Was will dieser Blog?

Dies ist der Blog ehemaliger Mitglieder des "Werkes". Er enthält Geschichten, Tatsachen und Erfahrungen, die vom "Werk" sorgfältig verschwiegen oder geleugnet werden. Er sei jedem ans Herz gelegt, der mit dem "Werk" in Kontakt kommt.

Das Konzil leben


Das Konzil leben

Dieser Text ist ein Brief Verhaeghes an die Gemeinschaft am 14. Dezember 1965. Sie gibt der Gemeinschaft ihre Deutung des Konzils weiter und verrät in diesem Text zugleich große Ahnungslosigkeit und Unsicherheit. Mit keinem Wort geht sie auf irgendein Konzilsdokument ein. Es ist anzunehmen, dass sie sie entweder nicht gelesen oder aber nicht verstanden hat. Dennoch ruft sie dazu auf, sie zu befolgen, um der Kirche treu zu sein. Zugleich warnt sie aber wiederum - auf eine merkwürdig umständliche Art - vor dem Dialog und dessen "negativen Konsequenzen".

Der Text scheint also ein Aufruf dazu zu sein, tapfer das "Gute" des Konzils umzusetzen und das "Schlechte" zu ertragen, im Geiste der Bekehrung, wie er im Werk glorifiziert und gefordert wird, und über den Verhaeghe sich dann ausführlich auslässt - etwas, was ihr wohl leichter von der Hand geht als die Auseinandersetzung mit den Konzilsdokumenten...



Das Konzil ist zu Ende gegangen. Für die Gläubigen bedeutet dies einen neuen Beginn, nämlich, das in die Tat umzusetzen, was durch die höchste Hierarchie in der Kirche – trotz aller menschlichen Elemente in den Dingen Gottes – beschlossen wurde. Der Herr selbst hat während seines ganzen Lebens unaufhörlich ein Vorbild gegeben, mit welcher Ehrfurcht er den Gesetzen der Kirche seiner Zeit gegenüberstand.

Darum wollen wir die Ersten sein, die in die Tat umsetzen, was beschlossen wurde, und so dem Beispiel des Herrn Folge leisten.

Auch er trat in den Dialog mit den Seinen und mit all jenen, die der Vater ihm aus allen Stämmen und Nationen geben wollte. Er trat auch in den Dialog mit der Kirche seiner Zeit. Die guten und weniger guten Folgen, die dieser Dialog mit sich brachte, nahm er mit Hochherzigkeit, in Heiligkeit und vorbehaltloser Hingabe an die Verfügungen seines himmlischen Vaters auf sich. Auch darin wollen wir ihm nachfolgen, indem wir auf ihn schauen, uns ohne Bedingungen einsetzen und in Treue ausharren, so wie unsere Berufung es fordert. Das bedeutet, dass wir den uns zufallenden Anteil am Werk der Erlösung und Befreiung vom Egoismus, von der Habsucht und allen anderen aus der Erbsünde stammenden Belastungen unserer menschlichen Natur auf uns nehmen, um so die Freiheit des Gotteskindes wiederzugewinnen, das zu einem bräutlichen Leben im Mystischen Leib, das heißt zu einer vollkommeneren Teilnahme an Christi Sein und Leben, berufen wurde.

In Theorie wissen wir über das Sein und Leben Jesu Christi alle mehr als genug. Dazu kam er auf die Erde und nahm unsere menschlichen Lebensbedingungen an, um uns in unserer Natur (die eine verletzte Natur ist) wieder zu heilen und uns aus unseren versklavten Neigungen durch seinen eigenen Einsatz, sein Leben und sein Sterben zu erlösen. Er kam, um uns durch sein Vorbild und seine Lehre das Anwesend-Sein des übernatürlichen Lebens in uns in Vereinigung mit dem Vater und im Heiligen Geiste zu offenbaren. Er kam, um uns an seinem Sein und seiner Herrlichkeit im Vater und im Heiligen Geist Anteil nehmen zu lassen, um alle zu erlösen und zu befreien, die es selbst wollen und manche aus ihnen (seine Auserwählten) zu einem aller-intimsten Leben mit Ihm zu berufen.

Durch das Ja zu dieser Berufung haben wir uns mit dem Einsatz unseres ganzen Lebens entschlossen, in die Fülle des Lebens Christi einzutreten. Es geschah nicht nur, um selbst erlöst und befreit zu werden. Dies kann nicht für sich allein bestehen, da unsere Erlösung sich nur in dem Maße vollzieht, als wir unser Verbunden- und Vereinigt-Sein mit Christus im Willen des Vaters den anderen, die mit uns das Leben teilen, weiterschenken und mit ihnen Seine Gnadengaben und Sein Leben teilen. So strömt dieses Licht weiter zu all jenen, die Ihn suchen und denen wir begegnen dürfen. Gleichgesinnte erfahren ihre innere Einheit noch stärker im „Sein“ als durch Worte, obwohl Worte ihren Teil dazu beitragen können, um dieses „Sein“ zum Ausdruck zu bringen.

Wir haben uns gemeinsam entschieden, nicht beim theoretischen Wissen stehenzubleiben, sondern das Erkannte in die lebendige Praxis umzusetzen und danach zu leben. Dies bedeutet eine Lebensaufgabe im wahren Sinn des Wortes … Gerade deshalb, weil das Ihm-Nachfolgen das ganze Leben umfasst, hat der Herr an die Jünger eine besondere Forderung gestellt: „Verlasse – verleugne dich selbst!“ (vgl. Mk 8.34). Nicht die anderen müsst ihr verleugnen oder verlassen, nein, euch selbst. Deshalb seid ihr mit ihm und um seinetwillen nach seinem Vorbild aus einem Stück Welt herausgetreten, habt ihr den eigenen Familien- und Freundeskreis verlassen und seid ihr einer Gemeinschaft Gleichgesinnter beigetreten. Dadurch wird es möglich, dass ihr mit Christus in diese Welt zurückkehrt, nachdem ihr euch selbst verleugnet habt und um seinetwillen gerne und freiwillig so selbstlos geworden seid, dass ihr den Menschen in der Welt als sein Instrument begegnen könnt und ihr ihn in und durch euch zu offenbaren und für ihn Zeugnis abzulegen vermögt.

Um zu dieser Vollkommenheit in Christus zu gelangen, lebt ihr die evangelischen Räte, oder besser gesagt, ihr übt euch, ihr strebt danach, sie gemäß den Forderungen eurer eigenen Berufung, eurer eigenen Gemeinschaft zu leben, die sich in der Geschichte der Kirche dieser Zeit Schritt für Schritt konstituiert – gemäß dem ausdrücklichen Auftrag und den Richtlinien des Herrn selbst, die Er unserer geistlichen Familie gegeben hat. In diesem Sinn entwickelt sich unsere Berufung – unsere Gemeinschaft – in mancher Hinsicht anders als viele andere Orden und Kongregationen.

Julia Verhaeghe

Was ist das Herrlichkeitsbüchlein?

Das Herrlichkeitsbüchlein ist eine Sammlung kürzerer Texte Verhaeghes, das in den Sakristeien des Werkes aufliegt und den Mitgliedern zur Betrachtung dient. Die darin enthaltenen Texte veranschaulichen das problematische Gottes- und Menschenbild des Werkes, das gefährliche Ideal der "Bekehrung vom Zeitgeist", die Leidensmystik und Kriegsmetaphorik.

Woher die Texte im Einzelnen stammen ist in den allermeisten Fällen nicht nachvollziehbar. Die Originaltexte Verhaeghes sind selbst langjährigen Mitgliedern nicht zugänglich, sondern werden in einem Archiv des Werkes im Kloster Thalbach gesammelt, wo sie von Maria Katharina Strolz und einigen Schwestern des Werkes geordnet und archiviert werden, während nur die oberste Leitung des Werkes Zutritt zu diesem Archiv hat.

Die Texte im Herrlichkeitsbüchlein gehören zu den längsten im Werk intern bekannten Texten Verhaeghes. Sonst kursieren oft nur "geflügelte Worte", Aphorismen und kurze Zitate, deren Kontext verschwiegen wird. Außerhalb der Gemeinschaft werden überhaupt nur sehr kurze und unverfängliche Zitate Verhaeghes bekannt.

Der Abendsegen


Abendsegen

Der sog. Abendesegen ist ein Gebet, das die Angehörigen des Werkes sowie Mitglieder des „Abendesegenskreises“ jeden Abend beten. Dadurch sollen sie an Das Werk gebunden und in seiner Spiritualität bzw. in seiner religiösen Ideologie gefestigt werden. 

Vom Abendsegen existieren verschiedene Versionen für Priester, Religiosen und Laien. Es gibt sogar eine extra Version für Kinder. 

Dieses Gebet stellt in der Regel eine der ersten Berührungen mit dem Werk dar. Jede Person, die die Gemeinschaft kennenlernt und ihr einigermaßen wohlwollend gegenübersteht, wird "eingeladen", den Abendsegen jeden Abend zu beten. Sie unterzeichnet dafür in der Regel eine Bereitschaftserklärung, hinterlegt ihre Kontaktdaten und erhält den jährlichen Weihnachtsrundbrief: sie ist dem sog. "Abendsegenskreis" beigetreten. Das ist die erste Stufe der Bindung ans Werk. Wenn jemand sich als geeignet und willig erweist, wird diese Bindung in weiteren Stufen vertieft, die dann auch praktische und materielle Verpflichtungen gegenüber dem Werk mit sich bringen: die Katakombensegnung und das Heilige Bündnis. 


Abendsegensgebet der Laien

Herr Jesus Christus, unser Erlöser!
Du hast allen, die an dich glauben, die Seligkeit verheißen, als du sagtest: „Selig, die nicht sehen und doch glauben“. Voll Freude und Dankbarkeit für das große Geschenk des Glaubens vereinigen wir uns nun mit allen, die mit der geistlichen Familie des „Werkes“ im Abendsegen verbunden sind, besonders mit allen Bischöfen und Priestern, die uns in deinem Namen segnen.
Wir bitten dich an diesem Abend: Lass in uns und in allen, die uns teuer sind, den Glauben über die Schwachheit unserer menschlichen Natur triumphieren und hilf uns tiefer verstehen, dass für jede wahre Glaubenstat deine Hilfe und Gnade notwendig sind. Wir bitten dich: greife ein in unser Gebet, in das Leid und die Schwierigkeiten, die über uns kommen, in unsere Arbeit und die Entscheidungen, die wir jeden Tag treffen müssen. Leite unseren Verstand und stärke unseren Willen, damit wir von deinem Lichte her sehen, denken und handeln lernen und dadurch das unverdiente Geschenk des Glaubens immer mehr schätzen und lieben.
Bewahre uns  in der Treue und in der Liebe zur Kirche. Hilf uns, Zeugnis zu geben von ihrer Größe und Herrlichkeit. Segne alle Familien. Nimm die Kinder und Jugendlichen unter deinen besonderen Schutz und berufe aus ihnen treue Priester und Gottgeweihte, die sich ausschließlich deinem Dienste hingeben. Stärke uns und alle, die uns nahestehen, im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe.
Lass uns in Gemeinschaft mit der triumphierenden, leidenden und streitenden Kirche die Einheit in uns und um uns aufbauen, damit viele, dadurch gestärkt und angespornt, „jeden Morgen das Loblied anstimmen, das die allein gebührt“ (Mutter Julia).
Maria, Mutter der Kirche, bitte für uns und mit uns in all unseren Anliegen. Hilf uns, durch Gebet und Opfer  in Treue deinem Sohn, dem König des Himmels und der Erde, zu dienen. Erflehe uns die Gnade, wie die ersten Christen als eine Familie Gottes zu leben. Ihr heiligen Apostel Petrus und Paulus, bittet für uns, damit wir mit Weisheit von Gottes Wahrheit und Liebe Zeugnis geben.
Herr Jesus, wir danken dir, dass du der Kirche durch Mutter Julia ein neues Charisma geschenkt hast. Stärke unser Vertrauen, dass sie uns mit mütterlicher Liebe begleitet. Gib unseren lieben Verstorbenen Anteil an deiner ewigen Herrlichkeit und lass sie Fürsprecher für uns sein.
Erfülle unser Herz mit der Demut deines Herzens und mit aufrichtiger Reue über unsere Sünden, Fehler und Unterlassungen im Guten. Mit großem Glauben und kindlichem Vertrauen auf deine Barmherzigkeit und Liebe legen wir diesen Tag in deine Hände und bitten dich um deinen Segen.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.



Abendsegensgebet der Priester

Herr Jesus Christus!
Aus Gnade hast du mir an deinem ewigen Hohenpriestertum Anteil geschenkt, mich dir geweiht und mir ein unauslöschliches Siegel eingeprägt. Du hast mich berufen, dir zu dienen und ein geistlicher Vater für viele zu sein. Stärke in mir den Glauben an die Kraft der Gnade, die ich durch das Sakrament der Priesterweihe empfangen habe. Hilf mir, „sacerdos et hostia“zu sein durch den treuen Dienst am Heiligen und in den Aufgaben eines jeden Tages. Führe mich voran auf dem Weg der Heiligkeit, um durch mein priesterliches Sein und Wirken bei den Menschen das Vertrauen in die Kirche zu wecken und zu vertiefen. Lass mich für viele eine Einladung sein, die ewigen Werte zu verwirklichen. Bewahre mich davor, oberflächlich oder mutlos zu werden und mich dem Geist der Welt anzupassen. Gewähre mir für den Dienst in deinem Erlösungswerk ein frohes und lauteres Herz.
In Einheit mit allen Bischöfen und Priestern, die durch den Abendsegen mit der geistlichen Familie des „Werkes“ verbunden sind, bitte ich dich, Herr: Durchdringe mein Leben mit deinem göttlichen Leben. Steh mir bei, um ein Zeuge deiner Herrlichkeit, deiner Wahrheit und deiner barmherzigen und gerechten Liebe zu sein.
Festige mein Vertrauen auf die Gnade der Erlösung, die ich in den heiligen Sakramenten zum Aufbau deines Mystischen Leibes vermitteln darf. Hilf mir, das eucharistische Opfer täglich mit Ehrfurcht und Hingabe zu feiern, denn es ist die Mitte meines priesterlichen Seins und die Quelle der Kraft für mein Wirken. Stärke meinen Glauben an die Wirksamkeit deines göttlichen Wortes, damit es eine heilsame Kraft sei für jeden, der glaubt und ein Aufruf zur Umkehr für den, der nicht glaubt.
Erfülle mich mit der Liebe des Guten Hirten. Lass mich nach dem Vorbild der heiligen Apostel Perus und Paulus ein Vater der Gewissen sein, der das übernatürlich Leben in den Menschen zu wecken, zu hüten und zu nähren vermag. Gieße aus über mich den Geist des Gebetes. Erhalte mich in der Treue zum Stundengebet, das als Stimme der heiligen Kirche unaufhörlich als Anbetung, Dank, Sühne und Bitte zum Himmel emporsteigt.
Lass mich deine Gegenwart ausstrahlen und für viele eine Einladung sein, deinen erwählenden Ruf zum Priestertum oder zum gottgeweihten Leben hochherzig zu beantworten. Gib mir den Mut zur Hingabe, damit „in uns und um uns herum ein erneuertes und geläutertes Christentum entstehen kann – jung, schön, kraftvoll einladend und dynamisch anziehend, herrlich strahlend wie Christus am Ostermorgen“ (Mutter Julia).
Heilige Jungfrau Maria, Mutter der Kirche, gewähre mir, unter deiner mütterlichen Obhut ein Priester nach dem Herzen deines Sohnes zu sein: stark im Glauben, treu in der Hoffnung und ungeteilt in der Liebe.
Ich danke dir, Herr für das Leben von Mutter Julia und für das Charisma des „Werkes“. Festige mein Vertrauen, dass sie mir nahe bleibt und meinen priesterlichen Dienst mit ihrer mütterlichen Liebe begleitet. Hilf mir, nach ihrem Beispiel an die Macht des Segens zu glauben, den ich als ein großes Geschenk deiner Barmherzigkeit auf viele Menschen und auf die ganze Familie des „Werkes“ herabflehen darf.
Dankbar für diesen Tag in deinem Dienst, erhebe ich nun meine Hände, um alle zu segnen, die mir anvertraut sind.
Benedictio Dei omnipotentis, Patris et Filii et Spiritus Sancti descendat super vos et maneat semper. Amen.


Abendsegen der Religiosen

Herr Jesus Christus!
Am Abend dieses Tages knien wir vor dir, um dich im Geist und in der Wahrheit anzubeten. Dankbar für unsere Berufung bitten wir dich: Stärke unseren Glauben an die Gnade des „Heiligen Bündnisses“ und gib uns die Kraft, als eine Familie Gottes zu leben, die deine erlösende Gegenwart ausstrahlt.
In den Stürmen dieser Zeit hast du uns berufen, dir in jungfräulicher Liebe nachzufolgen. Erhalte uns in der Glut der ersten Liebe. Gewähre uns die Reinheit des Leibes und der Seele. Lass uns nie vergessen, zu welch herrlicher Freundschaft wir auserwählt sind. Wecke in uns das Verlangen, die Lehre der Kirche unversehrt zu bewahren und als geistliche Väter und Mütter deine Liebe weiterzuschenken.
Gib uns Anteil an der Seligkeit der Armen im Geiste. Reinige uns von aller Ichgebundenheit und erfülle uns mit einem kindlichen Vertrauen auf deine Vorsehung. Hilf uns, arm zu werden an Begierden, sowohl nach geistlichen als auch nach materiellen Gütern. Lass uns glücklich sein mit dem, was wir sind und haben, und froh über das, was wir entbehren, weil du, o Jesus, unser einziges Gut bist.
Wir danken dir, dass du die Welt durch deinen Gehorsam erlöst hast. Binde uns an dein Herz und lass uns gläubig dem Willen des Vaters dienen. Erhalte uns in der Gewissheit, dass es keinen geraderen Weg zu dir gibt als den Weg des liebenden Gehorsams gegenüber den Verantwortlichen. Wecke in uns die Bereitschaft, in Liebe aufeinander zu hören. Gewähre uns, nach dem Vorbild des heiligen Paulus, Mitarbeiter am Werk der Erlösung zu sein.
Vermehre in uns den Geist der Anbetung und der Sühne. Erfülle uns mit tiefer Ehrfurcht vor deiner Heiligkeit und Größe. Heile uns durch den Erzengel Rafael von der Blindheit des Geistes und schenke uns die Gnade der Liebesreue, damit unser Leben zu einem Lob deiner Herrlichkeit werde.
Wir danken dir für das Leben unserer lieben Mutter Julia. Hilf uns, das Charisma, das du durch sie der Kirche geschenkt hast, rein zu bewahren und nach deinem Willen weiterzugeben. Stärke unser Vertrauen, dass sie uns mit mütterlicher Liebe begleitet. Nimm unsere verstorbenen Brüder und Schwestern in deine Herrlichkeit auf und lass sie einstimmen in das ewige Sanctus der Engel und Heiligen.
Maria, Mutter des „Werkes“, steh uns bei, damit wir unsere Berufung in Freude leben und deinem Sohn mit geeinten Herzen dienen.
Ewiger König, dankbar legen wir diesen Tag in deine Hände und bitten dich: Beschütze alle, die im Abendsegen mit uns verbunden sind, und mach uns stark im Glauben, treu in der Hoffnung und ungeteilt in der Liebe und segne uns.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Zielsetzung des Werkes



Die Zielsetzung nach dem ersten Kapitel der Konstitutionen

Ideal und Realität


Die Zielsetzung der geistlichen Familie „Das Werk“ besteht darin, zum Lob und zur Verherrlichung des dreifaltigen Gottes und zum Heil der Menschen ein Abglanz des Geheimnisses der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche zu sein und ihre übernatürliche Schönheit als Leib Christi und als Familie Gottes zu bezeugen. Durch ihr Sein und Wirken in Verbundenheit mit Gott und in Einheit untereinander wollen die Mitglieder dazu beitragen, dass die Menschen das Geheimnis der Kirche tiefer erfassen und in der Liebe zu ihr angesichts der Zeichen der Zeit gestärkt werden. (Konst. I,2)

Dieser Text über die Zielsetzung des Werkes enthält keinen Hinweis darüber, in welchen Bereichen Mitglieder der Gemeinschaft engagiert sind. Das Werk hat tatsächlich kein spezifisches Apostolat. Verhaeghe hielt es sogar für gefährlich, ein spezifisches Apostolat zu haben, da sie darin ein Hindernis für echtes geistliches Leben der Mitglieder sah. Sie schrieb dazu:

Gott will, dass das Werk von jedem ‚sogenannten Apostolat‘ Abstand nimmt, das im Volke Gottes zu einer weitverbreitenden Mentalität geworden ist... Es ist eine Art Apostasie unserer Zeit, ein Abgleiten, das mit ungesunden, ja sogar krankhaften und unkontrollierten Mächten, mit Begierden und Bedürfnissen gepaart geht, die für Zeiten des Glaubensabfalls typisch sind. Nicht selten ist es ein Aktivismus, der der Selbstverwirklichung freie Bahn gibt, ein Betrügen des eigenen Gewissens, wie es in einem Volke sichtbar wird, das vor allem das sucht, was den Ohren schmeichelt, wie der heilige Paulus sagt... Menschen dieser Art schienen mir so fest an ihre ‚ich-gebundenen‘ Talente und Fähigkeiten gefesselt zu sein, weil sie diese anbeten und sich darin auch anbeten lassen... Es kam mir vor,... als wären sie willenlose Werkzeuge der bösen Werke, getrieben durch ihre Leidenschaften, durch alle Spielarten von Hochmut und Eigenliebe.
  
   -   Zitat Verhaeghes aus: L. Scheffczyk, Wesensmomente des Charismas der geistlichen Familie "Das Werk", Eigenverlag Das Werk.

Zielsetzung. Das Ideal.


Mitglieder des Werkes definieren sich nicht über das, was sie tun, sondern über die innere Haltung, aus der sie leben. Sie nennen das ihre Seins-Berufung, die sie meist charakterisieren als „ein Abglanz der Kirche sein“. Fragt man dann weiter nach konkreten Tätigkeiten, bekommt man in der Regel zu hören: „Wir tun alles, was der Kirche dient“.


Das Ideal, das durch diese scheinbare Offenheit erzeugt wird, suggeriert eine große Dynamik und Bandbreite: da teilen Menschen aus verschiedenen Ländern, mit verschiedenen Begabungen und Berufen das tägliche Leben miteinander, erfüllen ganz verschiedene Aufträge, getragen vom einen gemeinsamen Ideal: der Kirche dienen. 


Das kann durchaus anziehend erscheinen, weil es das Gemeinschaftsleben in den Mittelpunkt stellt. Im Werk wird oft davon gesprochen, dass die Mitglieder in den Zentren Kirche für die Menschen wieder erfahrbar machen sollen, als Heimat und Familie, jenseits von Bürokratie und ideologischen Grabenkämpfen. Wer hier zu Besuch ist, erlebt eine strahlende junge Kirche, eine schöne Liturgie mit mehrstimmigem Gesang und ein gutes Essen mit mehreren Gängen. Dadurch sollen Menschen das Schöne an der Kirche erfahren: Kirche als eine Familie Gottes.




Zielsetzung. Beobachtungen.
Die Skepsis entzündet sich an der Frage: Wozu existiert eine Gemeinschaft, deren Mitglieder keine andere Zielsetzung haben als alle katholischen Gläubigen?


Tatsächlich hat das Ideal noch eine tieferliegende Dimension, die in der letzten Zeile des oben zitierten Textes angedeutet wird: Menschen sollten in der Liebe zur Kirche angesichts der Zeichen der Zeit gestärkt werden.


Wer gewohnt ist die Zeichen der Zeit positiv als die Stimme Gottes in der Geschichte zu deuten, wird diese Zeile wohl anders verstehen als sie im Werk gemeint ist. „Zeichen der Zeit“ steht im Grunde für die Moderne und Postmoderne, in der Sprache Verhaeghes ist es die Zeit der „Ismen“. Sie schreibt dazu, die Mitglieder des Werkes sollen 
ein Abglanz des Mysteriums der Kirche sein, um die Wunden zu heilen, die in der ganzen Welt und selbst innerhalb der Kirche durch so viele ‚Ismen‘ geschlagen worden sind. 
   -   Zitat Verhaeghes aus: L. Scheffczyk, Wesensmomente des Charismas der geistlichen Familie "Das Werk", Eigenverlag Das Werk.



Diese Ismen sind: Humanismus, Kommunismus, Individualismus, Feminismus, Liberalismus, Atheismus – Geisteshaltungen, die die vermeintlich so klare metaphysische Ordnung vorangegangener Jahrhunderte auflösen, Gott in Frage stellen, den Menschen in den Mittelpunkt rücken und Freiheit statt Heiligkeit zum obersten Prinzip erheben. Das sind Strömungen, die in den Augen Verhaeghes die Kirche angreifen, gegen die die Gläubigen geschützt und der Glaube verteidigt werden muss. 
Wo das Werk also Kirche in ihrer Schönheit bezeugt, lebt es eine Kirche vor, in der es keinen modernen Zeitgeist gibt und die so die volle Geborgenheit des Glaubens bieten kann, mitten in unserer Zeit und den Verunsicherungen, die ein gläubiger Mensch in ihr durchleidet.

Für einen jungen gläubigen Menschen kann dieses Ideal einer Kirche im Kleinen mit der entsprechend verheißenen Geborgenheit, Glaubensheimat und Lebendigkeit sehr anziehend sein, wie ein ehemaliges Mitglied es beschreibt:

Bei den Zusammenkünften herrscht Freude unter den vielen jungen Menschen. Man bekommt ein Gefühl von Zusammengehörigkeit. Man fühlt sich daheim. Aber es ist zu schön, zu gut. Im Nachhinein begriff ich, dass diese Atmosphäre bewusst geschaffen wird. Sie kommt nicht aus dem Herzen, sondern wird erzwungen.  
 - Rik Devillé, Het Werk. Een katholieke Sekte?, Leuven 1996, 85.
Trägt man sich erst einmal mit dem Gedanke, ins Werk einzutreten, erscheint es außerdem naheliegend, dass man als Mitglied der Gemeinschaft nicht nur viele sehr verschiedene und interessante Menschen kennenlernen, sondern auch entsprechend der eigenen Begabungen eingesetzt und gefördert werden würde, was sich im Nachhinein als bitterer Irrtum herausstellt.
Skepsis weckt auch schon die Zielsetzung des Werkes selbst, da sie tatsächlich einen ungeheuerlichen Anspruch verrät. Wenn das Werk als Gemeinschaft ein „Abglanz der Kirche“ sein will, meint das nicht einfach eine Selbstverständlichkeit, in dem Sinne, dass es sich mit der katholischen Kirche, ihren Prinzipien und ihrer Sendung identifiziert, wie das alle Gemeinschaften in der Kirche tun. Das Werk betrachtet vielmehr als seine eigentliche Sendung, Abglanz der Kirche zu sein, und zwar gegenüber den anderen Gliedern der Kirche. Hier legt sich der Verdacht nahe, dass das Werk tatsächlich für sich beansprucht eine Art „wahrer Kirche“ in der Kirche zu sein, die den übrigen Gliedern der Kirche erst zeigen muss, wie Kirche-Sein geht, weil sie es der Auffassung des Werkes nach nämlich nicht richtig leben. Dieser Verdacht wird schon durch den Hinweis auf die „Zeichen der Zeit“ im obigen Text, aber auch durch zahlreiche Texte Verhaeghes erhärtet, wie bspw.:

In seiner Güte und Barmherzigkeit, die von seiner Gerechtigkeit umfangen ist, hat Gott es gewollt und zugelassen, dass ich in diesem Licht innerlich schauen und dann auch in zunehmendem Maße von außen her feststellen durfte, in welchem Maße sein Volk von ihm sich abgewandt hat und zum Heidentum zurückgekehrt ist... Von den Strahlen dieses Lichtes durchdrungen wurde mir eine tiefe Liebe zur Kirche eingegossen; es erfüllte mich ein feuriger Eifer für sie, meine Mutter, zu deren Familie ich gehören darf. Die gleiche Liebe erfüllte mich für meine Brüder und Schwestern, vor allem für die Ärmsten, die in Gefahr sind, verloren zu gehen. Ich wurde zutiefst zu einer Bekehrung und Läuterung meines ganzen Wesens hingezogen, die es ermöglichen sollte, dass ich meine Sendung als Glied des Mystischen Leibes in der Treue zu diesem Licht erfüllen könne, das sich mir mit Kraft und voller Güte und Barmherzigkeit, die zugleich auch Gerechtigkeit ist, offenbarte. 
  -   Zitat Verhaeghes aus: L. Scheffczyk, Wesensmomente des Charismas der geistlichen Familie "Das Werk", Eigenverlag Das Werk.


Die Rede ist von den Wunden der Kirche, die die Mitglieder des Werkes heilen sollen, vom Todeskampf der Kirche, in den sie durch das Eindringen des Zeitgeistes, des Liberalismus und Humanismus geraten ist und aus dem Gott sie befreien will, indem er sich des Werkes als Werkzeug bedient. Das Mittel dafür ist die Spiritualität des Werkes. 


Diese Spiritualität besteht in der vollkommenen Reinigung des einzelnen Mitgliedes von den Spuren des Zeitgeistes. Um das zu erreichen, werden den Mitgliedern in der „Formung“ persönliche Züge so weit wie möglich abtrainiert, Wille und Verstand werden gebrochen. Schließlich bleibt also von der Verheißung familiären Zusammenlebens und menschlicher Vielfalt nichts übrig.