Was will dieser Blog?

Dies ist der Blog ehemaliger Mitglieder des "Werkes". Er enthält Geschichten, Tatsachen und Erfahrungen, die vom "Werk" sorgfältig verschwiegen oder geleugnet werden. Er sei jedem ans Herz gelegt, der mit dem "Werk" in Kontakt kommt.

Lügen, Unfreiheit und Abhängigkeit

Das Werk als fundamentalistische Gruppierung


Wenn man Fundamentalismus definiert als eine geistige Haltung, Anschauung, die durch kompromissloses Festhalten an [ideologischen, religiösen] Grundsätzen gekennzeichnet ist [und das politische Handeln bestimmt], kann man Das Werk ohne weiteres als fundamentalistische Gruppierung innerhalb der katholischen Kirche bezeichnen. Die Gemeinschaft vertritt Ideale, praktiziert Rituale und pflegt eine Identität, die sich weitgehend als fundamentalistisch beschreiben lassen. Ihre Mitglieder zeichnen sich insbesondere durch radikale Überzeugungen, intransigentes Beharren bzw. Diskursunfähigkeit aus. Insofern lässt sich das Werk mit Islamisten, Evangelikalen oder anderen "katholischen" Gemeinschaften, wie etwa der Petrusbruderschaft oder den Piusbrüdern vergleichen.


Das Werk als Sekte


Darüberhinaus weist das Werk aber auch Merkmale auf von Gruppen oder Organisationen, die psychologisch subtilen Techniken der Bewusstseinskontrolle einsetzen, um Menschen in ihre Abhängigkeit zu bringen, d.h. Merkmale von Sekten. Im Unterschied zu jemandem, der etwa in die Petrusbruderschaft eintritt, weiß jemand, der ins Werk eintritt nicht unbedingt, dass er sich einer radikalen religiösen Gruppierung anschließt. Er schließt sich vielmehr einer Gemeinschaft an, die vorgibt etwas anderes zu sein als sie ist (nämlich eine normale römisch-katholische Gemeinschaft des geweihten Lebens, die sich vielfältig kirchlich engagiert). Diese "Fassade-Taktik" ist aber typisch für Sekten, die ihren Mitgliedern etwas vormachen, um sie für sich zu gewinnen und sie, wenn sie einmal gewonnen sind, manipulieren und steuern zu können. Dies geschieht im Werk folgendermaßen:



Erster Schritt: Lügen

Wenn man das Werk kennenlernt erfährt man viel über diese neue Gemeinschaft. Das Mitglied des Werkes, mit dem man spricht, wird von nichts anderem berichten und sehr viel erzählen, von der Geschichte, vom kirchlichen Engagement, von den Mitgliedern, von der Gründerin. Die Gründerin wird oft zitiert. Das Mitglied strahlt großes Glück aus, wirkt durch und durch begeistert und erfüllt. Man hört viel Faszinierendes und - wenn man nicht schon schlechte Erfahrungen mit dieser oder einer ähnlichen Gemeinschaft gemacht hat - wird sich angezogen fühlen und geneigt sein, der Einladung in eines der Häuser der Gemeinschaft Folge zu leisten. Wenn man als potenzielles neues Mitglied, also als junger Mensch zwischen 16 und 25 diese Erfahrung macht, wird einem besonders eindrücklich geschildert, wie glücklich die jüngsten Mitglieder der Gemeinschaft sind und wie vielfältig sie in ihren Begabungen gefördert und eingesetzt werden. Zu erfahren, dass es eine Atomphysikerin, eine promovierte Philosophin, mehrere promovierte Theologen, einen Metzger, einen Schreiner, Klempner, Buchbinder und unzählige andere Berufe in der Gemeinschaft in dieser Vielfalt gibt, dass man als Mitglied in Italien, England, Frankreich, den USA oder dem Heiligen Land eingesetzt werden kann fasziniert unbedingt.

Erst Jahre später, oft erst nach dem Austritt wird einem bewusst, wie geschickt hier mit einem Gemisch aus Halbwahrheiten und Lügen gearbeitet wird. Man muss selbst erfahren, wie falsch, aufgesetzt und erzwungen (auch von Innen heraus erzwungen, von den Mitgliedern selbst), das vermeintliche Glück ist. Man muss erfahren haben, dass man zwar in allen möglichen Bereichen zum Arbeiten eingesetzt wird, dass man von einem Land ins andere versetzt wird und kaum Luft holen kann, aber mitnichten in den eigenen Begabungen wertgeschätzt und gefördert wird noch persönlich bereichernde Erfahrungen macht: im Gegenteil! Nach dem Eintritt heißt es dann, man müsse den eigenen Begabungen und Wünschen erst einmal "absterben". Wenn man dann die berühmte "Atomphysikerin", die "Philosophin", die "Theologen" und den "Metzger" kennenlernt, merkt man irgendwann auch, dass so gut wie keiner von ihnen in seinem Beruf auch tatsächlich arbeitet, dass ihre Qualifikationen zwar real sind, aber von keiner hohen Qualität, dass die allermeisten von ihnen psychisch gebrochene Menschen sind... Vor allem aber wird einem schlussendlich die größte Lüge klar: das Werk arbeitet nicht für die Kirche, sondern ausschließlich für sich selbst.


Zweiter Schritt: Unfreiheit

Wenn man erst einmal eingetreten ist, wird man ziemlich schnell isoliert und kontrolliert. Man mag das hinnehmen, weil man es für normal hält, in einer Gemeinschaft des geweihten Lebens gewisse persönliche Freiheiten aufzugeben. Dabei realisiert man nicht, dass das Werk im Beschneiden der Freiheit seiner Mitglieder weiter geht als es nach kirchenrechtlichen Prinzipien überhaupt gehen dürfte. Hier steht das Werk tatsächlich einer Sekte in nichts nach, denn es schreibt seinen Mitgliedern alles bis ins Kleinste vor und kontrolliert sie darin: alle Kontakte inkl. geistliche Begleitung und Beichtvater werden vorgeschrieben, ebenso Lektüre, Nahrungsaufnahme, Informationsquellen, Gedanken und Gefühle (!). Das Mitglied übernimmt diese Vorgaben scheinbar freiwillig, wird dabei tendenziell skrupulös und realisiert in der Regel erst zu spät, dass es komplett unfrei geworden ist.


Dritter Schritt: Abhängigkeit

Ist das Mitglied erst einmal von seinem früheren Umfeld abgeschnitten und unfrei geworden, wird es auch vom Werk abhängig. Diese Abhängigkeit kann sich auf alle Bereiche seines Lebens erstrecken. Oft befindet er/sie sich in einer emotionalen Abhängigkeit gegenüber seinem/ihrer "Verantwortlichen", der/die in der Regel die einzige Bezugsperson ist. Das  Mitglied befindet sich in einer ideologischen Abhängigkeit, da seine Identität und sein Gedankengut ganz vom Werk bestimmt wird. Es befindet sich in einer materiellen Abhängigkeit, da es keinen eigenen Besitz mehr hat und das Werk nicht verpflichtet ist, es nach einem evtl. Austritt in irgendeiner Weise zu unterstützen. Vielen Mitgliedern ist diese Abhängigkeit nicht bewusst. Sie entfaltet aber unbewusst eine starke Wirkung. Ergibt sich für ein Mitglied erst einmal eine irgendwie geartete potentielle Unabhängigkeit gegenüber der Gemeinschaft (emotional, ideologisch oder finanziell), kehrt es der Gemeinschaft in der Regel schnell den Rücken.



Umgang mit Austretenden

Werbick nennt als Merkmal fundamentalistischer Gemeinschaften "Intoleranz gegenüber 'Abweichlern'". Auch für Sekten ist aggressiver Umgang mit Abweichlern und ausscheidenden Mitgliedern typisch. Dazu gehören massiver Druck, der auf austrittswillige Mitglieder ausgeübt wird, das Vorenthalten der Rechte, die Mitgliedern während und nach ihrem Ausscheiden zustehen, der Anspruch der Deutungshoheit über die Motive des ausscheidenden Mitglieds diesem selbst und allen anderen Mitgliedern der Gemeinschaft gegenüber und der Versuch der Kontrolle der ausgeschiedenen Mitglieder auch noch lange Zeit nach deren Austritt, sowie das Kontaktverbot zwischen Ausgetretenen und aktiven Mitgliedern.

Ideologische Grundlegung: der Verrat des Judas
Im Werk ist das alles schon ideologisch grundgelegt. Ein Austritt gilt als die größte Katastrophe, die größtmögliche Untreue eines Mitgliedes und wird als "Abfall" nicht nur vom Werk, sondern von der eigenen Berufung und damit vom Ruf Gottes, d.h. von Gott selbst verstanden. Das zeigt z. B. das Kapitel 11 der Konstitutionen "Verlassen und Entlassen". Gleich zu Beginn dieses Kapitels werden die "Verleugnung des Petrus" und der "Verrat des Judas" als Metaphern für das Ausscheiden von Mitgliedern aus dem "Werk" bemüht. Vgl. Kapitel XI - Verlassen und Entlassen
Dementsprechend gestaltet sich auch der Umgang mit austrittswilligen, austretenden und ausgetretenen Mitgliedern:

Wer austritt ist selbst schuld
Sobald ein Mitglied spürbar auf Distanz zur Ideologie der Gemeinschaft geht, wird es z. T. massiv unter Druck gesetzt. Dies ist selbst dann der Fall, wenn die Gemeinschaft selbst auf das Ausscheiden des Mitgliedes hinwirkt. Bspw. werden mitunter Mitglieder, die zu krank sind, um zu arbeiten, aus der Gemeinschaft hinausgedrängt, nicht aber, ohne ihnen einzuschärfen, dass sie selbst die Schuld daran trügen, dass sie der Berufung nicht würdig seien oder ihre Berufung verspielt hätten, dass sie nicht fest genug an die Berufungsgnade geglaubt hätten und darum krank geworden seien etc. Dem ausscheidenden Mitglied wird klar gemacht, dass es außerhalb der Gemeinschaft nicht mehr glücklich werden könnte, dass es nun ohne die Bündnisgnade leben müsse usw. Dass die Verantwortlichen weiterhin den Kontakt zum ausgetretenen Mitglied halten wollen wird als großzügige Geste dargestellt, tatsächlich ist es der Versuch die möglichst weitgehende Kontrolle auch über ausgetretene Mitglieder zu behalten.

Erzwungener Verzicht auf alle Ansprüche gegenüber dem Werk
Sobald der Entschluss zum Austritt feststeht, wird dem Mitglied ein Dokument zur Unterschrift vorgelegt, in dem es heißt, dass es von nun an keinerlei Ansprüche mehr gegenüber dem Werk habe und zwar "insbesondere vertraglicher, rechtlicher, assikurativer oder finanzieller Art". Das Mitglied kennt seine Rechte zu diesem Zeitpunkt nicht, es kennt nicht einmal das 11. Kapitel der Konstitutionen. Dazu ist es extrem zermürbt von den vorangehenden oft tagelangen Gesprächen und seinen eigenen Skrupeln. Es kann niemanden um Rat fragen und hat nur noch einen Wunsch: so schnell wie möglich das Werk zu verlassen. Also unterschreibt das Mitglied.

Lächerliche Summe und Schweigegeld
In der Regel wird dem ausscheidenden Mitglied sogar ein Geldbetrag mitgegeben, der aber lächerlich gering ist und kaum die Lebenshaltungskosten für mehr als einen Monat decken kann. Mehr "Glück" haben allenfalls Mitglieder, die aufgrund ihrer Erlebnisse in der Gemeinschaft (Missbrauch, Medikamentenmissbrauch, Vorenthaltung ärztlicher Hilfe mit daraus resultierenden bleibenden Gesundheitsschäden) eine potenzielle Gefahr für das Werk darstellen: sie erhalten u. U. einen Zusatzbetrag, der im vierstelligen Bereich liegen kann: ein Schweigegeld.

Kein Austrittsindult
Im Kapitel 11 der Konstitutionen (vgl. Link oben) heißt es, dass das Ausscheiden von Mitgliedern mit "zeitlichen Gelübden" gemäß dem "Eigenrecht" geregelt wird. Dieses Eigenrecht - falls es überhaupt schon geschrieben ist - kennt aber kein Mitglied. Ein Indult, also eine Entlassungsurkunde, wie sie vom Kirchenrecht vorgesehen ist, steht nur Mitgliedern mit "ewigen Gelübden" zu. Das Werk lässt aber, entgegen kirchenrechtlicher Regelung, nur in Ausnahmefällen und nach sehr langer Zugehörigkeit zur Gemeinschaft, Mitglieder zu den ewigen Gelübden, d.h. zum "ewigen Hl. Bündnis" zu. So scheiden selbst Mitglieder, die mehr als 10 Jahre zum Werk gehört haben ohne Indult aus, also ohne jemals de iure Mitglieder des Werkes gewesen zu sein und werden gemäß einem vom Werk selbst geschriebenen Eigenrecht behandelt, das sie nie zu Gesicht bekommen.

Keine Nachzahlung von Pensionsbeiträgen
Konsequent vorenthalten wird Ex-Mitgliedern des Werkes die gesetzlich vorgeschriebene Nachzahlung von Pensionsbeiträgen. Institute des geweihten Lebens müssen in den meisten europäischen Ländern wie Deutschland, Österreich und Italien nicht in die Rentenversicherung einzahlen, da sie sich selbst um ihre Mitglieder im Pensionsalter kümmern. Dafür sind sie aber gesetzlich verpflichtet ausscheidende Mitglieder nachzuversichern. Die dadurch entstehenden Kosten sind allerdings sehr hoch, insbesondere für Mitglieder, die 10 Jahre und mehr in der Gemeinschaft waren. Angesichts der gesetzlichen Vorschrift, der ohnehin unsicheren Renten und der Schwierigkeit nach dem Austritt (oft ohne nennenswerte Ausbildung, die man im Werk nicht erhält) einen Arbeitsvertrag mit einigermaßen einträglichem Lohn zu finden, ist das Vorenthalten dieser Nachzahlungen ein Verbrechen.

Die Deutungshoheit über den Austritt liegt bei den Verantwortlichen
Nach dem Austritt des Mitgliedes erfinden die Verantwortlichen eine Austritts-Legende, die sie den anderen Mitgliedern jeweils in vier-Augen-Gesprächen erzählen. Diese handelt immer davon, dass das betreffende Mitglied selbst schuld an seinem "Scheitern" sei. Von evtl. Missbrauch, Krankheiten, berechtigten Zweifeln und dem Versagen der Verantwortlichen ist keine Rede. Mal heißt es, er oder sie habe Schwierigkeiten mit einem der ev. Räte gehabt oder habe das "Charisma" nicht "in seiner Tiefe" verstanden, mal heißt es, er oder sie sei nicht bereit gewesen, sich von der Eigenliebe, vom Stolz oder sonst etwas zu bekehren. Manches mal heißt es auch, jemand sei einfach nicht "reif" genug gewesen. In jedem Fall aber ist allen Mitgliedern der Kontakt zu den Ausgetretenen verboten. Das gilt selbst dann, wenn es sich um leibliche Geschwister handelt.

Das Werk verfolgt Ex-Mitglieder
Auch wer ausgetreten ist, wird weiterhin von seinen ehemaligen Verantwortlichen kontaktiert und verfolgt. Das kann in einzelnen Fällen bis hin zum Stalking gehen, sodass Ex-Mitglieder schon polizeiliche Hausverbote für bestimmte Personen erwirken mussten, um sich von ihnen zu befreien. Das Werk will möglichst viel über seine ehemaligen Mitglieder wissen. Verantwortliche melden sich bei Ex-Mitgliedern oder deren Verwandten und Freunden und zeigen sich besorgt und anteilnehmend am weiteren Schicksal ihrer ehemaligen Mitglieder, eine Geste, die angesichts des vorausgegangenen psychischen Drucks und der vorenthaltenen Rechte zynisch wirkt und sich als Heuchelei entlarvt. Das Werk tut sehr viel, um sicherzustellen, dass Ex-Mitglieder der Gemeinschaft nicht gefährlich werden können. Sie schrecken auch vor der offenen Verleumdung von einzelnen ehemaligen Mitgliedern, die ihnen besonders gefährlich werden könnten, nicht zurück, sie verleumden also gerade ihre größten Opfer, weil deren Geschichten am meisten Sprengstoff in sich tragen. Bis vor Kurzem hat das Werk damit erfolgreich verhindern können, dass Geschichten seiner Ex-Mitglieder an die Öffentlichkeit gelangen. Wenn das dennoch einmal geschehen ist, wie Mitte der 90er in Belgien, hat es sich zum Opfer einer "Verfolgungswelle" stilisiert.


Fundamentalismus ist zu "schnell mit Gott fertig"

Atheismus, religiöser Fundamentalismus und leichtgläubiger religiöser Enthusiasmus sind sich alle auffallend ähnlich in dem, wie schnell sie fertig sind mit dem Geheimnis, das wir Gott nennen - und eben deshalb sind alle diese drei Positionen für mich in gleichem Maße unannehmbar.

Tomás Halík, Geduld mit Gott, 9.

Festungsdenken und Kriegsmetaphorik


Hintergrund: Der heilige Krieg

Festungsdenken und Kriegsmetaphorik sind nach Beinert Merkmale fundamentalistischer Gruppen. Beides hängt eng zusammen, ist die Festung doch selbst ein aus kriegsstrategischen Gründen errichtetes Gebäude. Der Hintergrund beider Merkmale ist die vermeintliche ständige Bedrohung, der fundamentalistische Gruppen sich ausgesetzt sehen und die selbst einen guten Teil ihrer Gruppen-Identität ausmacht bzw. zur Radikalisierung der Gruppe führt. Die Bedrohung wird dabei meist als übermächtig empfunden. Das heißt, sie hat entweder übermenschlichen (dämonischen) Charakter oder sie geht von der überwältigenden Mehrheit der Weltbevölkerung aus - oder beides zugleich: ein übermenschliches dämonisches Wesen hat den Großteil der Menschheit im Griff und möchte sich auch des "kleinen Restes" der betreffenden Gruppe bemächtigen. Diese sieht sich also im Krieg gegen eine Übermacht, die sie nur durch eiserne Disziplin, unermüdlichen Kampf und den Zugang zu verborgenen Kraftquellen oder ähnlichem besiegen kann.

Eine solche Weltsicht hat destruktive Auswirkungen auf die Psyche der Mitglieder, sie kann dazu führen, dass die Gruppe sich nicht mehr an Recht und Gesetz gebunden fühlt und dass sie vor Gewaltanwendung nicht zurückscheut.


Festungsdenken und Kriegsmetaphorik im Werk

Verhaeghe war geprägt vom Bewusstsein, dass Das Werk im Kampf zwischen Gut und Böse (s. Dualismus) eine entscheidende Rolle spielt. Ihre Sprache ist oft von Kriegsmetaphorik durchzogen. Auf sie zurückgehende Axiome dieser Art prägen bis heute das alltägliche Leben, Denken und Handeln im Werk. Nur zwei Beispiele dafür:

Zur Kriegsmetaphorik

Fais donner la garde! Verhaeghe hat diesen Spruch wohl einer Szene in einem Buch entnommen: In dem Moment, in dem das Leben des Königs auf dem Spiel steht, ruft er diesen Satz aus: die Leibgarde des Königs wird zum Einsatz gebracht, um ihn zu schützen. Das Werk war in den Augen Verhaeghes eine solche Leibgarde für die Sache des Königs, also für Christus und alles, was sie mit ihm verbunden hat: seine Kirche, seine Wahrheit, usw. dort, wo Christus selbst angegriffen würde, sollte Das Werk wie seine Leibgarde agieren, um ihn zu verteidigen und für ihn zu kämpfen. Der Spruch ist auf Karten gedruckt und in allen Zentren des Werkes verbreitet worden. Auch wenn er heute weniger verbreitet ist, als noch zu Lebzeiten Verhaeghes, ist er allen Mitgliedern bekannt. Vor allem ist der darin ausgedrückte Anspruch in der Gemeinschaft lebendig.

Zum Festungsdenken

Die Klostermauern des "geläuterten Gewissens". Auf Verhaeghe geht die Aussage zurück: "ich gebe euch keine anderen Klostermauern als die eures geläuterten Gewissens". Diese Maxime wird vom Werk selbst als höchst fortschrittlich betrachtet: die Mitglieder tragen keine Tracht, sie leben nicht in Klausur, sondern können auch außerhalb der Niederlassungen eingesetzt werden, sodass sie nicht durch Klostermauern vor der Welt "geschützt" werden, sondern durch ihr "geläutertes Gewissen". Tatsächlich offenbart diese Aussage aber ein Festungsdenken, das für das Werk ganz besonders typisch ist. Die Aussage dieses Axioms ist in Wirklichkeit nicht: handelt in der Welt entsprechend eurem Gewissen, sondern: ihr seid in der Welt in permanenter Gefahr und könnt ihr nur entrinnen, wenn ihr euer Gewissen "läutern" lasst, d.h. wenn ihr euer Denken und Wollen vom Werk verändern lasst, wenn ihr denkt und wollt, was das Werk euch sagt, dass ihr denken und wollen sollt. Tut ihr das nicht, seid ihr dem Feind ausgeliefert.


Der allgegenwärtige gute Kampf

Der biblische Begriff des "guten Kampfes" wird im Werk geradezu inflationär gebraucht. Allerdings wird er weder vor dem Hintergrund seines Entstehungskontextes reflektiert noch in seiner Verwendung im Werk hinreichend geklärt, sodass fraglich bleibt, in welchem Sinn diese Metapher vom Werk verstanden wird. Besorgniserregend ist die Häufigkeit und der Kontext, in dem dieser Begriff verwendet wird: Gekämpft wird gegen Satan und seine Werke, gegen "den Feind", gegen die eigenen "Leidenschaften"...  - so scheint die Metapher im Werk ziemlich wörtlich genommen zu werden und im Dienst des dualistischen Welt- und Menschenbildes zu stehen. Die oben geäußerten negativen Folgen eines solchen Denkens, stehen damit auch für das Werk und seine Mitglieder zu befürchten.

Stellen, in denen der "gute Kampf" in den Konstitutionen vorkommt:


Im „Gehorsam des Glaubens“ (Röm 16,26) schenken sie sich Gott, indem sie sich in der Kraft der Gnade Ihm mit Verstand und Willen unterwerfen und seine Offenbarung mit ganzem Herzen annehmen. So wird die Wahrheit Gottes sie immer mehr durchdringen und ihre begrenzten Einsichten und Erkenntnisse auf die eine Wahrheit hin ausrichten. Ihr Leben in der Berufung soll gekennzeichnet sein vom ständigen Bemühen, Grenzen und Schwächen im Glauben zu übersteigen. Dadurch verherrlichen sie Gott und empfange seine übernatürliche Kraft und Weisheit. Im Glauben sollen sie das göttliche Leben zur Entfaltung bringen und im Kampf gegen das Böse siegen (vgl. 1 Joh 5,4).
-  Konst. II,12 
Von Gideon und seinen Mitstreitern lernen sie [die Mitglieder des Werkes], im Kampf gegen den Feind menschliche Ängste im Glauben zu überwinden und ihr Vertrauen mehr auf Gottes Macht und die Einheit untereinander als auf die Anzahl der Kämpfenden zu setzen.
Konst. II,13



Waffen im Kampf gegen Satan – Die Angehörigen des „Werkes“ glauben, dass Christus die Macht Satans am Kreuz überwunden hat (vgl. Joh 12,31) und sie in der Taufe Anteil am Sieg Christi erhalten haben. Im Kampf gegen Satan (vgl. Eph 6,10-13), der danach strebt, sie in der Liebe erkalten zu lassen und von Christus zu trennen, vertrauen sie auf die übernatürlichen Waffen, die ihnen geschenkt sind: die Anbetung des allmächtigen und heiligen Gottes, den Schutz und die Fürsprache Marias, die Hilfe des Erzengels Michael, die drei göttlichen Tugenden, das „Heilige Bündnis“, das Gebet und die Buße, das Wort Gottes, die Sakramente und die Sakramentalien, die Gnade der Einheit mit der Kirche und untereinander sowie den Segen der Priester.
Konst. II,44



Als die Mutter des Sieges ist sie [Maria] ihnen [den Mitgliedern des Werkes] im guten Kampf nahe.
 
Konst. II,52



Sie vertrauen dem Erzengel Michael die Familie des „Werkes“ und die ganze heilige Kirche im Kampf gegen die Macht Satans an.
Konst. VIII,14



Das Sakrament der Firmung befähigt sie [die Mitglieder des Werkes], den guten Kampf zu kämpfen und in der Auseinandersetzung zwischen Licht und Finsternis die Treue zu Christus, zu seiner Kirche und zu ihrer Berufung zu bewahren.
 
Konst. VIII,20



„Das Werk“ muss im Geist der Unterscheidung auf die seelischen, geistigen und geistlichen Nöte des „kleinen Restes“ (vgl. Jes 10,21; Röm 11,1-12) hinhören und ihm die Geborgenheit einer geistlichen Familie schenken171. „Es sind damit alle jene gemeint, die in den Zeichen der Zeit treu den guten Kampf um den wahren Glauben kämpfen, die den Glauben an den dreieinigen Gott in ihrem Leben entsprechend der Überlieferung der Apostel und Propheten zu verwirklichen und zu bewahren suchen, sowie alle jene, die sich zu der heiligen Kirche als dem Mystischen Leib Christi, zu ihrer Hierarchie, ihrer Lehre und den Sakramenten in vollem Umfang bekennen“
Konst. IX,25
Wie der Gute Hirt die Herde vor Räubern und Dieben schützt, so sollen die Verantwortlichen den ihnen Anvertrauten beistehen und sie verteidigen, wenn sie Angriffen von außen oder von innen ausgesetzt sind. Sie zeigen ihnen Wege auf, wie sie Uneinigkeit vermeiden sowie in Versuchungen und im Kampf gegen unerlöste Leidenschaften mit Gottes Hilfe siegen können. Zugleich haben sie den Auftrag, ihre geistliche Familie vor Gefahren zu schützen, damit sie nicht die Klage des Propheten Ezechiel trifft: „Ihr seid nicht in die Bresche gesprungen. Ihr habt keine Mauer für das Haus Israel errichtet, damit es am Tag des Herrn im Kampf standhalten kann“ (Ez 13,5).
Konst. X,9
Sie blicken auf Maria und auf den Apostel Johannes, die Jesus Christus bis unter das Kreuz gefolgt sind. Vertrauensvoll erbitten sie deren Fürsprache, damit sie in Stunden der Prüfung nicht schwach oder ihrer Berufung untreu werden. Ihr ganzes Leben lang sollen sie die Tugend gläubiger Wachsamkeit bewahren, damit sie mit Gottes Gnade den guten Kampf bestehen, in der Versuchung standhalten und die ewige Herrlichkeit erlangen.
Konst. XI,1



Da auch die Berufenen im guten Kampf auf dem Weg der Bekehrung die Versuchung erfahren können, zwei Herren zu dienen, ist es ihre Pflicht, „das allzu Menschliche abzulegen und ́Christus anzuziehen`(vgl. Röm 13,14), um miteinander in anbetender Danksagung im Dienst des Herrn zu stehen“ (M.J.V.).

Konst. XI,5


Rein menschlich



"Rein menschlich"

"Rein menschlich" ist im Werk der Gegenbegriff zu "übernatürlich". Aus theologischer Perspektive ist das Adjektiv "übernatürlich" und seine Funktion im religiösen Wortschatz in letzter Zeit wiederholt problematisiert worden, nicht zuletzt weil es einen gewissen Dualismus impliziert, d.h. die Wirklichkeit in einen heiligen, übernatürlichen, und einen unheiligen, rein natürlichen Bereich einteilt. Im Werk wird diese Einteilung jedoch konsequent weiter gepflegt, wobei nicht vom "Natürlichen" oder "rein Natürlichen" als Gegenbegriff zum "Übernatürlichen" die Rede ist, sondern vom "rein Menschlichen", am häufigsten in der Kombination "rein menschliches Denken". Dieses "rein menschliche Denken" ist in der Vorstellung des Werkes das, was dem "übernatürlichen Wirken Gottes" im Menschen am meisten entgegensteht. Damit wird das Adjektiv "menschlich", das gemeinhin eine positive Konnotation besitzt, drastisch abgewertet und erscheint letztlich als gleichbedeutend mit "gottlos" und "sündig". Die Konsequenz ist, dass alle als "rein menschlich" betrachteten Handlungen und Gemütszustände, wie Sympathie und Antipathie, Erschöpfung, Zorn, Wissbegier u.ä. als tendenziell sündig gelten und unterdrückt werden müssen (vgl. die Litanei der Demut), während eine permanente stoische Gemütsruhe zum Ideal wird. Durch Ideale wie dieses werden die Mitglieder des Werkes systematisch den Werten der Gesellschaft, wie auch sich selbst und ihren eigenen Empfindungen entfremdet und manipulierbar gemacht.


Zum "sektenartigen Hausjargon" neuer geistlicher Gemeinschaften vgl. Urquhart, Gehirnwäsche.


Geistliche Vater- und Mutterschaft


"Geistliche Vater- und Mutterschaft"

Vater- und Mutterschaft ist in der Regel eine natürliche Beziehung zwischen Eltern und ihren Kindern. Diese ist den Religiosen des Werkes aufgrund ihres Jungfräulichkeitsgelübdes verwehrt. Sie sollen aber umso mehr die sog. geistliche Vater- und Mutterschaft leben, eine Art Beziehung zwischen den Religiosen und anderen Menschen, denen gegenüber sie ihrer eigenen Auffassung nach eine "geistliche" Verantwortung innehaben. Sei es, dass sie jemanden zum Eintritt ins Werk bewegen wollen oder für die Bekehrung von jemandem beten, der noch bestimmte Schwächen und Fehler hat. Dabei muss die betreffende Person nicht um ihr "Kind-Sein" in dieser Beziehung wissen, es ist noch nicht einmal notwendig, dass "geistliche(r)/Vater/Mutter" und "geistliches Kind" sich kennen bzw. das "Kind" muss überhaupt keine bestimmte Person sein. Die geistliche Vater- und Mutterschaft kennzeichnet vielmehr das grundlegende Selbstverständnis der Religiosen des Werkes gegenüber anderen Menschen im allgemeinen: ein Verhältnis von geistlicher Überlegenheit, aus der sich die Verpflichtung ableitet, alles nur irgend mögliche zu tun, um möglichst viele zu retten. Kein Opfer darf zu große sein. So erträgt bspw. jede Küchenschwester die Mühen ihrer täglichen Arbeit als "geistliche Mutter", im Bewusstsein, dass sie so "Berufungen gewinnen" und Gnaden für andere verdienen kann.


Zum "sektenartigen Hausjargon" neuer geistlicher Gemeinschaften vgl. Urquhart, Gehirnwäsche.


Bündnisgnade


"Bündnisgnade"

Die Bündnisgnade ist eine Formel, auf die im Werk oft rekurriert wird. Gemeint ist damit die ganz besondere Gnade, die nach Ansicht Verhaeghes allen zuteil wird, die das "Heilige Bündnis" schließen. Das "Bündnis", das in Wirklichkeit - theologisch und kirchenrechtlich betrachtet - höchstens ein persönliches Engagement in der Kirche ist und z.T. weniger als das, wird im Werk nicht nur wie ein Sakrament (das eine eigene Gnade vermitteln kann) betrachtet, sondern gewissermaßen als "Super-Sakrament", das alle anderen Sakramente vollendet. Dementsprechend gilt die Bündnisgnade als eine Art "Super-Gnade", die die Mitglieder des Werkes befähigt alles das zu tun, was im Werk von ihnen verlangt wird. Wenn Mitglieder vor Aufgaben gestellt werden, die sie eigentlich nicht bewältigen können, werden sie auf die Bündnisgnade verwiesen, auf die sie eben vertrauen müssten. Wer Schwierigkeiten oder Zweifel hat, wer überlastet oder depressiv ist o.a. - wird auf diese (leere) Formel verwiesen, wodurch sich die Verantwortlichen ihrer Verantwortung für die Mitglieder entledigen, die sie zugleich mit Anforderungen und Arbeiten überschütten und deren psychische und physische Probleme sie weitgehend ignorieren können. Ja: jedem Mitglied, das mit seinen Schwierigkeiten nicht zurecht kommt, kann man selbst die Schuld daran geben: er oder sie hat eben nicht genug an die Bündnisgnade geglaubt oder diese Gnade aus eigener Schuld verspielt.


Zum "sektenartigen Hausjargon" neuer geistlicher Gemeinschaften vgl. Urquhart, Gehirnwäsche.

Standesgnade



"Standesgnade"

Die Standesgnade ist ein Konzept katholischer Tradition, demzufolge jeder Christ von Gott die Gnade erhält, die er zur Erfüllung seiner "Standespflichten" benötigt (also der Pflichten, die sein Stand bzw. sein Beruf mit sich bringt). Daraus leitet sich im Ordensleben die Vorstellung ab, dass jeder zum geweihten Leben Berufene von Gott die Kraft erhält, die drei evangelischen Räte (Armut, Keuschheit und Gehorsam) zu halten; und dass die Oberen die Gnade erhalten, die sie brauchen, um die ihnen Anvertrauten Ordensleute zu leiten. Im Werk wird dieses überkommene Konzept nicht nur im alten Sinne weiterverwendet, sondern auch verfälscht. Die Standesgnade, die ein Oberer erhält, ersetzt nämlich im traditionellen Verständnis nicht sein persönliche Engagement und sie verpflichtet seine Untergebenen nicht dazu, alle Weisungen des Oberen bedingungslos zu akzeptieren. Im Werk dagegen schon: unter Berufung auf die ihnen verliehene "Standesgnade" halten sich Verantwortliche im Werk für unfehlbar. Sie fühlen sich nicht dazu verpflichtet, die ihnen untergebenen Mitglieder wirklich anzuhören und zu verstehen, sondern meinen, dass sie sie "blind" führen können, alleine aufgrund ihrer besonderen Begnadigung als Verantwortliche, und dass selbst wenn Verantwortliche Fehler machen würden, diese durch die Standesgnade von Gott gerechtfertigt und zum Guten gewendet werden würden. Mitglieder sind also in jedem Falle unbedingt dazu verpflichtet, die Weisungen ihrer Verantwortlichen fraglos zu befolgen, weil diese Weisungen in jedem Falle gut sind. Aber nicht nur das: weil die "Standesgnade" sich in den Augen der Verantwortlichen als eine Art Wunderheilmittel darstellt, das persönliche Fehler und Mängel behebt, werden immer wieder Mitglieder, die sich als besonders schwierig erwiesen oder sich sogar schwerer Vergehen schuldig gemacht haben, extra in eine Verantwortlichen-Position erhoben, in der Annahme, dass ihre Fehler nun von der Standesgnade behoben werden würden. 

Zum "sektenartigen Hausjargon" neuer geistlicher Gemeinschaften vgl. Urquhart, Gehirnwäsche.