Was will dieser Blog?

Dies ist der Blog ehemaliger Mitglieder des "Werkes". Er enthält Geschichten, Tatsachen und Erfahrungen, die vom "Werk" sorgfältig verschwiegen oder geleugnet werden. Er sei jedem ans Herz gelegt, der mit dem "Werk" in Kontakt kommt.

Nach dem Austritt vor dem Nichts

Angehörige von Ordensgemeinschaften und anderen Gemeinschaften des geweihten Lebens sind bezüglich ihrer Mitgliedschaft nicht so frei, wie man meinen möchte. Für viele kommt ein Austritt nicht in Frage, selbst wenn sie ihn wünschen, weil sie nach einem Austritt finanziell praktisch vor dem Nichts stehen.

Das gilt vor allem für Schwestern in fortgeschrittenem Alter. Während Patres relativ leicht in eine Diözese wechseln und dort weiterhin als Priester wirken können und in jeder Hinsicht abgesichert sind, haben Schwestern große Schwierigkeiten, den Wechsel in ein Berufsleben zu finden und eine ausreichende Altersversorgung zu erwirtschaften. 

Wenn - wie im "Werk" - manche Schwestern in der Gemeinschaft keine Berufsausbildung erhalten haben oder eine Ausübung ihres Berufes lange zurückliegt, verschärft sich die Lage für Betroffene noch erheblich.

Zwar gibt es eine gesetzliche Pflicht zur Nachversicherung von ausgeschiedenen Ordensangehörigen, diese fällt aber mitunter so gering aus, dass ehemalige Schwestern im Pensionsalter kaum davon leben können bzw. der Staat die Bezüge aufstocken muss.


Stellungnahme zur Stellungnahme

Als ich 2014 mein Buch "Nicht mehr ich" veröffentlichte, erschien kurz darauf eine Stellungnahme des "Werkes" zu diesem Buch und seiner Veröffentlichung. Diese wurde mehrmals geändert, unter anderem dahingehend, dass eine Art Reuebekenntnis an den Schluss gestellt wurde.

Dennoch spricht der Text für sich. Er verzichtet auf die wesentlichen Elemente der Textform Stellungnahme, er nimmt nämlich überhaupt keine Stellung zu den sehr konkreten Vorwürfen im Buch. Umso mehr reagiert er emotional und verletzt, es sei bedauerlich, dass ich dieses Buch geschrieben habe und manche Mitglieder fühlten sich "bloßgestellt". Zugleich wird aber nichts von dem, was ich geschrieben habe, widerlegt.

Dazu möchte ich den Verantwortlichen im "Werk" sagen: Ihr wisst, dass ich sehr genau, nüchtern und ohne Polemik beschrieben habe, wie es im "Werk" zugeht und was ich dort erlebt habe. Daran dass ich das getan habe, ist nichts bedauerlich, im Gegenteil: Menschen, die andere Menschen hinter Klostermauern systematisch ihrer inneren Freiheit berauben, sie erniedrigen und in verschiedener Hinsicht missbrauchen, und sich bei alledem noch unter Berufung auf Gott und durch den Schutz der kirchlichen Hierarchie gerechtfertigt fühlen, haben keine Recht darauf, dass man sie in Ruhe weitermachen lässt. Mein Buch ist daher kein "Angriff", sondern ein Akt der Aufklärung, mit dem ich euch in Wirklichkeit einen Dienst erweise, denn wenn ihr wirklich einfach nur Gott dienen wolltet und das Wohl eurer Mitglieder im Sinn hättet, würde mein Buch euch darauf hinweisen, dass euch das nicht so ganz geglückt ist. Ihr könntet also davon profitieren, euch ernsthaft damit auseinanderzusetzen, was ihr besser machen könnt. Zum Beispiel könntet ihr euch an die grundlegendsten kirchenrechtlichen Normen bezüglich der Gewissensfreiheit, des Beichtgeheimnisses und der freien Wahl geistlicher Begleitung halten. Oder ihr könntet euren Mitgliedern wenigstens eine Stunde Freizeit am Tag und freien Kontakt untereinander und zu ihren Angehörigen zugestehen. - Kleiner Vorschlag meinerseits.

Vor allem reiht die Stellungnahme Behauptungen aneinander und indem der Text sagt, meine Anzeige wegen Vergewaltigung wäre von der Staatsanwaltschaft als unbegründet zurückgewiesen worden, scheut er sich nicht einmal zu lügen.

Damit zeigt der Text deutlich, was er bemüht ist zu widerlegen: Das "Werk" ist an Aufklärung nicht interessiert, vielmehr ist es intransparent und pflegt einen Opfermythos: Es sieht sich selbst als Opfer von "Verfolgungen" und "Angriffen", die übrigens laut Konstitutionen "von innen und außen"* kommen können. Jedes Benennen von Missständen, jede Form von noch so berechtigter Kritik, jedes Einklagen von Rechten, ja jeder Versuch der Veränderung oder Hilfestellung wird als "Angriff" betrachtet und von vornherein niedergebügelt. Das führt dazu, dass die Gemeinschaft sich umso mehr im Recht fühlt - und sich nicht verändern kann. Derselbe Mechanismus ist in der Kirche leider immer wieder im Umgang mit Fällen sexuellen Kindesmissbrauchs zum Tragen gekommen.

Ohne es zu wollen, leistet das "Werk" mit dieser Stellungnahme einen Offenbarungseid. Daher erlaube ich mir ein paar Tipps für das nächste Mal:


Liebe Verantwortliche im "Werk",

ich habe euch Zeit gelassen, euch zu besinnen und die Stellungnahme doch noch ein viertes oder fünftes Mal umzuformulieren. Ich habe euch viel Zeit gelassen, denn ich weiß, dass ihr nicht die Schnellsten seid. Nun halte ich den Zeitpunkt für gekommen, euch ein paar Tipps für eure nächste Stellungnahme zu geben: Stellt euch vor: Selbst wenn ihr meint, nichts falsch gemacht zu haben, müsst ihr, wenn man euch glauben soll, anders reagieren. Eine Stellungnahme (hier seht ihr, wie sie inhaltlich aufgebaut sein sollte) auf ein Buch wie meines oder auf ähnliche Vorwürfe eines Ex-Mitgliedes müsste - schon aus taktischen Gründen - so aussehen:

1) Nicht wertende Kenntnisnahme

2) Erkennen und Benennen der zentralen konkreten Vorwürfe 
(vielleicht habt ihr wirklich nicht gemerkt, um welche Vorwürfe es eigentlich geht, weil ihr es für so normal haltet, wie ihr mit Mitgliedern umgeht? Ich helfe euch. Lest hier nochmal nach: Das sind einige der wichtigsten Vorwürfe, die ich in meinem Buch erhebe)

3) Stellungnahme zu den konkreten Vorwürfen
entweder mit einer begründeten und glaubhaften Zurückweisung (Leider könnt ihr sowas nicht schreiben wie: "Doris Wagner hat selbstverständlich schon vor dem Eintritt die gesamten Konstitutionen überreicht bekommen" oder "einen Zwang zur Gewissenseröffnung gegenüber Vorgesetzten gibt es im Werk nicht" oder "Alle unsere Mitglieder sind völlig frei in der Wahl ihrer geistlichen Begleitung, ihrer Freunde, Freizeitgestaltung, Lektüre" oder "Wir legen (wie das Bistum Köln) ab sofort unseren Finanzplan offen" etc. - Schade!)
oder mit einem Versprechen, diese Vorwürfe ernstzunehmen, zu prüfen und evtl. Missstände aufzuklären und sie zu beseitigen. Hier bieten sich Floskeln wie "Null-Toleranz", "lückenlose Aufklärung" oder "Vertrauen wiederherstellen" an. (Hinweis: dass ihr das dann wirklich tut, sagt ja keiner. Aber ihr hättet wenigstens den Anschein von Anständigkeit erweckt und eure Glaubwürdigkeit gewahrt).

4) Ein irgendwie versöhnlicher Schluss
Damit verleiht ihr der Hoffnung Ausdruck, dass es durch die Widerlegung der Vorwürfe und die Beseitigung der Missstände eine Versöhnung geben kann, eine Art captatio benevolentiae am Schluss. Das habt ihr in der letzten Version der Stellungnahme schon einigermaßen gut hinbekommen. Auch wenn man ihr anmerkt, dass es euch vor allem darum geht, dass solche Vorwürfe in Zukunft nicht mehr erhoben werden, und weniger darum, dass die Missstände beseitigt werden.

Schade. Vielleicht gelingt es euch beim nächsten Mal besser...


Doris Wagner

*"Die zentrale Leitung ist verantwortlich für die Verteidigung der Familie des "Werkes", wenn sie Angriffen von außen oder innen ausgesetzt ist oder sich besondere Gefährdungen aus Notsituationen ergeben."  Konst. X, 43d

Spotlight und der Missbrauch in geistlichen Gemeinschaften

Pierre Vignon, Priester und Richter am Kirchengericht von Lyon, hat den Film Spotlight, über ein Team von investigativen Journalisten, die den sexuellen Missbrauch von Kindern durch Priester in der Diözese Boston aufgedeckt haben, zum Anlass genommen, einen Artikel in Esprit zu schreiben. Sein Titel lautet: Faut-il rallumer le Spotlight? (Muss Spotlight wieder eingeschaltet werden?). Er beobachtet, dass  das "System" des geistlichen Missbrauchs in der Kirche nach wie vor besteht. Als Beispiel hierfür nennt er ausdrücklich neue geistliche Gemeinschaften und erwähnt, dass die französische Bischofskonferenz eine Arbeitsgruppe zum Kampf gegen sektenähnliche Gemeinschaften eingerichtet hat. Zugleich geht er davon aus, dass wie vor 15 Jahren in Boston auch heute Nachforschungen und Enthüllungen von Journalisten nötig seien, um weitere Opfer von geistlichem Missbrauch in sektenähnlichen Gemeinschaften innerhalb der Kirche zu verhindern.
Menschen, die "Das Werk" oder ähnliche "neue Gemeinschaften" kennen, wird es nicht schwer fallen, Pierre Vignon zuzustimmen. Die letzten Absätze seines Artikels hier in deutscher Übersetzung:

Der geistliche Missbrauch geht weiter. Er besteht in der Vergewaltigung des Gewissens, in sexuellem Missbrauch, Betrug oder Zwangsarbeit. Es gibt ihn in alten Ordensgemeinschaften, in denen nie ausgeschlossen werden kann, dass Obere Ordensangehörigen ihre persönliche Paranoia aufzwingen. Es gibt ihn auch in den sogenannten "neuen" Gemeinschaften, in denen eine verantwortungslose Leitung bisweilen alle Arten von Missbrauch unter dem Anschein des Guten zulässt. Schließlich sind auch die Bistümer nicht zu vergessen, in denen zuweilen das Gesetz des Schweigens herrscht und es an bischöflicher Wachsamkeit mangelt.
Jetzt kommen diese Fälle ans Licht, in Frankreich und anderswo. An diesem Punkt ist Spotlight ein Weckruf: Die Nachforschungen und Enthüllungen der Journalisten sind notwendig, damit den Opfern Gerechtigkeit widerfährt und damit weitere Opfer verhindert werden, die sich - wie der Film anschaulich macht - oft unter den Schwächsten und Unschuldigsten finden.
Pierre Vignon, Priester und Richter am Kirchengericht von Lyon.

Missbrauch der Beichte

Jedem, der den Umgang mit dem Sakrament der Versöhnung im Werk und die Bestimmungen des kirchlichen Gesetzbuches über dieses Sakrament kennt, werden sofort eine Reihe von Missbräuchen auffallen, die im "Werk" Tradition haben.

Keine freie Wahl

Mitglieder des "Werkes" haben keine freie Wahl.

  • Sie können ihren Beichtvater nicht selbst wählen, denn der wird ihnen in aller Regel zugewiesen, meistens handelt es sich dabei um Mitbrüder in leitender Verantwortung.  
  • Sie können vor allem ihren geistlichen Begleiter nicht frei wählen, denn das ist in aller Regel der oder die persönliche Verantwortliche. Bei Novizen und Novizinnen ist es der Novizenmeister oder die Novizenmeisterin. Persönliche geistliche Gespräche mit Außenstehenden oder anderen Mitgliedern sind tabu.
  • Sie können den Zeitpunkt der Beichte nicht selbst wählen, weil eine monatliche Beichte vorgeschrieben ist.
  • Im Grunde können sie auch ihr Bekenntnis nicht frei formulieren, weil die Gewissenserforschung nicht frei geschieht, sondern durch Vorträge und persönliche Gespräche von außen gesteuert und inhaltlich vorgegeben wird.

Dagegen heißt es in Can. 630 §1: "Die Oberen haben den Mitgliedern die gebührende Freiheit zu lassen in bezug auf das Bußsakrament und die geistliche Führung, jedoch unter Wahrung der Ordnung des Instituts." 
Und in Can 985: "Der Novizenmeister und sein Gehilfe sowie der Rektor eines Seminars oder einer anderen Erziehungseinrichtung dürfen sakramentale Beichten ihrer Alumnen, die sich im selben Haus aufhalten, nur hören, wenn die Alumnen in Einzelfällen von sich aus darum bitten."

Zwang zur Gewissenseröffnung


  • Jedes Mitglied des Werkes ist seinen Oberen zur Gewissenseröffnung verpflichtet. Es muss seinem Verantwortlichen, das ist die Person, die die äußere Leitung über dieses Mitglied inne hat (zuweilen ist das zugleich der Beichtvater), regelmäßig in Gesprächen sowie schriftlich das eigene Gewissen eröffnen. In der Regel finden wöchentlich solche Gespräche statt. Schriftliche Berichte sind monatlich fällig. 
  • Es gibt nichts, was ein Mitglied seinem Verantwortlichen verschweigen darf

Mit dieser Praxis verstößt das Werk gegen eine grundlegende Norm des CIC, nämlich der Trennung von forum internum und forum externum, die bspw. von folgenden Canones gefordert wird:
Die Mitglieder sollen sich vertrauensvoll an ihre Oberen wenden, denen sie sich frei und von sich aus eröffnen können. Den Oberen ist es aber untersagt, sie auf irgendeine Weise anzuhalten, ihnen das Gewissen zu eröffnen. (can. 630 §5). 
Zur Wahrung des Geheimnisses sind auch alle anderen verpflichtet, die auf irgendeine Weise aus der Beichte zur Kenntnis von Sünden gelangt sind (Can. 983 § 2)Wer eine leitende Stellung einnimmt, darf die Kenntnis von Sünden, die er zu irgendeiner Zeit aus der Entgegennahme einer Beichte erlangte, auf keine Weise bei der äußeren Leitung gebrauchen. (Can. 984 § 2)  

Indiskreter Umgang mit Beichtmaterie und Gewissensdingen

  • Beichtanekdoten. In Vorträgen vor der Gemeinschaft erzählen Verantwortliche regelmäßig aus den Beichten "eines Mitbruders" oder "einer Mitschwester", wobei es in einer kleinen Gemeinschaft wie dem Werk sehr leicht ist, zu erraten, um wen es sich im genannten Beispiel jeweils handelt.
  • Alles, was der Einzelne mündlich oder schriftlich mitteilt, wird weitergereicht. Gewissensdinge des einzelnen Mitglieds werden ohne sein Wissen von seinem Verantwortlichen mit seinem Beichtvater besprochen. Kenntnisse aus der geistlichen Begleitung und der Beichte werden unter den Verantwortlichen der Priester- und Schwesterngemeinschaft sowie unter den verschiedenen Leitungsebenen ausgetauscht, dokumentiert, kommentiert und archiviert. 
  • Gewissenseröffnungen dienen als Grundlage für Entscheidungen in der äußeren Leitung.  In diese Entscheidungen werden Beichtväter grundsätzlich einbezogen.
Dagegen heißt es in Can. 983 § 1: "Das Beichtgeheimnis ist unverletzlich, dem Beichtvater ist es daher streng verboten, den Pönitenten durch Worte oder auf irgendeine andere Weise und aus irgendeinem Grund irgendwie zu verraten."Und in Can 984 §1: "Ein Gebrauch des aus der Beichte gewonnenen Wissens, der für den Pönitenten belastend wäre, ist dem Beichtvater streng verboten."
Außerdem: Wer eine leitende Stellung einnimmt, darf die Kenntnis von Sünden, die er zu irgendeiner Zeit aus der Entgegennahme einer Beichte erlangte, auf keine Weise bei der äußeren Leitung gebrauchen. (Can. 984 § 2)  

Gebet zu Maria, Sitz der Weisheit


Gebet zu Maria, Sitz der Weisheit
Das Gebet zu Maria, Sitz der Weisheit, wird einmal wöchentlich, in der Regel dienstags, gebetet bzw. gesungen. Zwar ist viel von "Liebe" und "Freude" die Rede - aber diese Worte haben im "Werk" eine andere Bedeutung als in der Welt., Deswegen klingt der Text zwar schön, hat aber einen schrecklichen Inhalt: Er erzieht die Mitglieder zur Verleugnung aller ihrer eigenen Bedürfnisse. 

In dem Maß, in dem Mitglieder diese Haltung verinnerlichen, entfremden sie sich selbst, denn sie werden dazu gebracht eigene Bedürfnisse für sündhaft und ihre Äußerung für eine Anmaßung zu halten. Das Einzige, das sie tun dürfen, ist "Schweigen" und "Dienen". Von echtem Dienen kann aber keine Rede sein, wenn nicht einmal der Zweck des eigenen Handelns erfragt werden soll, sondern man tut, was verlangt wird, ohne zu fragen, warum und wozu und ohne die geringste Anerkennung erwarten zu dürfen. Mitglieder, die das befolgen, können von der Leitung der Gemeinschaft unbegrenzt ausgenutzt werden.


Maria, Sitz der Weisheit, öffne unser Herz für deinen göttlichen Sohn und mache es gleich deinem Herzen. Erfülle es mit deiner Liebe, die weise und schenkend ist:

Mit einer Liebe, die uns selbst und den andern den wahren Frieden zu bringen vermag.

Mit einer Liebe, die eine Atmosphäre der Freude schafft und Geborgenheit ausstrahlt für all jene, mit denen wir täglich zusammenleben.

Mit einer Liebe, die den opferbereiten Willen in neuem Tugendstreben erstarken lässt und ihm ein Gespür für Zuvorkommenheit schenkt.

Mit einer Liebe, die Kraft verleiht, sich selbst zu verleugnen und die seelischen Lasten anderer zu tragen.

Mit einer Liebe, die das Opfer nicht flieht, sondern das tägliche Leben davon durchdringen lässt.

Mit einer Liebe, die dienen will, ohne dabei Lob, Befriedigung und Belohnung zu verlangen, und so die anderen zu entlasten versteht.

Mit einer Liebe, die fähig macht, über sich selbst zu schweigen und in sühnender Buße vieles zu heilen.


J. Corstjens wegen Missbrauchs suspendiert

Jos Corstjens, Priester des Bistums Hasselt, der wiederholt minderjährige junge Mädchen sexuell belästigt und missbraucht hat, ist suspendiert worden. Die arbitragecommissie (Unabhängige Schlichtungskommission) hat darüberhinaus die Zahlung der maximalen Entschädigungssumme gewährt. Corstjens darf nun keinerlei priesterliche Aufgaben mehr ausführen.

In den 1980er Jahren rekrutierte er junge belgische Mädchen für "Das Werk". Einige von ihnen sind bis heute Schwestern des "Werkes". Andere haben die Gemeinschaft verlassen und Corstjens des Missbrauchs bezichtigt. Dennoch ging Corstjens weiterhin im Werk ein und aus. Das Werk hat sich bis heute nicht offiziell von ihm distanziert, sondern stand bis vor Kurzem noch mit ihm in Kontakt. Schwestern des Werkes übernahmen Dienste in seinem Haushalt.

Zuletzt wirkte er in einem Altenheim in Bocholt.

Vorwürfe nicht widerlegt


Mitglieder des Werkes äußerten sich in Stellungnahmen wiederholt dahingehend, dass die gegen sie erhobenen Vorwürfe nicht den Tatsachen entsprächen. Tatsächlich haben sie aber keinen einzigen gegen sie erhobenen Vorwurf wiederlegt. Auf die meisten Vorwürfe sind sie öffentlich nicht einmal eingegangen. Es gibt daher keinen Anlass, die Vorwürfe als widerlegt anzusehen. Niemand sollte sich von allgemeinen Aussagen wie der obigen überzeugen lassen, sondern lieber folgende Fragen stellen:


  1. Stimmt es, dass Mitglieder des Werkes ihren Beichtvater und ihre geistliche Begleitung nicht frei wählen dürfen/durften?
  2. Stimmt es, dass Forum Internum und Forum Externum in der Regel nicht getrennt werden/wurden?
  3. Stimmt es, dass Mitglieder wöchentliche, monatliche und jährliche Berichte über ihre Gedanken und Gefühle schreiben müssen/mussten?
  4. Stimmt es, dass die Gewissensberichte der Mitglieder unter den Verantwortlichen weitergereicht werden/wurden?
  5. Stimmt es, dass Mitglieder keinen persönlichen Kontakt untereinander haben dürfen, dass Freundschaften verboten sind/waren und ggf. geahndet werden?
  6. Stimmt es, dass neu Eingetretene den Kontakt zu ihren Eltern, Familien und Freunden stark einschränken und von den Verantwortlichen kontrollieren lassen müssen/mussten?
  7. Stimmt es, dass Das Werk gezielt ältere vermögende Menschen umgarnt und Erbschleicherei betreibt/betrieben hat?
  8. Stimmt es, dass Das Werk kranke und schwerkranke Mitglieder im Stich gelassen, unzureichend versorgt und aus der Gemeinschaft ausgeschlossen hat?
  9. Stimmt es, dass das „Heilige Bündnis“, das formal nicht mehr als eine Frömmigkeitsübung oder ein privates Versprechen darstellt, im „Werk“ einen höheren Stellenwert einnimmt als ein Sakrament und dass den Mitgliedern weisgemacht wird, sie wären damit einer ganz besonderen Gnade teilhaftig, die sie in besonderer Weise verpflichtet?
  10. Stimmt es, dass Mitglieder keinen freien Zugang zu den Schriften der Gründerin und zum Eigenrecht des „Werkes“ haben/hatten?
  11. Stimmt es, dass es im Werk geheime Texte, Rituale und andere Praktiken gibt/gab? Stimmt es bspw. dass der Text Die Kirche in der Not unserer Zeit von Verhaeghe stammt?
  12. Stimmt es, dass Das Werk an eine Verfolgung der Kirche durch die Freimaurer, das internationale Judentum, den Islam, das Gendermainstreaming oder andere Gruppen glaubt/geglaubt hat?
  13. Stimmt es, dass die allgemeine Erklärung der Menschenrechte im Werk abgelehnt wird/wurde?
  14. Stimmt es, dass die Spiritualität des Werkes eine Spiritualität der Leidensverherrlichung und Erziehung zur bedingungslosen Unterordnung unter den Willen der Verantwortlichen ist/war? Stimmt es, dass es für Mitglieder innerhalb der Spiritualität des Werkes keine legitime Berufung auf eigene Bedürfnisse mehr gibt/gab?
  15. Stimmt es, dass im Werk die Ansicht verbreitet wird/wurde, Frauen trügen für sexuelle Übergriffe ihnen gegenüber eine Mitverantwortung?


Alle (Ex-)Mitglieder des Werkes ahnen, warum niemand öffentlich zu diesen konkreten Vorwürfen Stellung nimmt. Sie können ohne Lügen nicht verneint werden. Sie lassen sich aber auch nicht als Missverständnisse bagatellisieren. Es handelt sich um ernste und allarmierende Missstände, insbesondere die Vermischung von Forum Internum und Forum Externum und der Umgang mit den Gewissen der Mitglieder ist jenseits jeder möglichen Verharmlosung oder Relativierung, etwa als „jugendlicher Leichtsinn“ der Leitung.