Was will dieser Blog?

Dies ist der Blog ehemaliger Mitglieder des "Werkes". Er enthält Geschichten, Tatsachen und Erfahrungen, die vom "Werk" sorgfältig verschwiegen oder geleugnet werden. Er sei jedem ans Herz gelegt, der mit dem "Werk" in Kontakt kommt.

Der soziale Abgott (Die Kirche in der Not unserer Zeit)

Wie der "Quälteufel" ist auch dieser Text Verhaeghes (Die Kirche in der Not unserer Zeit) streng geheim. Die wenigsten Mitglieder bekommen ihn überhaupt zu lesen. Dennoch werden alle im Geist dieses Textes "geformt". 

Der Humanismus und seine Ideale werden als die größte und gefährlichste Versuchung des Glaubens betrachtet, der durch eine Art Weltverschwörung überall verbreitet wird und der auch die Kirche vor allem im 20. Jh. weithin erlegen ist. Daher hätte sie sich schon weit von Gott und dem "wahren Glauben" entfernt und steht an der Schwelle zur Satansanbetung. Kirche und Welt befinden sich im Todeskampf. Die Mitglieder des Werkes sind auserwählt, ihr in dieser Situation beizustehen.

Das Werk sieht seine Aufgabe darin, die Kirche und den katholischen Glauben vom Humanismus zu reinigen. Nicht Mitmenschlichkeit, soziales Denken und Handeln fordert der christliche Glaube von uns, sondern das Handeln nach Gottes Willen. Übereinstimmungen zwischen beidem sind allenfalls zufällig. Wenn der Wille Gottes (der sich durch die Leitung der Kirche und des Werkes kundtut) verlangt gegen menschliches Mitgefühl zu handeln ist ihm unbedingt Folge zu leisten.

Dieser Maxime liegt offensichtlich ein un-menschliches Gottesbild zugrunde. Durch die Gleichsetzung des "Willens Gottes" mit dem der Oberen wird sie zusätzlich brisant: Mitleid mit anderen erscheint als "soziale Abgötterei" und eine Berufung auf das eigene Gewissen als ein Indiz dafür, dass man vom "humanistischen Glaubensverfall" infiziert ist. Grausames Handeln gegenüber Mitmenschen kann religiös gerechtfertigt werden, ja als gottgewollt erscheinen. Eine Maxime, die sich zerstörerisch auf jede Art von sozialem Zusammenleben auswirken muss, umso mehr auf das in einem hierarchisch strukturierten Institut.

Dass dieser Text Das Werk angreifbar macht, ist der Leitung der Gemeinschaft durchaus bewusst. Deswegen hält sie ihn vor dem Großteil ihrer eigenen Mitglieder zurück, damit er nicht an die Öffentlichkeit gelangt.

[Im Folgenden veröffentlichen wir uns vorliegende Ausschnitte aus: Das Werk in der Not unserer Zeit. Hervorhebungen stammen von uns]


O ewiges Licht, bleibe bei uns, denn es ist dunkel geworden und Nacht herrscht auf dieser Welt. Wir leben als Berufene in dieser Zeit, um des göttlichen Erbarmens willen werden wir aufgefordert, am Todeskampf Deiner heiligen Kirche teilzunehmen im Jetzt, Hier und Heute. Du selbst hast im Charisma, das Du ins Leben gerufen und dem Du die Ausrichtung gegeben hast, die Art und Weise dieser Teilhabe bestimmt. Mögen wir stets in Treue zu Dir befunden werden, der Du uns gegeben bist. Du hast uns ohne eigenes Verdienst Deine unendliche Barmherzigkeit geoffenbart durch dieses ewige Licht, das Du, Herr, selber bist und das Du durch Dein Kommen auf Erden hast aufleuchten lassen. Amen. [WNZ 7f]

Inmitten unserer Welt von Verbündeten, nicht nur in Sachen Krieg, sondern auch auf geistiger, wissenschaftlicher, kultureller und wirtschaftlicher Ebene, bleibt es ein Gnadenstrahl Gottes, daß wir aufgerufen sind, aus einer Mentalität, die nur auf dem Humanen gründet, herauszutreten. Darum habe ich diesen 'sozialen Gott' auch den 'humanistischen Gott' genannt. Es sind zwei Namen für ein- und denselben Abgott, für dieselbe teuflische Inspiration, welche die Kirche und den Glauben zu schwächen und die Geister zu verfinstern trachtet. [...]
'Sie vertauschten die Herrlichkeit des unverfänglichen Gottes mit dem Abbild der Gestalt von vergänglichen Menschen, von Vögeln, Vierfüßlern und Gewürm (Röm 1,23)'. Dieses 'Abbild der Gestalt von vergänglichen Menschen', worüber der heilige Paulus spricht, ist für viele in unseren Tagen der Mensch selbst geworden: sie beten sich selbst an, ihren eigenen Intellekt und Verstand, die Mitmenschen oder die Mitmenschlichkeit. Obwohl dies alles begründet zu sein scheint, ist es ein großer Irrtum, der Geist und Herz der Menschen verfinstert und gefangen hält und dem einzig wahren Gott die Huldigung stiehlt. Es ist die sublimste Form der Abgötterei und die letzte Brücke zur Anbetung Satans selbst. [WNZ 31f]

Auf vielen Ebenen wird bewußt oder unbewußt an einer 'neuen Weltordnung' und 'Welteinheit' mitgearbeitet, die weder die von Gott gedachte, noch die von ihm gewollte Weltordnung ist. Sie entspringt diesem sozialen und humanistischen Abgott, der auf sublime Weise die Menschen betrügt und durch Lügen in Verwirrung bringt. So stellen sie das 'Gefühl der Einheit und Zusammengehörigkeit' über die 'Einheit in der Wahrheit', die von Gott für alle Völker und Zeiten in Christus Jesus geoffenbart wurde, der am Höhepunkt der Menschheitsgeschichte gekommen ist. [WNZ 32f]






Apostolische Visitation beendet

Die Apostolische Visitation des "Werkes" ist Mitte Dezember 2014 abgeschlossen worden. Die Ordenskongregation wird demnächst auf der Grundlage der vorliegenden Dokumente entscheiden, ob und welche Maßnahmen ergriffen werden sollen. Eine amtliche Bekanntmachung der Entscheidungen wird es vermutlich nicht geben.

Sexueller Missbrauch von Minderjährigen im Werk

Priester J. Corstjens missbrauchte immer wieder junge Mädchen. Er lud sie zu Einkehrtagen im "Werk" ein und nutzte die Gelegenheit, Mädchen zu vergewaltigen. Immer wieder betäubte er sie zu diesem Zweck. Dabei genoss er das Vertrauen der Eltern der Mädchen. Die Leitung der Gemeinschaft hat zu diesen Vorfällen keine Stellung genommen.

Apostolische Visitation in Kürze beendet

Im Sommer 2012 haben einige Ex-Mitglieder des "Werkes" ihre Erfahrungen während ihrer Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der Kongregation für die Institute des geweihten Lebens mitgeteilt. Daraufhin wurde im Herbst desselben Jahres vom Heiligen Stuhl eine Apostolische Visitation angeordnet, d. h. eine außerordentliche Untersuchung durch einen Sonderbeauftragten des Papstes "zur Feststellung und Behebung von Mängeln" (LKR 997). Es handelte sich hierbei nicht um eine routinemäßige Angelegenheit, sondern um eine außerordentliche Untersuchung aus gegebenem Anlass.

Inzwischen hat der Visitator die Gemeinschaft gründlich untersucht und sich Zeit genommen mit beinahe allen Mitgliedern des "Werkes" in verschiedenen Ländern persönlich zu sprechen. Darüberhinaus hat er auch Ex- Mitglieder getroffen und ihnen ausführlich zugehört. Das von ihm gesammelte Material hat er in einem Bericht zusammengefasst und der Religiosenkongregation übergeben. Es obliegt nun der Kongregation Maßnahmen im Blick auf das "Werk" zu treffen. Sobald die Kongregation ihre Entscheidungen fällt, ist die Visitation abgeschlossen.

Aufgrund der rezenten medialen Aufmerksamkeit haben sich weitere Ex-Mitglieder gemeldet, die bisher noch keinen Kontakt mit dem Visitator hatten. Auch ihre Erfahrungen werden nun an die Kongregation weitergeleitet und fließen noch in die laufende Visitation mit ein.


Beitrag über "Das Werk" im ORF

Am Sonntag, den 9. November wird in der Sendung "Orientierung" ein Beitrag über "Das Werk" ausgestrahlt. Unter anderem sprechen dort zwei ehemalige Mitglieder der Gemeinschaft über ihre Erfahrungen. Ein Priester des Werkes nimmt zu den Vorwürfen Stellung.

Warum hast du dich nicht gewehrt?

Wer aus dem Werk (oder ähnlichen Gruppen) ausgetreten ist und seine Erfahrungen aufarbeitet, bekommt oft eines zu hören: Warum hast du dich nicht gewehrt? Warum bist du nicht früher gegangen? Der Einzelne fragt sich das vor allem selbst: warum habe ich mir das alles solange gefallen lassen? Warum habe ich ihnen vertraut?

Grundregeln sozialer Interaktion ausgehebelt


Auf diese Frage gibt es keine leicht nachzuvollziehende Antwort. Der Grund dafür, dass es beinahe unmöglich ist, sich aus diesen Gruppen zu befreien, auch und gerade dann, wenn sie einem schaden, liegt darin, dass grundlegende Regeln sozialer Interaktion in Gruppen wie dem Werk ausgehebelt sind.

Dazu gehören insbesondere persönliche Freiheiten, wie: die Legitimität eigener Ziele, die Artikulation eigener Wahrnehmung, freie Kommunikation und persönliche Beziehungen, Denk- und Redefreiheit. - Aber auch so grundlegende Dinge wie Besitz, Selbstorganisation, Freizeit. In gesunden Verhältnissen sind diese Freiheiten selbstverständlich vorausgesetzt und (weitgehend) gewährleistet. Im Werk gibt es sie nicht. Das wird allerdings nicht direkt formuliert (sonst würde ja niemand dort eintreten und kaum jemand das Werk verteidigen), sondern es gibt eine spirituelle Umdeutung, eine Ideologie, die diese Entrechtung und Abhängigkeit des Einzelnen verschleiert.

M. a. W.: Im Werk herrscht eine eigene Logik. Es herrschen andere Ideale, andere Gesetze, andere Mechanismen, die alle die Opfer rechtfertigen, die das einzelne Mitglied bringen muss, die Kritik an der Leitung unmöglich machen, die Widerstand nicht aufkommen lassen.

Praktisch bedeutet das: das einzelne Mitglied hat so gut wie keine Möglichkeit, sich zu wehren, wenn ihm direkt oder indirekt geschadet wird.

Ein Beispiel


Ein Beispiel kann das verdeutlichen: eine junge Schwester, die eine hervorragende Matura abgelegt hat und gerade erst eingetreten ist, arbeitet seit ihrem Eintritt täglich zehn Stunden in der Küche, unterbrochen nur von Mahlzeiten (bei denen sie "ausschöpfen" muss) und den Gebetszeiten, zu denen sie auf kürzestem Wege von der Küche in die Kapelle gerade noch rechtzeitig kommt, um hinterher direkt wieder in die Küche zurückzueilen. Sie ist ständig übermüdet, hat keine freie Zeit (außer die Sonntagnachmittage, an denen sie mit den anderen Schwestern geistliche Vorträge hören muss) und fast keinen Kontakt zu ihrer Familie mehr.

Warum wehrt sie sich nicht? Wie könnte sie sich wehren?

1. Sie wird sich nicht wehren, weil sie gar nicht merkt, dass ihr Unrecht geschieht.
Sie ist glücklich. Sie denkt nicht daran, dass ihr Leben als Schwester anders aussehen könnte bzw. müsste. Manchmal vermisst sie vielleicht ihre Familie. Aber sie wischt jeden negativen Gedanken sofort weg. Ihr Vertrauen in ihre Verantwortlichen ist vollkommen. Ihr Bewusstsein, sich Gott ganz hingeschenkt zu haben, berauscht sie. Sie glaubt an das Ideal der "bedingungslosen Hingabe" und weiß sich, weil sie alles hingegeben hat, besonders von Gott geliebt. - Sie denkt nicht im Traum daran, dass ihre "Verantwortlichen" Pflichten ihr gegenüber verletzten, dass sie ein Recht auf Urlaub und auf eine ihren Begabungen entsprechende Ausbildung hat. Sie unterscheidet nicht zwischen dem Willen Gottes und dem Willen ihrer Verantwortlichen. Sie hat schon mit ihrem Eintritt alle eigenen Ziele und Überlegungen aufgegeben. Kurz: Sie ist bereits dabei, grundlegende soziale Kompetenzen zu verlieren: sie identifiziert sich so vollständig mit der Gruppe, dass sie ihre eigenen Emotionen nicht mehr richtig wahrnimmt und ausdrückt (Müdigkeit/Erschöpfung, Sehnsucht nach ihren Eltern).

2. Sie wird gut behandelt.
Vielleicht spürt sie doch, dass sie übermüdet ist und teilt das ihrer Verantwortlichen mit. Ihre Verantwortliche reagiert "verständnisvoll" und erlaubt ihr, am nächsten Tag bis um 6:30 "auszuschlafen". Sie ist dankbar (der klitzekleine Gedanke, dass "ausschlafen bis um 6:30" lächerlich ist, dringt kaum bis in ihr Bewusstsein vor - das würde sie niemals über die Lippen bringen). Ihre Mitschwestern, die tapfer "durcharbeiten" können, erscheinen ihr nun noch bewundernswerter. Sie will keinesfalls hinter ihnen zurückbleiben, sondern sich und vor allem ihrer Verantwortlichen beweisen, dass sie genauso hingabebereit sein kann. Ihr wahres Glück besteht schließlich darin, eine "gute Schwester" zu sein. Wenn die Müdigkeit bleibt, wird sie um jede Stunde mehr Schlaf extra nachfragen müssen. Das wäre ihr zu peinlich... und tatsächlich: sie fühlt sich bald nicht mehr so müde! Tatsächlich bleibt ihre Erschöpfung bestehen, sie spürt sie aber nicht mehr. Sie hat den Kontakt zur ihren eigenen Emotionen verloren.

3. Sie wird vertröstet.
Vielleicht denkt sie aber auch, dass sie nicht dafür Matura gemacht hat, um dann Tag für Tag in der Küche zu stehen. Und vielleicht traut sie sich sogar, ihrer Verantwortlichen diesen Gedanken mitzuteilen. Und tatsächlich: ihre Verantwortliche reagiert auch jetzt "verständnisvoll": Wir wissen, dass du sehr begabt bist und du kannst sicher sein, dass wir deine Begabung brauchen. Gott hat Großes mit dir vor. Betrachte deine Arbeit in der Küche als Vorbereitung auf deine zukünftigen Aufgaben. - Vielleicht traut sie sich sogar zu fragen, wann sie denn etwas anderes tun darf und was. Dann wird sie als Antwort bekommen: das wissen wir selbst noch nicht, aber Gott wird es zu seiner Zeit zeigen. - Damit ist sie zufrieden. Gott selbst und dass er durch die Verantwortlichen spricht, kann sie nicht in Frage stellen, denn das ist die Grundlage ihrer Berufung.

4. Sie muss noch viel lernen.
Vielleicht ist sie aber noch viel selbstbewusster und sagt ihrer Verantwortlichen nicht nur, dass sie übermüdet ist und für andere Aufgaben besser geeignet wäre, sondern wundert sich auch, dass sie überhaupt in die Küche gesteckt worden ist und wagt es, direkt nachzufragen, warum und wie lange noch. Wenn sie eine erfahrene Verantwortliche hat, wird die auch jetzt noch "verständnisvoll" reagieren (obwohl sie beunruhigt sein wird). Ihr wird dann signalisiert, dass es normal ist, dass sie das jetzt empfindet, sie ist ja auch gerade erst eingetreten und muss noch viel lernen. Das geweihte Leben bedeute bedingungslose Hingabe und nur in dem Maß, in dem man seine eigenen Wünsche bereit ist aufzugeben, wird man darin glücklich. Solche Dinge wie Müdigkeit, Erholung, Matura, Begabungen treten dahinter zurück, sie werden relativ. Dass sie glaubt, wegen ihrer Matura nicht in der Küche stehen zu sollen, verrät nicht nur mangelnde Demut, sondern vor allem rein menschliches Denken  (und wer weiß, wenn sie sich bewährt hat, könne man ihr ja in Zukunft durchaus andere Aufgaben anvertrauen). Auch in der Küche geschehe im Verborgenen Großes und Gott könne man nur an dem Platz dienen, an den er einen stellt. Allein Gott dienen mache wahrhaft glücklich alles andere ist Schein-Glück etc. - Wenn sie ein gewisses Maß an Vertrauen gegenüber ihrer Verantwortlichen hat und es sich mit ihr nicht verscherzen will, wenn sie an ihre eigene Berufung glaubt, wird sie sich vermutlich zumindest vorerst darauf einlassen, es wenigstens zu probieren, ihre "eigenen Wünsche und Gedanken" aufzugeben. Kurz: sie riskiert, eine grundlegende soziale Kompetenz zu verlieren: eigene Ziele zu verfolgen.

5. Sie muss sich bekehren/ wird vom Teufel versucht/ist eine Gefahr für Das Werk.
Vielleicht geht sie aber auch ganz anders vor und teilt ihre Zweifel nicht der Verantwortlichen mit, sondern spricht mit jemand anderem darüber, mit einer Mitschwester, ihren Eltern oder Freunden von früher. Die Mitschwester wird sich diesem Kommunikationsversuch verweigern und sie mehr oder weniger streng ermahnend an ihre Verantwortliche verweisen. Ihre Eltern und Freunde werden schockiert sein. Alle möglichen Ansprechpartner werden sich aber höchstwahrscheinlich an die Leitung des Werkes wenden, in jedem Fall wird ihre Verantwortliche erfahren, dass sie mit Dritten gesprochen hat. Nun ist ihre Verantwortliche alarmiert. Sie reagiert nicht mehr verständnisvoll, sondern irritiert. Ja, sie ist von der Schwester enttäuscht, die so wenig Vertrauen zeigt. Wenn sie nicht lerne, sich an die Grundregeln des Gemeinschaftslebens zu halten (von denen die erste ist, dass man Zweifel nur mit dem persönlichen Verantwortlichen bespricht), dann könne sie auf Dauer nicht im Werk bleiben und man müsse sie wegschicken. Damit setze sie ihre eigene Berufung aufs Spiel, die für sie der einzige Weg zu Gott und damit zum Glück ist. Ob sie denn nicht merkt, dass es der Teufel war, der sie zu diesem Verhalten verführt hat, weil er ihre Gottesbeziehung zerstören will? Alles, was ihre Berufung im Werk gefährdet, zerstört auch ihr Glück. - Solange sie das glaubt, wird sie sich kaum wehren können, im Gegenteil: sie wird erschrocken sein, weil ihr nicht bewusst war, was für einen schrecklichen Fehler sie gemacht hat. In Zukunft wird sie alle Fragen allein mit ihrer Verantwortlichen besprechen. Sie will ihr Lebensglück nicht aufs Spiel setzen.

Die einzige Möglichkeit: das Ganze in Frage zu stellen.


Wie könnte sich jemand im Werk also wehren? Im Grunde besitzt er nur eine einzige Möglichkeit, nämlich die Zurückweisung des gesamten ideologischen Überbaus. Dies stellt einen unmöglichen Kraftakt dar. Jeder hat schließlich einen Grund, aus dem er eingetreten ist. Und je mehr man dafür aufgegeben hat, je mehr gefühlt davon abhängt, dass man diese Berufung hat und sie verwirklichen kann, desto unmöglicher ist es, sie in Frage zu stellen.

Es gibt eine ganze Reihe Mitglieder im Werk, die große Zweifel an der Leitung der Gemeinschaft, an der Kompetenz ihrer persönlichen Verantwortlichen, an der Spiritualität und dem Selbstverständnis des Werkes hegen. Auch wenn die meisten nur kleine Einblicke in die Leidensgeschichten ihrer Mitbrüder und Mitschwestern haben und längst nicht das ganze Ausmaß der Verantwortungslosigkeit ihrer Leitung kennen. Aber kaum einer wird ernsthaft an seiner Berufung und am "Charisma" des Werkes zweifeln. Sie bleiben, weil sie glauben, dass Gott will, dass sie im Werk sind und weil sie hoffen, dass das Werk sich zum Besseren verändern kann.

Dieser Glaube an die eigene Berufung und an das "Charisma" des Werkes ist absolut unangreifbar. Die Frage, ob Gott mich vielleicht zu etwas anderem berufen haben könnte, und mehr noch die Frage, ob das Charisma wirklich "die Antwort Gottes auf die Not unserer Zeit" ist, sind tabu. - Oft auch noch Jahre nach dem Austritt.


Wie schafft man es, zu gehen?


Die Loslösung vom Werk hängt nicht davon ab, dass man zuerst den Glauben an das Werk ganz aufgibt. Das ist - wie oben beschrieben - praktisch unmöglich. Vielmehr sind vom Werk unabhängige Referenzpunkte die Bedingung für eine Loslösung vom Werk. Nur wenn es "da draußen" noch etwas oder jemanden gibt, zu dem das Mitglied Vertrauen fassen kann, kann die ideologische Käseglocke durchbrochen werden und der Einzelne seine Freiheit wiedererlangen.

Solche Referenzpunkte sind in erster Linie Menschen, aber auch Medien und Orte, die als Träger einer "heilsamen Atmosphäre" einen Hintergrund bilden, vor dem das eigene Leben im Werk überhaupt erst als bedrückend erfahren werden kann. Diese Referenzpunkte müssen sich ihrer Rolle für die Emanzipation des Mitgliedes nicht bewusst sein. Es ist sogar besser, wenn sie nicht aktiv versuchen, das Mitglied vom Werk zu lösen (das könnte es als beängstigend empfinden und sich erneut manipuliert fühlen). Es genügt, wenn sie da sind und dem Mitglied ein anderes Lebensgefühl vermitteln. Wichtig ist, dass es selbst Subjekt seiner Befreiung wird, und Ansprechpartner da sind, sobald es selbst beginnt über seine Erfahrungen im Werk und einen möglichen Austritt zu sprechen.

Sobald der Austritt ernsthaft erwogen wird, braucht das Mitglied aktive Unterstützung von außen. Es benötigt eine möglichst sichere und unaufgeregte Umgebung für die allererste Zeit nach dem Austritt und eine gute Alternative für ein "Leben danach", eine berufliche Option, finanzielle Sicherheit und vor allem ein soziales Netz, das es auffangen kann. Ein "guter" und sicherer Ausstieg ermöglicht eine konstruktive Auseinandersetzung mit der Zeit im Werk, eine relativ rasche Wiederaneignung von sozialen Schlüsselkompetenzen und Selbstsicherheit und den Wiedereinstieg in ein "normales" selbstbestimmtes Leben. Gott sei Dank schaffen auch viele, die diese Hilfe nicht in dem eigentlich benötigten Umfang zu Verfügung haben, diesen Übergang. Wir hoffen aber, dass alle, die den Mut haben, sich aus dem Werk und ähnlichen Gemeinschaften zu befreien, die Hilfe finden, die sie brauchen. Denken Sie dabei auch an Ansprechpartner, die wir auf unserer Linkliste anführen.









Brief eines Verantwortlichen an einen Novizen

Wer in Das Werk eintritt, bekommt eine/n Verantwortliche/n als persönliche Begleitperson an die Seite gestellt. Äußere Leitung und geistliche Begleitung verwischen. Als Novize ist man ganz auf diese eine Person orientiert, schreibt ihr Berichte, beantwortet ihre Fragen, legt das eigene Innenleben offen und gehorcht ihren Anweisungen, immer im Glauben, dadurch die eigene Berufung besser kennenzulernen und im geistlichen Leben zu "wachsen".

Tatsächlich ist die Ausbildung und Begleitung im Werk sehr manipulativ. Im Fokus stehen nicht die Persönlichkeit, die echten Probleme und Begabungen des einzelnen Novizen, sondern allen werden dieselben vermeintlichen Probleme aufgedrängt, v.a. eines, das "zu menschliche Denken" (der Verstoß gegen das Prinzip der drei Pfeiler). Für alle gilt das eine Ziel: dem eigenen Denken und der eigenen Wahrnehmung misstrauen lernen, um bedingungslos der Leitung des Werkes zu vertrauen und vor keinem Opfer zurückzuschrecken.

Gleich mit welcher Frage, mit welchem Problem, mit welcher Erfahrung der einzelne Novize sich an seinen Verantwortlichen wendet, er wird immer dasselbe zu hören bekommen: du denkst noch zu menschlich, vertraue uns und tu, was wir dir sagen, bringe Opfer, sei leidensbereit und gib dich bedingungslos hin, dann wird alles gut. Dabei wird er auf die Bündnisgnade und andere Begriffe aus dem Hausjargon verwiesen.

Ein Beispiel für diese manipulative Strategie ist ein in vieler Hinsicht völlig gewöhnlicher und typischer Brief, wie Mitglieder des Werkes sie ständig von ihren Verantwortlichen erhalten (man beachte Satzbau und Orthographie):


Lieber fr. ...!

Es drängt mich, auf diese Weise noch das Eine oder andere zu unserem Gespräch von der vergangenen Woche hinzuzufügen.

Der Christ ist zu grossem berufen. In und durch Christus vermag der die "Welt zu besiegen" (Joh 16). ...  Nun bist Du durch die Bündnisgnade unter anderem auf den Punkt hingeführt worden, Deine Vorstellungen über das WIE grosses zu vollbringen läutern und reinigen zu lassen. ... Das ist eine not-wendende Läuterung, damit Du von den all zu menschlichen Vorstellungen darüber erlöst werden kannst. Ich meine damit das Wirken Gottes, das das, was gut in diesen Vorstellungen war, bewahrt und entwickelt und das, was nicht seinem Plan entspricht, auszuschneiden oder umformen zu lassen.

Lass es jetzt einfach geschehen. Aus der wahren Armut wird die zu Grossem fähig machende HOFFNUNG geboren. Das gehört zum Herzstück unserer Berufung.

Was Deine Sicht auf die Situation von Kirche und Welt angeht möchte ich nur hinzufügen, dass die Verantwortlichen fast durch die Bank das kennen, von dem Du gesprochen hast. Das macht tiefer "eins".

Du hast Dich in den vergangenen Jahren bemüht, Dich abzuhärten, damit Du für den Kampf gewaffnet bist, soweit dies menschlich möglich ist, die richtigen Vorkehrungen zu treffen. Anbei ist ein Text von Mutter [Anm. d. Red.: es handelt sich um Absterben], der in sehr deutlicher Sprache die hohen Forderungen ausspricht, um sich im guten Kampf auf eine höhere Stufe desselben vorzubereiten. Meditiere diesen Text. Ich würde mich freuen, wenn Du mir im Februar den einen oder anderen Punkt aus dem Text nennen könntest, den Du in Deinem Leben und "Training" aufgenommen hast. Es geht hier um die tiefe Läuterung der Sinneswelt, über die wir vieles in und aus der Welt aufnehmen.

Ich wünsche Dir eine gesegnete Prüfungszeit.

Im "Heiligen Bündnis", der Quelle all dessen, was wir brauchen, um die Berufung leben zu können, vereint

P. ...


Absterben

Viele Texte Verhaeghes dokumentieren ihr dualistisches Welt- und Menschenbild. Sie unterscheidet zwischen dem "rein Menschlichen" und dem "Übernatürlichen". Nur Letzteres führt zu Gott, alles Menschliche dagegen führt von Gott weg, ja mehr noch: es wird zum Einfallstor des Teufels.

Der folgende "Brief von Mutter Julia an eine Mitschwester von 1946 oder 1947", der bis heute als "Betrachtungstext" für die Mitglieder der Gemeinschaft verwendet wird, veranschaulicht diese Maxime mit einer erschreckenden Detailliertheit. Was bleibt von einem Menschen übrig, der diese Anweisungen befolgt? Wer sich selbst derart abgestorben ist wird dadurch Gott nicht näher kommen. Er wird vielmehr zu einem willenlosen Werkzeug in der Hand Verhaghes bzw. ihrer Nachfolger(innen). Die "Liebe", die das Ergebnis einer solchen Abtötung ist, verdient den Namen nicht.

[Unterstreichungen und Fettdruck wie im Original]


Aus einem Brief von Mutter Julia an eine Mitschwester von 1946 oder 1947

Die Sinne sind: das Gehör, das Sehvermögen, der Geschmack, das Gefühl.

* Stirb Deinem Gehör ab im Hinblick auf den Genuss von Lob und Schmeichelei, sowie im Hinblick auf das Hören von Gesang, Musik und nutzlosen oder banalen Gesprächen.

* Stirb Deinem Sehvermögen ab im Hinblick auf die Befriedigung der Neugier sowie im Anschauen oder Betrachten von Menschen und Dingen, ebenso beim Lesen von Schriften und Büchern, Plakaten, Zeitungen, Zeitschriften u.s.w.

* Stirb Deinem Geschmacksempfinden ab in der Lust an Speise und Trank (Ernährung), in der Kleidung aus geschmacklichen und ästhetischen Gründen, in [der Empfindlichkeit für] angenehme und unangenehme Düfte oder Gerüche

* Stirb Deinem Gefühl ab in allen Neigungen zu Frohsinn und Trübsal, in Schmerz und Qual, in Beifall oder Widerstand, in körperlichem, materiellem oder geistigem bzw. geistlichem Besitz oder Empfinden.

Ich glaube, hiermit genügend Dinge zur Abtötung der sinnlichen Neigungen angeführt zu haben. Strebe mit Großmut danach, Dich abzutöten oder freizumachen von diesen sinnlichen Neigungen, damit Du, ganz losgelöst von Dir selbst und an Dir selbst, eifrig werden kannst, Gottes Gegenwart zu empfangen und in Dir zu tragen. Vollziehe das Absterben und die Loslösung an Dir selbst, nicht an anderen. Indem Deine Abtötung stärker an Gott und auf Gott hin ausgerichtet ist, wird Deine Selbstanforderung und Selbstzucht zu einer guten, milden und weitherzigen Zuvorkommenheit für den Mitmenschen und Mitbruder aufblühen. Dadurch wirst Du tugendhaft werden im Üben der Liebe.