Was will dieser Blog?

Dies ist der Blog ehemaliger Mitglieder des "Werkes". Er enthält Geschichten, Tatsachen und Erfahrungen, die vom "Werk" sorgfältig verschwiegen oder geleugnet werden. Er sei jedem ans Herz gelegt, der mit dem "Werk" in Kontakt kommt.

Morgengebet

Morgengebet

Mit diesem Gebet beginnen die Religiosen des Werkes jeden Tag. Der Text zeigt das für das Werk typische negative Menschenbild: es ist viel von menschlicher Schwachheit, sündiger Natur, Unvermögen und Unvollkommenheit die Rede. Dagegen erscheint der Glaube als eine von außen kommende unwandelbare objektive Größe, der der Einzelne in seiner Schwachheit sich unterwerfen muss. 
Es scheint so, als ob der vermeintlich von Gott gewollte "Wandel" des menschlichen Fühlens und Denkens und die Prüfungen, von denen hier die Rede ist, auf die Erfahrungen anspielen, die ehemalige Mitglieder einmütig bezeugen: Manipulation, psychischer Druck durch Verantwortliche, Gehirnwäsche, Demütigungen. Was es bedeutet, jeden Tag mit diesem Gebet, mit den Worten über die eigene sündige Natur und die zu erwartenden Prüfungen zu beginnen, mag man sich kaum vorstellen.


Herr Jesus,
wir danken dir für diesen neuen Morgen und alles, was wir heute aus deiner gütigen Hand erwarten dürfen. Wir beten dich an als Herrn und Meister unseres Lebens und danken dir für die Licht bringende Gabe des heiligen Glaubens. Schenke uns eine tiefe Ehrfurcht und ein reines Gespür für unsere Mitverantwortung im Hinblick auf alles, was diesen Glauben betrifft.

Lehre uns erkennen, dass sich der Glaube in liebevolles Vertrauen verwandeln muss, um ausharren zu können und fruchtbar zu sein. Mache uns vertraut mit der großen Kraft unseres heiligen Glaubens, aber auch mit der Schwachheit unserer menschlichen Natur gegenüber dieser deiner göttlichen Gabe, damit wir in der Erkenntnis und Erfahrung unseres Unvermögens wachsen in gläubiger Hingabe an dich, den Quell der Barmherzigkeit und Güte.

Wenn sich im Laufe der Jahre unser Denken und Fühlen - nicht aber der heilige Inhalt des Glaubens - wandelt und unsere menschliche Schwachheit beim Verwirklichen desselben immer mehr in Erscheinung tritt, lehre uns dann, Herr, diese Unvollkommenheit im Lichte deiner Vorsehung zu sehen und den in uns sich vollziehenden Wandel anzunehmen als ein Eingreifen deiner Barmherzigkeit in unsere sündige Natur.

Hilf uns in den Prüfungen, die das Wachstum unseres Glaubens mit sich bringen kann, standhalten, damit unser Glaube, reifend in innerer Einfachheit und Freude, von einer Form zur anderen voranschreite nach deinem ewigen Plan, den du mit uns hattest, als du uns berufen hast, ganz und ungeteilt, dir anzugehören und dir nachzufolgen.

Möge uns so das Einswerden mit dir, das du uns als Frucht des Glaubens schenken willst, fähig machen, in Friede und Dankbarkeit der Einheit zu dienen und sie zu deiner Ehre und Verherrlichung aufzubauen. Lass uns so die Verfügungen deines heiligen Willens, an die wir uns in unserem "Heiligen Bündnis"freiwillig gebunden haben, täglich verwirklichen.

Mutter Maria, steh uns bei in diesem Wachstum des Glaubens, damit wir ihn so leben wie du und den Ruf deines Sohnes, unseres Herrn, nach deinem Vorbild vollkommen beantworten. Amen.


Dualismus

Sowohl Beinert als auch Weiß nennen Dualismus als ein Merkmal fundamentalistischer Gruppierungen. Dualismus bezeichnet eine Weltsicht, die die Realität aus zwei einander entgegengesetzte Prinzipien ableitet (Materie und Geist, Gut und Böse, o.ä.).

Das Werk lehrt (entgegen seiner eigenen Auffassung) tatsächlich ein klar dualistisches Welt- und Menschenbild.


Das dualistische Menschenbild des Werkes

Im Werk werden menschliche Empfindungen, Bedürfnisse und Handlungsweisen als "rein menschlich" bezeichnet. Was "rein menschlich" ist oder als "rein menschlich" betrachtet wird, steht in dieser Auffassung dem göttlichen Wirken entgegen. Es muss erst "geläutert" werden, damit der Mensch Gott wohlgefällig wird. Entgegen dem klassischen Prinzip "gratia supponit non tollit naturam" (Gnade hebt die Natur nicht auf, sondern setzt sie voraus), lehrt Verhaeghe, dass das Menschliche erst weggenommen (bzw. je nach Zitat "ausgerissen", "vernichtet", "zerstört") werden muss, bevor Gott in der Seele wirken könne.

Diese Lehre bewirkt in der Praxis das, was ehemalige Mitglieder als "Gehirnwäsche" erlebt haben: die eigene Persönlichkeit, die Gefühle, die persönliche Geschichte und Wahrnehmung, Wünsche und Ängste, werden in der Formung nicht positiv aufgenommen, sondern ignoriert bzw. ausgeredet und als sündhaft, egoistisch, falsch, verdorben abgelehnt und prinzipiell nicht gelten gelassen. Gerade die urmenschlichsten Bedürfnisse wie Freundschaft und Zuneigung, Wissen, Erfolg, Anerkennung, Privatsphäre, gelten als besonders gefährlich. Als Mitglied des Werkes darf man das alles nicht wollen. Dagegen wird man auf den Bereich des "Übernatürlichen" verwiesen: man müsse lernen die Dinge "übernatürlich" zu sehen, "übernatürlich" fühlen und denken zu lernen, d.h. nach keiner menschlichen Freundschaft und Liebe verlangen, weil Gottes Liebe genügt, keine Anerkennung suchen, sondern lieber gerne das Kreuz tragen, kein Wissen anstreben als die "Weisheit des Kreuzes" etc.

Tatsächlich gibt es ohne das natürliche menschliche Fundament aber auch kein "übernatürliches". Auch geistliche Erfahrungen, Einsichten und Lernprozesse bauen auf der eigenen "Natur", der Persönlichkeit, Wahrnehmung und Erfahrung des Einzelnen auf. Wer niemals aus tiefster Seele einen Menschen geliebt hat, wird auch Gott nicht wirklich lieben können, wer "menschliches" Wissen und das Interesse für die Natur und die Welt verachtet, wird auch keine geistliche Erkenntnis gewinnen etc. Wer sich selbst tatsächlich nur als sündhaft und dem Wirken Gottes entgegenstehend begreift und daher alles eigene Denken, Wollen und Wünschen ausblendet, hat sich nicht - wie er meint - für Gott geöffnet, sondern hat tatsächlich Gott alle Zugänge zur eigenen Person versperrt. Er entwickelt sich nicht mehr, weder geistig noch geistlich. Was er im Sinne des Werkes für "übernatürliches Denken" hält, meint dann im Werk in der Tat: gar nicht mehr denken, keine eigenen Überlegungen und Erfahrungen zulassen, sondern schlicht und einfach alles so anzunehmen und wiederzugeben, wie die Leitung des Werkes es vorgibt.

Das dualistische Menschenbild des Werkes bringt unreife, gehemmte und skrupulöse Menschen hervor.


Das dualistische Weltbild des Werkes

Das Werk teilt die Welt ziemlich klar in Gut und Böse ein. Der Bereich des Guten ist (in Abstufungen) Das Werk, die katholische Kirche und Menschen, die entsprechend der Morallehre der Kirche leben (insbesondere bzgl. der Sexualmoral: wer also bspw. Enthaltsamkeit vor der Ehe praktiziert oder auf Verhütungsmittel verzichtet). Der Bereich des Bösen ist "die Welt", ihr entspricht (wieder in Abstufungen): wer nicht im Werk ist, wer nicht katholisch ist, wer nicht nach der Morallehre der Kirche lebt (wiederum insbesondere nicht nach der Sexualmoral der Kirche).

Das Böse wird überall gesehen. Es ist ein persönliches Prinzip: der Böse, der (verglichen mit der eher kleinen Rolle, die ihm in der Bibel oder in Äußerungen des Lehramts beigemessen wird) große Bedeutung und Macht zu haben scheint. Er hat Macht auch über Mitglieder des Werkes (vgl. Der Quälteufel), v.a. ist er schon sehr weit in die Kirche vorgedrungen, was sich besonders an der Krise seit dem Konzil zeigt. In erster Linie aber ist er in der "Welt" tätig, sie erscheint als sein eigentlicher Machtbereich, wo er von den ihm verfallenen Menschen unbemerkt sein Unwesen treibt und sie alle in die Sklaverei der Sünde zwingt. Man kann fast alle Texte Verhaeghes so lesen, dass sie aus dieser Perspektive geschrieben sind.

Auf der Grundlage dieses dualistischen Weltbildes blühen im Werk eine ganze Reihe an Verschwörungstheorien und Verfolgungsängsten auf. Bestimmte "Strömungen" erscheinen als so böse und gefährlich, dass das Werk bzw. einzelne Mitglieder in eine regelrechte Panik verfallen, weil sie darin unmittelbar den Bösen am Werk sehen, bis dahin, dass sie meinen darüber "aufklären" und sich vor ihnen "schützen" zu müssen. Das sind v.a.: Freimaurerei, Relativismus, Liberalismus (insb. liberale Theologie), Gender-Mainstreaming, Kommunismus, Feminismus, Islam(ismus), Judentum, Esoterik, u.a.m. Diesen Gruppen wird alles zugetraut, bis dahin, dass sie das Werk heimlich abhören und es vernichten wollen. Um sich vor ihnen zu schützen, wird zunächst die direkte Berührung damit vermieden, dann "informiert" man sich darüber aus den einschlägigen "Informationsquellen" des Werkes (Kath.net, Gabriele Kuby, Karl Wallner u.ä.) und schafft sich ein Bild der Bedrohung, das dann weiterverbreitet wird. Um sich generell vor Angriffen und Verfolgungen zu schützen, die von jeder dieser "Strömungen" jederzeit ausgehen kann, schottet man sich ab, verwendet in Briefen, mails und am Telefon eine teils verschlüsselten Sprache, vernichtet sämtliche Schriftstücke oder schließt sie sicher weg, sorgt dafür, dass so wenig Information wie möglich "nach draußen" kommt und schärft den eigenen Mitgliedern permanent ein, dass sie aufpassen müssen, was sie "draußen" sagen. So entsteht eine Atmosphäre bedrückender Angst.

Alles in allem ist der Dualismus wohl das prägendste und bedrückendste Phänomen am Fundamentalismus des Werkes.



Dankgebet für das Charisma

Dankgebet

Dieses Dankgebet, das im Werk jeden Sonntag gebetet wird, zeigt den Kult um Verhaeghe, die als "Trägerin des Charismas", "Mutter", "Braut Christi" und Heilerin der Kirche gesehen wird. Ein eindeutiger Beleg für den Führerkult im Werk. Verhaeghe wird nicht nur völlig unkritisch glorifiziert, sie ist auch das personifizierte "Charisma", der höchste Maßstab für die Identität und das Wirken der Mitglieder des Werkes.


Barmherziger und gerechter Gott,
wir danken dir für die Gnade des "Heiligen Bündnisses" mit dem Herzen deines Sohnes.
Wir danken dir für das Charisma des "Werkes" und für das Leben unserer lieben Mutter.
In der Kraft deiner Gnade hat sie auf den Ruf deiner erwählenden Liebe freudig geantwortet und dir und dem Charisma des "Werkes" selbstlos gedient.

Du hast ihr Herz entzündet mit bräutlicher Liebe zu Jesus Christus, deinem vielgeliebten Sohn,
und mit mütterlicher Liebe zu vielen,
damit das Werk der Erlösung in ihnen wachse.

Ihr Leben hast du zu einer Opfergabe gemacht, die dich verherrlicht "im Geist und in der Wahrheit"
und die Kirche auferbaut, "damit alle eins seien".

Du hast ihr und uns allen die Sendung anvertraut,
für die übernatürliche Schönheit der Kirche Zeugnis abzulegen,
ihre geistliche Fruchtbarkeit zu fördern und zur Heilung ihrer Wunden beizutragen.

Lass das Werk des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe unserer Mutter
in der geistlichen Familie des "Werkes" und in deiner Kirche reiche Frucht tragen.

Hilf uns, mit lauterem Herzen die Botschaft ihres Lebens zu hören,
und ihrem Beispiel zu folgen.

Bewahre in uns eine große Liebe zu ihr,
stärke unser Vertrauen, dass sie uns nahe bleibt und uns mit ihrem fürbittenden Gebet begleitet.

Dir, o Gott, sei Lob und Ehre in alle Ewigkeit. Amen.

Sektiererische Gruppen in der Kirche

In Frankreich haben ehemalige Mitglieder vierzehn verschiedener sog. "neuer Gemeinschaften"(communautés nouvelles) einen Appell an die französische Bischofskonferenz gerichtet.

Als Mitglieder bei den Seligpreisungen, Point-Coeur, den Memores Domini, CL, den Legionären Christi, Opus Dei u.a. sind sie Opfer sexuellen und geistlichen Missbrauchs geworden, der durch die Selbstinszenierung des Gründers bzw. der Oberen, der dadurch erzeugten Abhängigkeit und des erzwungenen Schweigens herbeigeführt und geheim gehalten wurde. Sie fordern, dass diesem Machtmissbrauch innerhalb neuer geistlicher Gemeinschaften von Seiten der kirchlichen Leitung konsequenter als bisher nachgegangen wird, um junge Menschen vor ihnen zu schützen.

Der Vorsitzende der französischen Bischofskonferenz, Georges Pontier, hat diesen Appell positiv beantwortet und unterstreicht die Bedeutung der geistlichen Freiheit, die in allen Formen kirchlichen Lebens gewährleistet sein muss. Im Namen aller Bischöfe zeigt er sich verletzt und schockiert angesichts er Missachtung der Gewissensfreiheit in diesen neuen Gemeinschaften. Wie der Figaro schreibt, hat die Kirche damit erstmals offiziell anerkannt, dass es sektiererische Gruppen in ihrer Mitte gibt. Die meisten von ihnen wurden innerkirchlich bisher als "Blüten der Neuevangelisation" betrachtet.

Der Apell

Artikel in La Croix

Artikel in Le Figaro

Einheit und Familiengeist


Dieser Text Verhaeghes ist ein typischer "Betrachtungstext": er wird aus dem Kontext genommen, auf ein Din A4 Blatt gedruckt und den Mitgliedern einen Tag lang, etwa an einem "Einkehrtag" überlassen. Oft müssen sie dann einen "Bericht" darüber verfassen, in welcher Weise sie sich von diesem Text "im Gewissen berührt" fühlen.

Auch inhaltlich ist der Text in vielerlei Hinsicht typisch. 
1) Das Werk als der Mystische Leib Christi? Verhaeghe spricht von Paulus und seinen Worten über die Kirche, den Mystischen Leib Christi, den sie "gesehen" habe - und sie sagt wortwörtlich, dass das Werk den Mystischen Leib "darstellen" muss. - Das soll es anscheinend tun, indem es den Anspruch dieser Metapher vollkommen erfüllt: Einheit um jeden Preis. 
2) Vollkommene Unterordnung. Verhaeghe spricht von Einheit, gegenseitiger Ergänzung und Familiengeist. Scheinbar schätzt sie die Vielfalt der Begabungen, ihr eigentliches Anliegen ist aber, den Einzelnen in den Dienst des Ganzen zu stellen, er muss sich einfügen. Der Text, der dem "Familiengeist" gewidmet ist, ist in Wirklichkeit überwiegend ein Appell zur Unterordnung. "Liebe" ist in diesem Zusammenhang nichts mehr als eine "reine Tugend", die mit zwischenmenschlicher Begegnung und persönlicher Beziehung nichts mehr zu tun hat. Damit zwingt Verhaeghe die Mitglieder gerade in jene Schein-Einheit, die sie eigentlich verurteilt. Die Mitglieder sollen ja gerade nicht nur so 'tun als ob' sie gerne dem "Ganzen" dienen und "alle eins" sind, das heißt aber in der Realität: sie sollen sich nicht nur äußerlich den Interessen des Werkes unterordnen, sondern müssen ihr ganzes Sein und Wollen den Interessen des Werkes unterordnen - dies ist in Wahrheit ein ungeheuerlicher Anspruch.

Ich habe den Mystischen Leib als ein Ganzes gesehen, nicht in Teilen. Wir müssen den Mystischen Leib darstellen durch unser Einssein. Gott hat wohl an alle etwas, Teile, von seinen Gaben gegeben, wenn ich mich so ausdrücken darf. Ich verstehe es im Sinn des heiligen Paulus, wenn er über die Verschiedenheit der Gaben und über die Einheit in der Verschiedenheit spricht. Doch eines hat Gott uns ganz und ungeteilt gegeben: seine Liebe. In der Liebe müssen wir fähig werden, die Gaben, die wir als Teile eines Ganzen empfangen haben, ineinander fließen zu lassen. 
Der heilige Paulus lehrt uns, wie die einzelnen Glieder ihre je eigene Aufgabe zu erfüllen haben und im Dienst des Ganzen stehen. Das ist die wahre, fruchtbare Einswerdung. Dann ist unsere Einheit auch eine Wirklichkeit, die im Innern lebt und nicht nur Schein nach außen ist. Schein-Einheit ist ein freundliches Getue. So etwas ist weit entfernt vom Zusammenströmen in der Tugend, vom gegenseitigen sich Absprechen und vom Ineinanderströmen in der Liebe. Wir müssen lernen, gemeinschaftlich zu denken und zu arbeiten und nicht nur für sich allein zu arbeiten und zu denken. 
Dieses "Für-sich-allein-sein-Wollen" war der Untergang vieler Gemeinschaften in der Kirche. Es baut den Familiengeist nicht auf. In einer Familie geht doch auch das mehr Persönliche der Eltern, im Maß des Wachstums eines jeden, auf die Kinder über. Darum wurde der Familiengeist von Beginn des "Werkes" an so stark betont und wird die Formung daraufhin orientiert, da es in unserer Zeit einen solchen Mangel an Familiengeist gibt.

-  Julia Verhaeghe, 25.01.1981

Selbstverleugnung

Dieser Text ist eine Sammlung verschiedener Zitate Verhaeghes, die vermutlich größtenteils aus Briefen stammen, die sie der Gemeinschaft jeweils in der Fastenzeit geschrieben hat. Verhaeghe unterstreicht Selbstverleugnung, Opferbereitschaft und Abtötung als notwendige Bedingung, um Gott zu gefallen und ein geistliches Leben zu führen. Dabei werden diese Haltungen undifferenziert als Läuterung der sündhaften menschlichen Natur, als "Lösung aus der Ichgebundenheit, die aus der Erbsünde kommt", verstanden.

Diese im Werk oft zur Betrachtung verwendeten und vorgetragenen Texte zeigen ein Stück weit die unmenschliche Spiritualität des Werkes, die darin besteht, das menschliche Ich an sich, in seinem Streben nach Erfüllung und Genuss zu verteufeln und den absoluten Verzicht nicht nur zum (unmöglichen) Ideal, sondern gar zur Bedingung des geistlichen Lebens zu machen Die individuelle Entfaltung von Menschen wird auf diese Weise unterdrückt, Menschen werden in ihrem Glücksstreben gebrochen und zu einem permanenten schlechten Gewissen verurteilt.

Mitglieder des Werkes, die dieses Ideal verinnerlicht haben, sind im eigentlichen Sinn des Wortes selbst-los geworden: sie sind ohne besondere Eigenschaften, ohne eigene Wünsche und Bedürfnisse, leicht verfügbare, anspruchslose, sich selbst gegenüber gleichgültige Arbeitskräfte im Dienst der Leitung des Werkes...

Die Selbstverleugnung, die Entsagung und die Abtötung sind ein notwendiges Gut auf dem Weg des Glaubens, um Jesus nachfolgen zu können. Sie sind wie drei Pfeiler, die miteinander verbunden sind, einander stützen und ergänzen…

Ja, Jesus erhob die Selbstverleugnung zum unentbehrlichen Grundsatz für seine Jünger. Wie könnten wir es wagen, an dieser Bedingung zu rütteln oder Einwände gegen sie vorzubringen … Nein, das wollen wir nicht tun, wie immer man auch in unseren Tagen darüber urteilen mag! … Jesu Wort bleibt ewig und unabänderlich wahr in seiner Echtheit und in seinem Inhalt.

Wie sehr möchte ich euch alle in eurer Lebensberufung im ‚Werk‘ glücklich wissen! Darum kann ich nicht aufhören, euch stets auf diese Bedingung – die Selbstverleugnung – hinzuweisen. Wer danach lebt, wächst im Glauben und in der Kenntnis der Gnade; er erfährt Jesu Wirken in ihm selbst und in seinen Werken. Er nähert sich Jesus in einer stets innigeren Vereinigung und wird fruchtbar im Dienste des Herrn.

Selbstverleugnung, Entsagung, Abtötung sind drei verschiedene Dimensionen der Selbsthingabe.

Das Opfer ist ein notwendiges Gut auf dem Wege der Bekehrung. Christus ist uns darin vorangegangen, damit wir wissen sollten, dass das wahre Leben wiedererrungen werden muss durch den guten Kampf, der uns die Selbstverleugnung, die Entsagung und die Abtötung auferlegen. Wir müssen diesen guten Kampf führen gegenüber der Sünde, den Neigungen zum Bösen und den Untugenden, welche wir in uns und um uns herum als Folgen der Erbsünde erfahren, die in jedem von uns wirksam sind.

Seien wir doch nicht so ängstlich angesichts des Opfers und des guten Kampfes: sie führen uns zum wahren Leben und zur Erlösung, sie lösen uns aus den Fesseln der Ichgebundenheit, in der wir alle wie in einem Kerker gefangen sind!

Geliebte, in dieser Fastenzeit bitte ich den Herrn für euch alle, dass sein Wort euch tiefer ergreife, damit sich euer Wille entschieden auf ihn ausrichte, im Glauben, in Opferbereitschaft, in großmütiger Selbstverleugnung und Entsagung. Auf diese Weise könnt ihr dem Herrn eure Dankbarkeit für die Gabe des Glaubens und für die Gnade der Berufung zum Ausdruck bringen. Durch sie seid ihr zu Trägern seines Lichtes für die Kirche in unserer Zeit vorherbestimmt, um vielen Seelen in seinem Namen Licht und Heil zu bringen und viele zur Auferstehung in Christus zu führen durch euren Glauben in seinem Dienst, einem Glauben, aus dem ihr in Tugend und voll Eifer lebt.
Julia Verhaeghe

Moralismus


Beinert nennt Moralismus als Merkmal fundamentalistischer Gruppen. Werbick verwendet hierfür den Begriff "Systemangst": zwanghaftes Sicherheitsbedürfnis und Skrupulosität.
Moralismus drückt sich dabei durche folgende Phänomene aus:

- alle Dimensionen des Lebens, insb. des zwischenmenschlichen Umgangs und des gesellschaftlichen Zusammenlebens werden vornehmlich bzw. ausschließlich unter moralischem Gesichtspunkt betrachtet (Politik, Wirtschaft, Arbeit, Freizeit, Krankheit, Bildung, Essen, Kleidung etc.). Die "Auswüchse" des Moralismus nehmen dabei z.T. groteske Züge an.
- moralische Normen sind nicht verhandelbar.
- hinter der Verabsolutierung der moralischen Normen steht der Versuch, Deutungshoheit über die komplexe Vielfalt moderner Lebensentwürfe und gesellschaftlicher Entwicklungen zu gewinnen.
- Alle Handlungen werden in gut und böse eingeteilt, "Graustufen" dabei nicht gelten gelassen.
- persönliche Entscheidungen und Einzelsituationen werden kompromisslos nach scheinbar objektiven moralischen Normen beurteilt.
- es gibt eine Art "Moralpolizei", die die Einhaltung der Normen überwacht. Verstöße werden sanktioniert.
- die moralischen Normen werden von einer Institution vorgegeben, die dadurch ihren Autoritätsanspruch und Eingriffsrechte in das Leben ihrer Mitglieder sichert.


Im "Werk" herrscht ein ausgeprägter Moralismus. Dieser ist vermutlich der spürbarste fundamentalistische Zug der Gemeinschaft. Es ist der fundamentalistische Zug des Werkes, der Außenstehenden zuerst auffällt, da er spürbar alle Dimensionen des Lebens der Mitglieder beherrscht und ihre "missionarische" Tätigkeit gegenüber Dritten maßgeblich bestimmt.


Beispiele des typisch "werksmäßigen" Moralismus:

- Kleidung. Sie wird von Mitgliedern des "Werkes" entweder als "anständig" oder "anstößig" (im Sinne von aufreizend bzw. "unmännlich" oder "unweiblich") betrachtet.
Schwestern des Werkes tragen eigentlich Zivil. Tatsächlich gibt es aber einen ungeschriebenen Kleiderkodex, demzufolge sie immer wadenlange Röcke und weite Blusen in gedeckten Farben tragen müssen, dazu Nylonstrumpfhosen. Frauen, die als Assoziierte zum Werk gehören müssen ebenfalls Röcke tragen  - selbst die Töchter in den "Katakombenfamilien" werden dazu aufgefordert, sich dem Kleidungsstil der "Schwestern" des Werkes anzupassen. Hosen, kurze Röcke, Spaghetti-Träger, "nackte Beine", Bade-Kleidung, figurbetonende bzw. einfach nur gut aussehende Kleidung gilt als unmoralisch.

- Arbeit. Arbeit ist dem "Werk" zufolge entweder demütig/selbstlos oder "ich-gerichtet".
Sie wird also nicht nach ihrer Effektivität beurteilt, sondern praktisch ausschließlich nachdem Grad an Selbstüberwindung, die sie kostet. Je mehr Selbstüberwindung sie kostet und je weniger Selbsterfüllung sie dem Einzelnen gibt, je stiller und ausdauernder er sie dennoch erfüllt, desto höheren moralischen Wert besitzt sie. Je mehr Befriedigung sie dem Einzelnen bringt und je mehr persönliche Initiative er einbringt, je mehr er sie selbst in die Hand nimmt, desto mehr steht sie unter dem Verdacht "unmoralisch" zu sein. Das gilt besonders dann, wenn der "Spaßfaktor" und der "persönliche Gewinn" direkt und offen angestrebt wird. So handeln bspw. Mütter und Ehefrauen, die eine Arbeitsstelle suchen um durch das Ausüben ihrer beruflichen Qualifikation persönliche Erfüllung zu finden, in jedem Fall unmoralisch (moralisch handelten sie in den Augen des "Werkes" nur, wenn es ihnen keine persönliche Erfüllung bringt und sie es aus Not tun oder um in ihrer Arbeit missionarisch tätig zu sein, und dabei trotzdem ihrer "Pflicht" nachkommen die Hauptlast in Hausarbeit und Kindererziehung zu tragen).

- Zwischenmenschliche Kontakte. Beziehungen können dem "Werk" zufolge nur entweder selbstlos und damit tugendhaft oder persönlich bereichernd und damit nicht tugendhaft sein. "Tugendhafte" Beziehungen sind ideologisch verwertbar, die anderen sind es nicht und gelten als gefährlich. D.h. jede Beziehung, die um ihrer selbst willen geführt wird, ist unmoralisch. Jede Beziehung, die um der "Sache" willen geführt, also missionarisch instrumentalisiert wird, ist moralisch.

- grundsätzlich: jede Handlung, die um ihrer selbst willen vollzogen wird oder weil sie als persönlich bereichernd erfahren wird, gilt als tendenziell unmoralisch. Jede Handlung, die um des Werkes willen vollzogen wird, obwohl sie als persönlich nicht bereichernd evtl. gar als belastend erfahren wird, gilt als moralisch wertvoll.

Moral als alles beherrschendes Prinzip: Der Moral sind alle anderen Werte untergeordnet: Gesundheit, Ästhetik, Vernunft etc. gelten ihr gegenüber als zweitrangig.
Es ist bspw. unmoralisch bei Tisch die Speise zu wählen, die einem am besten schmeckt - man isst ja nicht, weil es schmeckt, sondern, um bei Kräften zu bleiben und "dienen" zu können: Geschmack muss der Moral weichen.
Es gilt als unmoralisch, das eigene Zimmer so zu gestalten oder die eigene Kleidung (innerhalb der strengen Regeln) so zu wählen, dass man persönlich Gefallen daran findet - man richtet sich ja nicht ein oder her, um sich wohl zu fühlen, sondern, um "ordentlich" zu sein und möglichst "anständig" zu wirken. Ästhetik muss der Moral weichen.
Es gilt als unmoralisch, sich den Tischnachbarn zu wählen, mit dem man sich besonders gut versteht - man hat menschliche Kontakte ja nicht zur persönlichen Bereicherung, sondern zum Nutzen des Werkes - Beziehungen werden abstrakten moralischen Normen untergeordnet.
Es gilt als unmoralisch, sich um die eigene Gesundheit zu sorgen, "nur" weil man Krankheit und Schmerzen fürchtet - die Sorge um die eigene Gesundheit ist allein insofern legitimiert als ein Krankheitsfall eine Belastung der Gemeinschaft wäre - Gesundheit wird der Moral untergeordnet.

Moral als Herrschaftsprinzip. Ähnlich wie im Militär, in dem das fein verästelte Netz unzähliger Vorschriften den einzelnen Rekruten praktisch in einen Zustand ständiger Bestrafbarkeit versetzt, ist es auch im Werk: jedes Mitglied steht ständig unter dem Verdacht, unmoralisch zu handeln. Die Mitglieder kontrollieren sich gegenseitig, teils aus naiver ehrlich gemeinter Sorge um die "moralische Integrität" der anderen, teil aus Neid und Missgunst, teils auf Anordnung der Vorgesetzten hin, die auf die Mitarbeit der "einfachen" Mitglieder angewiesen sind, um alle unter Kontrolle zu haben.
Jeder kann im Prinzip ständig eines Vergehens überführt werden, jeder weiß sich ständig beobachtet, keiner ist frei. D.h. auch: jeder ist auf das Wohlwollen seiner Vorgesetzten angewiesen und wird alles tun, um nicht aufzufallen oder sich unbeliebt zu machen. Tut man das doch, muss man damit rechnen, "bestraft" zu werden, etwa in dem man einen unliebsamen Auftrag bekommt oder weit weg versetzt wird. In jedem Fall muss man damit rechnen, "verhört" zu werden, also lange und zermürbende Gespräche mit den Verantwortlichen führen zu müssen, denen gegenüber es praktisch unmöglich ist, das eigene Handeln zu rechtfertigen.

Moral als Weltanschauung. Der Moralismus dient im Werk dazu die verwirrende, um nicht zu sagen beängstigende, Vielfalt moderner Lebensweisen zu deuten, ohne sich mit ihnen auseinandersetzn zu müssen. Unter Berufung auf die starren moralischen Normen des Werkes, die eine einseitige Verabsolutierung der katholischen Morallehre darstellen, sieht sich das Werk in der Lage, jedes Phänomen menschlichen Lebens und Handelns von vorneherein beurteilen, d.h. in gut und böse einteilen zu können. Damit bekommen die Mitglieder des Werkes ihre Verunsicherung angesichts eines für sie unverständlichen Wertewandels in den Griff und verschaffen sich selbst das Gefühl moralischer Überlegenheit.


Das Werk und John Henry Newman

Wie das Werk zu Newman kam und wie es mit ihm umgeht


Das Werk betreut seit Jahrzehnten mehrere Newman-Zentren, u.a. in Rom und Oxford und hat ein erstaunliches Netzwerk mit Verbindungen zu Newman-Forschern und Interessierten weltweit aufgebaut. Dabei ist das Werk nicht wirklich an Newman interessiert, sondern an Newman als einem "Seelenverwandten" Verhaeghes. Verhaeghe wurde in ihrer Jugend durch eine Anthologien-Sammlung auf Newman aufmerksam und las ihre eigenen Anschauungen in seine Aussagen hinein, eine Lesart seiner Texte, die bis heute von Mitgliedern des Werkes weitergeführt wird. Tatsächlich liegt nichts ferner: Newman schreibt in seinen meisten Schriften gerade gegen die Auswüchse jener Religiosität des 19. Jahrhunderts an, die das Werk anachronistisch wieder zum Leben erwecken will, die es pflegt und verteidigt.

Die Konsequenz sind Interpretationen von Newman's Schriften, die einer völligen Umdeutung  Newman's gleichkommen, und dies obwohl ca. die Hälfte der Dissertationen von Mitgliedern des Werkes sich mit Newman beschäftigen: Lutgart Govaert: Kardinal Newmans Mariologie und sein persönlicher Werdegang (Gregoriana 1973); Hermann Geißler, Gewissen und Wahrheit bei John Henry Kardinal Newman (Lateran 1991); Peter Willi, Sünde und Bekehrung in den Predigten und Tagebüchern John Henry Newmans (Innsbruck 1992); Kathleen Dietz, John Henry Newman and the Fathers of the Church (Angelicum 2007).

Aus diesem Grund wird dem Werk die wissenschaftliche Anerkennung von Seiten der deutschen John-Henry-Newman-Gesellschaft oder renommierter Newman-Forscher (wie bspw. Roman Siebenrock, Günter Biemer, Ian Ker) seit Jahren verweigert, das Verhältnis beschränkt sich auf Zusammentreffen bei internationalen Tagungen, bei denen das Werk versucht, für sich selbst zu werben und seinen promovierten Mitgliedern zur Vernetzung und Anerkennung zu verhelfen (Bsp: die Newman-Konferenz in Rom 2010). Anerkannte Newman-Forscher beteiligen sich an solchen Veranstaltungen, weil sie ihnen eine Plattform bietet. Das Werk profitiert seinerseits davon, da die "Newman-Arbeit" eine seiner letzten öffentlichen Plattformen und sein größtes Prestige-Objekt ist.

Wenn sie auch vor dem Wissenschaftler nicht bestehen, erscheinen die Ausführungen "studierter" Priester und Schwestern vor dem Laien seriös. Dabei sind sie oft schon unter rein logischem Gesichtspunkt unhaltbar. Das soll hier nur anhand zweier rezenter Beispiele veranschaulich werden, die im Grunde für sich selbst sprechen und keines weiteren Kommentars bedürfen, nämlich an einem Artikel von Hermann Geißler in der theologischen Zeitschrift communio und einer Predigt von Peter Willi.


Hermann Geißler, Das Zeugnis der Gläubigen in Lehrfragen nach Newman

Wie er [John Henry Newman] im 19. Jahrhundert die Reduktion der Kirche auf das institutionelle Gefüge anprangerte, so würde er heute wohl die Tendenz zur Einebnung der Unterschiede zwischen Laien und Hierarchie aufdecken. Ähnlich wie er seinerzeit darüber klagte, dass man dem Konsens der Gläubigen keine Bedeutung beimaß, würde er in unseren Tagen vielleicht bemängeln, wie manche in der Kirche vergessen haben, dass die Entscheidungen in Fragen des Glaubens und der Sitten einzig und allein der Hierarchie zukommt.
Hermann Geißler, Das Zeugnis der Gläubigen in Lehrfragen nach John Henry Newman, in: IkaZ 41 (2012), 678.

Newman machte deutlich, dass die Kirche nicht nur aus dem Klerus besteht, sondern Gläubige und Klerus zusammen die Kirche bilden. Geißler leitet daraus ab, dass er heute bedauern würde, wenn die Unterschiede zwischen Laien und Hierarchie eingeebnet würden. Newman setzte sich im 19. Jahrhundert für die  Beteiligung von Laien bei Entscheidungen in Fragen des Glaubens und der Sitte ein. Hermann Geißler leitet daraus ab, dass er sich im 20. Jahrhundert wohl dafür eingesetzt hätte, dass solche Entscheidungen "allein der Hierarchie" zukommen... Dahinter verbirgt sich nicht nur eine grobe (unbewusste oder gewollte?) Missinterpretation von Newman's Grundgedanken, sondern auch eine Missinterpretation der aktuellen kirchlichen Situation. Diese Missinterpretation verrät Angst vor den Laien, da ihr die aktuellen Möglichkeiten zur Beteiligung von Laien schon übertrieben und so gefährlich erscheinen, dass sie wünscht, Newman würde auf den Plan treten und sie "aufdecken".


Peter Willi, Newman's Ideal von Heiligkeit

Heilig werden bedeutet für Newman schlicht und einfach: Tun, was man als wahr erkannt hat, in die Tat umsetzen, was man als Pflicht, als Wille Gottes, als Wert erkannt hat. Er sagt einmal: „Ich möchte nur behaupten, dass unsere Pflicht in Handlungen besteht – Handlungen jeder Art, Handlungen des Geistes so gut wie der Zunge und der Hand; aber auf jeden Fall besteht sie aus Handlungen; sie besteht nicht unmittelbar in Stimmungen und Gefühlen.“ Taten bringen uns viel weiter voran als Wissen, Gedanken, Worte oder Gefühle. Werke des Glaubens und der Liebe aus der Kraft der Gnade
verwandeln den Menschen und formen ihn zum Heiligen.

Peter Willi, Newman's Ideal von Heiligkeit, Predigt "zum bevorstehenden Allerheiligenfest" Oktober 2013.

Newman versucht die Konzentration frommer Kreise im 19. Jahrhundert auf das "fromme Gefühl" zu überwinden, indem er ihm geistige und praktische Verantwortung und Engagement entgegenstellt. Peter Willi folgert daraus den Primat der Tat vor dem Wissen, Denken und Reden, - das hat Newman aber nicht nur nicht gesagt, er hat das Gegenteil gesagt: die Art von Taten, von denen Newman spricht schließt Denken, Reden und Wissen ein (Handlungen des Geistes so gut wie der Zunge). Willi zielt dagegen auf ein Grundprinzip des Werkes ab, das man in Newman's Schriften beim besten Willen nicht ausfindig machen kann und das konträr zu Newman's eigenem Handeln steht: Handeln "aus Glauben" und "aus Gnade" ohne vorher nachzudenken, ohne Wissen, ohne darüber zu diskutieren (siehe die drei Pfeiler).