass Gott will, dass sie im Werk sind und weil sie hoffen, dass das Werk sich zum Besseren verändern kann.

Dieser Glaube an die eigene Berufung und an das "Charisma" des Werkes ist absolut unangreifbar. Die Frage, ob Gott mich vielleicht zu etwas anderem berufen haben könnte, und mehr noch die Frage, ob das Charisma wirklich "die Antwort Gottes auf die Not unserer Zeit" ist, sind tabu. - Oft auch noch Jahre nach dem Austritt.


Wie schafft man es, zu gehen?


Die Loslösung vom Werk hängt nicht davon ab, dass man zuerst den Glauben an das Werk ganz aufgibt. Das ist - wie oben beschrieben - praktisch unmöglich. Vielmehr sind vom Werk unabhängige Referenzpunkte die Bedingung für eine Loslösung vom Werk. Nur wenn es "da draußen" noch etwas oder jemanden gibt, zu dem das Mitglied Vertrauen fassen kann, kann die ideologische Käseglocke durchbrochen werden und der Einzelne seine Freiheit wiedererlangen.

Solche Referenzpunkte sind in erster Linie Menschen, aber auch Medien und Orte, die als Träger einer "heilsamen Atmosphäre" einen Hintergrund bilden, vor dem das eigene Leben im Werk überhaupt erst als bedrückend erfahren werden kann. Diese Referenzpunkte müssen sich ihrer Rolle für die Emanzipation des Mitgliedes nicht bewusst sein. Es ist sogar besser, wenn sie nicht aktiv versuchen, das Mitglied vom Werk zu lösen (das könnte es als beängstigend empfinden und sich erneut manipuliert fühlen). Es genügt, wenn sie da sind und dem Mitglied ein anderes Lebensgefühl vermitteln. Wichtig ist, dass es selbst Subjekt seiner Befreiung wird, und Ansprechpartner da sind, sobald es selbst beginnt über seine Erfahrungen im Werk und einen möglichen Austritt zu sprechen.

Sobald der Austritt ernsthaft erwogen wird, braucht das Mitglied aktive Unterstützung von außen. Es benötigt eine möglichst sichere und unaufgeregte Umgebung für die allererste Zeit nach dem Austritt und eine gute Alternative für ein "Leben danach", eine berufliche Option, finanzielle Sicherheit und vor allem ein soziales Netz, das es auffangen kann. Ein "guter" und sicherer Ausstieg ermöglicht eine konstruktive Auseinandersetzung mit der Zeit im Werk, eine relativ rasche Wiederaneignung von sozialen Schlüsselkompetenzen und Selbstsicherheit und den Wiedereinstieg in ein "normales" selbstbestimmtes Leben. Gott sei Dank schaffen auch viele, die diese Hilfe nicht in dem eigentlich benötigten Umfang zu Verfügung haben, diesen Übergang. Wir hoffen aber, dass alle, die den Mut haben, sich aus dem Werk und ähnlichen Gemeinschaften zu befreien, die Hilfe finden, die sie brauchen. Denken Sie dabei auch an Ansprechpartner, die wir auf unserer Linkliste anführen.









Absterben

Viele Texte Verhaeghes dokumentieren ihr dualistisches Welt- und Menschenbild. Sie unterscheidet zwischen dem "rein Menschlichen" und dem "Übernatürlichen". Nur Letzteres führt zu Gott, alles Menschliche dagegen führt von Gott weg, ja mehr noch: es wird zum Einfallstor des Teufels.

Der folgende "Brief von Mutter Julia an eine Mitschwester von 1946 oder 1947", der bis heute als "Betrachtungstext" für die Mitglieder der Gemeinschaft verwendet wird, veranschaulicht diese Maxime mit einer erschreckenden Detailliertheit. Was bleibt von einem Menschen übrig, der diese Anweisungen befolgt? Wer sich selbst derart abgestorben ist wird dadurch Gott nicht näher kommen. Er wird vielmehr zu einem willenlosen Werkzeug in der Hand Verhaghes bzw. ihrer Nachfolger(innen). Die "Liebe", die das Ergebnis einer solchen Abtötung ist, verdient den Namen nicht.

[Unterstreichungen und Fettdruck wie im Original]


Aus einem Brief von Mutter Julia an eine Mitschwester von 1946 oder 1947

Die Sinne sind: das Gehör, das Sehvermögen, der Geschmack, das Gefühl.

* Stirb Deinem Gehör ab im Hinblick auf den Genuss von Lob und Schmeichelei, sowie im Hinblick auf das Hören von Gesang, Musik und nutzlosen oder banalen Gesprächen.

* Stirb Deinem Sehvermögen ab im Hinblick auf die Befriedigung der Neugier sowie im Anschauen oder Betrachten von Menschen und Dingen, ebenso beim Lesen von Schriften und Büchern, Plakaten, Zeitungen, Zeitschriften u.s.w.

* Stirb Deinem Geschmacksempfinden ab in der Lust an Speise und Trank (Ernährung), in der Kleidung aus geschmacklichen und ästhetischen Gründen, in [der Empfindlichkeit für] angenehme und unangenehme Düfte oder Gerüche

* Stirb Deinem Gefühl ab in allen Neigungen zu Frohsinn und Trübsal, in Schmerz und Qual, in Beifall oder Widerstand, in körperlichem, materiellem oder geistigem bzw. geistlichem Besitz oder Empfinden.

Ich glaube, hiermit genügend Dinge zur Abtötung der sinnlichen Neigungen angeführt zu haben. Strebe mit Großmut danach, Dich abzutöten oder freizumachen von diesen sinnlichen Neigungen, damit Du, ganz losgelöst von Dir selbst und an Dir selbst, eifrig werden kannst, Gottes Gegenwart zu empfangen und in Dir zu tragen. Vollziehe das Absterben und die Loslösung an Dir selbst, nicht an anderen. Indem Deine Abtötung stärker an Gott und auf Gott hin ausgerichtet ist, wird Deine Selbstanforderung und Selbstzucht zu einer guten, milden und weitherzigen Zuvorkommenheit für den Mitmenschen und Mitbruder aufblühen. Dadurch wirst Du tugendhaft werden im Üben der Liebe.





Erinnerungen an den Alltag im Werk

Das wirklich Schlimme hinter den täglichen unmenschlichen Routinen im Werk ist, dass uns in einer päpstlich anerkannten Gemeinschaft des geweihten Lebens (!), Rechte und Ansprüche vorenthalten wurden. Sowohl Rechte und Ansprüche, die das Kirchenrecht vorsieht, als auch staatliches Recht als auch die schlichteste menschliche Moral:

Dass ich die Konstitutionen und Texte der Gründerin nicht lesen durfte.
Erst Jahre nach meinem Eintritt durfte ich einzelne Kapitel der Konstitutionen lesen, wobei mir sogleich die einzige gültige Interpretation mitgeliefert wurde. Dass die Konstitutionen äußerst schwammige spirituelle Formulierungen enthalten, die für einen verbindlichen Text völlig ungeeignet sind, und dass sie in einigen Punkten sogar schwer mit den Bestimmungen des Kirchenrechts vereinbar sind (insb. bzgl. der Wahl der Oberen und der obersten Leitung cc. 617-633), macht diesen Umstand noch bedenklicher: ich konnte mich nicht auf diesen Text berufen, ich konnte ihm nichts entnehmen. Auch Texte der Gründerin durfte ich nur in engem Rahmen lesen. Ich durfte sie nicht behalten, sie waren nicht frei zugänglich und ihre Interpretation wurde von den Oberen vorgegeben. Ich war de facto der Willkür meiner Verantwortlichen ausgeliefert. Tatsächlich wären insb. Konstitutionen öffentliche Texte, die auch interessierten Außenstehenden (bspw. Eltern und Angehörigen von Mitgliedern und Eintrittswilligen, Kirchenrechtlern und Bischöfen, in deren Diözesen das Werk tätig ist etc.), v.a. aber Eintrittswilligen schon vor dem Eintritt bekannt sein müssten, denn sie enthalten ja die Verpflichtungen, die sie eingehen und die Rechte, die ihnen zustehen (cc. 587 § 1, 596 § 1, 598 § 1).

Dass ich meine Briefe von meiner Verantwortliche lesen lassen musste.
Und das ca. ab dem zweiten Jahr in der Gemeinschaft. Meine Verantwortliche hat sie auch kommentiert und korrigiert, u. U. an Dritte weitergegeben und mir den Kontakt mit einigen Briefpartnern verboten. Das Briefgeheimnis ist aber zivilrechtlich gewährleistet. Eine solche Pflicht zur Offenlegung persönlicher Korrespondenz dürfte in keiner staatlichen oder kirchlichen Einrichtung bestehen noch im privaten Bereich (Deutschland: Art. 10 GG, § 202 StGB; Österreich: § 118 StGB).

Dass mir Beichtvater und Beichthäufigkeit, z. T. sogar Beichtmaterie vorgeschrieben worden ist.
Dazu gehört auch die Vermischung von forum internum und forum externum, da geistliche Begleiter in der Regel auch die äußere Leitung der Mitglieder innehatten bzw. geistliche Begleiter routinemäßig in Fragen der äußeren Leitung von Mitgliedern befragt wurden, dazu gehört ungehöriges Verhalten von Beichtvätern und Manipulation der Beichte durch suggestive Fragen. Das alles ist entgegen einiger der gewichtigsten kirchenrechtlichen Vorschriften (z. B. cc. 246 § 4, 630 insb. §§ 1, 3 und 5, 984 §§ 1 und 2, 991, 1387).

Dass ich keine Ausbildung erhalten habe.
Dass meine Verantwortlichen nicht in der Lage oder nicht willens waren, mich angemessen auszubilden, sondern ich das Noviziat fast ausschließlich mit Hausarbeiten, mit Putzen, Kochen und Bügeln verbringen musste sowie mit langen Vier-Augen-Gesprächen, in denen emotionaler und geistlicher Druck auf mich ausgeübt wurde (cc. 651 § 3, 652 § 5, 659 § 2, 660 § 1, 735 § 3).

Dass mir meine innere geistige, geistliche und emotionale Freiheit genommen wurde.
Durch das Verbot, Bücher zu lesen und mich mit anderen auszutauschen. Durch Verletzung meiner persönlichen Intimsphäre und meiner Gewissensfreiheit durch den Zwang, ständig Berichte schreiben und Gespräche führen zu müssen über meine intimsten Gedanken. Diese wurden an Dritte weitergegeben ohne dass ich wusste an wen oder etwas dagegen unternehmen konnte. Dabei musste ich nicht nur alles offenlegen, sondern auch jedes eigene Urteil über mich selbst und die Gemeinschaft aufgeben und dafür das Urteil der Verantwortlichen bedingungslos akzeptieren. Ich wurde dadurch völlig unfrei, Schritt für Schritt entmündigt und mir selbst entfremdet. Meine Freiheit wurde massiv verletzt. Dabei sieht das Kirchenrecht vor, dass geistliche Begleiter völlig frei gewählt werden können und das persönliche Gewissen und die Freiheit der ihnen Anvertrauten unbedingt respektieren müssen. Was in der geistlichen Begleitung geschieht und besprochen wird, darf keinen Einfluss auf die äußere Leitung haben. Niemand darf geistlich unter Druck gesetzt werden (cc. 170, 219, 220, 630, 653 § 1, 656 Nr. 4, 719 § 4).

Dass meine Beziehungen zu anderen kontrolliert und unterbunden wurden.
Dass Freundschaften unter den Mitgliedern verboten waren und ich weder mit Schwestern und Brüdern in anderen Häusern in Kontakt stehen noch nach ihnen fragen durfte, noch mit anderen über deren oder meine persönlichen Angelegenheiten und Gefühle sprechen durfte, geschweige denn mit Außenstehenden. So wurde ich isoliert und hilflos, insbesondere in Zeiten großer Belastungen und Manipulationsbemühungen meiner Verantwortlichen. Das war vielleicht das Schlimmste von allem. Denn ohne diese Isolation hätte meine Freiheit nicht in diesem Maße beschnitten werden können.


Gleich, was man vom Lebensstil, der Atmosphäre und der theologischen Grundausrichtung des Werkes halten mag, wird man diese Verletzungen grundlegender kirchlicher, rechtlicher und ethischer Normen nicht rechtfertigen können. Auch wird niemand, der die Wirkung einer solchen Behandlung nicht am eigenen Leib erfahren hat, diese beurteilen können, m.a.W. niemand, der niemals gezielt seiner inneren Freiheit beraubt worden ist, kann ermessen, was das bedeutet. Es bleibt zu hoffen, dass die zuständigen kirchlichen Behörden diesen Missständen ein Ende bereiten und derweil möglichst wenige Menschen Opfer des Werkes werden bzw. dass möglichst viele sich ihm rechtzeitig entziehen können.


Lügen, Unfreiheit und Abhängigkeit

Das Werk als fundamentalistische Gruppierung


Wenn man Fundamentalismus definiert als eine geistige Haltung, Anschauung, die durch kompromissloses Festhalten an [ideologischen, religiösen] Grundsätzen gekennzeichnet ist [und das politische Handeln bestimmt], kann man Das Werk ohne weiteres als fundamentalistische Gruppierung innerhalb der katholischen Kirche bezeichnen. Die Gemeinschaft vertritt Ideale, praktiziert Rituale und pflegt eine Identität, die sich weitgehend als fundamentalistisch beschreiben lassen. Ihre Mitglieder zeichnen sich insbesondere durch radikale Überzeugungen, intransigentes Beharren bzw. Diskursunfähigkeit aus. Insofern lässt sich das Werk mit Islamisten, Evangelikalen oder anderen "katholischen" Gemeinschaften, wie etwa der Petrusbruderschaft oder den Piusbrüdern vergleichen.


Das Werk als Sekte


Darüberhinaus weist das Werk aber auch Merkmale auf von Gruppen oder Organisationen, die psychologisch subtilen Techniken der Bewusstseinskontrolle einsetzen, um Menschen in ihre Abhängigkeit zu bringen, d.h. Merkmale von Sekten. Im Unterschied zu jemandem, der etwa in die Petrusbruderschaft eintritt, weiß jemand, der ins Werk eintritt nicht unbedingt, dass er sich einer radikalen religiösen Gruppierung anschließt. Er schließt sich vielmehr einer Gemeinschaft an, die vorgibt etwas anderes zu sein als sie ist (nämlich eine normale römisch-katholische Gemeinschaft des geweihten Lebens, die sich vielfältig kirchlich engagiert). Diese "Fassade-Taktik" ist aber typisch für Sekten, die ihren Mitgliedern etwas vormachen, um sie für sich zu gewinnen und sie, wenn sie einmal gewonnen sind, manipulieren und steuern zu können. Dies geschieht im Werk folgendermaßen:



Erster Schritt: Lügen

Wenn man das Werk kennenlernt erfährt man viel über diese neue Gemeinschaft. Das Mitglied des Werkes, mit dem man spricht, wird von nichts anderem berichten und sehr viel erzählen, von der Geschichte, vom kirchlichen Engagement, von den Mitgliedern, von der Gründerin. Die Gründerin wird oft zitiert. Das Mitglied strahlt großes Glück aus, wirkt durch und durch begeistert und erfüllt. Man hört viel Faszinierendes und - wenn man nicht schon schlechte Erfahrungen mit dieser oder einer ähnlichen Gemeinschaft gemacht hat - wird sich angezogen fühlen und geneigt sein, der Einladung in eines der Häuser der Gemeinschaft Folge zu leisten. Wenn man als potenzielles neues Mitglied, also als junger Mensch zwischen 16 und 25 diese Erfahrung macht, wird einem besonders eindrücklich geschildert, wie glücklich die jüngsten Mitglieder der Gemeinschaft sind und wie vielfältig sie in ihren Begabungen gefördert und eingesetzt werden. Zu erfahren, dass es eine Atomphysikerin, eine promovierte Philosophin, mehrere promovierte Theologen, einen Metzger, einen Schreiner, Klempner, Buchbinder und unzählige andere Berufe in der Gemeinschaft in dieser Vielfalt gibt, dass man als Mitglied in Italien, England, Frankreich, den USA oder dem Heiligen Land eingesetzt werden kann fasziniert unbedingt.

Erst Jahre später, oft erst nach dem Austritt wird einem bewusst, wie geschickt hier mit einem Gemisch aus Halbwahrheiten und Lügen gearbeitet wird. Man muss selbst erfahren, wie falsch, aufgesetzt und erzwungen (auch von Innen heraus erzwungen, von den Mitgliedern selbst), das vermeintliche Glück ist. Man muss erfahren haben, dass man zwar in allen möglichen Bereichen zum Arbeiten eingesetzt wird, dass man von einem Land ins andere versetzt wird und kaum Luft holen kann, aber mitnichten in den eigenen Begabungen wertgeschätzt und gefördert wird noch persönlich bereichernde Erfahrungen macht: im Gegenteil! Nach dem Eintritt heißt es dann, man müsse den eigenen Begabungen und Wünschen erst einmal "absterben". Wenn man dann die berühmte "Atomphysikerin", die "Philosophin", die "Theologen" und den "Metzger" kennenlernt, merkt man irgendwann auch, dass so gut wie keiner von ihnen in seinem Beruf auch tatsächlich arbeitet, dass ihre Qualifikationen zwar real sind, aber von keiner hohen Qualität, dass die allermeisten von ihnen psychisch gebrochene Menschen sind... Vor allem aber wird einem schlussendlich die größte Lüge klar: das Werk arbeitet nicht für die Kirche, sondern ausschließlich für sich selbst.


Zweiter Schritt: Unfreiheit

Wenn man erst einmal eingetreten ist, wird man ziemlich schnell isoliert und kontrolliert. Man mag das hinnehmen, weil man es für normal hält, in einer Gemeinschaft des geweihten Lebens gewisse persönliche Freiheiten aufzugeben. Dabei realisiert man nicht, dass das Werk im Beschneiden der Freiheit seiner Mitglieder weiter geht als es nach kirchenrechtlichen Prinzipien überhaupt gehen dürfte. Hier steht das Werk tatsächlich einer Sekte in nichts nach, denn es schreibt seinen Mitgliedern alles bis ins Kleinste vor und kontrolliert sie darin: alle Kontakte inkl. geistliche Begleitung und Beichtvater werden vorgeschrieben, ebenso Lektüre, Nahrungsaufnahme, Informationsquellen, Gedanken und Gefühle (!). Das Mitglied übernimmt diese Vorgaben scheinbar freiwillig, wird dabei tendenziell skrupulös und realisiert in der Regel erst zu spät, dass es komplett unfrei geworden ist.


Dritter Schritt: Abhängigkeit

Ist das Mitglied erst einmal von seinem früheren Umfeld abgeschnitten und unfrei geworden, wird es auch vom Werk abhängig. Diese Abhängigkeit kann sich auf alle Bereiche seines Lebens erstrecken. Oft befindet er/sie sich in einer emotionalen Abhängigkeit gegenüber seinem/ihrer "Verantwortlichen", der/die in der Regel die einzige Bezugsperson ist. Das  Mitglied befindet sich in einer ideologischen Abhängigkeit, da seine Identität und sein Gedankengut ganz vom Werk bestimmt wird. Es befindet sich in einer materiellen Abhängigkeit, da es keinen eigenen Besitz mehr hat und das Werk nicht verpflichtet ist, es nach einem evtl. Austritt in irgendeiner Weise zu unterstützen. Vielen Mitgliedern ist diese Abhängigkeit nicht bewusst. Sie entfaltet aber unbewusst eine starke Wirkung. Ergibt sich für ein Mitglied erst einmal eine irgendwie geartete potentielle Unabhängigkeit gegenüber der Gemeinschaft (emotional, ideologisch oder finanziell), kehrt es der Gemeinschaft in der Regel schnell den Rücken.



Umgang mit Austretenden

Werbick nennt als Merkmal fundamentalistischer Gemeinschaften "Intoleranz gegenüber 'Abweichlern'". Auch für Sekten ist aggressiver Umgang mit Abweichlern und ausscheidenden Mitgliedern typisch. Dazu gehören massiver Druck, der auf austrittswillige Mitglieder ausgeübt wird, das Vorenthalten der Rechte, die Mitgliedern während und nach ihrem Ausscheiden zustehen, der Anspruch der Deutungshoheit über die Motive des ausscheidenden Mitglieds diesem selbst und allen anderen Mitgliedern der Gemeinschaft gegenüber und der Versuch der Kontrolle der ausgeschiedenen Mitglieder auch noch lange Zeit nach deren Austritt, sowie das Kontaktverbot zwischen Ausgetretenen und aktiven Mitgliedern.

Ideologische Grundlegung: der Verrat des Judas
Im Werk ist das alles schon ideologisch grundgelegt. Ein Austritt gilt als die größte Katastrophe, die größtmögliche Untreue eines Mitgliedes und wird als "Abfall" nicht nur vom Werk, sondern von der eigenen Berufung und damit vom Ruf Gottes, d.h. von Gott selbst verstanden. Das zeigt z. B. das Kapitel 11 der Konstitutionen "Verlassen und Entlassen". Gleich zu Beginn dieses Kapitels werden die "Verleugnung des Petrus" und der "Verrat des Judas" als Metaphern für das Ausscheiden von Mitgliedern aus dem "Werk" bemüht. Vgl. Kapitel XI - Verlassen und Entlassen
Dementsprechend gestaltet sich auch der Umgang mit austrittswilligen, austretenden und ausgetretenen Mitgliedern:

Wer austritt ist selbst schuld
Sobald ein Mitglied spürbar auf Distanz zur Ideologie der Gemeinschaft geht, wird es z. T. massiv unter Druck gesetzt. Dies ist selbst dann der Fall, wenn die Gemeinschaft selbst auf das Ausscheiden des Mitgliedes hinwirkt. Bspw. werden mitunter Mitglieder, die zu krank sind, um zu arbeiten, aus der Gemeinschaft hinausgedrängt, nicht aber, ohne ihnen einzuschärfen, dass sie selbst die Schuld daran trügen, dass sie der Berufung nicht würdig seien oder ihre Berufung verspielt hätten, dass sie nicht fest genug an die Berufungsgnade geglaubt hätten und darum krank geworden seien etc. Dem ausscheidenden Mitglied wird klar gemacht, dass es außerhalb der Gemeinschaft nicht mehr glücklich werden könnte, dass es nun ohne die Bündnisgnade leben müsse usw. Dass die Verantwortlichen weiterhin den Kontakt zum ausgetretenen Mitglied halten wollen wird als großzügige Geste dargestellt, tatsächlich ist es der Versuch die möglichst weitgehende Kontrolle auch über ausgetretene Mitglieder zu behalten.

Erzwungener Verzicht auf alle Ansprüche gegenüber dem Werk
Sobald der Entschluss zum Austritt feststeht, wird dem Mitglied ein Dokument zur Unterschrift vorgelegt, in dem es heißt, dass es von nun an keinerlei Ansprüche mehr gegenüber dem Werk habe und zwar "insbesondere vertraglicher, rechtlicher, assikurativer oder finanzieller Art". Das Mitglied kennt seine Rechte zu diesem Zeitpunkt nicht, es kennt nicht einmal das 11. Kapitel der Konstitutionen. Dazu ist es extrem zermürbt von den vorangehenden oft tagelangen Gesprächen und seinen eigenen Skrupeln. Es kann niemanden um Rat fragen und hat nur noch einen Wunsch: so schnell wie möglich das Werk zu verlassen. Also unterschreibt das Mitglied.

Lächerliche Summe und Schweigegeld
In der Regel wird dem ausscheidenden Mitglied sogar ein Geldbetrag mitgegeben, der aber lächerlich gering ist und kaum die Lebenshaltungskosten für mehr als einen Monat decken kann. Mehr "Glück" haben allenfalls Mitglieder, die aufgrund ihrer Erlebnisse in der Gemeinschaft (Missbrauch, Medikamentenmissbrauch, Vorenthaltung ärztlicher Hilfe mit daraus resultierenden bleibenden Gesundheitsschäden) eine potenzielle Gefahr für das Werk darstellen: sie erhalten u. U. einen Zusatzbetrag, der im vierstelligen Bereich liegen kann: ein Schweigegeld.

Kein Austrittsindult
Im Kapitel 11 der Konstitutionen (vgl. Link oben) heißt es, dass das Ausscheiden von Mitgliedern mit "zeitlichen Gelübden" gemäß dem "Eigenrecht" geregelt wird. Dieses Eigenrecht - falls es überhaupt schon geschrieben ist - kennt aber kein Mitglied. Ein Indult, also eine Entlassungsurkunde, wie sie vom Kirchenrecht vorgesehen ist, steht nur Mitgliedern mit "ewigen Gelübden" zu. Das Werk lässt aber, entgegen kirchenrechtlicher Regelung, nur in Ausnahmefällen und nach sehr langer Zugehörigkeit zur Gemeinschaft, Mitglieder zu den ewigen Gelübden, d.h. zum "ewigen Hl. Bündnis" zu. So scheiden selbst Mitglieder, die mehr als 10 Jahre zum Werk gehört haben ohne Indult aus, also ohne jemals de iure Mitglieder des Werkes gewesen zu sein und werden gemäß einem vom Werk selbst geschriebenen Eigenrecht behandelt, das sie nie zu Gesicht bekommen.

Keine Nachzahlung von Pensionsbeiträgen
Konsequent vorenthalten wird Ex-Mitgliedern des Werkes die gesetzlich vorgeschriebene Nachzahlung von Pensionsbeiträgen. Institute des geweihten Lebens müssen in den meisten europäischen Ländern wie Deutschland, Österreich und Italien nicht in die Rentenversicherung einzahlen, da sie sich selbst um ihre Mitglieder im Pensionsalter kümmern. Dafür sind sie aber gesetzlich verpflichtet ausscheidende Mitglieder nachzuversichern. Die dadurch entstehenden Kosten sind allerdings sehr hoch, insbesondere für Mitglieder, die 10 Jahre und mehr in der Gemeinschaft waren. Angesichts der gesetzlichen Vorschrift, der ohnehin unsicheren Renten und der Schwierigkeit nach dem Austritt (oft ohne nennenswerte Ausbildung, die man im Werk nicht erhält) einen Arbeitsvertrag mit einigermaßen einträglichem Lohn zu finden, ist das Vorenthalten dieser Nachzahlungen ein Verbrechen.

Die Deutungshoheit über den Austritt liegt bei den Verantwortlichen
Nach dem Austritt des Mitgliedes erfinden die Verantwortlichen eine Austritts-Legende, die sie den anderen Mitgliedern jeweils in vier-Augen-Gesprächen erzählen. Diese handelt immer davon, dass das betreffende Mitglied selbst schuld an seinem "Scheitern" sei. Von evtl. Missbrauch, Krankheiten, berechtigten Zweifeln und dem Versagen der Verantwortlichen ist keine Rede. Mal heißt es, er oder sie habe Schwierigkeiten mit einem der ev. Räte gehabt oder habe das "Charisma" nicht "in seiner Tiefe" verstanden, mal heißt es, er oder sie sei nicht bereit gewesen, sich von der Eigenliebe, vom Stolz oder sonst etwas zu bekehren. Manches mal heißt es auch, jemand sei einfach nicht "reif" genug gewesen. In jedem Fall aber ist allen Mitgliedern der Kontakt zu den Ausgetretenen verboten. Das gilt selbst dann, wenn es sich um leibliche Geschwister handelt.

Das Werk verfolgt Ex-Mitglieder
Auch wer ausgetreten ist, wird weiterhin von seinen ehemaligen Verantwortlichen kontaktiert und verfolgt. Das kann in einzelnen Fällen bis hin zum Stalking gehen, sodass Ex-Mitglieder schon polizeiliche Hausverbote für bestimmte Personen erwirken mussten, um sich von ihnen zu befreien. Das Werk will möglichst viel über seine ehemaligen Mitglieder wissen. Verantwortliche melden sich bei Ex-Mitgliedern oder deren Verwandten und Freunden und zeigen sich besorgt und anteilnehmend am weiteren Schicksal ihrer ehemaligen Mitglieder, eine Geste, die angesichts des vorausgegangenen psychischen Drucks und der vorenthaltenen Rechte zynisch wirkt und sich als Heuchelei entlarvt. Das Werk tut sehr viel, um sicherzustellen, dass Ex-Mitglieder der Gemeinschaft nicht gefährlich werden können. Sie schrecken auch vor der offenen Verleumdung von einzelnen ehemaligen Mitgliedern, die ihnen besonders gefährlich werden könnten, nicht zurück, sie verleumden also gerade ihre größten Opfer, weil deren Geschichten am meisten Sprengstoff in sich tragen. Bis vor Kurzem hat das Werk damit erfolgreich verhindern können, dass Geschichten seiner Ex-Mitglieder an die Öffentlichkeit gelangen. Wenn das dennoch einmal geschehen ist, wie Mitte der 90er in Belgien, hat es sich zum Opfer einer "Verfolgungswelle" stilisiert.


Das Isaakopfer

In diesem Text zeigt Verhaeghe, was sie von ihren Mitgliedern fordert: wie Gott von Abraham verlangt hat, seinen eigenen Sohn zu töten, sollen die Mitglieder des Werkes im Gehorsam gegenüber ihren Verantwortlichen zu allem bereit zu sein, insbesondere dann, wenn es darum geht, das zu opfern, was ihnen am wichtigsten und liebsten ist.

Im Werk wird dieses Verhaeghe-Zitat besonders dann gebraucht, wenn ein Verantwortlicher ein Mitglied dazu bewegen will, den Kontakt zu seiner Familie, seine besonderen Begabungen oder seine tiefsten Wünsche aufzugeben. Das bricht den Mitgliedern das Herz, und macht sie nachhaltig innerlich krank.

Dieser Text zeigt auch, wie gefährlich eine nicht theologisch fundierte, rein geistlich-biblizistische Bibelauslegung ist, wie sie von Verhaeghe immer praktiziert worden ist und bis heute im Werk praktiziert wird. 

"Es wird von uns der Glaube gefordert, der in menschlicher Ohnmacht sein Kind zum Opferaltare bringt. Dort wird Gott selbst eingreifen und den Glaubensakt, den der Glaubende in Treue zu seinen heiligen und unergründlichen Verfügungen vollzogen hat, in einen Akt der Anbetung verwandeln, der Ihn ehrt und verherrlicht."
Julia Verhaeghe 

Gehirnwäsche

Seit Jahrzehnten weisen Bischöfe, Theologen, Journalisten und Betroffene (Ex-Mitglieder und Eltern von Mitgliedern) auf die verheerenden Folgen der sog. "Formung" in fundamentalistischen kath. Gruppierungen hin. Wie mit den Mitgliedern umgegangen wird, gleicht sich auf verblüffende Weise, unabhängig davon, um welche Gemeinschaft es sich handelt. Der Ex-Focolarino Gordon Urquhart hat diese Methoden verglichen und acht Merkmale ausgemacht, die alle von ihm untersuchten Gruppen aufweisen. Obwohl das Werk höchstwahrscheinlich nicht zu den Gemeinschaften gehört, die er im Blick hatte, treffen doch alle diese Merkmale auch haargenau auf das Werk zu:

1. Die Gruppen versuchen, sich die Verfügungsgewalt zu sichern über alles, was der Einzelne zu sehen, zu hören und zu lesen bekommt, dann über alles, was er schreibt, erlebt und ausdrückt. Dem Einzelnen werden gezielt die Möglichkeiten genommen, nachzudenken und persönlich zu entscheiden.

2. Kontrolleure schaffen eine Lage, die den Beteiligten bestimmte Verhaltensmuster und Gefühle aufzwingt, so etwa den Zwang zum ständigen Lächeln und zur Fröhlichkeit. Das Bemühen, solche Verhaltensweisen in isolierten Umgebungen ohne Außenkontakte aufrechtzuerhalten, schafft euphorische Gefühle. Die Kontrolleure erzeugen "eine mystische Aura um die manipulierenden Institutionen". Die Opfer fühlen sich als ausgewählte Werkzeuge.

3. Es wird vermittelt, dass nur das das Gute ist, was mit der eigenen Ideologie übereinstimmt. Dem Einzelnen wird beigebracht, dass er nur dann rein sein werde, wenn er sich nach der Botschaft seiner Gemeinschaft verhalte.

4. Die Reinheit wird in offenen Beichten und Selbstbeschuldigungen überprüft und zu Neurosen fortentwickelt. Auf diese Weise entsteht Abhängigkeit durch Schuldgefühle. Sich preiszugeben bedeutet sich selbst aufzugeben, was allerdings nur von einfachen Mitgliedern verlangt wird. Die Vorgesetzten halten sich persönlich bedeckt und lassen sich nicht in die Karten schauen. Ständig abzuliefernde Erfahrungsberichte ihrer Untergebenen sichern denen ganz oben Herrschaftswissen, das bis hin zur Erpressung Einzelner genutzt werden kann.

5. Die Organisation vermittelt ihr zentrales Dogma als das Ideal für die Ordnung des menschlichen Daseins.

6. Standardisierte Wortwahl und Insiderformeln sowie ein sektenartiger Hausjargon lenken das Denken und fördern das Zusammengehörigkeitsgefühl.

7. Veränderungen der Persönlichkeit werden anhand ständiger Berichte überprüft. Es gibt keine Privat- oder Intimsphäre mehr.

8. Schließlich gewährt die Organisation dem Unterworfenen bzw. Entmündigten eine Art Beförderung zum höheren Dasein, zur Einheit mit den Gründungsidealen. Die so "Belohnten" leiten daraus dann die Verpflichtung zum absoluten Gehorsam ab.


in: Gordon Urquhart, Im Namen des Papstes. Die verschwiegenen Truppen des Vatikans, München 1995. Zitiert nach: Hans-Peter Oschwald, Im Namen des Heiligen Vaters. Wie fundamentalistische Mächte den Vatikan steuernHeyne 2010, 24-25.

Das Werk und John Henry Newman

Wie das Werk zu Newman kam und wie es mit ihm umgeht


Das Werk betreut seit Jahrzehnten mehrere Newman-Zentren, u.a. in Rom und Oxford und hat ein erstaunliches Netzwerk mit Verbindungen zu Newman-Forschern und Interessierten weltweit aufgebaut. Dabei ist das Werk nicht wirklich an Newman interessiert, sondern an Newman als einem "Seelenverwandten" Verhaeghes. Verhaeghe wurde in ihrer Jugend durch eine Anthologien-Sammlung auf Newman aufmerksam und las ihre eigenen Anschauungen in seine Aussagen hinein, eine Lesart seiner Texte, die bis heute von Mitgliedern des Werkes weitergeführt wird. Tatsächlich liegt nichts ferner: Newman schreibt in seinen meisten Schriften gerade gegen die Auswüchse jener Religiosität des 19. Jahrhunderts an, die das Werk anachronistisch wieder zum Leben erwecken will, die es pflegt und verteidigt.

Die Konsequenz sind Interpretationen von Newman's Schriften, die einer völligen Umdeutung  Newman's gleichkommen, und dies obwohl ca. die Hälfte der Dissertationen von Mitgliedern des Werkes sich mit Newman beschäftigen: Lutgart Govaert: Kardinal Newmans Mariologie und sein persönlicher Werdegang (Gregoriana 1973); Hermann Geißler, Gewissen und Wahrheit bei John Henry Kardinal Newman (Lateran 1991); Peter Willi, Sünde und Bekehrung in den Predigten und Tagebüchern John Henry Newmans (Innsbruck 1992); Kathleen Dietz, John Henry Newman and the Fathers of the Church (Angelicum 2007).

Aus diesem Grund wird dem Werk die wissenschaftliche Anerkennung von Seiten der deutschen John-Henry-Newman-Gesellschaft oder renommierter Newman-Forscher (wie bspw. Roman Siebenrock, Günter Biemer, Ian Ker) seit Jahren verweigert, das Verhältnis beschränkt sich auf Zusammentreffen bei internationalen Tagungen, bei denen das Werk versucht, für sich selbst zu werben und seinen promovierten Mitgliedern zur Vernetzung und Anerkennung zu verhelfen (Bsp: die Newman-Konferenz in Rom 2010). Anerkannte Newman-Forscher beteiligen sich an solchen Veranstaltungen, weil sie ihnen eine Plattform bietet. Das Werk profitiert seinerseits davon, da die "Newman-Arbeit" eine seiner letzten öffentlichen Plattformen und sein größtes Prestige-Objekt ist.

Wenn sie auch vor dem Wissenschaftler nicht bestehen, erscheinen die Ausführungen "studierter" Priester und Schwestern vor dem Laien seriös. Dabei sind sie oft schon unter rein logischem Gesichtspunkt unhaltbar. Das soll hier nur anhand zweier rezenter Beispiele veranschaulich werden, die im Grunde für sich selbst sprechen und keines weiteren Kommentars bedürfen, nämlich an einem Artikel von Hermann Geißler in der theologischen Zeitschrift communio und einer Predigt von Peter Willi.


Hermann Geißler, Das Zeugnis der Gläubigen in Lehrfragen nach Newman

Wie er [John Henry Newman] im 19. Jahrhundert die Reduktion der Kirche auf das institutionelle Gefüge anprangerte, so würde er heute wohl die Tendenz zur Einebnung der Unterschiede zwischen Laien und Hierarchie aufdecken. Ähnlich wie er seinerzeit darüber klagte, dass man dem Konsens der Gläubigen keine Bedeutung beimaß, würde er in unseren Tagen vielleicht bemängeln, wie manche in der Kirche vergessen haben, dass die Entscheidungen in Fragen des Glaubens und der Sitten einzig und allein der Hierarchie zukommt.
Hermann Geißler, Das Zeugnis der Gläubigen in Lehrfragen nach John Henry Newman, in: IkaZ 41 (2012), 678.

Newman machte deutlich, dass die Kirche nicht nur aus dem Klerus besteht, sondern Gläubige und Klerus zusammen die Kirche bilden. Geißler leitet daraus ab, dass er heute bedauern würde, wenn die Unterschiede zwischen Laien und Hierarchie eingeebnet würden. Newman setzte sich im 19. Jahrhundert für die  Beteiligung von Laien bei Entscheidungen in Fragen des Glaubens und der Sitte ein. Hermann Geißler leitet daraus ab, dass er sich im 20. Jahrhundert wohl dafür eingesetzt hätte, dass solche Entscheidungen "allein der Hierarchie" zukommen... Dahinter verbirgt sich nicht nur eine grobe (unbewusste oder gewollte?) Missinterpretation von Newman's Grundgedanken, sondern auch eine Missinterpretation der aktuellen kirchlichen Situation. Diese Missinterpretation verrät Angst vor den Laien, da ihr die aktuellen Möglichkeiten zur Beteiligung von Laien schon übertrieben und so gefährlich erscheinen, dass sie wünscht, Newman würde auf den Plan treten und sie "aufdecken".


Peter Willi, Newman's Ideal von Heiligkeit

Heilig werden bedeutet für Newman schlicht und einfach: Tun, was man als wahr erkannt hat, in die Tat umsetzen, was man als Pflicht, als Wille Gottes, als Wert erkannt hat. Er sagt einmal: „Ich möchte nur behaupten, dass unsere Pflicht in Handlungen besteht – Handlungen jeder Art, Handlungen des Geistes so gut wie der Zunge und der Hand; aber auf jeden Fall besteht sie aus Handlungen; sie besteht nicht unmittelbar in Stimmungen und Gefühlen.“ Taten bringen uns viel weiter voran als Wissen, Gedanken, Worte oder Gefühle. Werke des Glaubens und der Liebe aus der Kraft der Gnade
verwandeln den Menschen und formen ihn zum Heiligen.

Peter Willi, Newman's Ideal von Heiligkeit, Predigt "zum bevorstehenden Allerheiligenfest" Oktober 2013.

Newman versucht die Konzentration frommer Kreise im 19. Jahrhundert auf das "fromme Gefühl" zu überwinden, indem er ihm geistige und praktische Verantwortung und Engagement entgegenstellt. Peter Willi folgert daraus den Primat der Tat vor dem Wissen, Denken und Reden, - das hat Newman aber nicht nur nicht gesagt, er hat das Gegenteil gesagt: die Art von Taten, von denen Newman spricht schließt Denken, Reden und Wissen ein (Handlungen des Geistes so gut wie der Zunge). Willi zielt dagegen auf ein Grundprinzip des Werkes ab, das man in Newman's Schriften beim besten Willen nicht ausfindig machen kann und das konträr zu Newman's eigenem Handeln steht: Handeln "aus Glauben" und "aus Gnade" ohne vorher nachzudenken, ohne Wissen, ohne darüber zu diskutieren (siehe die drei Pfeiler).


Finanzen


Das Finanzgebaren des "Werkes"


Das "Werk" legt ein Finanzgebaren an den Tag, das stutzig machen muss. Während die Mitglieder der Gemeinschaft einen unverhältnismäßig, bisweilen unvernünftig bescheidenen Lebensstil führen müssen, tätigt die Leitung der Gemeinschaft Investitionen in Millionenhöhe - und das, obwohl das "Werk" kaum über eigene regelmäßigen Einkünfte, wie etwa Lohneinkommen verfügt. Dies soll hier im Einzelnen etwas ausgeführt werden.


Die Armut der Mitglieder

Die Religiosen des "Werkes" sparen an praktisch allem, was sie zum täglichen Leben brauchen. Jedes Mitglied muss bis auf den Cent genau Rechenschaft über seine Ausgaben ablegen und wird ggf. zur Rede gestellt. Das geht so weit, dass ein gewöhnliches Mitglied es bspw. nicht wagt, unterwegs einen Kaffee zu trinken, da es fürchten muss, sich für diese Ausgabe rechtfertigen zu müssen.

Die Kleidung der Mitglieder besteht fast ausschließlich aus geschenkten Altkleidern und Kleidern verstorbener Mitglieder (Unterwäsche eingeschlossen). Mitglieder des Werkes dürfen sich nur in seltenen Ausnahmefällen selbst Kleidung kaufen. Um jedes Kleidungsstück müssen sie extra bitten. Abgetragene Kleidung wird oft jahrelang immer wieder geflickt, bis hin zur absoluten Unbrauchbarkeit, bevor sie zu Putzlumpen gemacht und dann als solche jahrelang weiter benutzt wird.

Nahrungsmittel werden in großem Umfang erbettelt. Das gilt insbesondere für Brot, Obst und Gemüse. In den Küchen des Werkes wird darum häufig mit Brotresten, Fallobst und altem Gemüse gekocht. Getrunken wird praktisch ausschließlich Leitungswasser und (mit Kräutern aus dem Garten) zubereiteter dünner Tee. So lassen sich die Ausgaben für die Ernährung einer Person pro Tag in manchen Zentren auf einen Euro herunterdrücken. Das "Werk" macht aber auch vor noch fragwürdigeren Methoden nicht Halt und lässt sich etwa in seine italienischen Zentren immer wieder in großem Umfang unverkäufliche Produkte aus Hilfsprogrammen liefern (Aufschrift: Agea aiuto CE - prodotto non commerciabile), die eigentlich für tatsächlich Bedürftige bestimmt wären.

Hygiene-Artikel werden in Mengen eingekauft und gelagert. Mitglieder müssen in den meisten Zentren um jedes Stück Seife, Deodorant, Nylon-Strumpfhosen etc. extra fragen. An Stelle von Duschgel gibt es von mehreren Personen verwendete Seifenstücke, die wenn sie auf eine bestimmte Größe zusammengeschrumpft sind, zur Schmierseife weiterverarbeitet werden. Damit erübrigt sich der Einkauf von Putzmitteln fast völlig, da der größte Teil des Hausputzes mit Schmierseife erledigt wird. Auch Wäsche wird zum Teil von Hand mit Kernseife gewaschen.

Kurz: das Leben der Mitglieder erinnert an Kriegs- oder Nachkriegszeiten, obwohl von Seiten der Leitung immer wieder beteuert wird, sie strebten für die Mitglieder einen Lebensstil an, der dem des gesellschaftlichen Durchschnitts entspricht. Es ist in jedem Fall bedenklich, wenn eine Gemeinschaft so mit ihren eigenen Mitgliedern umgeht, obwohl sie offensichtlich über mehr als ausreichende Finanzmittel verfügt, um einen normalen und gesunden Lebensstil zu gewährleisten.

Die Großausgaben des Werkes


Seit 2004 hat das Werk Bauvorhaben in Millionenhöhe getätigt.

In Bregenz wurde 2004 die Großküche des Klosters Thalbach, das Refektorium und der Speisesaal der Priester komplett neu gestaltet und hochwertig eingerichtet. Die Kosten dafür dürften im sechsstelligen Bereich gelegen haben.
Nur wenige Jahre später, 2009 bis 2010 wurde ein auf dem Grundstück des Klosters Thalbach befindlicher Altbau abgerissen und durch einen Neubau mit geräumiger Tiefgarage ersetzt. Dazu wurde eine das ganze Kloster versorgende Hackschnitzelheizung eingebaut und der Parkplatz neu gestaltet. Allein für dieses Vorhaben lagen die Kosten im siebenstelligen Bereich.
In letzter Zeit wurde der ehemalige Schulktrakt, wo bis vor kurzem Unterricht für die Schülerinnen der Handelsschule (Marienberg) stattfand, komplett umgebaut und u.a. ein mit allen technischen Finessen ausgestatteter Festsaal eingerichtet. 

In Rom wurde 2007 die Bibliothek des Collegium Paulinum renoviert, was die komplette Neugestaltung von vier großen Räumen einschloss. Dazu wurden unter anderem eine große Anzahl maßgefertigter Bücherregale von einem österreichischen Handwerksbetrieb eingebaut. Die Terrasse wurde neu gestaltet inklusive einer dekorativen kleinen Brücke von der Terrasse in den Garten. Wie hoch die Kosten für diesen Umbau lagen, ist uns leider nicht bekannt.

In Wiener  Nobelbezirk Währing wurde (bzw. wird) eine Altbau-Villa renoviert, die dem Werk vererbt worden ist. Der Kostenvoranschlag hierfür liegt im oberen sechststelligen Bereich.

In Villers (Ath/Belgien) wird das älteste Haus der Gemeinschaft komplett umgebaut. Dies ist das größte Bauvorhaben der Gemeinschaft. Die Kosten dürften sich auf mehrere Millionen belaufen. 


Die Einkünfte des Werkes

Laut Konstitutionen hat das Werk folgende mögliche Einkommen: 
Die Geldmittel und Vermögenswerte werden durch Löhne von Mitgliedern im engeren Sinn und andere Einkünfte (vgl. can. 1259), durch Zuwendungen unter Lebenden und von Todes wegen und durch Sammlungen aufgebracht. Zuwendungen verschiedener Art und Erbschaften dürfen im Normalfall nur dann angenommen werden, wenn dadurch für „Das Werk“ oder für einzelne Mitglieder keine Verpflichtungen entstehen. 
Konst. XII, 8.

An erster Stelle werden die Löhne von Mitgliedern genannt. Tatsächlich geht aber ein so kleiner Teil der Mitglieder einer bezahlten Beschäftigung nach, dass ihre Löhne bei weitem nicht für die Deckung der Lebenshaltungskosten der Gemeinschaft ausreichen können, von größeren Bauvorhaben ganz zu schweigen.

An zweiter Stelle stehen Spenden und Erbschaften. Darüber gibt das Werk seinen eigenen Mitgliedern gegenüber keine Auskunft. So bleibt die Frage offen: verfügt das Werk über Spenden oder Erbschaften in Millionenhöhe?

An dritter Stelle werden Sammlungen genannt. Solche sind nach unseren Wissen in den letzten Jahren aber nicht durchgeführt worden.