Was will dieser Blog?

Dies ist der Blog ehemaliger Mitglieder des "Werkes". Er enthält Geschichten, Tatsachen und Erfahrungen, die vom "Werk" sorgfältig verschwiegen oder geleugnet werden. Er sei jedem ans Herz gelegt, der mit dem "Werk" in Kontakt kommt.

Die drei Pfeiler. Ideal und Realität.

Die drei Pfeiler

Ideal und Realität


Die Mitglieder des ‚Werkes’ müssen sich bewusst bleiben, dass sie ihre Berufung in der Kirche und für die Kirche nur in der Kraft der drei göttlichen Tugenden verwirklichen können. Sie öffnen sich für jene Gnade, die Mutter Julia das Licht der ‚drei Pfeiler’ nennt: ‚Vergessen wir nie, dass die ‚drei Pfeiler‘ ein drängender Aufruf sind, den Glauben, die Hoffnung und die Liebe zu leben’. Dadurch werden die Berufenen von der unerlösten Ichgebundenheit befreit, erneuern ihr Denken und werden fähig, ihre Auserwählung zum ‚Heiligen Bündnis’ in Einheit mit Gott und untereinander zu leben. (...) Die Gnade der „drei Pfeiler“ leben, heißt für sie: ‚Im Frieden des Glaubens das Leben wagen, ohne egoistisch in Gedanken um sich selbst zu kreisen. In Freude auf Gottes Vorsehung vertrauen, ohne sich auf fruchtlose Diskussionen und Wortgefechte einzulassen. In Dankbarkeit und Liebe dienen, ohne durch lieblose Kritik der Einheit zu schaden (J.Verhaeghe).                                                            - Konst. I,1

Dieser Text handelt von den drei Pfeilern, der Grund-Maxime des Werkes. Die drei Pfeiler sind das Mittel, mit dem die Mitglieder des Werkes manipuliert werden. Die Rede ist von einer Art Bekehrung, genauer von einer "Mentalitätsbekehrung", die Mitglieder und Assoziierte des Werkes durchlaufen müssen. Tatsächlich handelt es sich dabei um Denk- und Redeverbote, um eine umfassende Anonymisierung und Instrumentalisierung von Menschen im Dienst an einer Ideologie, die es sich zum Ziel gesetzt hat, das ganze "Gottesvolk" zu erreichen:    

Unsere Bekehrung und unsere Heiligung müssen dazu beitragen, den Abfall im Gottesvolk aufzuhalten, wo immer es möglich ist, und die schmerzliche Agonie des Mystischen Leibes zu lindern.

 - Zitat Verhaeghes im 2. Kapitel der Konstitutionen, Anm. 25.

Die drei Pfeiler. Das Ideal.


Die drei Pfeiler sind eine Art "Übersetzung" der drei göttlichen Tugenden: Glaube, Hoffnung und Liebe. Im Werk werden sie umgeformt zur Maxime: nicht räsonieren, nicht diskutieren, nicht kritisieren. Es sind Prinzipien, die höchste geistige Selbstverleugnung verlangen und höchsten inneren Frieden verheißen: glauben, hoffen und lieben anstatt um sich selbst zu kreisen, alles zigmal zu überdenken, endlos zu diskutieren und immer und überall herumzukritisieren, einfach akzeptieren, was gesagt und verlangt wird, die Dinge einfach annehmen und tun. Einfach zu vertrauen, sich wie ein Kind in die Obhut jener zu begeben, die die Gemeinschaft leiten, aus einer scheinbar so übersteigert kritik- und diskussionssüchtigen Gesellschaft herauszutreten und innerlich still zu werden, einfach zu glauben und zu tun, was einem gesagt wird - das verheißt inneren Frieden und das kann eine große Faszination ausüben.


Die drei Pfeiler. Beobachtungen.

Jeder einigermaßen nüchterne Zeitgenosse wird mit unmittelbarer Skepsis auf die Maxime "nicht räsonieren, nicht diskutieren, nicht kritisieren" reagieren. Die Parallelen zur Propaganda menschenverachtender Regime drängen sich allzu sehr auf, sodass wirklich das Gefühl aufkommen kann, die drei Pfeiler wären gewissermaßen aus den Lehren von Lenin, Stalin, Mao und Hitler destilliert. Wo Denken, Nachdenken, offene Diskussion und Kritik verboten werden, werden Menschen nicht nur ihre fundamentalsten menschlichen Grundfreiheiten genommen, es ist auch davon auszugehen, dass diejenigen, die diese Verbote erdacht haben und sie durchsetzen, diese Unfreiheit ausnutzen, dass das von ihnen errichtete System nur solange bestehen kann als die Menschen darin es auch tatsächlich nicht wagen, selbst zu denken, zu diskutieren und ihre Kritik offen auszusprechen.

Besonders bitter ist, dass die "drei Pfeiler" vorgeben eine Auslegung der drei göttlichen Tugenden zu sein. Tatsächlich sind sie eine fundamentale Umdeutung, eine Verkehrung der göttlichen Tugenden in ihr Gegenteil. Glaube, Hoffnung und Liebe setzen Freiheit und Beziehung voraus, sie werden erst dort möglich und blühen nur dann auf, wenn Menschen aus eigenem Entschluss, eigener Reflexion und eigenem Willen sie ergreifen. Glauben kann niemals das Resultat eines Denkverbots sein, genauso wenig wie Liebe das Ergebnis eines Kritikverbotes sein kann.

Dazu kommt: Was hier bedingungslos geglaubt, gehofft und geliebt werden soll, ist ja nicht mehr Gott selbst, sondern die Leitung des Werkes und ihre Anordnungen. Auch dies ist eine Parallele zu totalitären Regimen: angeblich geht es um eine Weltanschauung. Tatsächlich geht es um die Machtansprüche der Regierenden, die sich der Kontrolle durch ihre Untergebenen entziehen, um ein System völliger Unfreiheit und Kontrolle aufzubauen und aufrechtzuerhalten.

Der Willkür der Leitung ist damit Tür und Tor geöffnet. Unter Berufung auf Gott, an dessen Stelle die Verantwortlichen gegenüber den Mitgliedern der Gemeinschaft stehen, können sie alles verlangen, alles beurteilen, alles verschweigen ohne, dass dem einzelnen Mitglied eine Rechtfertigung dafür bliebe, die Dinge anders zu sehen, anders zu empfinden oder schlicht nicht zu verstehen. In den Augen Verhaeghes hat das einzelne Mitglied schlicht keinen Anspruch darauf, zu verstehen, was das Werk ist und worum es geht. Es soll auch nicht darüber nachdenken. Ihm bleibt nichts als dem Werk einfach zu "dienen":

Den Plan des ‚Werkes‘ können wir einzig und allein von Gott her verstehen. Er ist Leiter und Plan zugleich. Deshalb müssen wir alle eigenen Gedanken und Vorstellungen über ‚Das Werk‘ fallen lassen, um diesem göttlichen Plan dienen zu können. 

 - Zitate Verhaeghes, in: L. Scheffczyk, Wesensmomente des Charismas, Eigenverlag Das Werk. 


Die Mitglieder müssen alles bedingungslos hinnehmen. Während die Leitung alles von ihnen weiß und alle Fragen stellen darf, alles verlangen darf, ist für das Mitglied selbst schon das Nachdenken darüber (räsonieren) eine Sünde: mit unserem begrenzten menschlichen Verstand den Willen Gottes (d.h. den Willen der Verantwortlichen) begreifen zu wollen sei vermessen.

Wie extrem die drei Pfeiler umgesetzt werden, erfährt man erst in der alltäglichen Praxis im Werk, in dem tatsächlich ein subtiles System permanenter Angst und Kontrolle herrscht:

Des Räsonierens macht man sich schon schuldig, wenn man nachdenkt: über eine Anordnung, die man befolgen soll, über einen Entschluss des Rates, über einen Satz Verhaeghes. Man muss also noch nicht einmal den Mund auftun. Wenn jemand unter dem Verdacht steht, dass er eine Anordnung nicht verstehen kann, dass ihn das Gefühl quält, sie könnte falsch sein, dann wirft man ihm vor, dass er räsoniert. Das ist gleichbedeutend mit einem schwerwiegenden Vorwurf und kann quälend lange Gespräche mit den Verantwortlichen nach sich ziehen, denen gegenüber man sich rechtfertigen muss.

Des Diskutierens mach man sich schuldig, wenn man Fragen stellt, nachhakt, Alternativvorschläge macht. Auch diese müssen nicht ausgesprochen werden, es genügt, wenn man sie für sich selbst erwägt und ein Dritter das mitbekommt oder auch nur einen entsprechenden Verdacht hegt. Besonders schlimm ist das Vergehen natürlich dann, wenn man gemeinsam mit anderen Mitgliedern bzw. in ihrem Beisein, solche Fragen stellt. Dann muss man damit rechnen, von Verantwortlichen unmittelbar zur Rede gestellt, bedroht und evtl. bestraft zu werden.

Des Kritisierens macht man sich schuldig, wenn man von irgendetwas im Werk bewusst eine andere Ansicht vertritt. Auch das muss man noch nicht öffentlich tun. Es genügt, wenn man für sich allein der Ansicht ist, etwas oder jemand wäre verkehrt, hätte falsch entschieden oder gehandelt etc. Das Schlimmste von allem ist offene Kritk, insbesondere das "Austauschen von Kritik" unter Mitgliedern. Auch das kann nonverbal sein: ein Augenverdrehen ob einer zweifelhaften Äußerung eines Verantwortlichen genügt, um zur Rede gestellt und mit Strafen bedroht zu werden. Wird man erst beim Gespräch mit einem anderen Mitglied erwischt, kann man damit rechnen, in stundenlangen Gesprächen  zur Rede gestellt, bedroht, bestraft, evtl. auch versetzt zu werden und unter verschärfter Beobachtung zu bleiben.  

Mitglieder des Werkes erfahren all das täglich. Die Maxime geht ihnen in Fleisch und Blut über. Die geistige Enge, die Angst vor Rügen und die Willkür der Verantwortlichen ist für sie normal geworden. Dass es besser ist, keine Fragen zu stellen, ist selbstverständlich. Ex-Mitglieder erholen sich in der Regel erst langsam davon. Auch Jahre nach dem Austritt kann man sich noch bei der Frage ertappen: darf ich das denken?


Gebet um die Gnadengabe der Jungfräulichkeit


Jungfräulichkeitsgebet
Das Gebet um Jungfräulichkeit wird von den Religiosen des Werkes unmittelbar vor dem Schlafengehen gesprochen. Jeder betet es für sich allein in seinem Zimmer. Es soll vor unkeuschen Gedanken und Gefühlen schützen. Von diesem Gebet gibt es zwei Versionen, eine für Frauen und eine für Männer. Die nachfolgende Version ist die für die Männer. 

Das Gebet ist ein Beleg für das dualistische Menschenbild des Werkes, für das "Bindungen an Menschen und Dinge" "ungeregelt" und damit sündhaft sind, ebenso wie alles, was mit "Liebe", "Körper" und "Gefühl" zu tun hat. Die Mitglieder des Werkes beten mit diesen Worten insbesondere gegen sexuelle Bedürfnisse an, die sie für Versuchungen zu schwerer Sünde halten und die in der Logik des Werkes Folge von "Gefühlen" und "Bindungen" sind, sodass Menschen umso keuscher leben je weniger sie fühlen und Bindungen eingehen. Psychologisch betrachtet ist das Gegenteil der Fall, ebenso wie ein gezieltes Anbeten gegen sexuelles Verlangen dieses eher steigern als schwächen dürfte. 

Anstatt sich bewusst mit der eigenen Sexualität auseinanderzusetzen, offen darüber zu reden, echte Hilfestellungen und Orientierung zu erhalten, bekommen Mitglieder des Werkes ein schlechtes Gewissen vermittelt und werden einzig auf das Vorbild und die Fürbitte der Jungfrau Maria und des heiligen Josef verwiesen m.a.W. allein gelassen. Die Folgen können schwerwiegend sein, nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern auch für Menschen in ihrem Umfeld, für die sie aufgrund ihrer nicht integrierten sexuellen Bedürfnisse langfristig zur Gefahr werden können.


Herr Jesus Christus,
hilf mir, dankbar zu sein für die Gnadengabe der jungfräulichen Liebe.
Bewahre mich vor der Sünde 
und gewähre mir einen lauteren Geist, 
ein reines Herz 
und einen keuschen Leib.

Ich will auf die Stimme meines Gewissens hören 
und auf die Gnade des „Heiligen Bündnisses“ mit deinem Herzen vertrauen.

Hilf mir, ein heiliges Leben zu führen, 
frei von ungeregelten Bindungen an Menschen und Dinge.
Bewahre mich in inniger Verbundenheit mit der seligen Jungfrau Maria 
und mit dem heiligen Josef, der dir und deiner Mutter in reiner Liebe diente.

Erzengel Gebet


Dieses Gebet wird von Mitgliedern des Werkes zu Beginn jeder Reise gebetet, meist gesungen. Es zeugt von ihrem von magischen Vorstellungen geprägten Glauben. Die Erzengel werden angerufen, wie Mächte, deren Wirkung man sich durch die Anrufung zu eigen machen kann. Zum selben Zweck wird auch Weihwasser bei Autofahrten und Flügen bzw. im Umgang mit anderen Maschinen verwendet. Dahinter steht der Glaube, dass Zwischenfälle insbesondere auf Reisen nicht auf natürliche, fahrlässige oder zufällige Fehler zurückgehen, sondern auf das gezielte Wirken des Bösen, das Gott und seinen Dienern (in diesem Falle die Mitglieder des Werkes) Schaden zufügen will. Werden diese bösen Mächte mit Gebeten und Weihwasser vertrieben, kann nichts geschehen. Auch dieses Gebet veranschaulicht also das dualistische Weltbild des Werkes, dessen Mitglieder sich auch in den banalsten Tätigkeiten des Alltags unmittelbar in den Kampf zwischen Gott und Satan verwickelt glauben.


Heiliger Erzengel Rafael, beschütze uns auf den Wegen Gottes.
Heiliger Erzengel Gabriel, bewahre uns im Willen Gottes.
Heiliger Erzengel Michael, verteidige uns gegen alles Böse.

Das Credo des Werkes: das göttliche Recht

Dieser Text Verhaeghes ist so etwas wie das Credo des Werkes. Er bringt das Gottesbild Verhaeghes auf den Punkt: Gott ist alles, der Mensch ist nichts. Entgegen dem biblischen Zeugnis und der theologischen Tradition, die vom Mensch als Ebenbild Gottes spricht, in der Gott sich der Menschheit annimmt und Menschen immer wieder mit Gott hadern (worauf Gott durchaus wohlwollend eingeht und bisweilen sogar "seine Meinung ändert": vgl. Abraham, Hiob, Jona, die Kanaaniterin, der Schächer am Kreuz etc.) darf der Gott Verhaeghes von menschlichen Belangen und Wünschen nicht gestört werden, es würde ihn kränken, ja es wäre geradezu blasphemisch, von Gott etwas zu verlangen. 

Für Verhaeghe verläuft die Richtung einseitig von Gott zum Menschen: Gott darf alles von uns verlangen, und wer wären wir, ihm etwas entgegenzusetzen? Jedes Leid, jeder Verlust, kurz jedes Kreuz muss willig und gläubig angenommen werden. Dem Menschen bleibt nichts übrig als sich zu fügen. Tut er das nicht, handelt er ungläubig, zieht sich den göttlichen Zorn zu und verspielt sein ewiges Heil (es sei denn er "kehrt um" und nimmt sein Leid doch willig auf sich).

Zusätzliche Tragik gewinnt dieser Text dadurch, dass Verhaeghe in letzter Konsequenz sich selbst als Stellvertreterin Gottes gegenüber den Mitgliedern des Werkes sieht, so wie nach ihr die Leitung des Werkes. Das heißt, dass Mitglieder ohne sich argumentativ wehren zu können, jedes Leid, das ihnen von den Verantwortlichen angetan wird, jede Ungerechtigkeit, jeden Verzicht und die ganze Arbeitslast, die ihnen zugemutet werden, willig tragen müssen, wenn sie gläubig und Gott wohlgefällig leben wollen. Würden sie aufbegehren, müssten sie fürchten, sich gegen Gott zu stellen, ihre Berufung und ihr Heil aufs Spiel zu setzen. Für Außenseiter mag das abwegig klingen, Mitglieder des Werkes sind aber tatsächlich von diesem Denken geprägt und darin gefangen.


Das göttliche Recht darf im ‚Werk‘ nicht aufgrund menschlicher Bedenken negiert oder sogar in dem Sinn umgekehrt werden, dass der Mensch von Gott Rechte fordert, Rechte auch von der Kirche, seinem Mystischen Leib, und dies in einer Art und Weise, dass es einem Negieren und Verleugnen des göttlichen Rechtes auf die Geschöpfe gleichkommt. Darum müssen im ‚Werk‘ die Rechte Gottes auf uns in der Erfüllung unserer Pflichten als ein höchstes und heiliges Gesetz Gottes anerkannt werden. "Wenn einer mir nachfolgen will, so verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach" (Mt 16,24).
Julia Verhaeghe 

Gebet um die Gabe der Unterscheidung



Dieses Gebet wird eher selten gebetet. Es ist ein Beleg für die manipulierende Funktion des Gebetes und der Spiritualität im Werk: durch Gebete wie dieses wird die Bereitschaft aufgebaut, sich manipulieren zu lassen, d.h. die Bereitschaft permanent ("Tag und Nacht") das eigene Sein und Empfinden zurückzustellen gegenüber der "gläubigen" Erkenntnis des "Guten und Bösen" in einem selbst und in den anderen. Somit kann die eigene Erfahrung und Wahrnehmung nicht mehr als Maßstab dienen, sondern ist immer verdächtig wenigstens teilweise "böse" zu sein.
Dieses Gebet ist das spirituelle Pendant zu den Gesprächen mit Verantwortlichen, die die Deutungshoheit über das Leben ihrer Mitglieder beanspruchen und ihren Mitgliedern sagen, was in ihnen, in anderen und in der Welt Gut und was Böse ist, was sie dann bedingungslos anzunehmen haben.


Herr, lass mich nicht verallgemeinern, was mir eigen ist, 
sondern lass mich – im Ganzen deiner Wahrheit – erkennen und annehmen, 
was alle Menschen an Gutem und Bösem in sich tragen. 

Hilf mir, dass ich es gläubig sehe und es in deiner Nachfolge bedingungslos annehme.
Lass mich Tag und Nacht bereit und offen stehen, 
das je Unterscheidende anzuerkennen und 
– in der Hingabe meines ganzen lebenden Seins und Wesens – 
zu begreifen, was ich, was wir, was sie in sich tragen, 
auf dass ich nur einem Herrn folge und diene: Dir, Herr, in allen und in allem.

Kommuniongebet


Dieses Gebet, das vor dem Kommunionempfang gebetet oder gesungen wird, zeigt das Menschenbild des Werkes: jeder ist als Mensch immer unweigerlich voller Dinge, die Gott und seinem Wirken im Wege stehen (auch wenn er bspw. gerade von der Beichte kommt).

Herr, mach mein Herz bereit, dich zu empfangen.
Schaffe durch deine Gnade in meinem Herzen Raum und Freiheit, 
so dass du darin aufbauen kannst, was dir wohlgefällig ist. 
Räume weg in mir, was dir im Wege steht, 
durchdringe, was dein Wirken hemmt, 
ergänze, was mir mangelt,
und vermehre stets, was zu dir führt, 
damit deine überfließende Gnade mich reinige im Lichte deines Kommens.

Mädchen, beinahe eingetreten - II


Als meine Eltern wieder nach Hause fuhren, nutzte ich die Gelegenheit, um ihnen zu eröffnen, dass ich mit ihnen kommen wollte. Den Leuten vom Werk sagte ich, dass ich vorerst nichts mehr von ihnen sehen oder hören wollte. Ich wollte wieder ich selbst werden. Mit einem Mal wurde mir nun die Tür gewiesen: "Gott ruft dich und du weigerst dich, ihm zu folgen!" Sie würdigten mich keines Blickes mehr. Alle Freundlichkeit und Herzlichkeit waren in wenigen Sekunden dahin. Eine letzte Warnung wurde ausgesprochen, ich durfte mit niemandem über meinen "Berufungskampf" (sprich: die mir zuteil gewordene Gehirnwäsche) reden. Allen Mitgliedern des Werkes wurde verboten, mit unserer Familie Kontakt zu halten. Sollte jemand von uns Briefe erhalten, müssten sie ungeöffnet den leitenden Verantwortlichen übergeben werden - zum "Wohl" des Werkes. Uns wurde mitgeteilt, dass niemand von uns mehr in den Häusern des Werkes willkommen war.

Der Weg zurück ins normale Leben wurde zum Leidensweg. Die Vorstellung, verdammt zu sein, die Vorstellung ins Werk zurück zu müssen - man kann sich nicht vorstellen, wie hart es ist, davon loszukommen! Mein Glaube war bis in seinen Kern ins Wanken geraten. Was ist Wahrheit und was ist Täuschung? Dazu musste ich mit dem Unverständnis meiner Umgebung fertig werden: "wie konntest du überhaupt auf sie hereinfallen?" Wenn man das von außen ansieht, ist es ja auch gar nicht zu begreifen. Man versteht das nur, wenn man es wirklich alles selbst erlebt hat. Es gibt einige Dinge, die so wichtig sind, wenn man mit einer solchen Gemeinschaft in Berührung kommt. Es gibt Momente, die ich hätte nützen müssen, um mir Klarheit zu verschaffen, zum Beispiel:

Nach einer Woche, die ich gemeinsam mit anderen Freunden im Werk verbracht hatte, wurde mir geraten, eine bestimmte Freundin nicht mehr einzuladen. Andere sollte ich aber auf jeden Fall wieder mitbringen. Ganz offensichtlich selektierten sie diejenigen aus, die "würdig" waren zum Werk zu gehören. Auch kritische Personen wurden ausgeschlossen, weil wir junge Menschen so beeinflussbar wären und der Kritik hätten glauben können. Es kam sogar vor, dass jemand extra angerufen wurde, er solle nicht zu einem Vortrag über das Werk kommen, weil er ja nur Kritik üben würde! Außerdem - und ich verstehe bis heute nicht, warum - durften Schwestern, die in einem Haus lebten, nichts davon erfahren, wenn im selben Haus eine von ihnen krank im Bett lag. Ja, leibliche Geschwister durften miteinander nicht über Familienangelegenheiten sprechen.

Außerdem hätte mir auffallen müssen, wie sehr sie es verstanden haben, eine Atmosphäre zu schaffen. Die sakrale Atmosphäre in ihren Gottesdiensten, die Ehrfurcht, mit der alles geschah, traf mich zutiefst. Einfachheit und Schönheit gingen Hand in Hand. Bei den Zusammenkünften herrschte große Freude unter den vielen jungen Menschen. Ein Gefühl von Zusammengehörigkeit entsteht. Man fühlt sich daheim... - aber es ist zu schön, zu gut. Später wurde mir bewusst, dass diese Atmosphäre gezielt geschaffen wird. Sie entsteht nicht spontan, sondern wird erzwungen...

Das Werk als Organisation missbraucht Menschen. Mit welchem Recht und welchem Ziel? Warum lässt die Kirche zu, dass das Werk sich in ihren Rängen einnistet? Für junge gläubige Menschen ist die katholische Fassade des Werkes sehr verwirrend. Ist es zuviel verlangt von der Kirche, einen klaren Standpunkt gegenüber dem Werk einzunehmen?


Mädchen, beinahe eingetreten.

Ich hörte das erste Mal vom Werk, als meine Schwester von dieser Gemeinschaft angesprochen wurde. Niemand in unserer Umgebung hatte je von dieser Gruppierung gehört. Später erkannten wir, dass wir durchaus schon von ihnen gehört hatten, aber unter anderem Namen "Opus Christi Regis" oder "Paulusheim" - warum all diese Namensänderungen? Meine Schwester trat ein und so lernte auch ich das Werk kennen. Was anfangs wie eine gute Sache aussah, schien mit der Zeit eher ein abgekartetes Spiel zu sein. Sie wandten geschickt ausgeklügelte Methoden an, die sehr stark an die Methoden von Sekten erinnern... ich möchte hier kurz erzählen, was mir im Kontakt mit diesen Menschen geschehen ist.

Wenn man einmal mit ihnen in Kontakt gekommen ist und sie den Eindruck haben, dass man ihnen "nützlich" sein kann, wird langsam ein "Netz" um dich gesponnen. Du wirst einem Priester des Werkes vorgestellt. Dir werden Gespräche angeboten (um die du nie gebeten hast). Du wirst zum Essen mit der Gemeinschaft eingeladen, das dann aber "spontan" durch ein Vier-Augen-Gespräch mit einem Priester des Werkes ersetzt wird. Man erkundigt sich nach deinem Privatleben. Deine Familie wird gründlich unter die Lupe genommen. Auch deine Pfarrei wird Thema. Und dann kommt die für sie so wichtige Frage: "Was hast du nach der Schule/dem Studium vor mit deinem Leben?" Sie haben eine gute Methode das herauszufinden. Sie stellen dich vor die Wahl Familie oder Ordensleben und lassen dich sieben Tage für das eine, sieben Tage für das andere beten. Sie erwarten, dass du währenddessen niederschreibst, was dabei in dir vorgeht. Aufgrund deiner Aufzeichnungen legen sie dann fest, was die richtige Wahl für dich ist.

Ich lernte in dieser Zeit jemanden kennen. Ein großes Problem, meinte der Pater. Er begann also, noch tiefer zu graben. Zuerst musste ich dafür sorgen, dass ich mit niemandem anderen mehr meine persönlichen Angelegenheiten besprach. Alle Kontakte zu Menschen, die nicht zum Werk gehörten, sollte ich ruhen lassen. Dann folgten viele Gespräche, einmal ging das einen ganzen Tage lang. Als der Pater spürte, dass ich voller Zweifel war, wurde ich nicht mehr zu den gemeinschaftlichen Besinnungstagen eingeladen; ich hätte die anderen jungen Menschen verwirren können. Ich bestand darauf, dass ich einige Einkehr-Tage alleine verbringen wollte, ohne die ständigen Gespräche mit dem Pater. Bevor ich danach aber nach Hause gehen konnte, sollte ich ihm dennoch einen Bericht über diese Tage abliefern.

Die Zweifel, die Angst, die Albträume erreichten damals ihren Höhepunkt. Ich fühlte mich krank, verlor viel Gewicht, bekam Magen- und Darmbeschwerden. Man machte mir klar, dass nun die Zeit reif wäre, eine Entscheidung zu treffen. Ich wurde zur Erholung zu ihnen eingeladen. Außer einer Schwester war niemand im Haus. Die Gespräche begannen von Neuem. Alle meine Bedenken wurden relativiert, mit Bibelzitaten "widerlegt" oder als hochmütig abgetan. Als ich es schlussendlich einfach endgültig leid war, sagte ich: "was sein muss, muss sein" - für sie hatte ich damit mein Ja-Wort gegeben. Sofort wurde ich aufgefordert, im Mutterhaus in Bregenz anzurufen, um dort mein Ja-Wort zu geben. Ich konnte nicht schnell genug in ihren Kreis aufgenommen werden. Meine eigenen Eltern wurden nicht eingeweiht. Einige Tage später schon brachte der Pater mich mit dem Auto nach Bregenz. Ich hatte das Gefühl, in ein Gefängnis gebracht zu werden.

Sobald ich da war, begannen die Vorbereitungen für die Eintrittsfeier. Offenbar sollten auch andere junge Menschen eintreten. Wir waren zu sechst. Ich hatte noch keine Ahnung von der Spiritualität des Werkes, noch von dem Auftrag, der mich erwarten würde. Fragen wurden konsequent abgewimmelt mit der Bemerkung: "Das kommt alles später." Ich begann selbst, mich ein wenig zu informieren. Es schien Konstitutionen zu geben; ihr Inhalt war aber nur für Eingeweihte bestimmt...

Meine Eltern kamen nach Bregenz, um ihren Urlaub hier zu verbringen. Sie durften nicht wissen, dass ich mein Ja-Wort schon gegeben hatte. Alle Mitglieder der Gemeinschaft mussten vorerst darüber Stillschweigen bewahren. Erst als Kardinal M. auf Besuch kam, war das für sie der ideale Moment, alles auch meinen Eltern bekannt zu machen. Es gab also eine große Feier mit dem Kardinal. Die Thalbach-Kirche war zu klein, um alle Menschen zu fassen. Es fühlte sich an, als wäre mein Schicksal nun beschlossen. Innerhalb von nur sechs Monaten, war mein ganzes Leben auf den Kopf gestellt worden. Ich fühlte mich krank, aufgewühlt und erschöpft von dem ganzen Trubel. Ich hatte die Nase voll von der vielen Geheimnistuerei, der künstlichen Fröhlichkeit und der Vertrauensseligkeit der Verantwortlichen, die begonnen hatten, mein ganzes Leben zu bestimmen. Sie taten das alles in der Überzeugung, die wahren Werkzeuge Gottes zu sein. Ein Gott der Angst, der Schuld, der Versuchung und der Buße war alles, was von dem Glauben übrig geblieben war, den ich einmal als befreiend erlebt hatte...


Fortsetzung folgt...