Was will dieser Blog?

Dies ist der Blog ehemaliger Mitglieder des "Werkes". Er enthält Geschichten, Tatsachen und Erfahrungen, die vom "Werk" sorgfältig verschwiegen oder geleugnet werden. Er sei jedem ans Herz gelegt, der mit dem "Werk" in Kontakt kommt.

Das Werk als Familie Gottes. Ideal und Realität.


Das Werk als Familie Gottes.

Ideal und Realität



‚Das Werk‘ ist von Gott als eine Familie Gottes gewollt, in welcher alle Mitglieder, zu einem Leib zusammengefügt und durch eine hierarchische und klare Ordnung getragen, die Gnade der heiligen Taufe und Firmung und der anderen Sakramente zu einer tiefen Entfaltung bringen wollen.
Konst III, 1.


Mitglieder im engeren Sinn sind jene Frauen und Männer, die durch das Schließen des „Heiligen Bündnisses in den drei evangelischen Räten“ in der geistlichen Familie „Das Werk“ dem dreifaltigen Gott geweiht werden und so zum Leben und zur Heiligkeit der Kirche auf ihre Weise beitragen. Sie werden Mitglieder des „Werkes“ genannt. Die Erwählung zum gottgeweihten Leben in der Gnade der evangelischen Räte begründet unter ihnen eine wahre Gleichheit in der gemeinsamen Würde und Berufung zum Aufbau ihrer geistlichen Familie. Für die Mitglieder im engeren Sinn ist das „Heilige Bündnis“ auch ein „Bündnis mit der Gemeinschaft“ (M.J.V.), das ihre ganze Person an „Das Werk“ bindet.
Konst. III, 7.

Der Grundgedanke in der Rede von der "geistlichen Familie" ist, dass Das Werk als neue Form des geweihten Lebens auch eine neue Struktur und ein neues Selbstverständnis braucht. Von Anfang an hätten die Schwestern sich eher als eine "Familie" begriffen, nicht als ein "Institut".


Das Werk als Familie Gottes. Das Ideal.


"Familie" ist ein reicher Begriff, der viele emotional aufgeladene und tendenziell positive Konnotationen in sich trägt: in der Familie ist man "daheim", man erfährt Nähe und Geborgenheit, also eine menschliche Gemeinschaft die weit über die formelle Kooperation hinausreicht, die man am Arbeitsplatz oder im öffentlichen Leben erfährt. In der Familie wird man als ganzer Mensch wahrgenommen, in seiner Individualität und ist auch als solcher gefordert. Was zählt ist, wer man ist, nicht was man leistet. Kurz: in der Familie macht man (idealerweise) die Erfahrung, vorbehaltlos geliebt zu sein, ohne sich verstellen zu müssen. Streit und Missverständnisse sind dabei nicht ausgeschlossen, sondern haben ihren Platz, werden aber getragen von einem ungleich stärkeren gegenseitigen Grundvertrauen.

Weil es Gott immer um den ganzen Menschen geht, den er in seiner Individualität geschaffen hat, den er liebt und umfassend erlöst und damit zur umfassenden Gemeinschaft und vertrauensvollen Beziehung zu anderen befähigt, scheint "Familie" ein passender und schöner Begriff für eine Gemeinschaft des geweihten Lebens zu sein, wo Menschen das Leben miteinander teilen, die sich in den besonderen Dienst an Gott und dem Nächsten gerufen wissen.


Das Werk als Familie Gottes. Beobachtungen.


Zunächst macht es stutzig, wenn man liest, dass "Familiengefühl" für Beinert ein Merkmal fundamentalistischer Gruppen ist. "Familie" ist tatsächlich ein vager Begriff, besonders wenn er eine Struktur beschreiben soll, in der nicht miteinander verwandte, erwachsene Menschen zusammenleben.

Familienmetaphorik eignet sich hervorragend dazu, eine Atmosphäre aufzubauen, wie sie in "verschworenen" Gruppen herrscht, eine Atmosphäre, die klar draußen und drinnen trennt, in der Verschwiegenheit nach außen herrscht und unbedingtes Vertrauen gefordert werden kann, eine Atmosphäre, in der Menschen sich manipulieren lassen und Abhängigkeiten und Missbrauch verschleiert werden können.

Tatsächlich kann im Werk keine Rede von echtem "Familienleben" sein. Individualität wird nicht respektiert, geschweige denn gefördert. Spontaneität ist unerwünscht. Freundschaften und persönliche Beziehungen zwischen den Mitgliedern sind ausdrücklich verboten und werden ggf. sanktioniert. Das liegt in der Logik des dualistischen Menschenbildes des Werkes und seiner einseitigen Spiritualität. Im Noviziat wird die Persönlichkeit gebrochen, der Einzelne wird in seiner normalen Entwicklung gehemmt und (äußerlich wie innerlich) abhängig gemacht. Die Rede vom Werk als "Familie" klingt da geradezu zynisch.

Welche Funktion hat die Rede von der "Familie" dann?

(1) Mit dem Eintritt ins Werk wird das neue Mitglied von seiner eigenen Familie getrennt, und zwar möglichst weitgehend bzw. vollständig. Dies geschieht mit dem Verweis auf seine "neue Familie". Das Werk hätte nun alle Funktionen der "alten Familie" übernommen.

(2) Durch den Begriff "Familie" wird unbedingtes Vertrauen suggeriert: Als Familie hat man keine Geheimnisse voneinander, man spricht alles miteinander ab, man zieht sich nicht zurück, redet über alles - damit wird der Einzelne emotional in Bedrängnis gebracht und veranlasst, sich selbst völlig zu öffnen, wie er es früher gegenüber seinen Eltern oder Angehörigen getan hat. Allerdings bleibt diese Öffnung einseitig und geschieht nur gegenüber den Verantwortlichen, die ihrerseits nicht viel preisgeben. Der Einzelne kann sich also in Wirklichkeit nicht frei mitteilen. Was er sagt, macht ihn verwundbar. Er erfährt - im Gegensatz zu einer echten Familie - nicht, was in der Gemeinschaft wirklich vor sich geht. Von den Menschen, mit denen er zusammenlebt, weiß er sehr wenig und darf nicht nach ihnen fragen. Dennoch wird dem Einzelnen vermittelt: wenn du Vertrauen zu uns (den Verantwortlichen) hast und uns alles sagst, dann ist das die Nähe, die zu einer Familie gehört; und wir kümmern uns um dich, wenn wir dir "helfen" mit deinen Gefühlen "richtig" umzugehen. So werden die Mitglieder zugleich manipuliert und emotional abhängig...

(3) Der Begriff "Familie" hat keine Grenzen und Maßstäbe. Das einzelne Mitglied kann sich nicht auf eine bestimmte Lebensform oder Aufgabe berufen, um derentwillen er eingetreten wäre. Das Werk hält sich so alle Türen offen: es kann ein Mitglied zu einem kontemplativen Leben bestimmen oder zu einem Einzelleben alleine, weit weg vom nächsten Zentrum. Es kann einem Mitglied eine Berufsausbildung ermöglichen oder auch nicht. Es kann ein Mitglied Geld verdienen lassen oder nicht. Alles ist möglich, wie in einer Familie eben. Und die "Eltern" müssen sich den "Kindern" gegenüber nicht rechtfertigen.


Das Heilige Bündnis. Ideal und Realität.


Das Heilige Bündnis


In den Konstitutionen heißt es:

Die Eingliederung neuer Mitglieder in die geistliche Familie „Das Werk“ erfolgt durch das Schließen des „Heiligen Bündnisses“ mit dem Herzen Jesu. Diese Form der Eingliederung entspricht dem Wesen des Charismas, das auf das Wirken Gottes in der Heilsgeschichte und auf das Geheimnis der Kirche ausgerichtet ist. Das „Heilige Bündnis“ ist „ein wesentliches und konstitutives Element des Charismas „Das Werk“, welches Gott seiner Kirche für die Nöte dieser Zeit schenken wollte“ (M.J.V.). Das „Heilige Bündnis“, das die Mitglieder schließen erinnert sie daran, dass Gott einen Bund mit dem Volk Israel und in Christus den Neuen und Ewigen Bund mit der Kirche geschlossen hat. Es bringt die Gnade der Sakramente im Licht der Berufung des „Werkes“ zu weiterer Entfaltung.

 - Konst. IV,1. 

Die Bezeichnung „Heiliges Bündnis“, die im „Werk“ als Bezeichnung für jede Form der Bindung an die Gemeinschaft gebraucht wird, wurzelt in einer mystischen Erfahrung, die Verhaeghe am Hochfest des Herzens Jesu im Jahr 1934 gehabt haben soll:

Es war ihr, als ob die göttliche Liebe von ihrem Herzen Besitz ergreifen würde. Von dieser Liebe durchdrungen, gab sie sich dem Herrn für das Wohl der Kirche hin: ‚Das Jawort, das ich damals dem Herrn gab, war wie ein ‚Heiliges Bündnis’ mit dem gottmenschlichen Herzen Jesu, das sich fortwährend hinopfert in seinem Leib, der Kirche.’“

- Strolz/Willi, Sie liebte die Kirche. Mutter Julia und die Anfänge der geistlichen Familie „Das Werk“. Eigenverlag, Bregenz 2005,  104.


Verhaeghe knüpft damit bewusst an den biblischen Begriff des „Bundes“ an:

Das ‚Heilige Bündnis‘ sollte aufs Neue den Sinn für die Heilsgeschichte wecken, jene Heilsgeschichte, durch die hindurch der kleine Rest der Gläubigen in einem Martyrium der Läuterung und Liebe durch die Zeit pilgerte, um das Kommen Christi vorzubereiten. Christus hat einen Neuen Bund mit seiner Kirche geschlossen, mit seiner Braut, indem er das Bündnis des Alten Testamentes ergänzte und vollendete.
 - Zitat Verhaeghes, in: L. Scheffczyk, Wesensmomente des Charismas, Eigenverlag Das Werk.



Das Heilige Bündnis. Das Ideal.


Der Bund als sehr reicher biblischer Begriff für die tiefe und persönliche Beziehung Gottes zu den Menschen scheint sehr passend das zu beschreiben, was Menschen vollziehen, die sich für ein Leben in den drei evangelischen Räten entscheiden oder auch auf eine andere Art ihren Glauben bewusst und engagiert leben wollen. Sie stellen sich in die Reihe derer, die im Alten und Neuen Bund Gottes Ruf gefolgt sind und besinnen sich auf ihre Taufe, die sie bewusst leben wollen. Der Begriff „Bündnis“ drückt also mehr aus und erscheint passender als etwa „Profess“ oder „Gelübde“.



Das Heilige Bündnis. Die Realität.


Tatsächlich aber ist das Bündnis nicht einfach nur ein anderer Begriff für dieselbe Sache, also für die Gelübde, die alle Religiosen vollziehen, sondern bezeichnet etwas anderes.

Wenn Verhaeghe das Bündnis im Werk bewusst mit dem Alten und Neuen Bund in Verbindung bringt, ist Skepsis angebracht. Sie entlehnt nicht nur den Begriff, sondern meint tatsächlich, dass das Heilige Bündnis im Werk die Gnadengaben des Alten und Neuen Bundes "vollendet". In diesem Sinne sagt sie auch, das Bündnis würde in den Mitgliedern die Taufgnade "weiter entfalten":


Durch das Sakrament der Taufe hat das Licht des Glaubens in uns Einzug gehalten. Zugleich nährt und stärkt uns die Kirche durch die anderen Sakramente. Das ‚Heilige Bündnis’ bringt alle diese Gnaden zu weiterer Entfaltung und schließt alles in sich, was wir im ‚Werk’ als Familie Gottes sind und brauchen.
 - Zitat Verhaeghes in der Fußnote zu Konst. IV, 1.

Das "Heilige Bündnis" wird also als ganz besondere Gnadengabe betrachtet, die allein dem „Werk“ anvertraut ist. Verhaeghe gerät angesichts des Bündnisses ins Schwärmen: Das Bündnis sei „etwas so Herrliches und Wunderbares, dass es alle Gedanken und jede menschliche Erkenntnis übersteigt“ (Sie liebte die Kirche, 127) und „wir werden erst im Himmel die Größe des Bündnisses schauen“. Das Bündnis ist also im Verständnis des Werkes eine "besondere Gnadengabe" mit pseudo-sakramentalem Charakter.

Der Verdacht, Das Werk könnte sich als eine Art "wahrer Kirche" in der Kirche fühlen, wird dadurch verstärkt, dass das "Heilige Bündnis" auch rechtliche Relevanz besitzt: Es ist die Eingliederung bzw. Bindung der Mitglieder an die Gemeinschaft, und zwar nicht nur für die Religiosen im Werk, sondern auch für Assoziierte aller Lebensstände, für Laien, Familien, Priester, Bischöfe und Angehörige anderer Ordensgemeinschaften und Institute, die sich durch das Schließen des „Heiligen Bündnisses“ an „Das Werk“ binden können.


Es gibt eine Vielzahl an Formen, in denen das Bündnis geschlossen wird, je nachdem, zu welchem Stand man gehört und auf welcher "Stufe" der Eingliederung man steht, schließt man der Reihe nach verschiedene Bündnisse. Allen Formen gemein ist der Vollzug: Das Bündnis wird durch das Vorlesen des Bündnistextes im liturgischen Rahmen geschlossen. Dieser Text ist in Gebetsform geschrieben und enthält das Versprechen, sich an „Das Werk“ und seine Führung zu binden. Mit Ausnahme des feierlichen "Heiligen Bündnisses in jungfräulicher Liebe", dem zweiten Bündnis, das die Religiosen schließen, und das zugleich mit der Ablegung des Gelübdes der Keuschheit als erstem der drei evangelischen Räte verbunden ist, werden alle Bündnisse geheim, unter Ausschluss der Öffentlichkeit sowie ohne Wissen der eigenen Gemeinschaft geschlossen. Beteiligt sind dann nur die Verantwortlichen des Werkes und das betreffende Mitglied selbst inkl. dem beliebig kleinen oder großen Kreis an Personen, den die Leitung der Gemeinschaft einweihen will. 


Das "Heilige Bündnis in jungfräulicher Liebe" wird dagegen umso aufwendiger und prächtiger gefeiert, meist in einer großen Pfarrkirche unter Anwesenheit einer großen Feiergemeinde. In der Regel steht der Zeremonie ein Bischof vor. Die Feier dient dem Knüpfen von Kontakten und der Öffentlichkeitsarbeit des Werkes. Die Bischöfe, die den Feiern der letzten Jahre vorgestanden sind, waren: am 11.11.2007 in Rom: Kardinal Carlo Caffarra, Erzbischof von Bologna; am 18.7.2009 in Bregenz: Dr. Gregor Maria Hanke, Bischof von Eichstätt; am 29.9.2010 in Bregenz: Dr. Franz Scharl, Weihbischof von Wien; am 14.5.2011 in Halle (Belgien): André-Joseph Leonard, Erzbischof von Mechelen-Brüssel; am 1.10.2011 in Dadizele (Belgien): Giacinto Berloco, Apostolischer Nuntius in Belgien; am 20.4.2013 in New York: Kardinal Timothy Dolan, Erzbischof von New York.


Ein weiterer heikler Umstand ist, dass allein die Leitung des Werkes entscheidet, wer zu welchem Zeitpunkt zu welchem Bündnis zugelassen wird. Mitglieder, die nicht völlig loyal erscheinen bzw. dem Druck nicht standhalten, der in der Formung auf sie ausgeübt wird, werden auf diese Weise von der endgültigen Eingliederung und damit der rechtlichen Besiegelung ihrer Mitgliedschaft im Werk de facto ausgeschlossen. Sie werden nur Jahr um Jahr zum wiederholten Schließen des "zeitlichen Bündnisses"zugelassen. Damit haben sie auch keinen Rechtsanspruch gegenüber dem Werk, offiziell (d.h. etwa in den Listen der römischen Behörden) scheinen sie nie als Mitglieder der Gemeinschaft auf und erhalten bei ihrem Austritt kein Indult - und dies alles obwohl sie u. U. über zehn Jahre im Werk waren, obwohl sie selbst in der Überzeugung leben, volle Mitglieder des Werkes zu sein und obwohl sie oft harte körperliche Arbeit und unzumutbare psychische Belastungen ertragen haben.


Diese Praxis steht im Widerspruch zur Intention des Kirchenrechts: Sie führt dazu, dass die Mitglieder keine Rechtssicherheit bezüglich ihres Status innerhalb der Gemeinschaft haben. Die entsprechende Regelung in den Konstitutionen des Werkes, die sich an den entscheidenden Stellen auf das Eigenrecht beruft (das bis vor wenigen Jahren noch nicht geschrieben war und von keinem gewöhnlichen Mitglied der Gemeinschaft eingesehen werden kann), ermöglicht das willkürliche Vorgehen der Leitung des Werkes in der Eingliederung ihrer Mitglieder:


18 - Für das Schließen des „ewigen Bündnisses“ in den drei evangelischen Räten bzw. die definitive Eingliederung in „Das Werk“ gelten folgende Richtlinien:
a. Es gibt Mitglieder, die nach einer tiefgehenden Läuterung in verhältnismäßig kurzer Zeit für das „ewige Bündnis“ reif werden, das sie für ewig in „Das Werk“ eingliedert.

b. Es gibt Mitglieder, die aufgrund ihrer Entwicklung und der Zeitverhältnisse einen längeren Weg zurücklegen müssen, bis sie die für das „ewige Bündnis“ notwendige Reife erlangen. Darum soll offen bleiben, wieviele Jahre nach dem ersten Schließen des „Bündnisses in den drei evangelischen Räten“ diese Mitglieder das „ewige Bündnis“ schließen.

c. Es gibt Mitglieder, die für ein „ewiges Bündnis“ auch nach längerer Zeit nicht reif werden. Sie werden aber spätestens acht Jahre nach dem Schließen des „Bündnisses in den drei evangelischen Räten“ endgültig eingegliedert. Nach der definitiven Eingliederung in „Das Werk“ kommen ihnen gewisse Rechtswirkungen des „ewigen Bündnisses“ zu, die im Eigenrecht dargelegt sind. Es ist möglich, dass Mitglieder, die definitiv eingegliedert sind, später das „ewige Bündnis“ schließen, wenn sie die dafür notwendige Reife erlangt haben.

Die Entscheidung darüber, ob ein Mitglied zum „ewigen Bündnis“ zugelassen oder definitiv eingegliedert wird, liegt bei der zuständigen internationalen Leitung oder deren Bevollmächtigten nach Anhören der Verantwortlichen des betreffenden Mitgliedes.
 
19 - Zulassung zum Schließen des „ewigen Bündnisses“ – Ein Mitglied kann das „ewige Bündnis“ schließen, nachdem es ihm von der zuständigen internationalen Leitung angeboten wurde und es in Freiheit dazu bereit ist. Voraussetzung dafür ist, dass es das Charisma in mündiger Weise zu leben vermag und durch ausdauernden Einsatz bewiesen hat, dass es auch inmitten fordernder Aufgaben die Treue hält und zum liebevollen Dienen bereit ist. Es muss auch fähig sein, in das sühnende Leiden des Herrn um seiner Kirche willen einzutreten und die geistliche Vater- und Mutterschaft in Freiheit, Freude und Hingabe zu leben. Zudem wird vorausgesetzt, dass es die authentische Entwicklung des „Werkes“ in Liebe zum Charisma und im Geist der Unterscheidung mitträgt. Das „ewige Bündnis“ kann frühestens drei Jahre nach dem Schließen des „Bündnisses in den drei evangelischen Räten“ geschlossen werde. Ausnahmen bedürfen der Erlaubnis der internationalen Leitung.

 - Konst. IV, 18 und 19.

Herz-Jesu-Litanei


Herz-Jesu-Litanei

Die Herz-Jesu-Litanei ist ein streng geheimer, innerhalb der Gemeinschaft aber sehr gut bekannter Text Verhaeghes. In diesem Gebet, das nur bedingt als "Litanei" bezeichnet werden kann, und in der Regel auch nicht wie eine Litanei gebetet, sondern eher zur Betrachtung vorgetragen wird, kommen abwechselnd das "Herz Jesu" und die "Seele" zu Wort. 

Der Text ist zum Einen brisant, weil er eine völlig unverhohlene Leidensverherrlichung darstellt. Nicht nur, dass viel von "Ketten" und "Fesseln" die Rede ist, sondern auch Metaphern wie "Ausliefern", "Macht", "Hingabe und Unterwerfung", "starker Arm", verstärken diesen Eindruck noch und stellen ein sehr problematisches Gottesbild dar.

Zum Anderen ist der Text dadurch brisant, dass er im letzten Abschnitt beinahe unverhohlen die Prinzipien moderner Rechtsstaatlichkeit und Gesellschaftsordnung angreift, indem er sie (bzw. jede nicht explizit christliche Gesellschaftsordnung) als inkompatibel oder gar widersprüchlich zur "göttlichen Ordnung" und zum "Königtum Christi" bezeichnet.



Herz Jesu, wir wollen deine Getreuen sein und dir allein angehören!

Mein(e) Geliebte(r), überliefere dich ganz und ungeteilt der Liebe meines Herzens, dem Quell alles Guten.

Wolltest du in meinem Heiligsten Herzen alles finden, was du brauchst, um mir vollkommen zu dienen und nachfolgen zu können in allen Verfügungen meines Willens über dich.

Lass mich über dich verfügen  nach meinem Wohlgefallen, dann werden mein Friede und meine Freude von dir ausgehen und ausstrahlen auf alle, die sich dir nahen. Dies wird das schönste Zeugnis dafür sein, dass du mit deinem ganzen Sein mir allein zugehörst.

Ich werde Gebrauch machen von meiner Macht, um die Meinen mit starker Hand hinzuführen zum Ideal ihrer Berufung.

Erhebe deine Hände zu mir, öffne mir deine Seele, dann werde ich dich mit der höchsten Gabe meiner rettenden Liebe bereichern.

Komm und schenk mir als Gegengabe für mein Herz dein Herz, weihe mir deine Seele, dein Leben, deine Schmerzen und Freuden. Ihr alle, seid ganz die Meinen.

Schau auf meine durchbohrte Brust, auf dieses Herz, das dich geliebt hat bis zur völligen Selbstaufgabe. Dasselbe Herz, das am Kreuzesholz aufgehört hat zu schlagen, bleibt treu in seiner Liebe zu dir in der nicht mehr zu löschenden Glut des Opferaltars.

Erinnere dich wie ich einst kam, sieh, wie ich nun wiederkehre, um das Feuer der Liebe in dir zu entzünden, das Feuer des Lebens, das Feuer der Heiligkeit und das Feuer der vorbehaltlosen Hingabe als Schlachtopfer. Und wie verlange ich danach, dass es brenne!

Herr Jesus, mach uns stark im Glauben, true in der Hoffnung und ungeteilt in der Liebe!

Geliebte(r), wieder fühle ich die Ängste meines Todeskampfes, weil im Weingarten meiner Liebe Dornen gezüchtet und um mein Herz gelegt wurden. Reiß sie aus, die Dornen, durch dein Büßen und Sühnen, durch deine Treue und deinen Eifer in meinem Dienst.

Schenk mir dein Vertrauen ohne jeden Vorbehalt. Ich, der ich mit dir mein Bündnis geschlossen habe, bin ewige Liebe und Treue. Schenk dich mir ganz, ohne umzuschauen. – Ich gehe dir voran – fürchte nichts, fürchte dich nie vor etwas -, sondern freue dich über das Bündnis, das du mit mir schließen durftest, weil ich dich erwählt habe.

Meine Liebe wird dich erfüllen und dich ganz eins werden lassen mit den Verfügungen meines Willens über dich. Sei deshalb ein gefügiges Werkzeug zum Aufbau dieser Einheit, die der Ausdruck deines Bündnisses mit mir ist.

Auf dass deine Einheit mit mir wachse, schloss ich mit dir meinen Bund, der dich an mein „Werk“ bindet. Diene in Friede und Freude, um jene Einheit weitergeben zu können, deren Quelle und Lebensader ich bin.

Überliefere dich ganz und ohne Vorbehalt der Liebe meines Herzens – dann wirst du das Gesetz meines Bundes erfüllen und im Mystischen Leib Baustein jener Einheit sein, wie ich sie im Vater und im Heiligen Geist besitze.

Ich werde dir Kraft und Mut schenken, mir in apostolischer Opferliebe treu zu bleiben, bis alles vollbracht ist.

Baue auf mich, mit dem du einen Bund geschlossen hast auf meine Einladung hin. Meine Kraft wird dich als mein Segen begleiten.

Sei dessen gewiss, dass mein besonderer Segen mit dir sein wird alles Tage dieses Lebens.

Mach uns zu gefügigen Werkzeugen deiner Liebe!

Heiligstes Herz Jesu, gefangener König der Liebe, fessle unser Herz, das so kleinmütig ist in der Liebe und so kalt in der Dankbarkeit, an dich mit den Ketten einer feurigen Liebe.

Heiligstes Herz Jesu, gefangener König der Liebe, fessle unsere aufständischen Sinne an dich mit den Ketten deiner alles überwindenden Gnade.

Heiligstes Herz Jesu, gefangener König der Liebe, fessle unseren wankelmütigen und schwachen Willen an dich mit den Ketten deiner Stärke.

Heiligstes Herz Jesu, gefangener König der Liebe, fessle unsere missbrauchte Freiheit an dich mit den Ketten eines lebendigen Glaubens.

Heiligstes Herz Jesu, gefangener König der Liebe, fessle unseren hochmütigen Verstand an dich mit den Ketten einer heilsamen Gottesfurcht.

Heiligstes Herz Jesu, gefangener König der Liebe, fessle unsere erschöpfte und haltlose Natur an dich mit den Ketten deiner milden Barmherzigkeit.

Heiligstes Herz Jesu, lass uns eintreten in dein Herz selbst, lass uns für ewig darin wohnen, denn außerhalb deines Herzens ist für uns nirgends Frieden und Ruhe.

Heiligstes Herz Jesu, gib uns für immer dein göttliches Herz, um deiner heiligen Kirche willen gib es uns, o Jesus, in den Stunden des Kampfes, in denen du die Echtheit unseres
Eifers und unserer Selbstverleugnung prüfst und wägst.

Herz Jesu, du allein sollst unser König sein!

Beim Annehmen der unvergleichlichen Gabe meines göttlichen Herzens müsst ihr mich als euren König der Liebe anerkennen.

Die ungeschaffene Liebe bist du, o Jesus. Darum wollen wir keine Liebe ohne Gott oder gegen Gott anerkennen, denn alle Liebe muss aus dir empfangen, um den Namen Liebe tragen zu können.

Die einzige wesentliche Wahrheit bist du, o Jesus. Darum wollen wir keine Wahrheit anerkennen ohne Gott oder gegen Gott.

Die einzige wahre, unberührte Gerechtigkeit bist du, o Jesus. Darum wollen wir keine Gerechtigkeit anerkennen ohne Gott oder gegen Gott.

Die Quelle allen Rechtes bist du, o Jesus. Darum wollen wir keine Freiheit anerkennen ohne Gott oder gegen Gott. Der einzige, der uns in Wahrheit befreien kann, bist du, o Jesus.

Die einzige wahre Brüderlichkeit ist die deine, o Jesus. Darum wollen wir keine Brüderlichkeit noch Mitmenschlichkeit anerkennen ohne Gott oder gegen Gott.

Die Grundsäule der gesellschaftlichen Ordnung bist du, o Jesus. Du, o Jesus, bist das Grundprinzip aller Kultur. Darum wollen wir kein Scheinbild von Kultur anerkennen ohne Gott oder gegen Gott.

Erschafft Gott Menschen für das Werk?

Dieser kurze Text von Verhaeghe zeigt, welches Konzept von "Berufung" im Werk herrscht. Er suggeriert nämlich, dass die Mitglieder des Werkes von Geburt an für das Werk bestimmt sind. Verhaeghe geht also davon aus, dass Gott Menschen für das Werk erschafft, als "Werkzeuge". 

Dieser Logik folgend müssen Mitglieder des Werkes Ausschau nach jenen Menschen halten, die ja ohnehin (auch ohne ihr Wissen und Wollen) immer schon für das Werk bestimmt sind. Solche vermeintlich von Gott Berufenen werden in die Zentren des Werkes eingeladen, wo dann die Verantwortlichen des Werkes, die sich kraft ihrer "Standesgnade" als von Gott dazu befähigt halten, das Urteil darüber fällen, ob die betreffende Person eine Berufung hat oder nicht. Dabei ist es tatsächlich irrelevant, ob sie selbst sich berufen fühlt. 

Wenn die Leitung des Werkes davon überzeugt ist, dass jemand eine Berufung zum Werk hat, wird er mit allen möglichen Mitteln, in langen Gesprächen, Besuchen und Briefen, mit allen möglichen Argumenten und Aufdringlichkeiten unter Druck gesetzt, seine Berufung "einzusehen" und ins Werk einzutreten. Widersteht er und tritt nicht ein, bleibt er vor weiterer jahrelanger Belästigung nicht sicher. In jedem Fall werden die Mitglieder des Werkes ihm mitteilen, dass er seine Berufung verfehlt, sich damit vor Gott, vor der Kirche und vor sich selbst schuldig macht, nur an sich selbst denkt und unweigerlich ein verfehltes unglückliches Leben haben wird. Auch wo, aus Angst vor der Öffentlichkeit, auf besonderen Druck verzichtet wird, geschieht er dennoch auf subtilere Art und Weise. Die Überzeugung, dass Gott Menschen für das Werk erschafft und es gilt, diese ausfindig zu machen und zu gewinnen, bleibt bestehen und schafft die Grundlage dafür.

Der Text suggeriert sogar noch mehr, nämlich, dass nur Mitglieder des Werkes vor Selbstsucht und dem daraus resultierenden Unglück bewahrt werden (ein Mensch, der nicht ins Werk, sondern in einen andere Gemeinschaft eintritt, kann in den Augen des Werkes auch seine Berufung verfehlt haben). Vor allem aber suggeriert er eines: es ist Selbstsucht, nicht ins Werk einzutreten, umgekehrt setzt ins Werk einzutreten absolute Selbstlosigkeit voraus, irgendwelche Wünsche mitzubringen oder Ansprüche zu stellen, verträgt sich nicht damit, "Werkzeug" im Werk zu sein. Menschen werden hier wie Marionetten in den Händen Gottes betrachtet, was sich mit einem gesunden Gottesbild nicht verträgt. Tatsächlich sind die Mitglieder des Werkes Marionetten in den Händen ihrer Verantwortlichen.


Gott hat uns das Leben hier auf Erden gegeben, damit wir aufgrund der gnadenvollen Vorherbestimmung und Auserwählung zu seinem ‚Werk‘ seine Werkzeuge seien. Er hat uns gerufen, durch unser Leben im Dienst an der Einheit für viele ein Wegweiser zu Christus zu sein. Denn er vermag den Menschen zu erlösen und zu retten, der in Selbstsucht gefangen lebt und so weder den wahren Frieden, der dem Worte Gottes entströmt, noch die wahre Freude kennt.

Julia Verhaeghe

Die drei Pfeiler. Ideal und Realität.

Die drei Pfeiler

Ideal und Realität


Die Mitglieder des ‚Werkes’ müssen sich bewusst bleiben, dass sie ihre Berufung in der Kirche und für die Kirche nur in der Kraft der drei göttlichen Tugenden verwirklichen können. Sie öffnen sich für jene Gnade, die Mutter Julia das Licht der ‚drei Pfeiler’ nennt: ‚Vergessen wir nie, dass die ‚drei Pfeiler‘ ein drängender Aufruf sind, den Glauben, die Hoffnung und die Liebe zu leben’. Dadurch werden die Berufenen von der unerlösten Ichgebundenheit befreit, erneuern ihr Denken und werden fähig, ihre Auserwählung zum ‚Heiligen Bündnis’ in Einheit mit Gott und untereinander zu leben. (...) Die Gnade der „drei Pfeiler“ leben, heißt für sie: ‚Im Frieden des Glaubens das Leben wagen, ohne egoistisch in Gedanken um sich selbst zu kreisen. In Freude auf Gottes Vorsehung vertrauen, ohne sich auf fruchtlose Diskussionen und Wortgefechte einzulassen. In Dankbarkeit und Liebe dienen, ohne durch lieblose Kritik der Einheit zu schaden (J.Verhaeghe).                                                            - Konst. I,1

Dieser Text handelt von den drei Pfeilern, der Grund-Maxime des Werkes. Die drei Pfeiler sind das Mittel, mit dem die Mitglieder des Werkes manipuliert werden. Die Rede ist von einer Art Bekehrung, genauer von einer "Mentalitätsbekehrung", die Mitglieder und Assoziierte des Werkes durchlaufen müssen. Tatsächlich handelt es sich dabei um Denk- und Redeverbote, um eine umfassende Anonymisierung und Instrumentalisierung von Menschen im Dienst an einer Ideologie, die es sich zum Ziel gesetzt hat, das ganze "Gottesvolk" zu erreichen:    

Unsere Bekehrung und unsere Heiligung müssen dazu beitragen, den Abfall im Gottesvolk aufzuhalten, wo immer es möglich ist, und die schmerzliche Agonie des Mystischen Leibes zu lindern.

 - Zitat Verhaeghes im 2. Kapitel der Konstitutionen, Anm. 25.

Die drei Pfeiler. Das Ideal.


Die drei Pfeiler sind eine Art "Übersetzung" der drei göttlichen Tugenden: Glaube, Hoffnung und Liebe. Im Werk werden sie umgeformt zur Maxime: nicht räsonieren, nicht diskutieren, nicht kritisieren. Es sind Prinzipien, die höchste geistige Selbstverleugnung verlangen und höchsten inneren Frieden verheißen: glauben, hoffen und lieben anstatt um sich selbst zu kreisen, alles zigmal zu überdenken, endlos zu diskutieren und immer und überall herumzukritisieren, einfach akzeptieren, was gesagt und verlangt wird, die Dinge einfach annehmen und tun. Einfach zu vertrauen, sich wie ein Kind in die Obhut jener zu begeben, die die Gemeinschaft leiten, aus einer scheinbar so übersteigert kritik- und diskussionssüchtigen Gesellschaft herauszutreten und innerlich still zu werden, einfach zu glauben und zu tun, was einem gesagt wird - das verheißt inneren Frieden und das kann eine große Faszination ausüben.


Die drei Pfeiler. Beobachtungen.

Jeder einigermaßen nüchterne Zeitgenosse wird mit unmittelbarer Skepsis auf die Maxime "nicht räsonieren, nicht diskutieren, nicht kritisieren" reagieren. Die Parallelen zur Propaganda menschenverachtender Regime drängen sich allzu sehr auf, sodass wirklich das Gefühl aufkommen kann, die drei Pfeiler wären gewissermaßen aus den Lehren von Lenin, Stalin, Mao und Hitler destilliert. Wo Denken, Nachdenken, offene Diskussion und Kritik verboten werden, werden Menschen nicht nur ihre fundamentalsten menschlichen Grundfreiheiten genommen, es ist auch davon auszugehen, dass diejenigen, die diese Verbote erdacht haben und sie durchsetzen, diese Unfreiheit ausnutzen, dass das von ihnen errichtete System nur solange bestehen kann als die Menschen darin es auch tatsächlich nicht wagen, selbst zu denken, zu diskutieren und ihre Kritik offen auszusprechen.

Besonders bitter ist, dass die "drei Pfeiler" vorgeben eine Auslegung der drei göttlichen Tugenden zu sein. Tatsächlich sind sie eine fundamentale Umdeutung, eine Verkehrung der göttlichen Tugenden in ihr Gegenteil. Glaube, Hoffnung und Liebe setzen Freiheit und Beziehung voraus, sie werden erst dort möglich und blühen nur dann auf, wenn Menschen aus eigenem Entschluss, eigener Reflexion und eigenem Willen sie ergreifen. Glauben kann niemals das Resultat eines Denkverbots sein, genauso wenig wie Liebe das Ergebnis eines Kritikverbotes sein kann.

Dazu kommt: Was hier bedingungslos geglaubt, gehofft und geliebt werden soll, ist ja nicht mehr Gott selbst, sondern die Leitung des Werkes und ihre Anordnungen. Auch dies ist eine Parallele zu totalitären Regimen: angeblich geht es um eine Weltanschauung. Tatsächlich geht es um die Machtansprüche der Regierenden, die sich der Kontrolle durch ihre Untergebenen entziehen, um ein System völliger Unfreiheit und Kontrolle aufzubauen und aufrechtzuerhalten.

Der Willkür der Leitung ist damit Tür und Tor geöffnet. Unter Berufung auf Gott, an dessen Stelle die Verantwortlichen gegenüber den Mitgliedern der Gemeinschaft stehen, können sie alles verlangen, alles beurteilen, alles verschweigen ohne, dass dem einzelnen Mitglied eine Rechtfertigung dafür bliebe, die Dinge anders zu sehen, anders zu empfinden oder schlicht nicht zu verstehen. In den Augen Verhaeghes hat das einzelne Mitglied schlicht keinen Anspruch darauf, zu verstehen, was das Werk ist und worum es geht. Es soll auch nicht darüber nachdenken. Ihm bleibt nichts als dem Werk einfach zu "dienen":

Den Plan des ‚Werkes‘ können wir einzig und allein von Gott her verstehen. Er ist Leiter und Plan zugleich. Deshalb müssen wir alle eigenen Gedanken und Vorstellungen über ‚Das Werk‘ fallen lassen, um diesem göttlichen Plan dienen zu können. 

 - Zitate Verhaeghes, in: L. Scheffczyk, Wesensmomente des Charismas, Eigenverlag Das Werk. 


Die Mitglieder müssen alles bedingungslos hinnehmen. Während die Leitung alles von ihnen weiß und alle Fragen stellen darf, alles verlangen darf, ist für das Mitglied selbst schon das Nachdenken darüber (räsonieren) eine Sünde: mit unserem begrenzten menschlichen Verstand den Willen Gottes (d.h. den Willen der Verantwortlichen) begreifen zu wollen sei vermessen.

Wie extrem die drei Pfeiler umgesetzt werden, erfährt man erst in der alltäglichen Praxis im Werk, in dem tatsächlich ein subtiles System permanenter Angst und Kontrolle herrscht:

Des Räsonierens macht man sich schon schuldig, wenn man nachdenkt: über eine Anordnung, die man befolgen soll, über einen Entschluss des Rates, über einen Satz Verhaeghes. Man muss also noch nicht einmal den Mund auftun. Wenn jemand unter dem Verdacht steht, dass er eine Anordnung nicht verstehen kann, dass ihn das Gefühl quält, sie könnte falsch sein, dann wirft man ihm vor, dass er räsoniert. Das ist gleichbedeutend mit einem schwerwiegenden Vorwurf und kann quälend lange Gespräche mit den Verantwortlichen nach sich ziehen, denen gegenüber man sich rechtfertigen muss.

Des Diskutierens mach man sich schuldig, wenn man Fragen stellt, nachhakt, Alternativvorschläge macht. Auch diese müssen nicht ausgesprochen werden, es genügt, wenn man sie für sich selbst erwägt und ein Dritter das mitbekommt oder auch nur einen entsprechenden Verdacht hegt. Besonders schlimm ist das Vergehen natürlich dann, wenn man gemeinsam mit anderen Mitgliedern bzw. in ihrem Beisein, solche Fragen stellt. Dann muss man damit rechnen, von Verantwortlichen unmittelbar zur Rede gestellt, bedroht und evtl. bestraft zu werden.

Des Kritisierens macht man sich schuldig, wenn man von irgendetwas im Werk bewusst eine andere Ansicht vertritt. Auch das muss man noch nicht öffentlich tun. Es genügt, wenn man für sich allein der Ansicht ist, etwas oder jemand wäre verkehrt, hätte falsch entschieden oder gehandelt etc. Das Schlimmste von allem ist offene Kritk, insbesondere das "Austauschen von Kritik" unter Mitgliedern. Auch das kann nonverbal sein: ein Augenverdrehen ob einer zweifelhaften Äußerung eines Verantwortlichen genügt, um zur Rede gestellt und mit Strafen bedroht zu werden. Wird man erst beim Gespräch mit einem anderen Mitglied erwischt, kann man damit rechnen, in stundenlangen Gesprächen  zur Rede gestellt, bedroht, bestraft, evtl. auch versetzt zu werden und unter verschärfter Beobachtung zu bleiben.  

Mitglieder des Werkes erfahren all das täglich. Die Maxime geht ihnen in Fleisch und Blut über. Die geistige Enge, die Angst vor Rügen und die Willkür der Verantwortlichen ist für sie normal geworden. Dass es besser ist, keine Fragen zu stellen, ist selbstverständlich. Ex-Mitglieder erholen sich in der Regel erst langsam davon. Auch Jahre nach dem Austritt kann man sich noch bei der Frage ertappen: darf ich das denken?


Gebet um die Gnadengabe der Jungfräulichkeit


Jungfräulichkeitsgebet
Das Gebet um Jungfräulichkeit wird von den Religiosen des Werkes unmittelbar vor dem Schlafengehen gesprochen. Jeder betet es für sich allein in seinem Zimmer. Es soll vor unkeuschen Gedanken und Gefühlen schützen. Von diesem Gebet gibt es zwei Versionen, eine für Frauen und eine für Männer. Die nachfolgende Version ist die für die Männer. 

Das Gebet ist ein Beleg für das dualistische Menschenbild des Werkes, für das "Bindungen an Menschen und Dinge" "ungeregelt" und damit sündhaft sind, ebenso wie alles, was mit "Liebe", "Körper" und "Gefühl" zu tun hat. Die Mitglieder des Werkes beten mit diesen Worten insbesondere gegen sexuelle Bedürfnisse an, die sie für Versuchungen zu schwerer Sünde halten und die in der Logik des Werkes Folge von "Gefühlen" und "Bindungen" sind, sodass Menschen umso keuscher leben je weniger sie fühlen und Bindungen eingehen. Psychologisch betrachtet ist das Gegenteil der Fall, ebenso wie ein gezieltes Anbeten gegen sexuelles Verlangen dieses eher steigern als schwächen dürfte. 

Anstatt sich bewusst mit der eigenen Sexualität auseinanderzusetzen, offen darüber zu reden, echte Hilfestellungen und Orientierung zu erhalten, bekommen Mitglieder des Werkes ein schlechtes Gewissen vermittelt und werden einzig auf das Vorbild und die Fürbitte der Jungfrau Maria und des heiligen Josef verwiesen m.a.W. allein gelassen. Die Folgen können schwerwiegend sein, nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern auch für Menschen in ihrem Umfeld, für die sie aufgrund ihrer nicht integrierten sexuellen Bedürfnisse langfristig zur Gefahr werden können.


Herr Jesus Christus,
hilf mir, dankbar zu sein für die Gnadengabe der jungfräulichen Liebe.
Bewahre mich vor der Sünde 
und gewähre mir einen lauteren Geist, 
ein reines Herz 
und einen keuschen Leib.

Ich will auf die Stimme meines Gewissens hören 
und auf die Gnade des „Heiligen Bündnisses“ mit deinem Herzen vertrauen.

Hilf mir, ein heiliges Leben zu führen, 
frei von ungeregelten Bindungen an Menschen und Dinge.
Bewahre mich in inniger Verbundenheit mit der seligen Jungfrau Maria 
und mit dem heiligen Josef, der dir und deiner Mutter in reiner Liebe diente.