Was will dieser Blog?

Dies ist der Blog ehemaliger Mitglieder des "Werkes". Er enthält Geschichten, Tatsachen und Erfahrungen, die vom "Werk" sorgfältig verschwiegen oder geleugnet werden. Er sei jedem ans Herz gelegt, der mit dem "Werk" in Kontakt kommt.

Umgang mit Austretenden

Werbick nennt als Merkmal fundamentalistischer Gemeinschaften "Intoleranz gegenüber 'Abweichlern'". Auch für Sekten ist aggressiver Umgang mit Abweichlern und ausscheidenden Mitgliedern typisch. Dazu gehören massiver Druck, der auf austrittswillige Mitglieder ausgeübt wird, das Vorenthalten der Rechte, die Mitgliedern während und nach ihrem Ausscheiden zustehen, der Anspruch der Deutungshoheit über die Motive des ausscheidenden Mitglieds diesem selbst und allen anderen Mitgliedern der Gemeinschaft gegenüber und der Versuch der Kontrolle der ausgeschiedenen Mitglieder auch noch lange Zeit nach deren Austritt, sowie das Kontaktverbot zwischen Ausgetretenen und aktiven Mitgliedern.

Ideologische Grundlegung: der Verrat des Judas
Im Werk ist das alles schon ideologisch grundgelegt. Ein Austritt gilt als die größte Katastrophe, die größtmögliche Untreue eines Mitgliedes und wird als "Abfall" nicht nur vom Werk, sondern von der eigenen Berufung und damit vom Ruf Gottes, d.h. von Gott selbst verstanden. Das zeigt z. B. das Kapitel 11 der Konstitutionen "Verlassen und Entlassen". Gleich zu Beginn dieses Kapitels werden die "Verleugnung des Petrus" und der "Verrat des Judas" als Metaphern für das Ausscheiden von Mitgliedern aus dem "Werk" bemüht. Vgl. Kapitel XI - Verlassen und Entlassen
Dementsprechend gestaltet sich auch der Umgang mit austrittswilligen, austretenden und ausgetretenen Mitgliedern:

Wer austritt ist selbst schuld
Sobald ein Mitglied spürbar auf Distanz zur Ideologie der Gemeinschaft geht, wird es z. T. massiv unter Druck gesetzt. Dies ist selbst dann der Fall, wenn die Gemeinschaft selbst auf das Ausscheiden des Mitgliedes hinwirkt. Bspw. werden mitunter Mitglieder, die zu krank sind, um zu arbeiten, aus der Gemeinschaft hinausgedrängt, nicht aber, ohne ihnen einzuschärfen, dass sie selbst die Schuld daran trügen, dass sie der Berufung nicht würdig seien oder ihre Berufung verspielt hätten, dass sie nicht fest genug an die Berufungsgnade geglaubt hätten und darum krank geworden seien etc. Dem ausscheidenden Mitglied wird klar gemacht, dass es außerhalb der Gemeinschaft nicht mehr glücklich werden könnte, dass es nun ohne die Bündnisgnade leben müsse usw. Dass die Verantwortlichen weiterhin den Kontakt zum ausgetretenen Mitglied halten wollen wird als großzügige Geste dargestellt, tatsächlich ist es der Versuch die möglichst weitgehende Kontrolle auch über ausgetretene Mitglieder zu behalten.

Erzwungener Verzicht auf alle Ansprüche gegenüber dem Werk
Sobald der Entschluss zum Austritt feststeht, wird dem Mitglied ein Dokument zur Unterschrift vorgelegt, in dem es heißt, dass es von nun an keinerlei Ansprüche mehr gegenüber dem Werk habe und zwar "insbesondere vertraglicher, rechtlicher, assikurativer oder finanzieller Art". Das Mitglied kennt seine Rechte zu diesem Zeitpunkt nicht, es kennt nicht einmal das 11. Kapitel der Konstitutionen. Dazu ist es extrem zermürbt von den vorangehenden oft tagelangen Gesprächen und seinen eigenen Skrupeln. Es kann niemanden um Rat fragen und hat nur noch einen Wunsch: so schnell wie möglich das Werk zu verlassen. Also unterschreibt das Mitglied.

Lächerliche Summe und Schweigegeld
In der Regel wird dem ausscheidenden Mitglied sogar ein Geldbetrag mitgegeben, der aber lächerlich gering ist und kaum die Lebenshaltungskosten für mehr als einen Monat decken kann. Mehr "Glück" haben allenfalls Mitglieder, die aufgrund ihrer Erlebnisse in der Gemeinschaft (Missbrauch, Medikamentenmissbrauch, Vorenthaltung ärztlicher Hilfe mit daraus resultierenden bleibenden Gesundheitsschäden) eine potenzielle Gefahr für das Werk darstellen: sie erhalten u. U. einen Zusatzbetrag, der im vierstelligen Bereich liegen kann: ein Schweigegeld.

Kein Austrittsindult
Im Kapitel 11 der Konstitutionen (vgl. Link oben) heißt es, dass das Ausscheiden von Mitgliedern mit "zeitlichen Gelübden" gemäß dem "Eigenrecht" geregelt wird. Dieses Eigenrecht - falls es überhaupt schon geschrieben ist - kennt aber kein Mitglied. Ein Indult, also eine Entlassungsurkunde, wie sie vom Kirchenrecht vorgesehen ist, steht nur Mitgliedern mit "ewigen Gelübden" zu. Das Werk lässt aber, entgegen kirchenrechtlicher Regelung, nur in Ausnahmefällen und nach sehr langer Zugehörigkeit zur Gemeinschaft, Mitglieder zu den ewigen Gelübden, d.h. zum "ewigen Hl. Bündnis" zu. So scheiden selbst Mitglieder, die mehr als 10 Jahre zum Werk gehört haben ohne Indult aus, also ohne jemals de iure Mitglieder des Werkes gewesen zu sein und werden gemäß einem vom Werk selbst geschriebenen Eigenrecht behandelt, das sie nie zu Gesicht bekommen.

Keine Nachzahlung von Pensionsbeiträgen
Konsequent vorenthalten wird Ex-Mitgliedern des Werkes die gesetzlich vorgeschriebene Nachzahlung von Pensionsbeiträgen. Institute des geweihten Lebens müssen in den meisten europäischen Ländern wie Deutschland, Österreich und Italien nicht in die Rentenversicherung einzahlen, da sie sich selbst um ihre Mitglieder im Pensionsalter kümmern. Dafür sind sie aber gesetzlich verpflichtet ausscheidende Mitglieder nachzuversichern. Die dadurch entstehenden Kosten sind allerdings sehr hoch, insbesondere für Mitglieder, die 10 Jahre und mehr in der Gemeinschaft waren. Angesichts der gesetzlichen Vorschrift, der ohnehin unsicheren Renten und der Schwierigkeit nach dem Austritt (oft ohne nennenswerte Ausbildung, die man im Werk nicht erhält) einen Arbeitsvertrag mit einigermaßen einträglichem Lohn zu finden, ist das Vorenthalten dieser Nachzahlungen ein Verbrechen.

Die Deutungshoheit über den Austritt liegt bei den Verantwortlichen
Nach dem Austritt des Mitgliedes erfinden die Verantwortlichen eine Austritts-Legende, die sie den anderen Mitgliedern jeweils in vier-Augen-Gesprächen erzählen. Diese handelt immer davon, dass das betreffende Mitglied selbst schuld an seinem "Scheitern" sei. Von evtl. Missbrauch, Krankheiten, berechtigten Zweifeln und dem Versagen der Verantwortlichen ist keine Rede. Mal heißt es, er oder sie habe Schwierigkeiten mit einem der ev. Räte gehabt oder habe das "Charisma" nicht "in seiner Tiefe" verstanden, mal heißt es, er oder sie sei nicht bereit gewesen, sich von der Eigenliebe, vom Stolz oder sonst etwas zu bekehren. Manches mal heißt es auch, jemand sei einfach nicht "reif" genug gewesen. In jedem Fall aber ist allen Mitgliedern der Kontakt zu den Ausgetretenen verboten. Das gilt selbst dann, wenn es sich um leibliche Geschwister handelt.

Das Werk verfolgt Ex-Mitglieder
Auch wer ausgetreten ist, wird weiterhin von seinen ehemaligen Verantwortlichen kontaktiert und verfolgt. Das kann in einzelnen Fällen bis hin zum Stalking gehen, sodass Ex-Mitglieder schon polizeiliche Hausverbote für bestimmte Personen erwirken mussten, um sich von ihnen zu befreien. Das Werk will möglichst viel über seine ehemaligen Mitglieder wissen. Verantwortliche melden sich bei Ex-Mitgliedern oder deren Verwandten und Freunden und zeigen sich besorgt und anteilnehmend am weiteren Schicksal ihrer ehemaligen Mitglieder, eine Geste, die angesichts des vorausgegangenen psychischen Drucks und der vorenthaltenen Rechte zynisch wirkt und sich als Heuchelei entlarvt. Das Werk tut sehr viel, um sicherzustellen, dass Ex-Mitglieder der Gemeinschaft nicht gefährlich werden können. Sie schrecken auch vor der offenen Verleumdung von einzelnen ehemaligen Mitgliedern, die ihnen besonders gefährlich werden könnten, nicht zurück, sie verleumden also gerade ihre größten Opfer, weil deren Geschichten am meisten Sprengstoff in sich tragen. Bis vor Kurzem hat das Werk damit erfolgreich verhindern können, dass Geschichten seiner Ex-Mitglieder an die Öffentlichkeit gelangen. Wenn das dennoch einmal geschehen ist, wie Mitte der 90er in Belgien, hat es sich zum Opfer einer "Verfolgungswelle" stilisiert.


Fundamentalismus ist zu "schnell mit Gott fertig"

Atheismus, religiöser Fundamentalismus und leichtgläubiger religiöser Enthusiasmus sind sich alle auffallend ähnlich in dem, wie schnell sie fertig sind mit dem Geheimnis, das wir Gott nennen - und eben deshalb sind alle diese drei Positionen für mich in gleichem Maße unannehmbar.

Tomás Halík, Geduld mit Gott, 9.

Festungsdenken und Kriegsmetaphorik


Hintergrund: Der heilige Krieg

Festungsdenken und Kriegsmetaphorik sind nach Beinert Merkmale fundamentalistischer Gruppen. Beides hängt eng zusammen, ist die Festung doch selbst ein aus kriegsstrategischen Gründen errichtetes Gebäude. Der Hintergrund beider Merkmale ist die vermeintliche ständige Bedrohung, der fundamentalistische Gruppen sich ausgesetzt sehen und die selbst einen guten Teil ihrer Gruppen-Identität ausmacht bzw. zur Radikalisierung der Gruppe führt. Die Bedrohung wird dabei meist als übermächtig empfunden. Das heißt, sie hat entweder übermenschlichen (dämonischen) Charakter oder sie geht von der überwältigenden Mehrheit der Weltbevölkerung aus - oder beides zugleich: ein übermenschliches dämonisches Wesen hat den Großteil der Menschheit im Griff und möchte sich auch des "kleinen Restes" der betreffenden Gruppe bemächtigen. Diese sieht sich also im Krieg gegen eine Übermacht, die sie nur durch eiserne Disziplin, unermüdlichen Kampf und den Zugang zu verborgenen Kraftquellen oder ähnlichem besiegen kann.

Eine solche Weltsicht hat destruktive Auswirkungen auf die Psyche der Mitglieder, sie kann dazu führen, dass die Gruppe sich nicht mehr an Recht und Gesetz gebunden fühlt und dass sie vor Gewaltanwendung nicht zurückscheut.


Festungsdenken und Kriegsmetaphorik im Werk

Verhaeghe war geprägt vom Bewusstsein, dass Das Werk im Kampf zwischen Gut und Böse (s. Dualismus) eine entscheidende Rolle spielt. Ihre Sprache ist oft von Kriegsmetaphorik durchzogen. Auf sie zurückgehende Axiome dieser Art prägen bis heute das alltägliche Leben, Denken und Handeln im Werk. Nur zwei Beispiele dafür:

Zur Kriegsmetaphorik

Fais donner la garde! Verhaeghe hat diesen Spruch wohl einer Szene in einem Buch entnommen: In dem Moment, in dem das Leben des Königs auf dem Spiel steht, ruft er diesen Satz aus: die Leibgarde des Königs wird zum Einsatz gebracht, um ihn zu schützen. Das Werk war in den Augen Verhaeghes eine solche Leibgarde für die Sache des Königs, also für Christus und alles, was sie mit ihm verbunden hat: seine Kirche, seine Wahrheit, usw. dort, wo Christus selbst angegriffen würde, sollte Das Werk wie seine Leibgarde agieren, um ihn zu verteidigen und für ihn zu kämpfen. Der Spruch ist auf Karten gedruckt und in allen Zentren des Werkes verbreitet worden. Auch wenn er heute weniger verbreitet ist, als noch zu Lebzeiten Verhaeghes, ist er allen Mitgliedern bekannt. Vor allem ist der darin ausgedrückte Anspruch in der Gemeinschaft lebendig.

Zum Festungsdenken

Die Klostermauern des "geläuterten Gewissens". Auf Verhaeghe geht die Aussage zurück: "ich gebe euch keine anderen Klostermauern als die eures geläuterten Gewissens". Diese Maxime wird vom Werk selbst als höchst fortschrittlich betrachtet: die Mitglieder tragen keine Tracht, sie leben nicht in Klausur, sondern können auch außerhalb der Niederlassungen eingesetzt werden, sodass sie nicht durch Klostermauern vor der Welt "geschützt" werden, sondern durch ihr "geläutertes Gewissen". Tatsächlich offenbart diese Aussage aber ein Festungsdenken, das für das Werk ganz besonders typisch ist. Die Aussage dieses Axioms ist in Wirklichkeit nicht: handelt in der Welt entsprechend eurem Gewissen, sondern: ihr seid in der Welt in permanenter Gefahr und könnt ihr nur entrinnen, wenn ihr euer Gewissen "läutern" lasst, d.h. wenn ihr euer Denken und Wollen vom Werk verändern lasst, wenn ihr denkt und wollt, was das Werk euch sagt, dass ihr denken und wollen sollt. Tut ihr das nicht, seid ihr dem Feind ausgeliefert.


Der allgegenwärtige gute Kampf

Der biblische Begriff des "guten Kampfes" wird im Werk geradezu inflationär gebraucht. Allerdings wird er weder vor dem Hintergrund seines Entstehungskontextes reflektiert noch in seiner Verwendung im Werk hinreichend geklärt, sodass fraglich bleibt, in welchem Sinn diese Metapher vom Werk verstanden wird. Besorgniserregend ist die Häufigkeit und der Kontext, in dem dieser Begriff verwendet wird: Gekämpft wird gegen Satan und seine Werke, gegen "den Feind", gegen die eigenen "Leidenschaften"...  - so scheint die Metapher im Werk ziemlich wörtlich genommen zu werden und im Dienst des dualistischen Welt- und Menschenbildes zu stehen. Die oben geäußerten negativen Folgen eines solchen Denkens, stehen damit auch für das Werk und seine Mitglieder zu befürchten.

Stellen, in denen der "gute Kampf" in den Konstitutionen vorkommt:


Im „Gehorsam des Glaubens“ (Röm 16,26) schenken sie sich Gott, indem sie sich in der Kraft der Gnade Ihm mit Verstand und Willen unterwerfen und seine Offenbarung mit ganzem Herzen annehmen. So wird die Wahrheit Gottes sie immer mehr durchdringen und ihre begrenzten Einsichten und Erkenntnisse auf die eine Wahrheit hin ausrichten. Ihr Leben in der Berufung soll gekennzeichnet sein vom ständigen Bemühen, Grenzen und Schwächen im Glauben zu übersteigen. Dadurch verherrlichen sie Gott und empfange seine übernatürliche Kraft und Weisheit. Im Glauben sollen sie das göttliche Leben zur Entfaltung bringen und im Kampf gegen das Böse siegen (vgl. 1 Joh 5,4).
-  Konst. II,12 
Von Gideon und seinen Mitstreitern lernen sie [die Mitglieder des Werkes], im Kampf gegen den Feind menschliche Ängste im Glauben zu überwinden und ihr Vertrauen mehr auf Gottes Macht und die Einheit untereinander als auf die Anzahl der Kämpfenden zu setzen.
Konst. II,13



Waffen im Kampf gegen Satan – Die Angehörigen des „Werkes“ glauben, dass Christus die Macht Satans am Kreuz überwunden hat (vgl. Joh 12,31) und sie in der Taufe Anteil am Sieg Christi erhalten haben. Im Kampf gegen Satan (vgl. Eph 6,10-13), der danach strebt, sie in der Liebe erkalten zu lassen und von Christus zu trennen, vertrauen sie auf die übernatürlichen Waffen, die ihnen geschenkt sind: die Anbetung des allmächtigen und heiligen Gottes, den Schutz und die Fürsprache Marias, die Hilfe des Erzengels Michael, die drei göttlichen Tugenden, das „Heilige Bündnis“, das Gebet und die Buße, das Wort Gottes, die Sakramente und die Sakramentalien, die Gnade der Einheit mit der Kirche und untereinander sowie den Segen der Priester.
Konst. II,44



Als die Mutter des Sieges ist sie [Maria] ihnen [den Mitgliedern des Werkes] im guten Kampf nahe.
 
Konst. II,52



Sie vertrauen dem Erzengel Michael die Familie des „Werkes“ und die ganze heilige Kirche im Kampf gegen die Macht Satans an.
Konst. VIII,14



Das Sakrament der Firmung befähigt sie [die Mitglieder des Werkes], den guten Kampf zu kämpfen und in der Auseinandersetzung zwischen Licht und Finsternis die Treue zu Christus, zu seiner Kirche und zu ihrer Berufung zu bewahren.
 
Konst. VIII,20



„Das Werk“ muss im Geist der Unterscheidung auf die seelischen, geistigen und geistlichen Nöte des „kleinen Restes“ (vgl. Jes 10,21; Röm 11,1-12) hinhören und ihm die Geborgenheit einer geistlichen Familie schenken171. „Es sind damit alle jene gemeint, die in den Zeichen der Zeit treu den guten Kampf um den wahren Glauben kämpfen, die den Glauben an den dreieinigen Gott in ihrem Leben entsprechend der Überlieferung der Apostel und Propheten zu verwirklichen und zu bewahren suchen, sowie alle jene, die sich zu der heiligen Kirche als dem Mystischen Leib Christi, zu ihrer Hierarchie, ihrer Lehre und den Sakramenten in vollem Umfang bekennen“
Konst. IX,25
Wie der Gute Hirt die Herde vor Räubern und Dieben schützt, so sollen die Verantwortlichen den ihnen Anvertrauten beistehen und sie verteidigen, wenn sie Angriffen von außen oder von innen ausgesetzt sind. Sie zeigen ihnen Wege auf, wie sie Uneinigkeit vermeiden sowie in Versuchungen und im Kampf gegen unerlöste Leidenschaften mit Gottes Hilfe siegen können. Zugleich haben sie den Auftrag, ihre geistliche Familie vor Gefahren zu schützen, damit sie nicht die Klage des Propheten Ezechiel trifft: „Ihr seid nicht in die Bresche gesprungen. Ihr habt keine Mauer für das Haus Israel errichtet, damit es am Tag des Herrn im Kampf standhalten kann“ (Ez 13,5).
Konst. X,9
Sie blicken auf Maria und auf den Apostel Johannes, die Jesus Christus bis unter das Kreuz gefolgt sind. Vertrauensvoll erbitten sie deren Fürsprache, damit sie in Stunden der Prüfung nicht schwach oder ihrer Berufung untreu werden. Ihr ganzes Leben lang sollen sie die Tugend gläubiger Wachsamkeit bewahren, damit sie mit Gottes Gnade den guten Kampf bestehen, in der Versuchung standhalten und die ewige Herrlichkeit erlangen.
Konst. XI,1



Da auch die Berufenen im guten Kampf auf dem Weg der Bekehrung die Versuchung erfahren können, zwei Herren zu dienen, ist es ihre Pflicht, „das allzu Menschliche abzulegen und ́Christus anzuziehen`(vgl. Röm 13,14), um miteinander in anbetender Danksagung im Dienst des Herrn zu stehen“ (M.J.V.).

Konst. XI,5


Rein menschlich



"Rein menschlich"

"Rein menschlich" ist im Werk der Gegenbegriff zu "übernatürlich". Aus theologischer Perspektive ist das Adjektiv "übernatürlich" und seine Funktion im religiösen Wortschatz in letzter Zeit wiederholt problematisiert worden, nicht zuletzt weil es einen gewissen Dualismus impliziert, d.h. die Wirklichkeit in einen heiligen, übernatürlichen, und einen unheiligen, rein natürlichen Bereich einteilt. Im Werk wird diese Einteilung jedoch konsequent weiter gepflegt, wobei nicht vom "Natürlichen" oder "rein Natürlichen" als Gegenbegriff zum "Übernatürlichen" die Rede ist, sondern vom "rein Menschlichen", am häufigsten in der Kombination "rein menschliches Denken". Dieses "rein menschliche Denken" ist in der Vorstellung des Werkes das, was dem "übernatürlichen Wirken Gottes" im Menschen am meisten entgegensteht. Damit wird das Adjektiv "menschlich", das gemeinhin eine positive Konnotation besitzt, drastisch abgewertet und erscheint letztlich als gleichbedeutend mit "gottlos" und "sündig". Die Konsequenz ist, dass alle als "rein menschlich" betrachteten Handlungen und Gemütszustände, wie Sympathie und Antipathie, Erschöpfung, Zorn, Wissbegier u.ä. als tendenziell sündig gelten und unterdrückt werden müssen (vgl. die Litanei der Demut), während eine permanente stoische Gemütsruhe zum Ideal wird. Durch Ideale wie dieses werden die Mitglieder des Werkes systematisch den Werten der Gesellschaft, wie auch sich selbst und ihren eigenen Empfindungen entfremdet und manipulierbar gemacht.


Zum "sektenartigen Hausjargon" neuer geistlicher Gemeinschaften vgl. Urquhart, Gehirnwäsche.


Geistliche Vater- und Mutterschaft


"Geistliche Vater- und Mutterschaft"

Vater- und Mutterschaft ist in der Regel eine natürliche Beziehung zwischen Eltern und ihren Kindern. Diese ist den Religiosen des Werkes aufgrund ihres Jungfräulichkeitsgelübdes verwehrt. Sie sollen aber umso mehr die sog. geistliche Vater- und Mutterschaft leben, eine Art Beziehung zwischen den Religiosen und anderen Menschen, denen gegenüber sie ihrer eigenen Auffassung nach eine "geistliche" Verantwortung innehaben. Sei es, dass sie jemanden zum Eintritt ins Werk bewegen wollen oder für die Bekehrung von jemandem beten, der noch bestimmte Schwächen und Fehler hat. Dabei muss die betreffende Person nicht um ihr "Kind-Sein" in dieser Beziehung wissen, es ist noch nicht einmal notwendig, dass "geistliche(r)/Vater/Mutter" und "geistliches Kind" sich kennen bzw. das "Kind" muss überhaupt keine bestimmte Person sein. Die geistliche Vater- und Mutterschaft kennzeichnet vielmehr das grundlegende Selbstverständnis der Religiosen des Werkes gegenüber anderen Menschen im allgemeinen: ein Verhältnis von geistlicher Überlegenheit, aus der sich die Verpflichtung ableitet, alles nur irgend mögliche zu tun, um möglichst viele zu retten. Kein Opfer darf zu große sein. So erträgt bspw. jede Küchenschwester die Mühen ihrer täglichen Arbeit als "geistliche Mutter", im Bewusstsein, dass sie so "Berufungen gewinnen" und Gnaden für andere verdienen kann.


Zum "sektenartigen Hausjargon" neuer geistlicher Gemeinschaften vgl. Urquhart, Gehirnwäsche.


Bündnisgnade


"Bündnisgnade"

Die Bündnisgnade ist eine Formel, auf die im Werk oft rekurriert wird. Gemeint ist damit die ganz besondere Gnade, die nach Ansicht Verhaeghes allen zuteil wird, die das "Heilige Bündnis" schließen. Das "Bündnis", das in Wirklichkeit - theologisch und kirchenrechtlich betrachtet - höchstens ein persönliches Engagement in der Kirche ist und z.T. weniger als das, wird im Werk nicht nur wie ein Sakrament (das eine eigene Gnade vermitteln kann) betrachtet, sondern gewissermaßen als "Super-Sakrament", das alle anderen Sakramente vollendet. Dementsprechend gilt die Bündnisgnade als eine Art "Super-Gnade", die die Mitglieder des Werkes befähigt alles das zu tun, was im Werk von ihnen verlangt wird. Wenn Mitglieder vor Aufgaben gestellt werden, die sie eigentlich nicht bewältigen können, werden sie auf die Bündnisgnade verwiesen, auf die sie eben vertrauen müssten. Wer Schwierigkeiten oder Zweifel hat, wer überlastet oder depressiv ist o.a. - wird auf diese (leere) Formel verwiesen, wodurch sich die Verantwortlichen ihrer Verantwortung für die Mitglieder entledigen, die sie zugleich mit Anforderungen und Arbeiten überschütten und deren psychische und physische Probleme sie weitgehend ignorieren können. Ja: jedem Mitglied, das mit seinen Schwierigkeiten nicht zurecht kommt, kann man selbst die Schuld daran geben: er oder sie hat eben nicht genug an die Bündnisgnade geglaubt oder diese Gnade aus eigener Schuld verspielt.


Zum "sektenartigen Hausjargon" neuer geistlicher Gemeinschaften vgl. Urquhart, Gehirnwäsche.

Standesgnade



"Standesgnade"

Die Standesgnade ist ein Konzept katholischer Tradition, demzufolge jeder Christ von Gott die Gnade erhält, die er zur Erfüllung seiner "Standespflichten" benötigt (also der Pflichten, die sein Stand bzw. sein Beruf mit sich bringt). Daraus leitet sich im Ordensleben die Vorstellung ab, dass jeder zum geweihten Leben Berufene von Gott die Kraft erhält, die drei evangelischen Räte (Armut, Keuschheit und Gehorsam) zu halten; und dass die Oberen die Gnade erhalten, die sie brauchen, um die ihnen Anvertrauten Ordensleute zu leiten. Im Werk wird dieses überkommene Konzept nicht nur im alten Sinne weiterverwendet, sondern auch verfälscht. Die Standesgnade, die ein Oberer erhält, ersetzt nämlich im traditionellen Verständnis nicht sein persönliche Engagement und sie verpflichtet seine Untergebenen nicht dazu, alle Weisungen des Oberen bedingungslos zu akzeptieren. Im Werk dagegen schon: unter Berufung auf die ihnen verliehene "Standesgnade" halten sich Verantwortliche im Werk für unfehlbar. Sie fühlen sich nicht dazu verpflichtet, die ihnen untergebenen Mitglieder wirklich anzuhören und zu verstehen, sondern meinen, dass sie sie "blind" führen können, alleine aufgrund ihrer besonderen Begnadigung als Verantwortliche, und dass selbst wenn Verantwortliche Fehler machen würden, diese durch die Standesgnade von Gott gerechtfertigt und zum Guten gewendet werden würden. Mitglieder sind also in jedem Falle unbedingt dazu verpflichtet, die Weisungen ihrer Verantwortlichen fraglos zu befolgen, weil diese Weisungen in jedem Falle gut sind. Aber nicht nur das: weil die "Standesgnade" sich in den Augen der Verantwortlichen als eine Art Wunderheilmittel darstellt, das persönliche Fehler und Mängel behebt, werden immer wieder Mitglieder, die sich als besonders schwierig erwiesen oder sich sogar schwerer Vergehen schuldig gemacht haben, extra in eine Verantwortlichen-Position erhoben, in der Annahme, dass ihre Fehler nun von der Standesgnade behoben werden würden. 

Zum "sektenartigen Hausjargon" neuer geistlicher Gemeinschaften vgl. Urquhart, Gehirnwäsche.



Arkandisziplin - Geheimlehren und -praktiken

Beinert nennt den Begriff der Arkandisziplin als Kennzeichen fundamentalistischer Gemeinschaften.

Arkandisziplin ist eine Art stufenweiser Einweihung der Mitglieder in Lehren und Praxis der Gemeinschaft. Die "Eingeweihten" müssen sich gegenüber "Nicht-Eingeweihten" verschwiegen zeigen. Diese Praxis hängt zusammen mit anderen Merkmalen fundamentalistischer und sektiererischer Gruppen: Eliteanspruch, Auserwählungsbewusstsein, dualistisches Weltbild und starkes Zusammengehörigkeitsgefühl. Sie geht oft einher mit dem Wahrheitsanspruch der Gemeinschaft, mit der klaren Abgrenzung gegenüber der Umwelt, die nicht in der Lage oder nicht würdig ist, das geheime Wissen der Eingeweihten zu teilen und mit der Furcht vor Verfolgung, sollte das geheime Wissen in die falschen Hände gelangen. Diese Praxis ist kennzeichnend für alle religiösen Geheimkulte, Sekten, für die Freimaurer, aber auch für christliche Gemeinden in der Antike.

Das Werk übt zweifellos eine ausgeprägte Arkandisziplin. Verhaeghe sprach davon, man müsse "das Geheimnis des Königs wahren" (Worte, die sie dem Buch Tobit entnahm: "Es gebührt sich, das Geheimnis eines Königs verborgen zu halten, aber die Werke Gottes mit Rühmen zu verkündigen". Tob 12,7). Noch gängiger ist heute im Werk der Begriff der "Diskretion", der aber dieselbe Funktion hat: er markiert die "Geheimnisse" der Gemeinschaft, vor deren Bekanntwerden sie sich fürchtet und Schaden für ihr Image erwartet (nicht zu unrecht).

Zum Geheimnis des Königs zählt die Spiritualität und die Politik des Werkes. Für beides gibt es eine Art stufenweiser Einweihung. Jedes neue Mitglied wird nach und nach mit den Texten und Praktiken des Werkes vertraut gemacht, und mit jedem neuen "Schritt" wird ihm eingeschärft, dass "wir darüber nicht sprechen", insbesondere nicht "draußen". Sehr vieles fällt in die Kategorie des Geheimen:

- fast alle Texte Verhaeghes. Bis vor wenigen Jahren hatten die meisten Mitglieder nicht einmal Zugang zu den Konstitutionen des Werkes, die Originaltexte Verhaeghes sind nach wie vor unter Verschluss und werden den Mitgliedern nur auszugsweise zu Lesen gegeben. Jedem Mitglied ist klar, dass es die Texte nach dem Lesen zurückgeben muss, und dass sie unter keinen Umständen weitergegeben werden dürfen, vor allem nicht an "Nicht-Eingeweihte". Dasselbe gilt für Gebete, wie etwa die in diesem Blog veröffentlichte Herz-Jesu-Litanei oder die Litanei der Demut.

- die Praktiken des Werkes. Sobald ein Mitglied aufgefordert wird, wöchentliche und monatliche Berichte zu schreiben (das geschieht in der Regel im ersten Jahr, sobald das Mitglied "reif" dafür ist), wird ihm auch gesagt, dass alle das tun, dass wir darüber aber nicht sprechen, auch nicht untereinander, erst recht nicht gegenüber Außenstehenden. Das gilt auch für die "Abrechnung", einem Blatt, auf dem jedes Mitglied seine monatlichen bzw. vierteljährlichen Ausgaben bis auf den Cent genau mit Rechnungen dokumentieren muss. Dasselbe gilt für das Öffnen der Briefe: insbesondere im Noviziat müssen alle Briefe vorgelegt werden - den Eltern oder Bekannten, die diese Briefe geschrieben haben oder empfangen werden, sagt man darüber natürlich kein Wort. Gleiches gilt von der Askese: das Fasten, die Verzichte, die bei Kleidung und Entspannung verlangt werden und das kräfteraubend volle Arbeits- und Gebetsprogramm: das alles ist "Geheimnis des Königs" und unterliegt der "Diskretion".

Zu den Dingen, die "draußen" nicht erzählt, und auch unter den Mitgliedern nur bedingt angesprochen werden dürfen, gehören außerdem:

Die Namen hochrangiger Freunde und Besucher des Werkes: es ist mittlerweile ein offenes Geheimnis, dass das Werk direkten Zugang zu Benedikt XVI., seinem Sekretär Georg Gänswein und seinem Bruder Georg Ratzinger hatte bzw. noch hat, und damit auch Zugang zu vielen hochrangigen Kurienkardinälen, Erzbischöfen und Prälaten. Das Werk investiert sehr viel Energie in den Aufbau solcher Kontakte, in allen seinen Niederlassungen. Die Mitglieder müssen für die Besuche dieser wichtigen Gäste, die in den Häusern des Werkes ein- und ausgehen, alle Kräfte aufbieten und ein perfektes Bild abgeben, - sie dürfen aber nicht darüber sprechen, sodass auch die Mitglieder aus dem einen Haus nicht erfahren, was im anderen geschieht. Die "gewöhnlichen" Mitglieder erfahren auch nicht, was diese wichtigen Gäste mit den Verantwortlichen des Werkes besprechen.

Finanzen des Werkes: darüber wissen die Mitglieder selbst in der Regel nicht Bescheid. Wer was verdient, wer wie viel Monatsgeld zur Verfügung hat, wofür es ausgegeben wird, wer spendet, woher das Werk sich überhaupt finanziert. Zwar erfahren die Mitglieder hin und wieder wie viel Geld in den Bau oder die Restaurierung dieses oder jenes Hauses investiert wurde (eine Summe, die sich allein in den letzten Jahren auf einige Millionen belief), sie wissen aber nicht, dass sich zugleich die Kosten für die tägliche Ernährung eines Mitgliedes auf nur 1,- Euro belaufen!

Entscheidungen des Rates. In der Regel werden nur banale Entscheidungen allgemein bekannt. Wer mehr weiß, darf darüber nicht sprechen. Es gibt auch Entscheidungen, die zwar alle betreffen, aber draußen nicht bekannt werden dürfen.

Ausgetretene Mitglieder. Wenn ein Mitglied die Gemeinschaft verlässt oder verlassen muss, wird das den anderen Mitgliedern von den Verantwortlichen mitgeteilt, inkl. einer Erklärung, warum das geschehen ist (in der Regel liegt die "Schuld" in der Schwäche des Ausgetretenen, der keine Möglichkeit hat, seine Entscheidung und seine Gründe den anderen direkt zu kommunizieren). Weiterer Kontakt mit Ausgetretenen ist nicht möglich bzw. der Leitung vorbehalten. Von Mitgliedern, die "früher" ausgetreten sind, die das einzelne Mitglied nicht kennt oder gekannt hat, erfährt es auch nichts. Über ehemalige Mitglieder wird insbesondere mit der Außenwelt nicht gesprochen.

Gespräche mit Verantwortlichen. Diese Gespräche, in denen das Mitglied sich völlig "öffnen" muss, wo auch sehr intime und heikle Themen angesprochen werden und der Einzelne oft weit über die Schmerzgrenze kritisiert und in Frage gestellt wird, sind absolut "geheim". Darüber spricht man mit niemandem.

Verfehlungen der Verantwortlichen. Die Verantwortlichen müssen "mit Ehrfurcht" behandelt werden. Die einzelnen Mitglieder erleben sie ohnehin nie von ihrer "persönlichen Seite", sondern immer nur in ihrer "Rolle". Falls ein Mitglied dennoch einmal eine Schwäche eines Verantwortlichen mitbekommt, was auch immer das ist, muss es darüber "ehrfurchtsvolles Schweigen" bewahren. Auf diese Art und Weise sind etwa die "hysterischen Ausfälle" von "Mutter Katharina" von allen ignoriert worden; und Patres, die für ihre "Schwäche" gegenüber Frauen bekannt sind, bleiben vor Behelligungen innerhalb der Gemeinschaft sicher.

Zweifel und Sorgen. Mitglieder, die Zweifel bekommen oder sich Sorgen um die Gemeinschaft, um sich selbst oder andere Mitglieder machen, dürfen diese nicht äußern, außer gegenüber ihrem Verantwortlichen, der sie ihnen wieder ausredet. Das gilt auch und gerade dann, wenn Mitglieder ernsthafte psychische Schwierigkeiten haben.

Krankheiten von Mitgliedern. Über Krankheiten spricht man nicht. In der Regel bekommen Mitglieder gar nicht mit, wenn ein anderes Mitglied im selben Haus krank ist, sei es akut oder chronisch. Wer es dennoch mitbekommt, weiß, dass er darüber nicht sprechen darf, dasselbe gilt natürlich, wenn man selbst krank ist. Ob und was mit der betreffenden Person geschieht, ist allein Sache der Verantwortlichen.